top of page

Chris McGregor's Brotherhood Of Breath

  • musicmakermark
  • 23. Sept.
  • 4 Min. Lesezeit

Südafrikanisch-englische Free Jazz-Grossformation, gegründet im Juni 1970 in London vom weissen Pianisten Chris McGregor. Es war nicht McGregors erste Big Band, denn während seiner Zeit in Südafrika hatte er 1963 unter dem Namen Chris McGregor & The Castle Lager Big Band ein Orchester auf die Beine gestellt, das mit "Jazz/The African Sound" (New Jazz und Gallotone, 1963) ein Album veröffentlichte.


ree

 

Der Castle Lager Big Band gehörten viele künftige Brotherhood-Musiker an. Sie bestand neben McGregor aus Dudu Pukwana (as), Barney Rachabane (as), Nick Moyake (ts), Christopher Columbus Ngcukane (bars), Kippie Moeketsi (as, cl), Bob Tizzard, Blyth Mbityana und Willie Nettie (tb), Dennis Mpali, Ebbie Creswell, Mongezi Feza und Noel Jones (tp), Sammy Maritz (b) und Early Mabusa (dm).  

 

Anstoss für die Gründung der Brotherhood Of Breath war der Auftrag, für den Film "King's Harvest" die Musik zu schreiben. Als Basis dienten McGregor zwei andere Formationen. Die eine waren die Blue Notes. Es war jene Band, bestehend aus Dudu Pukwana (as), Nick Moyake (ts), Mongezi Feza (tp), Johnny Dyani (b) und Louis Moholo (dm), mit der er 1964 nach Europa gezogen war.

 

Die zweite war eine Studioband mit den drei Blue Notes-Musikern Feza, Pukwana und Moholo sowie mit Evan Parker (ss), John Surman (ss, bars) und Barre Phillips oder Danny Thompson (b). Dieses Septett hatte 1968 in London die LP "Up To Earth" eingespielt, die allerdings erst viel später (Fledg'ling, 2008) unter dem Bandnamen The Chris McGregor Septet erstmals veröffentlicht wurde.

 

Die Vermischung von exilierten Musikern aus Südafrika mit der Elite des englischen Free Jazz war wegweisend für alle Brotherhood-Formationen. Das erste Konzert gab die Brotherhood im Juni 1970 in der Notre Dame Hall in London. Die Debut-LP "Brotherhood of Breath" (Neon, 1970) entstand im Studio und wurde später mehrfach wiederveröffentlicht.

 

Das Lineup bestand aus McGregor (p), Macolm Griffiths (tb), Nick Evans (tb), Mark Charig (co), Mongezi Feza (p-tp, fl), Harry Beckett (tp), Mike Osborne (as, cl), John Surman (bars, ss), Dudu Pukwana (as), Ronnie Beer (ts, fl), Alan Skidmore (ts, ss), Harry Miller (b) und Louis Moholo (dm).

 

Mitschnitte eines Konzerts vom 20. Juni 1971 in Bremen sowie von Auftritten im Februar und November 1975 im Bridgewater Arts Center in England kamen später als "Bremen To Bridgewater" (Cuneiform, 2004) auf deiner Doppel-CD heraus. Beim Auftritt in Bremen waren mit Ausnahme von Beer und Surman wieder die selben Musiker an der Arbeit, wie auf der ersten LP.

 

In Bremen spielte als zwölfter Musiker Gary Windo (ts) mit. Ein weiteres Tondokument der Band aus jener Zeit wurde ebenfalls viel später erstmals veröffentlicht. Es handelte sich um "Eclipse At Dawn" (Cuneiform, 2008) mit einem Mitschnitt eines Auftritts vom 4. November 1971 an den Berliner Jazztagen.

 

In der selben Besetzung wie die "Bremen"-Aufnahmen entstand auch die zweite Studio-LP "Brotherhood" (RCA Victor, 1972). Im Januar 1973 war die Brotherhood auf Tournee. Am 19. Januar trat die Gruppe erneut in Bremen auf, wo im Rahmen einer Radiosession die erst später veröffentlichte CD "Travelling Somewhere" (Cuneiform, 2001) mitgeschnitten wurde.

