Jack DeJohnette
- musicmakermark
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Amerikanischer Schlagzeuger, Pianist, Saxophonist, Komponist und Bandleader, geboren am 9. August 1942 in Chicago, Illinois. Er begann ursprünglich als Pianist, bis er 1960 zum Schlagzeug wechselte. Dennoch sah man DeJohnette später immer wieder als Pianist.

Dank seinem Onkel Roy Wood, der damals beliebtester schwarzer DJ von Chicago war, kam DeJohnette schon ab vier Jahren mit Musik in Berührung und galt bald als das grösste Talent unter den jungen Jazzmusiker der Stadt.
In seiner Anfangszeit als professioneller Musiker spielte er querbeet vom R&B bis zum Free Jazz. Er war bei der Integrationsfigur der damaligen Chicagoer Szene, Fred Anderson (ts), tätig und war auch eines der ersten Mitglieder der AACM.
Bei einem Abstecher nach New York 1966 wurde er nach einem Auftritt im Minton's Playhouse auf der Stelle von Big John Patton verpflichtet. DeJohnette kehrte nicht mehr nach Chicago zurück und spielte fortan an der Seite von Jackie McLean, Betty Carter, Abbey Lincoln, John Coltrane, Sonny Rollins und Joe Henderson.
Rollins und Henderson holten ihn auch in den 1990er Jahren wieder in ihre Gruppen. Dazu war er zwischen 1966 und 1969 Mitglied des bei der Flower Power-Generation äusserst hippen Charles Lloyd Quartets, dem auch der Pianist Keith Jarrett angehörte.
Dazu machte er Aufnahmen mit Herbie Hancock, Bobby Timmons, Wayne Shorter, Chick Corea, Lee Konitz, Eric Kloss, Miroslav Vitous und Jerry Hahn. Mit Eddie Gomez (b) bildete er im Sommer 1968 die Begleitgruppe des Pianisten Bill Evans, wo er Nachfolger von Philly Joe Jones und Vorgänger von Marty Morell wurde.
Anschliessend war DeJohnette zwischen August 1969 und April 1970 Schlagzeuger bei Miles Davis. In diese Zeit fiel die Aufnahme von "Bitches Brew" (Columbia, 1970), wo DeJohnette neben Lenny White und Charles Alias als einer von drei Drummern mitwirkte. Er wirkte auch auf weiteren Miles-Alben mit.
Nach seinem Abgang bei Miles bildete er mit Richie Beirach (p) und Dave Holland (b) das Begleittrio von Stan Getz und machte Aufnahmen mit Jackie McLean, Sadao Watanabe, Joe Farrell, Alice Coltrane, George Benson, Joe Zawinil, Freddie Hubbard, Sonny Rollins, Bobby Hutcherson, Hubert Laws, Gabor Szabo und diverse andere.
Eine erste eigene Gruppe nannte er Complex. Sie bestand aus Bennie Maupin (ts, fl), Stanley Cowell (p, e-p), Miroslav Vitous oder Eddie Gomez (b) und Roy Haynes (dm) als zweiten Schlagzeuger. In dieser Besetzung wurde "The DeJohnette Complex" (Milestone, 1969) eingespielt. Mit Maupin, Gary Peacock (b) und Hideo Ickikawa (p) folgte "Have You Heard?" (Milestone, 1971).
Darauf gründete er mit Compost, wo er als Keyboarder im Einsatz stand, eine zweite Gruppe. Mit Jack Gregg (b), Bob Moses (dm), Harold Vick (ts, fl) und Jumma Santos (perc) spielte er "Take Off Your Body" (Columbia, 1972). Das zweite Compost-Album "Life Is Round" (Columbia, 1973) zeigte die Grupppe in einer leicht veränderten Besetzung.
Zwischen Compost und der Gründung einer neuen Gruppe machte DeJohnette mehrere Aufnahmen unter eigenem Namen. Auf "Jackeyboard" (Trio, 1973) spielte er ausschliesslich Klavier, begleitet von Mitsuaki Furuno (b) und George Ohtsuka (dm). "Time & Space" (Trio, 1973) war eine Duoaufnahme von DeJohnette (p, e-p, org, melodica, marimba, vcl, dm, perc) mit Dave Holland (b, e-b, vcl, perc).
Unter dem Titel "Soercery" (Prestige, 1974) erschienen Aufnahmen mit John Abercrombie oder Mick Goodrick (g), Bennie Maupin (bcl), Michael Fellerman (tb, metaphone) und Dave Holland (b). Sein nächstes, eigenes Projekt nannte DeJohnette vorerst Directions, später New Directions und dann Special Edition (siehe alle unter Jack DeJohnette's Directions/Special Edition).
Auf "Ruta And Daitya" (ECM, 1973) kam es zu einer Zusammenarbeit mit Keith Jarrett (p, e-p, org, fl), DeJohnettes ehemaligen Weggefährten bei Charles Lloyd. Ab Anfang der 1980er Jahre war DeJohnette neben Gary Peacock (b) mit einer Ausnahme Mitglied des Keith Jarrett Standards Trio (siehe Keith Jarrett in Trioaufnahmen).
Ab Mitte der 1970er Jahre war DeJohnette mit David Holland (b) Mitglied des Trios Gateway sowie anderer Gruppen des Gitarristen John Abercrombie gewesen. Neben seinen Directions-Aufnahmen und einer Vielzahl von Engagements als Sideman, erschienen vorerst nur noch wenige weitere Aufnahmen unter eigenem Namen.
