Ekkehard Jost
- musicmakermark
- 26. Dez. 2025
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Deutscher Sopranino-, Alt-, Bass- und Baritonsaxofonist, Klarinettist, Bandleader und Musikwissenschaftler, geboren am 22. Januar 1938 im damals deutschen, heute polnischen Breslau. 1959 begann er ein Studium der Musikwissenschaft, Physik und Psychologie an der Universität Hamburg, das er 1965 mit der Promotion abschloss.

Von 1966 bis 1972 war Jost als wissenschaftlicher Assistent am Staatlichen Institut für Musikforschung Berlin tätig. 1973 habilitierte er mit einer Arbeit über den Free Jazz und wurde als Professor für Musikwissenschaft an die Justus-Liebig-Universität Giessen berufen.
Dort gründete er das Institut für Musikwissenschaft und Musikpädagogik und leitete den Studiengang Systematische Musikwissenschaft. Seine Schwerpunkte in Forschung und Lehre waren Musiksoziologie, Musik der Gegenwart, Akustik und Tonstudiotechnik.
Seine Habilitationsschrift gilt als erste musikwissenschaftliche Analyse des Free Jazz. Weitere Bücher beschäftigen sich mit der Sozialgeschichte des Jazz. Ab 1968 war er Mitglied im Wissenschaftlichen Beirat der Internationalen Gesellschaft für Jazzforschung.
Mit Albert Mangelsdorff war er im künstlerischen Beirat der Union Deutscher Jazzmusiker. Als Musiker war er bei vielen Aufnahmesessions mit dabei. Zusammen mit Studenten gegründet er die Formation Grumpff, die humoristisch gefärbten Avantgarde-Jazz mit populärer Musik und musiktheatralischen Aktionen vermischte.
Von Grumpff erschienen die Alben "Wetterau" (FMP, 1978), "Unhip Trip" (View, 1980) und "Ich weiss auch nicht, was los ist (Live In Der Fabrik)" (Wergo, 1981). Mit Dirk Huelst (ts), Herbert Hellhund (tp, flh, zither), Georg Wolff (b) und Joe Bonica (dm, perc) nahm er als Ekkehard Jost Quintet die LP "Carambolage" (View, 1984) auf.
Eine Duoaufnahme mit Günter "Baby" Sommer als DuOh! hiess "Die Dunkle Wolke" (Fish, 1988). Für "Camino Fatal" (Fish, 1990) wurde das Duo durch Dieter Manderscheid (b) zum Trio erweitert. "Amman Boutz" (Fish, 1989) war dazwischen eine Quartetteinspielung mit Herbert Hellhund (tp, flh), Dieter Manderscheid (b) und Joe Bonica (dm).
Diese drei Musiker waren auch Teil des 11-köpfigen Ekkehard Jost Ensembles, das "Weimarer Balladen" (Fish Music, 1992) aufnahm. "Cantos De Libertad" (Fish, 2006) war später eine zweite Aufnahme unter diesem Gruppennamen, allerdings in Nonettstärke und teilweise mit anderen Musikern.
"Von Zeit Zu Zeit" (Fish, 1993) und "Wintertango" (Fish, 1997) waren zwei Alben von Ekkehard Jost & Chromatic Alarm. Diese Formation bestand neben Jost aus Reiner Winterschladen (tp), Detlef Landeck (tb) sowie seinen langjährigen Begleitern Manderscheid und Bonica.
Aus dem selben Musikerkreis rekrutierte sich das Ekkehard Jost Nonet, das "Out Of Jost's Songbook" (Fish, 1994) vorlegte. Unter dem Namen der beteiligten Musiker Jost, Reiner Winterschladen (tp), Ewald Oberleitner (b) und Tony Oxley (dm) erschien "Deep" (Fish, 1997).
Die Doppel-CD "Some Other Tapes" (Fish, 1998) bestand mit einer Ausnahme aus bisher unveröffentlichten Aufnahmen diverser Formationen von Jost aus den Jahren 1987 bis 1997. Eine andere, reichlich disperse Compilation hiess "Das Weimarer Dreieck des zeitgenössischen Jazz" (Jazzwerkstatt, 2008).
Sie bestand aus einer CD und einer DVD mit unterschiedlichen Aufnahmen von Jost mit dem Friedhelm Schönfeld Trio und Zbigniew Namyslowski (as) sowie von Jost solo. Der Rest bestand aus Tracks des Friedhelm Schönfeld Trios, des Tomasz Stańko Quartets und des Marc Ducret Trios ohne Jost.
Mit Bob Degen (p), Manderscheid und Janusz Stefański (dm) nahm er als Ekkehard Jost Quartet "November Songs" (Fish, 2008) auf. Vom Ekkehard Jost Oktett stammte "Gesänge gegen den Gleichschritt (Politische Musik aus 5 Jahrhunderten)" (Fish, 2010).
Double Talk war ein Duo von Jost (bars) mit Reiner Winterschladen (tp), von dem "Achtundzwanzig Miniaturen" (Fish, 2014) erschien. Für "Estoy Depistado Como Un Pulpo En El Garaje" (Fish, 2015) holten Jost und Winterschladen noch Dieter Manderscheid (b) dazu. Das Trio nannte sich Double Talk Plus.
Free Spirits war eine Gruppe mit Uli Lenz (p), Dieter Manderscheid oder Gerhard Kubach (b) und Janusz Stefański (dm), die "Gut'n Tag, Vogel!" (Fish, 2016) vorlegte. "WinterReise" (Fish, 2016) war eine Aufnahme seines Quintetts Masters Of Turbosilence.
Ekkehard Jost verstarb am 23. März 2017 im Alter von 79 Jahren in Marburg.
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