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Bob Wills

Amerikanischer Country- bzw. Western Swing-Musiker und Bandleader, geboren am 6. März 1905 in Kosse, Limestone County, Texas, als James Robert Wills. Jim Rob, wie er in jungen Jahren genannt wurde, wuchs als ältestes von zehn Kindern im ländlichen Texas auf.

 

Seine Eltern und Grosseltern brachten ihm das Fiddle-Spielen bei. Im Alter von zehn Jahren stand er erstmals auf der Bühne. Der gelernte Coiffeur versuchte sich in verschiedenen Jobs, bevor er sich 1929 einer Medicine Show anschloss, die von Jahrmarkt zu Jahrmarkt zog.



Mit Herman Arnspiger, dem Gitarristen der Medicine Show, gründete Bob Wills das Duo Wills Fiddle Band. Ihnen schlossen sich der Sänger Milton Brown, dessen Bruder Durwood Brown und Clifton Johnson an. 1931 fanden sie im Hersteller des Light Crust-Mehls einen Sponsor und nannten sich in Light Crust Doughboys um.

 

Die Band gewann schnell an Popularität. Milton Brown schied aus und gründete mit Milton Brown And His Brownies eine neue Band. Er wurde 1932 durch Tommy Duncan ersetzt. Die Streitigkeiten mit dem Manager, der weniger an der Musik als am Verkauf des Mehls interessiert war, eskalierten.

 

Während dieser Zeit erschien von den Fort Worth Doughboys, wie sich die Band inzwischen nannte, die erste Schellack-Schallplatte "Nancy Jane/ Sunbonnet Sue" (Bluebird, 1933). Bob Wills wurde dann wegen Trunkenheit aus der Band geworfen. Er zog nach Waco, Texas, und gründete mit Tommy Duncan und seinem Bruder Johnny Lee Wills die Playboys.

 

Sie liessen sich 1934 in Tulsa, Oklahoma, nieder und nannten sich fortan Texas Playboys. Es wurden weitere Bandmitglieder eingestellt, unter ihnen der Steelgitarrist Bob Dunn. Die Band begann ihr musikalisches Repertoire zu erweitern. Schliesslich wurden sogar Blechbläser hinzugefügt, ein sehr ungewöhnlicher Schritt für eine Country-Formation.

 

Bob Wills und die Texas Playboys begannen nach neuen musikalischen Ausdrucksformen zu suchen. In jenen Jahren entstand in den Südstaaten der USA eine neue Variante des Jazz, der Swing. Die Eigentümer der grossen Tanzhallen forderten auch von den Country-Bands eine tanzbare, hallenfüllende Musik.

 

Bob Wills erweiterte seine Gruppe zur Big Band mit zeitweilig bis zu 18 Musikern und brachte Jazz-Elemente ein. Die neue Musikrichtung wurde Western Swing genannt. Die Popularität der Texas Playboys wuchs ständig. Ihre Konzerte waren durchweg ausverkauft.

 

Die Besetzung wechselte häufig, denn nicht jeder Musiker konnte die hohen Anforderungen ihres Bandleaders erfüllen. Ein Markenzeichen waren die Soloeinlagen, bei denen die Instrumentalisten von Bob Wills mit lautstarken Kommandos nach vorne ans Mikrophon beordert wurden.

 

Bei "Vocalion" veröffentlichten Bob Wills & His Texas Playboys mehrere Aufnahmen darunter "New San Antonio Rose/The Convict And The Rose" (1938) ein erster Hit, der Platz 15 der damaligen Charts belegte. Die A-Seite von "Ida Red/Carolina In The Morning" diente 1955 als Vorlage für Chuck Berrys ersten Hit "Maybelline".

 

Die Erfolgsserie hielt bis zum Beginn des Zweiten Weltkriegs an. Bob Wills und weitere Bandmitglieder meldeten sich als Kriegsfreiwillige. Wills und Duncan wurden nach einigen Monaten aufgrund mangelnder körperlicher Fitness entlassen. Sie zogen nach Kalifornien und reanimierten die Texas Playboys. Wills wechselte im Juli 1940 zum "Okeh"-Label.

 

Dort erschienen 1945 zwei Nummer-1-Hits: "Smoke On The Water/Hang Your Head In Shame" und "Stars And Stripes On Iwo Jima/You Don't Care What Happens To Me". Nach nur einem Jahr unterschrieb er bei "Columbia".

 

Dort erschien 1946 der grösste Hit der Texas Playboys, "New Spanish Two Step/Roly Poly". Die letzte Nummer-1-Schallplatte war 1947 "Brain Cloudy Blues/Sugar Moon Blues". "Brain Cloudy Blues" war nichts anderes als eine Variation der Kokomo Arnold-Komposition "Milk Cow Blues" aus dem Jahre 1934.

 

Im Frühling 1948 wechselte Wills erneut das Label und ging zu "MGM". Diesem Label blieb er bis 1954 treu. Alkoholprobleme, Streitigkeiten und zahlreiche Ortswechsel waren neben diversen Ehen kennzeichnend für diesen Lebensabschnitt. In den 1950er Jahren wurde der Western Swing zunehmend vom Rockabilly und Rock'n'Roll verdrängt.

 

Bob Wills verlor einen grossen Teil seiner Anhänger und musste seine Band verkleinern. Hinzu kamen gesundheitliche Probleme. 1959 tat er sich erneut mit Tommy Duncan zusammen und fast sofort stellten sich Erfolge ein. Mit "Heart To Heart Talk" gelang ihnen erneut ein Top-10-Hit. 1962 und 1963 erlitt Wills Herzinfarkte, die ihn zwangen, seine aufreibende Tätigkeit als Bandleader aufzugeben.

 

Aber er machte als Solist weiter. 1968 wurde er in die Country Music Hall of Fame aufgenommen. Im gleichen Jahr erlitt er einen Schlaganfall, der zu einer halbseitigen Lähmung führte. Es war vor allem Merle Haggard, der sein Idol vor dem Absturz in die Vergessenheit bewahrte. Sein Bob Wills gewidmetes Album "A Tribute To The Best Damn Fiddle Player" (Capitol, 1970) leitete ein Western-Swing Revival ein.

 

Haggard organisierte eine Texas-Playboys-Reunion-Session, bei der Bob Wills noch einmal vom Rollstuhl aus seine alte Band dirigierte. In der folgenden Nacht erlitt er einen weiteren Schlaganfall, von dem er sich nicht mehr erholte. Bob Wills verstarb am 13. Mai 1975 70-jährig in Fort Worth, Texas.

 

Von Wills erschienen auch nach seinem Tod Dutzende Compilations oder Wiederveröffentlichungs-Pakete. Über fünf LPs erstreckte sich "Papa's Jumpin' - The MGM Years" (Bear Family, 1985). "Take Me Back To Tulsa" (Proper, 2001) und "Legends Of Country Music: Bob Wills And His Texas Playboys" (Columbia und Legacy, 2006) hiessen 4-CD-Boxes. Das 13-CD-Set "Faded Love 1947-1973" (Bear Family, 2005) deckte einen Grossteil der Karriere von Wills ab.                                      04/24

 

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Manny Albam

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