"Pictures" (ECM, 1977) spielte DeJohnette (dm, p, org) teils solo und teils im Duo mit John Abercrombie (g) ein. Unter dem Namen der drei beteiligen Musiker Ralph Towner (g), Eddie Gomez (b) und Jack DeJohnette erschien "Batik" (ECM, 1978)
Dazu kam eine eine titellose LP mit Terje Rypdal (g) und Miroslav Vitous (b) (ECM, 1979). Dieses Trio nahm auch "To Be Continued" (ECM, 1981) auf. Pat Metheny (g) engagierte DeJohnette für die Allstar-Projekte "80/81" (ECM, 1980) mit Dewey Redman und Michael Brecker (ts) und Charlie Haden (b) sowie "Song X" (Geffen, 1986) mit Ornette Coleman (as, vio) und Charlie Haden (b).
"The Amazing Adventures Of Simon Simon" (ECM, 1981) und "Invisible Nature" (ECM, 2002) waren zwei Duoaufnahmen mit John Surman (reeds, synth). Eine weitere titellose Trioaufnahme (ECM, 1983) entstand mit Werner Pirchner (vibes, marimba) und Harry Pepl (g).
"The Jack DeJohnette Piano Album" (Landmark, 1985) zeigte DeJohnette einmal mehr als Pianisten, hier begleitet von Eddie Gomez (b) und Freddie Waits (dm). Im Duo mit David Murray spielte er "In Our Style" (DIW, 1986) ein, mit Lester Bowie (tp) "Zebra" (MCA, 1989).
"Parallel Realities" (MCA, 1990) stammte von einem Allstar-Trio mit Pat Metheny (g) und Herbie Hancock (key, p). "Music For The Fifth World" (Manhattan, 1993) hiess ein Projekt, das er mit Vernon Reid und John Scofield (beide g), Will Calhoun (dm), Lonnie Plaxico (b) und Michael Cain (p, synth) realisierte.
Mitte 1990er Jahre begann DeJohnette eine lange Zusammenarbeit mit dem Pianisten Michel Cain, der auch Mitglied von Special Edition wurde. Im Trio mit Steve Gorn (fl, ss, cl) wurde "Dancing With Nature Spirits" (ECM, 1996) eingespielt und mit Jerome Harris (g, acc-b-g) und Don Alias (perc) entstand "Oneness" (ECM, 1997).
Auf "Selim Sivad. Tribute To Miles Davis With African Drums" (Justin Time, 1998) war DeJohnette Gast des World Saxophone Quartets. "Selected Recordings" (ECM, 2004) hiess eine Compilation mit Aufnahmen für "ECM".
Auf "Music Is The Key Of My OM" (Golden Beams, 2005) und "Peace Time" (Golden Beams, 2007) ist DeJohnette in zwei je 60-minütigen Ambient-Tracks solo an Synthesizern zu hören. "Music From The Hearts Of The Masters" (Golden Beams, 2005) war eine Duoaufnahme mit Foday Suso (kora).
Für "Hypbrids" (Golden Beams, 2005) kam noch John Surman (bcl, ss, recorder), Big Al (g, key) und Ben Surman (key) als weitere Musiker dazu. Diese Formation nannte sich Ripple Effect und wurde zudem von Sängerinnen und Sängern untersützt.
"The Elephant Sleeps But Still Remembers" (Golden Beams/Kindred, 2006) war eine Live-Duoaufnahme mit Bill Frisell (g, banjo) von 2001. Für die Aufnahmen zur Doppel-CD "Saudades" (ECM, 2006) tat er sich mit John Scofield (g) und Larry Goldings (org) zu einem hochkarätigen Trio zusammen, das sich Trio Beyond nannte.
Ein weiteres Trio war jenes mit John Patitucci (b) und Danilo Perez (p), von dem die CD/DVD "Music We Are" (Golden Beams, 2009) erschien. Mit Wadada Leo Smith (TP) entstand die Duoufnahme "America" (Tzadik, 2009).
Es folgten mehrere weitere Aufnahmen als Leader oder Co-Leader mit Musikern wie Jason Moran, Vijay Iyer, Gonzalo Rubalcaba, Ron Carter und anderen. "Made in Chicago" (ECM, 2015) zeigte ihn bei einem Auftritt im August 2013) mit Henry Threadgill (as, b-fl, b-recorder), Roscoe Mitchell (ss, as, wooden-fl), Muhal Richard Abrams (p) und Larry Gray (b, cello).
Im Trio mit Ravi Coltrane (ts, ss, sops) und Matthew Garrison (e-b, elect) entstand "In Movement" (ECM, 2016). Auf "Return" (Newvelle, 2016) war DeJohnette wie schon auf einzelnen früheren Aufnahmen als Pianist zu hören, dieses Mal aber solo. Ein Allstarquartett mit John Scofield (g, wooden fl), John Medeski (p, e-p, org, wooden fl, vcl), Larry Grenadier (b, vcl) und DeJohnette fand sich für die Aufnahmen von "Hudson" (Motéma, 2017) zusammen.
Jack DeJohnette spielte praktisch mit allen Protagonisten des neuen Jazz und war Mitglied von Dutzenden von Gruppe. Bei discogs.com hat er aktuell fast 900 Einträge als Musker. Jack DeJohnette starb am 26. Oktober 2025 im Alter von 83 Jahren in Kingston, New York. 12/25


