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AG Geige

Deutsche Experimental-Formation zwischen Krautrock und Electro Pop, gegründet 1985 in Karl-Marx-Stadt (heute Chemnitz), damals in der DDR. Die Band bestand anfänglich aus Frank Bretschneider (g, key, vcl), Torsten Eckhardt (elect), Ina Kummer (vcl, g) und Jan Kummer (vcl, elect). Die Band hatte keine offizielle Spielerlaubnis.



Sie erhielt aber nach wiederholten Insistieren einer Galeristin das Prädikat "Volkskunstkollektiv der ausgezeichneten Qualität", das der Gruppe öffentliche Auftritte erlaubte. Die Band erzeugte ihre elektronische Musik mit Hilfe von Synthesizern, Samplern, Tonbandgeräten für Loops, Gitarren, (Sprech-)Gesang und später mit Computern.

 

Die Visuals aus nachträglich bearbeiteten Super-8-Filmen bzw. später 16-mm-Filmen und die dadaistischen Kostüme der Bandmitglieder ergänzten nicht nur die Musik, sondern waren Bestandteil ihrer multimedialen Bühnenperformance. Musik und Film waren eng miteinander verzahnt, teilweise triggerte die Tonspur des Films Signalketten an Synthesizer und Computer.

 

Die erste Veröffentlichung der Geigen war die Kassette "Yachtclub + Buchteln", die 1987 auf Bretschneiders Kassetten-Label "KlangFarbe" erschien. Auch das zweite Album "Trickbeat" (KlangFarbe und Amiga, 1989) kam als Kassette heraus, beim Staatslabel "Amiga" zusätzlich auch als LP, später auch auf einer CD.

 

Nach dem zweiten Album stieg Torsten Eckhardt aus. Für ihn kam Olaf Bender (elect) neu hinzu. Nach der Wende trat AG Geige auch im Westen auf, ohne jedoch auf grosses Interesse zu stossen. "Raabe?" (Zensor, 1991) hiess das erste Album nach der Wende.

 

"Elektronische Geräusche" (Heimat Kassetten, 1991) stellte eine Split-Kassette dar, die sich AG Geige mit Der Expander des Fortschritts teilte. 1992 erschien das Buch "Von Fröschen und Träumen" (Verlag Weisser Stein). Es enthielt eine Auswahl von Songtexten der Band und Grafiken ihrer Mitglieder.

 

"Live Im JoJo Berlin 1992" (Heimat Kassetten, 1992) hiess eine Kassette mit Liveaufnahmen. Aufnahmen für ein drittes Album fanden sich auf der labellosen CD-R "3" (1993). AG Geige löste sich 1993 auf. Frank Bretschneider und Olaf Bender wandten sich der elektronischen Musik zu.

 

Sie gründeten 1995 das Label "Rastermusic", das 1999 mit "Noton" von Carsten Nicolai zu "Raster-Noton" fusionierte. "Raster-Noton" war in den 1990er und 2000er Jahre eines der wichtigsten Labels für experimentelle elektronische Musik. Bretschneider und Bender arbeiteten innerhalb von "Raster-Noton" auch bei anderen Projekten zusammen..

 

Der nachträglich zusammengestellte Dokumentationsfilm "AG Geige–Ein Amateurfilm" (2012) von Regisseur Carsten Gebhardt enthielt Aufnahmen von Auftritten sowie Interviews mit den Bandmitgliedern, Radiomachern, Veranstaltern und Kuratoren. Er wurde auch auf einer DVD (Raster-Noton, 2014) veröffentlicht. Zuerst war die Veröffentlichung einer Sammelbox mit dem Film, bisher unveröffentlichtem Audiomaterial sowie dem mittlerweile vergriffenen Buch "Von Fröschen und Träumen" geplant.

 

Schliesslich erschien die auf 350 Exemplare limitierte Box "Zeychen & Wunder" (Major Label, 2016). Diese enthielt die Vinylausgaben der Alben "Yachtclub + Buchteln", "Trickbeat", "Raabe?" und "3". Dazu kam die Compilation "Rundfunk, Cover, Live" in Form einer LP, die DVD des Dokumentarfilms, eine Kassette des Geigen-Nebenprojekts Machinehead sowie zwei Hefte mit Texten und Bildern von und zur Band.

 

Unter dem Titel "Die anderen Bands" (Amiga, 2018) erschien auf dem früheren DDR-Staatslabel eine 5-CD-Box mit Alben früherer DDR-Bands wie DEKAdance, Die Art, Der Expander Des Fortschritts, Die Vision und AG Geige. "Trickbeat" war das dabei berücksichtigte AG Geige-Album.       03/24

 

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