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Charlie Mariano

  • musicmakermark
  • 14. Apr.
  • 5 Min. Lesezeit

Amerikanischer Jazz-Sopran- und Altsaxophonist, Flötist, Nagaswaram-Spieler, Bandleader und Komponist, geboren am 12. November 1923 in Boston, Massachusetts, als Carmine Ugo Mariano. Er war das dritte und jüngste Kind italienischer Einwanderer aus den Abruzzen.


 

Er wurde mit Opernmusik gross, erhielt als Kind Klavierunterricht und wechselte erst mit 17 Jahren zum Saxophon. Sein grosses Vorbild war Lester Young. Später war Mariano von Spielweise und Sound von Johnny Hodges beeindruckt. Er spielte später, unter dem Einfluss von John Coltrane, auch Sopransaxophon.

 

Mariano begann 1942 in professionellen Showbands aufzutreten. Von 1943 bis 1945 diente er in Militärbands der US Army. Danach studierte er drei Jahre Musik am späteren Berklee College of Music in Boston, das damals noch Schillinger House hiess, wo er ab 1958 auch unterrichtete.

 

Erste Aufnahmen machte er 1947 als Mitglied des Orchesters von Ray Borden. 1948 arbeitete er für Shorty Sherock, dann für Larry Clinton, Nat Pierce, Chubby Jackson, Bill Harris, Serge Chaloff und Ralph Burns.

 

1950/1951 entstanden seine seine ersten Aufnahmen unter eigenem Namen. Sie wurden auf zwei 10"-Alben (Imperial, 1951) veröffentlicht und später unter dem Titel "Charlie Mariano With His Jazz Group" (Imperial, 1984) zusammengefasst. Seine Mitmusiker waren Herb Pomeroy (tp), Jaki Byard (p), Jack Carter (b) und Peter Littman (dm).

 

Im Dezember 1951 entstand mit Hilfe von Sonny Truitt (tb), Jim Clark (ts), George Myers (bars), Joe Gordon (tp), Roy Frazee (p), Jack Lawlor (b) und Gene Glennon (dm) "The New Sounds From Boston" (Prestige, 1952). "Boston All Stars" (Prestige, 1953) enthielt Aufnahmen von Januar 1953 mit Herb Pomeroy (tp), Dick Twardzik (p, perc), Bernie Griggs (b), Jimmy Weiner (dm) und Ira Gitler (bells).

 

Letztere beiden 10"-Alben wurden später unter dem Titel "Boston All Stars" (Original Jazz Classics, 1990) zu einer CD vereint. Bei weiteren Session entstand 1953 eine Reihe von weiteren Aufnahmen, die damals auf 10"-Schallplatten oder teilweise erst später auf LPs oder CDs herausgebracht wurden.

 

Vor allem das Label "Fresh Sound" veröffentlichte später mehrere Aufnahmen aus jener Zeit. Zwischen 1953 und 1955 gehörte Mariano der Big Band von Stan Kenton an, wo er gemeinsam mit Charlie Parker und Dizzy Gillespie auftreten konnte.

 

In der zweiten Hälfte der 1950er Jahre war er Mitglied der West Coast-Gruppen von Shelly Manne, Shorty Rogers und Frank Rossolino. Dazu machte er Aufnahmen mit Serge Chaloff, Bill Holman, Helen Carr, John Graas, Stu Williamson, Herbie Harper, Max Benett, Russ Garcia, Herb Ellis, Stan Getz, Johnny Richards, Shorty Rogers, Quincy Jones, Mel Lewis, Manny Albam, Howard Lucraft und Herb Pommeroy.

 

1955 realisierte Mariano, nach einem Jahr ohne Aufnahmesession als Leader, weitere Aufnahmen für das Label "Bethlehem", die zum Teil noch auf 10"-Alben oder dann als LPs erschienen. Bis 1959 war "Beauties Of 1918" (World Pacific, 1958) die einzige eigene Aufnahme.

 

Sie war am 10. und 11. Dezember 1957 mit Jerry Dodgion (as, fl) als Co-Leader sowie mit Victor Feldman (vibes), Jimmy Rowles (p), Monty Budwig (b) und Shelly Manne (dm) unter dem Gruppennamen The Mariano-Dodgion Sextet entstanden.

 

1958 ging er nach New York City und gründete mit seiner damaligen Frau, der Pianistin Toshiko Akiyoshi, eine eigene Gruppe. "Live At Birdland 60/61" (Fresh Sound, 1991) zeigt das Ehepaar am 2. April 1960 und am 7. Oktober 1961 bei Auftritten in Begleitung von Gene Cherico (b) und Eddy Marshall (dm).

 

Studioaufnahmen vom 5. Dezember 1960 erschienen unter dem Titel "Toshiko Mariano Quartet" (Candid, 1961). Weitere Aufnahmen des Ehepaars vom März 1963 mit Gene Cherico (b) und Albert Heath (dm) erschienen auf der LP "Toshiko Mariano Quartet" (Nippon Columbia und Takt, 1963).

 

Ein Teil davon kam erst später unter dem Titel "East & West" (RCA, 1977) auf den Markt. Diese LP enthielt zudem einen Quartett-Track von Mariano ohne seine Frau mit Sadao Watanabe (fl, as), Masabumi Kikuchi (p), Masanaga Harada (b) und Masahiko Togashi (dm), der vor einer Session von 1967 stammte.

 

1962 hatte er zudem weitere Aufnahmen mit Stan Kenton und der Big Band von Sal Salvador gemacht. Auch wurde er und seine Frau Toshiko Akiyoshi von Charles Mingus verpflicht, als dieser am 12. Oktober 1962 mit einer Big Band sein "Town Hall Concert" realisierte. Die Aufnahmen erschienen auf einer gleichnamigen LP (UA, 1962).

 

Mariano spielte mit dem Bassisten und anderen Musikern am 20. Januar 1963 die Mingus-Alben "The Black Saint And The Sinner Lady" (Impulse!, 1963) und "Mingus Mingus Mingus Mingus Mingus" (Impulse!, 1964) ein. Dazwischen trat er mit McCoy Tyner am Newport Festival auf, spielte auf Big Band-Aufnahmen seiner Frau, begleitete Carmen McRea, Maynard Ferguson, Irene Reid, Elvin Jones, das Modern Jazz Quartet und Chico Hamilton.

 

1967/1968 hielt er sich in Japan auf, wo mehrere Aufnahmen mit dortigen Musikern entstanden. Auch in der malaysischen Hauptstadt Kuala Lumpur verbrachte er einige Zeit. Dort lernte er den indischen Sitar-Spieler Ravi Shankar und mit ihm die indische Musik und das Blasinstrument Nadaswaram kennen.


Später ging er mehrere Male nach Indien. Fortan fuhr Mariano stark auf der Ethno Jazz-Schiene. Auf der LP "Mirror" (Atlantic, 1972) liess er sich unter anderem von Airto Moreira und Asha Puthli (vcl) begleiten. Mariano zog auf Einladung von Chris Hinze nach Europa, lebte zuerst in Holland und Belgien und später in Deutschland.


In Europa spielte er mit der Chris Hinze Combiantion, Sigi Busch, Embryo, Barre Philips, Peter Warren, Edward Vesala, Supersister, Toto Blanke, Phlippe Catherine, Michael Gibbs, Eberhard Weber und Stu Martin. Er nahm an einer Produktion von George Gruntz und seiner Big Band The Band für das Schauspielhaus Zürich teil, die unter dem Titel "Live At The Schauspielhaus" (MPS, 1976) auf einer LP erschien.


1973/74 gründete er mit Jasper Van't Hof (key), Jean-François Jenny Clark (b) Aldo Romano (dm) und Philip Catherine (g) die Fusiongruppe Pork Pie. Ab 1977 gehörte er rund 20 Jahre lang dem United Jazz & Rock Ensemble an. Mit beiden Ensembles kam er zu mehreren Schallplattenaufnahmen.


Nach der Auflösung von Pork Pie spielte Mariano in der Gruppe Colours von Eberhard Weber. In den 1970er Jahren war er bei rund einem Dutzend weiteren Aufnahmen als Leader oder Co-Leader beteiligt, bei denen er meist mit europäischen Musikerinnen und Musikern zu hören war.

 

Anfang der 1980er Jahre  absolvierte Mariano einen weiteren Studienaufenthalt am Karnataka College Of Percussion in Südindien. Mit der Ethno-Jazz-Gruppe Embryo und dem Ensemble Karnataka College Of Percussion entstand das Album "Life‎" (Schneeball, 1980).

 

Wieder mit Karnataka College Of Percussion und mit R.A. Ramamani (vcl) tat er sich für die Alben "Jyothi" (ECM, 1983) und "Live" (VeraBra, 1990) zusammen. "Bangalore‎" (Intuition, 1998) hiess eine weitere Aufnahme mit R.A. Ramamani (vcl) und indischen Musikern.

 

"Sketches Of Bangalore" (Permission, 2002) war eine Live-Aufnahme mit der WDR Big Band und dem Karnataka College Of Percussion. Auf "Om Keshar" (Schneeball, 2005) waren Mariano, Ramamani, Amit Heri (g) und das KCP zu hören. "Many Ways" (Double Moon, 2006) hiess die nächste gemeinsame Aufnahme des KCP mit Mariano.

 

In seinem Projekt Nassim  und einer gleichnamigen CD (Off The Wall, 1998) verband Mariano mit Hilfe des Oud-Spielers Chaouki Smahi später auch arabische Musik mit Jazz. Charlie Mariano veröffentlichte auf Laufe seiner Karriere mehr als 100 Alben als Leader oder Co-Leader.

 

Dazu kamen über 20 weitere mit seinen Gruppen Charlie Mariano & Nat Pierce Sextet, Charlie Mariano/Gregor Josephs Quartet, Charlie Mariano Group, Charlie Mariano Octet, Charlie Mariano Quartet, Charlie Mariano Quintet, Charlie Mariano Sextet, Charlie Mariano's Bangalore, Mariano/Huebner²/Beirach, Mariano-Pierce Combo, The Mariano-Dodgion Sextet, Toshiko Mariano Quartet sowie Wolfgang Dauner/Charlie Mariano/Dino Saluzzi.

 

Discog.com listet für Mariano über 600 Einträge als Musiker auf. Charlie Mariano starb am 16. Juni 2009 85-jährig in Köln.         04/26

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