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Hugh Davies

  • musicmakermark
  • vor 4 Tagen
  • 3 Min. Lesezeit

Englischer Experimental-Musiker, Komponist, Instrumentebauer und Studiobesitzer, geboren am 23. April 1943 in Exmouth, Devon. Nach Studien in Oxford war er ab 1964 als Nachfolger von Cornelius Cardew zwei Jahre lang Assistent von und Mitglied des Ensembles von Karlheinz Stockhausen.


 

Er war bei der ersten Aufnahme dessen Stücks "Mikrophonies I & II" dabei. Die beiden Werke erschienen auf einer gleichnamigen LP (Columbia, 1967). Er pflegte zudem auch gute Beziehungen zur improvisierenden Szene.

 

Er war in den 1960er Jahren Mitglied einer Gruppe mit Peter Brötzmann, Don Cherry und Han Bennink, von der es aber keine Tonaufnahmen gibt. Auf Rat des damaligen WDR-Tontechnikers Jaap Spek begann Hugh Davies mit Kontaktmikrofonen zu arbeiten.

 

Danach wandte er sich elektronischen Klangquellen zu und begann eigene Instrumente zu bauen. Am Goldsmith Collage konnte er ein Musikstudio einrichten. Dazu organisierte er auch Konzerte.

 

Zwischen 1968 und 1971 bildete er mit Derek Bailey (g), Evan Parker (ts, ss), Jamie Muir (perc) und teilweise Christine Jeffrey (vcl) die Music Improvisation Company, von der eine gleichnamige LP (ECM, 1970) erschien. Weitere Aufnahmen des Quartetts ohne Jeffrey, aufgezeichnet 1969 und 1970, erschienen später als "1968-1971" (Incus, 1976).

 

Aus dieser festen Gruppe heraus entwickelten sich ab Mitte der 1970er Jahre die zahlreichen Company-Formationen, die Derek Bailey im Rahmen von Company-Weeks regelmässig aus den besten europäischen und amerikanischen Musikern bildete. Zudem war Davies auch Mitglied des grossen Music Now Ensembles von Keith Rowe.

 

Liveaufnahmen dieser Grossformation erschienen erst später unter dem Titel "Music Now Ensemble 1969" (Matchless, 2001). Unter dem Gruppennamen Gentle Fire spielten Graham Hearn, Hugh Davies, Michael Robinson, Richard Bernas, Richard Orton und Stuart Jones unter dem Titel "4 Systems, Music For Amplified Toy Piano, Music For Carillon, Edges" (EMI, 1974) ein.

 

Darauf fanden sich Werke von John Cage, Earle Brown und Christian Wolff. Das Earle Brown-Stück war später Teil des 3-CD-Sets "Explorations (1970-1973)" (Paradigm, 2020) mit weiterem Material von Gentle Fire. Es handelte sich um Gruppenkompositionen sowie um Werke von Cage, Wolff, Stockhausen, Toshi Ichiyanagi, Stuart Jones, Michael Robinson, Graham Hearn und Richard Bernas.

 

Im März 1979 erfolgten in Berlin und Utrecht die Aufnahmen für die Solo-LP "Shozyg - Music For Invented Instruments" (FMP, 1982). Mit David Toop (div fl, rec, picc, div instr), Max Eastly (div instr), Paul Burwell (perc), Annabel Nicolson (div instr), Evan Parker (ts, ss), Paul Lytton (dm, elect) und Paul Lovens (dm, perc) entstand Ende Juli 1978 in London "Circadian Rhythm" (Incus, 1980).

 

1980 wurde er vom New Yorker Noise-Trio Borbetomagus für die Aufnahmen von "Work On What Has Been Spoiled" (Agaric, 1981) eingeladen. 1986 war er mit Phil Minton (vcl), Alan Tomlinson (tb) und  Roger Turner (dm, perc) Mitglied von The Ferrals, die das Album "Ruff" (Leo, 1987) aufnahm.

 

Umgkehrt machte Davies teilweise bei den Aufnahmen von Phil Mintons Album "The Berlin Station" (FMP, 1988) mit. In den 1980er Jahren kam es erneut zur Zusammenarbeit mit Derek Bailey. Gleichzeitig wurde Davies von der Rockgruppe Talk Talk zu den Aufnahmen von "Spirit Of Eden" (EMI, 1988) ins Studio geholt.

 

Mehrmals arbeitete er mit dem deutschen Instrumentebauer und Komponisten Hans-Karsten Raecke zusammen. Mit Ferdinand Försch (div) als dritter Musiker realisieren die Beiden die labellose Kassette "Zeitkreis (1)" (1988). Darauf fanden sich neben Triostücken auch Duo- und Solo-Tracks der drei Musiker.

 

"Klangbilder" (Klangwerkstatt Edition, 1994) war eine Duoaufnahme der beiden Multiinstrumentalisten. Die unter Davies' Namen erschienene CD "Interplay" (FMR, 1997) enthielt Duos und Trios mit Max Eastly (selfmade instr), Hilary Jeffrey (tb), Hans-Karsten Raecke (selfmade instr), John Russell (g)  und Roger Turner (perc).

 

"Warming Up With The Iceman" (Grob, 2001) hiess ein Soloalbum. "Sounds Heard: A Potpourri of Environmental Projects and Documentation, Projects with Children, Simple Musical Instruments, Sound Installations Verbal Scores, and Historical Perspectives" (FMR, 2002) hiessen ein 125-seitiges Buch mit diversen Beiträgen über Davies sowie eine CD mit bisher unveröffentlichten Aufnahmen aus den Jahren 1967 bis 2002.

 

"888" (FMR, 2003) war eine Quartettaufnahme mit Evan Parker (sax), Philipp Wachsmann (vio, elect) und Eddie Prévost (dm, perc). Hughes Davies starb am 1. Januar 2005 61-jährig in London. Posthum erschien "Tapestries (Five Electronic Pieces" (Ants, 2005), eine Solo-CD mit fünf Werken.

 

Adam Boham (prep-balalaika, amplified objects), Lee Patterson (amplified objects) und Mark Wastell (cello) nahmen im Januar 2008 – zusammen mit archivierten Klängen von Hugh Davies – die CD "For Hugh Davies" (Another Timbre, 2008) auf.

 

Gleichzeitig erschien beim selben Label die CD-R "Performances 1969-1977" (Another Timbre, 2008) mit Archivaufnahmen von Davies. Bei "Shozyg I And II (1969)" (Another Timbre, 2013) handelte es sich um ein 10:22-minütiges Duostück mit Richard Orton (elect) von 1969.       08/26

 

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