top of page
  • musicmakermark

Miles Davis zwischen den beiden klassischen Quintett-Formationen

Aktualisiert: 22. Apr. 2023

Nach seiner Zeit bei "Prestige" und nach seinem ersten "Columbia"-Album "'Round Midnight" (1957) drängte das neue Label Davis dazu, den Faden der "Birth Of The Cool"-Aufnahmen erneut aufzunehmen. Auf "Miles Ahead" (Columbia, 1957) arbeitete er deshalb wieder mit Gil Evans zusammen.


Im Studio standen an diversen Tagen im Mai und August 1957 unter der Leitung von Davis und Evans nicht weniger als 20 Musiker, darunter mit Lee Konitz (as), Wynton Kelly (p) Paul Chambers (b) und Art Taylor (dm) nur wenige bekannte Namen. "Miles Ahead" war der Auftakt zu einer Art Third Steam-Trilogie.


Diese wurde mit "Porgy and Bess" (Columbia, 1959) fortgesetzt. Im Juli und August 1958 wurden erneut rund 20 Musiker versammelt. Abgeschlossen wurde die Trilogie mit "Sketches of Spain" (Columbia, 1960) mit dem Adagio des "Concierto de Aranjuez"von Joaquín Rodrigo als Kernstück. Bei den Aufnahmesessions vom November 1959 und März 1960 waren mehr als 20 Musiker beteiligt.


Von "Sketches Of Spain" wurden bis dato fast eine Million Exemplare verkauft. Beim Erscheinen stiess das Album bis auf Platz 13 der US-Jazz-Alben 200 vor. Einige spätere Alben schafften es dann sogar in die Billboard 200, wenn auch auf Plätze in hinteren Bereichen.


Für "Quiet Nights" (Columbia, 1963) taten sich Miles Davis und Gil Evans im Juli und November 1962 ein weiteres Mal zusammen. Die Stücke wurden in unterschiedlich grossen Besetzungen mit vielen Musikern, die schon bei den anderen drei Aufnahmen mitgewirkt hatten, eingespielt. Ein Track entstand im Quintett mit George Coleman (ts), Victor Feldman (p), Ron Carter (b) und Frank Butler (dm), einer Vorgängerformation seines zweiten klassischen Quintetts.


"Quiet Nights" enthielt lediglich 33 Minuten Musik, 27 Minuten von Orchestermusik. Die CD-Wiederveröffentlichtung von 1997 enthielt zusätzlich ein weiteres, knapp 13-minütiges Stück. Diese Mini-Suite hatte Gil Evans für ein Bühnenstück, dessen Musik vom Miles Davis Quintet sowie vier Blech- und drei Holzbläsern und einem Harfenspieler gespielt wurden.


Alle vier gemeinsamen LPs von Miles Davis mit Gil Evans sowie einige Alternate Takes, Aufnahmen von Rehearsals sowie teilweise bislang unveröffentlichtes Material wurden in Form der 6-CD-Box "Miles Davis & Gil Evans - The Complete Columbia Recordings" (Columbia, 1997) zusammengefasst.


Nicht dabei in diesem Set sind jene gemeinsamen Liveaufnahmen vom 19. Mai 1961, die als "At Carnegie Hall" (Columbia, 1962) und "Live Miles: More Music From The Legendary Carnegie Hall Concert" (Columbia, 1987) erschienen waren. Neben der Big Band enthalten diese LPs auch Aufnahmen des neuen Quintetts mit Hank Mobley (ts), Wynton Kelly (p), Paul Chambers (b) und Jimmy Cobb (dm).


Zudem hatte Miles Davis im Frühling 1958 mit dem Umbau seines bisherigen Quintetts in andere Gruppen mit wechselndem Lineup begonnen. Für "Milestones" (Columbia, 1958) fügte er im April 1958 zur klassischen Quintettbesetzung Julian "Cannonball" Adderly (as) als zweiten Saxofonisten hinzu. "Jazz Track" (Columbia, 1959) hiess eine Mischung aus bereits veröffentlichten und neuen Aufnahmen.


Bei den bereits veröffentlichten Aufnahmen handelte es sich um den in Frankreich auf einem 10"-Album herausgebrachten Soundtrack zum Film "Ascenseur pour l'échafaud" (Fontana, 1958), den Davis im Dezember 1957 mit Barney Wilen (ts), René Urtreger (p), Pierre Michelot (b) und Kenny Clarke (dm) aufgenommen hatte.


Die neuen Aufnahmen stammten vom Mai 1958 und zeigten Davis in Begleitung von Julian "Cannonball" Adderley (as), John Coltrane (ts), Bill Evans (p), Paul Chambers (b) und Jimmy Cobb (dm). Es handelte sich mehr oder weniger um die selben Formation, mit der er im März und April 1959 sein wohl bekanntestes Album "Kind Of Blue" (Columbia, 1959) realisierte.


Lediglich für ein Stück holte er an Stelle von Bill Evans mit Wynton Kelly einen anderen Pianisten dazu. Es war auch seine letzte offizielle LP mit Coltrane. Das Album wurde bis dato allein in den USA über 5 Millionen Mal verkauft, dazu mehrere 100'000 Mal im Rest der Welt. Das Album wurde dutzende Male wieder veröffentlicht.


Dazu wurden die Aufnahmen mit Bonus-Tracks und Live-Material zu einer Doppel-CD (Sony, 2008) aufgeblasen und zusammen mit einer DVD, einem Buch, einer LP und Memorabilia als Set verkauft. Auf den erwähnten Liveaufnahmen von Miles Davis und Gil Evans vom 19. Mai 1961 hatte Miles Davis auch sein neues Quintett mit Hank Mobley (ts), Wynton Kelly (p) und Paul Chambers (b) und Jimmy Cobb (dm) auftreten lassen.


Rund einen Monat zuvor waren zwei Auftritte dieser Nachfolgegruppe für das Davis/Coltrane-Quintett für die Doppel-LPs "In Person: Friday Night At The Blackhawk" bzw. "In Person: Saturday Night At The Blackhawk" (beide Columbia, 1961) mitgeschnitten worden. 2003 wurden die beiden Aufnahmen mit weiterem, bis zu diesem Zeitpunkt unveröffentlichtem Material dieser Konzerte angereichert und in Form von zwei Doppel-CDs bzw. als 4-CD-Box-Set neu herausgegeben.


Diese Gruppe bildete aber nur ein Intermezzo zum neuen Quintett, das rund drei Jahre später als zweites klassisches Miles Davis Quintet (Miles Davis Quintet-2) in die Geschichte einang. Im März 1961 nahm er mit dem damaligen Quintett, ergänzt teilweise durch John Coltrane (ts) oder mit Philly Joe Jones an Stelle von Cobb "Someday My Prince Will Come" (Columbia, 1961) auf.


Die LP war auf Platz 116 das erste von mehreren Alben von Miles Davis in den Billboard 200. Ende 1962/Anfang 1963 legte Miles Davis mit der Verpflichtung von Herbie Hancock (p), Ron Carter (b) und Tony Williams (dm) den Grundstein zum zweiten klassischen Quintett (siehe Miles Davis Quintet-2). Der Name des Saxophonisten wechselte vorerst. 04/23



4 Ansichten

Aktuelle Beiträge

Alle ansehen

Fred Wesley

Kommentare


bottom of page