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Harry Miller

musicmakermark
vor 3 Tagen
4 Min. Lesezeit

Weisser, südafrikanischer Jazz-Bassist, Komponist und Bandleader, geboren am 25. April 1941 in Johannesburg. Er studierte Ingenieurwesen, brach das Studium ab und wurde Musiker. Er spielte in verschiedenen, teilweise auch gemischtrassigen Jazzbands.


 

Sein erstes Engagement als Berufsmusiker hatte er bei der Rockgruppe The Vikings, von der die LP "Rock Party With The Vikings At The Club Pepsi" (RCA, 1959) herauskam. 1961 liess er sich mit seinem Schulfreund und späteren Rockmusiker Manfred Mann in London nieder.

 

Weil Miller keine Arbeit als Musiker fand, heuerte er auf einem Schiff an, mit dem er mehrmals nach New York und Montreal kam. Dort sah und hörte alle jene Jazzgrössen, die er bisher nur von Schallplatten kannte. Ab 1966 studierte er am London College Of Music.

 

Dank dem Schlagzeuger Don Brown lernte er Henry Lowther (tp) und Lyn Dobson (sax) kennen. Diese vier Musiker spielte eine Zeit lang zusammen. Über Lowther geriet er in einen Kreis, dem unter anderem Musiker wie John Surman, Barre Phillips, Mike Osborne und Mike Westbrook angehörten.

 

Dazu lernte er auch die Szene um das Lokal "Litte Theater Club" von John Stevens und dessen Spontaneous Music Orchestra kennen. Miller wurde festes Mitglied der Mike Westbrook Concert Band. 1967 wurde Miller als Ersatz für Johnny Dyani Mitglied der Gruppen des ebenfalls aus Südafrika stammenden Chris McGregor (p).

 

Daraus entstand später die Grossformation Brotherhood Of Breath. Dazu wurde Miller Ende der 1960er/Anfang der 1970er Jahre auch zu Aufnahmen von John Surman, Bob Downes Open Music, Alan Skidmore Quintet, Mike Cooper, Mike Osborne, Selwyn Lissack, King Crimson und Centipede geholt.

 

Im Kreis um McGregor lernte er auch seinen Landsmann Louis Moholo (dm) kennen. Miller und Moholo bildeten danach für mehrere Gruppen die Rhythmusgruppe, etwa bei Spear von Dudu Pukwana, in Elton Deans Ninesese sowie in zahlreichen Gruppen von Miller oder Moholo selber.

 

Solche Gruppen waren Harry Miller's Isipingo oder das Louis Moholo Octet. Zudem spielte Miller in den Gruppen von John Surman, John Warren und Keith Tippett (Ark, Quartet-à-Tête, Ovary Lodge). Trevor Watts holte ihn in seine Formation Amalgam.

 

Mit seiner Frau Hazel Miller hatte er 1974 das Schallplattenlabel "Ogun" gegründet, auf dem während kurzer Zeit viele wichtige Aufnahmen von englischen und südafrikanischen Musikern herauskamen. Ogun ist der nigerianische Gott der Arbeit und des Eisens.

 

Die erste "Ogun"-Aufnahme war der Live-Mitschnitt "Live At Willisau" (Ogun, 1974) der Brotherhood of Breath mit Aufnahmen vom 27. Januar 1973. Als zweite "Ogun"-Aufnahme erschien Millers eigene Solo-LP "Children At Play" (Ogun, 1974) mit Aufnahmen vom selben Jahr.  Auf der LP spielt er auch Flöte und Perkussion.

 

Unter dem Titel "Ramifications" (Ogun, 1975) veröffentlichte Miller Quintett-Aufnahmen, die er 1973 in Zürich mit Irène Schweizer (p), Rüdiger Carl (ts), Paul Lovens (dm) und Radu Malfatti (tb) eingespielt hatte.

 

Quartettaufnahmen von 1975 mit Keith Tippett (p, harm, rec, vcl, perc), Julie Tippett (vcl, rec, erhu), Frank Perry (perc, vcl, fl) sowie Shêng (bamboo mouth organ) kamen unter dem Titel "Ovary Lodge" (Ogun, 1976) heraus. "Bracknell Breakdown" (Ogun, 1978) war eine Duoaufnahme mit Radu Malfatti (tb).

 

Drei Jahre später nahmen die selben Musiker mit "Zwecknagel" (FMP, 1981) eine weitere Duo-LP auf. Im Januar 1978 spielte er mit dem Harry Miller Sextett "In Conference" (Ogun, 1978) ein. Die Gruppe bestand aus Keith Tippett (p), Willem Breuker (ss, ts, bcl), Trevor Watts (as, ss), Julie Tippetts (vcl) und Louis Moholo (dm).

 

1978 ging das "Ogun"-Label konkurs. Miller siedelte nach Amsterdam über, wo er mehr Engagements fand. So geriet er Ende der 1970er/Anfang der 1980er Jahre in den Kreis der Musiker um die Berliner "Free Music Production" (FMP).

 

Zwischen 1979 und 1981 bildeten Miller und Louis Moholo (dm) ein Trio mit Peter Brötzmann (as, ts, bars, tarogato, cl). Dieses nahm im August 1979 die LP "The Nearer The Bone, The Sweeter The Meat" (FMP, 1979) und im November 1980 die Doppel-LP "Opened, But Hardly Toched" (FMP, 1981) auf.

 

Auf "Alarm" (FMP, 1983) vom November 1981 war das Trio Bestandteil eines Nonetts von Brötzmann. "Brötzmann & Miller" (Corbett Vs. Dempsey, 2007) war eine später veröffentlichte Duoaufnahme von Miller und Brötzmann von 1980, die als CD-R zu einer Ausstellung in Chicago mit Kunstwerken von Brötzmann erschien.

 

Als Mitglied des Quartetts Berlin' Bones spielte Miller mit deutschen Musikern eine gleichnamige LP (FMP, 1981) ein. Diese Gruppe bestand zudem noch aus Andreas Boje (tb), Thomas Wiedermann (tb) und Manfred Kussatz (dm).

 

In Holland hatte er Aufnahmen mit Leo Cuypers und Willem van Manen gemacht. Mit Mark Charig (tp), Wolter Wierbos (tb), Sean Bergin (ts, as, ss) und Han Bennink (dm) formierte er auch ein eigenes Quintett. Anfang März 1983 nahm er mit diesen Musikern "Down South" (Varajazz, 1984) auf.

 

In der Nacht vom 26. auf den 27. November 1983 hatte er in Holland einen schweren Autounfall. Er starb an dessen Folgen am 16. Dezember 1983. Harry Miller wurde 42 Jahre alt. 

 

Sein "Ogun"-Label wurde später von seiner Frau Hazel Miller reaktiviert. Zum 25. Geburtstag des Labels erschien die 3-CD-Box "Harry Miller 1941-1983: The Collection" (Ogun, 1999), auf der alle fünf LPs, die er als Leader bzw. Co-Leader eingespielt hatte, noch einmal auf CD erschienen.

 

Unter dem Titel "Different Times, Different Places" (Ogun, 2013) veröffentlichte Hazel Miller bisher noch nie veröffentlichtes Material ihres Ehemannes. Es handelte sich um zwei Livemitschnitte von 1973 und 1976 mit Gruppen, die ähnlich formiert waren, wie Isipingo.

 

Später folgte "Different Times, Different Places–Volume Two" (Ogun, 2016) mit weiteren, bisher noch nie veröffentlichten Aufnahmen von Miller. Diese stammten von 1977, 1978 und 1982.                    10/26

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