 

Das Lineup bestand aus McGregor, Beckett, Charig, Evans, Griffiths, Feza, Osborne, Pukwana, Windo, Miller, Moholo und neu Evan Parker (ts). Vier Tage später hatte die Brotherhood einen Auftritt in Willisau, wo "Live At Willisau" (Ogun, 1974) aufgezeichnet wurde. Gegenüber dem Bremer Konzert fehlte krankheitshalber Mike Osborne. Für Griffith spielte Radu Malfatti (tb).


Dann vergingen erneut zwei Jahre, ehe das Schaffen dieser Big Band dokumentiert wurde. Bei einem Auftritt im Mai 1977 in Toulouse wurde "Procession" (Ogun, 1978) mitgeschnitten. Später wurden die Aufnahmen mit weiterem Material angereichert unter dem Titel "Procession-Live In Toulouse" (Ogun, 2013) wieder veröffentlicht.

 

McGregor wurde bei diesem Auftritt von Beckett, Charig, Malfatti, Osborne, Pukwana, Parker, Grant, Miller, Moholo und neu Johnny Dyani (b) begleitet. 1977 löste sich die Gruppe auf, nachdem sich verschiedene Mitglieder aufgrund der misslichen Situation in London in anderen europäischen Ländern niedergelassen hatten.

 

Chris McGregor zog ins Departement Lot-et-Garonne im französischen Südwesten, wo er die Brotherhood Anfang der 1980er Jahre wieder neu formierte. Im Juni 1981 trat die auf vielen Posten neu besetzte Band an einem Festival in Angoulême, ebenfalls im Südwesten von Frankreich, auf.

 

Neben McGregor vertraten nur noch Harry Beckett (tp, flh), Mark Charig (co, a-horn), Nick Evans und Radu Malfatti (tb) und Bruce Grant (bars, oboe, fl) die alte Garde. Dazu kamen neben anderen als bekannteste Namen John Tchicai (as, bcl), François Jeanneau (ss, ts, bcl), Louis Sclavis (ss, cl, bcl), Didier Levallet und Ernest Mothle (b).

 

Das Tondokument dieses Auftritts erschien noch im selben Jahr unter dem Titel "Yes Please (Angoulème 1981)" (In and Out, 1981). 1985 kam die neue Brotherhood-Formation auch für eine Tournee durch Moçambique wieder zusammen.

 

1988 stellte McGregor eine weitere Ausgabe zusammen, die mit "Country Cooking" (Virgin, 1988) eine Studioproduktion einspielte. Wiederum präsentierte McGregor ein völlig verändertes Lineup. Von der 81-er Ausgabe waren nur noch drei Musiker dabei.

 

Neue Mitglieder waren Steve Williamson (as, ts), Julian Argüelles (bars, ss), Chris Biscoe (as, cl), Claude Deppa (tp, flh), Gilbert Matthews (dm, perc), Fayyaz Virji und Annie Whitehead (tb), Jeff Gordon (cl, fl, ts), Robert Juritz (bassoon, ts) und Tony Moronie (perc).

 

Mitte März 1989 trat die fast gleich besetzte Brotherhood mit Archie Shepp (ts) als Gast auch am Festival Banlieues Bleues in Paris auf, wo mit "En concert aux banlieues bleues" (52 Rue Rest, 1989) die letzte Aufnahme entstand. Gegenüber der 1888er Aufnahme fehlte mit Harry Beckett vor allem das letzte verbliebene Mitglied der Ur-Brotherhood.

 

Im Frühling 1990 musste McGregor die Führung an den Pianisten Roland Perrin abgeben. Aufnahmen dieser neuen Brotherhood erschienen unter dem Titel "The Memorial Concert" (ITM, 1994) bzw. "In Memorian" (Vital, 1994). Seither die die Gruppe nicht mehr aktiv. 

 

Die letzte Brotherhood hatte aus Harry Beckett, Dave Defries und Peter Volpe (tp, flh), Steve Williamson (as, ss), Julian Argüelles (bars, ss), Gilbert Matthews (dm), Darryl Lee Que und Thomas Dyani (perc), Pinise Saul (vcl), Annie Whitehead und Paul Taylor (tb) und Robert Juritz (basson, ts) bestanden.

 

Chris McGregor, der auch Aufnahmen unter seinem Namen oder als Leader anderer Gruppen veröffentlicht hatte, verstarb am 27. Mai 1990 im Alter von 53 Jahren in Frankreich.                                     09/25

Compendium musicum

©2023 von Compendium musicum. Erstellt mit Wix.com

bottom of page