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Marilyn Crispell

  • musicmakermark
  • 15. Apr.
  • 4 Min. Lesezeit

Amerikanische Jazz/Free Improv-Pianistin und Bandleaderin, geboren am 30. März 1947 in Philadelphia, Pennsylvania. Crispell, die vom siebten Lebensjahr an Klavierunterricht hatte, studierte klassisches Klavier an der Peabody Music School in Baltimore und dann bis zum Abschluss 1968 klassisches Piano und Komposition am New England Conservatory of Music.



Nach einigen Jahren als Hausfrau und in einem medizinischen Beruf entdeckte sie den Jazz. Ab 1977 wohnte sie in Woodstock, New York, wo sie sich bei Karl Berger und dessen Creative Music Studio weiterbildete und später auch unterrichtete. Ihr Debut auf einer Schallplatte gab sie als Mitglied des Creative Orchestras von Anthony Braxton.


Dieses spielte im Mai 1978 in Köln die später veröffentlichte Doppel-CD "Creative Orchestra (Köln) 1978" (hat ART, 1996) ein. Auch die nächsten Aufnahmen absolvierte Crispell im Kreise von hochkarätig besetzten Grossorchestern.


Am Moers Jazz Festival 1979 spielte mit dem Creative Orchestra von Roscoe Mitchell "Sketches From Bamboo" und mit dem fast identisch besetzen Leo Smith Creative Orchestra "Budding Of A Rose" (beide Moers, 1979) ein. Anthony Braxton holte sie mit Hugh Ragin (tp, picc-tp, flh) und Ray Anderson (tb, slide-tp) für "Composition No. 98" (hat ART, 1981) dazu.


Die Zusammenarbeit mit Braxton gipfelte darin, dass Crispell ab 1984 dem Anthony Braxton Quartet angehörte und mit John Lindberg bzw. Mark Dresser (b) und Gerry Hemingway (dm) die langlebigste aller Braxton-Quartette bildete.


Crispell gehörte bis 1993 der Gruppe an und spielte während dieser Zeit auf rund zehn offiziellen Quartett-Veröffentlichungen. Später spielte das Trio Crispell, