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Hans Reichel

  • musicmakermark
  • 26. Dez. 2025
  • 3 Min. Lesezeit

Deutscher Gitarrist zwischen freier Improvisation sowie anderen experimentellen Stilen, geboren am 10. Mai 1949 in Hagen, Westfalen. Nach einem Selbststudium der Violine spielte Reichel ab dem 15. Lebensjahr zunächst in Rockbands Beat, Bluesrock und Kompositionen von Frank Zappa, bevor er ein Designstudium absolvierte.


 

Dann begann er auch solo aufzutreten. Er entwickelte unkonventionelle Spieltechniken und verwendete ungewöhnliche Gitarren mit Tonabnehmern an diversen Stellen oder solche mit zwei Hälsen. Damit entfaltete Hans Reichel ein grosses Potential an Klangmöglichkeiten.

 

Bei seinen Experimenten erfand er auch ein völlig neues Streichinstrument, das Daxophon. Dieses ist ein mit einem Cello- oder Bassbogen gestrichenes Holzbrett, dessen klingendes Ende mit einem handlichen Klötzchen in der Tonhöhe und Klangfarbe verändert werden kann.

 

Mit dem Brett, das unterschiedlich geformt sein kann, ist ein Resonanzkörper mechanisch verbunden. 1970 schickte Reichel der Jury des Deutschen Jazzfestivals in Frankfurt eine selber aufgenommene Collage mit Gitarrentönen. Dies brachte ihm einen Auftritt sowie erste Aufnahmen für das Label "FMP" ein.

 

Es handelte sich dabei um die beiden Solo-LPs "Wichlinghauser Blues" (FMP, 1973) und "Bonobo" (FMP, 1976). Die Split-LP "Guitar Solos 2" (Caroline, 1976) enthielt je drei Stücke von Hans Reichel und Derek Bailey, zwei von Fred Frith und eines von G.F. Fitzgerald.

 

Im Duo mit Achim Knispel (g) nahm er "Erdmännchen: 6 Pieces For 2 Guitars" (FMP, 1977) auf. Mit Rüdiger Carl (concertina) realisierte er die LP "Buben" (FMP, 1978). Diese wurde später durch 12 weitere Duo-Tracks von 1994 ergänzt und als "Buben ...Plus" (FMP, 1995) heraus gebracht.

 

Später nahmen Reichel und Carl auch die CD-R "Live At Hurta Cordel 97" (Modisti, 1998) auf. "The Death Of The Rare Bird Ymir" (FMP, 1979), "Bonobo Beach: Some More Guitar Solos" (FMP, 1981), "The Dawn Of Dachsmann" (FMP, 1987) und "Coco Bolo Nights" (FMP, 1989) hiessen weitere Soloaufnahmen.

 

"Erdmännchen (Unreleased Version)" (FMP, 2013) hiess eine als DL veröffentlichte Liveaufnahme von 1976 oder 1977 von Hans Reichel (g, vio) mit Sven-Åke Johansson (dm, acc, vcl). Etwas später entstanden die Duo-Stücke auf "Loft München 1980" (SÅJ, 2023).

 

Mit Tom Cora (cello) alias Hansundtom wurde "Angel Carver (Live In Milwaukee And Chicago)" (FMP, 1989) realisierte, mit Wädi Gysi (g) "Show-Down In Zürich And Tokyo" (Intakt, 1991). "Stop Complaining" (FMP, 1991) enthielt Duos von Reichel mit Kazuhisa Uchihashi (g) bzw. mit Fred Frith (g, vcl).

 

Später nahmen Reichel und Uchihashi mit "King Pawns" (Zenbei, 1998) eine ganze Duo-CD auf. Noch später erschien mit "Live In Berlin 2006" (Innocent, 2012) eine Duo-CD der beiden Musiker unter dem Gruppennamen King Pawns.

 

"Shanghaied On Tor Road" (FMP, 1992) war das nächste Solo-Album, das den Untertitel "The World's 1st Operetta Performed On Nothing But The Daxophone" trug. Auch "Lower Lurum" (Rastascan, 1994) bestand aus Soloaufnahmen.

 

"The Return Of Onkel Boskopp" (Repertoire, 1997) dokumentiert Reichels zweite Zusammenarbeit mit dem Grobschnitt-Sänger Eroc. Die beiden hatten zuvor schon als Goldbroiler & Ehrlichmann die LP "Kino" (TIS, 1986) eingespielt. "Yuxo A New Daxophone Operetta" (a/l/l, 2002) war Reichels letzte Soloaufnahme.

 

Mit Wolfgang Schmidtke (sax, bcl), Manfred Schoof (tp), Matthias Schriefl (tp), Ute Völker (acc), Conny Bauer (tb), Christian Ramond (b) und Peter Weiss (dm) entstand in diversen Besetzungen und unter dem Namen aller beteiligten Musiker die CD "Heimatlieder" (Jazzwerkstatt, 2008).

 

"Self Made" (Ambiances Magnétiques, 2009) zeigte Reichel im Duo mit Ganesh Anandan (shruti stick, metallophone). Reichel war auch Mitglieder mehrerer Formationen. 1979 gehörte er dem Nordeuropäisches Melodie- und Improvisationsorchester an, einer Gruppe von Sven-Åke Johansson, (dm, perc).


1982 taten sich Reichel, Rüdiger Carl und Johansson mit Ernst-Ludwig Petrowsky (as, bars, cl, hca) zum Bergisch-Brandenburgischen Quartett zusammen.

 

Reichel spielte in der Gruppe X-Communication und anderen Formationen von Lawrence Butch Morris. Mit Shelley Hirsch (vcl), Rüdiger Carl (acc, cl) und Paul Lovens (dm, perc) bildete er die September Band, von der "The Vandoeuvre Concert", FMP, 1995) erschien.

 

Unter dem Gruppennamen Manuela entstanden 1999 bei einem Auftritt in Berlin Quartett-Aufnahmen mit Jin Hi Kim (komungo), Rüdiger Carl (cl, acc, claviola) und Carlos Zingaro (vio). Diese wurden erst später unter dem Titel "Live In Berlin (1999)" (FMP, 2011) auf den Markt gebracht.

 

Die Aufnahmen waren auch Teil des Sets "FMP im Rückblick - In Retrospect" (FMP, 2010) mit elf anderen Aufnahmen von FMP-Musikern oder -Gruppen zusammen mit einem Buch und einer Dokumentation über die Geschichte dieses Labels.

 

Reichel gehörte auch Thomas Borgmann's Orkestra an und spielte mit Keith Tippett, John Wall und vielen anderen. Solo trat er auch als All Dax(ophone) Band in Erscheinung, ohne dass unter diesem Projektnamen eine eigene Aufnahme entstand. Hans Reichel verstarb am 22. November 2011 im Alter von 62 Jahren  in Wuppertal.                                12/25

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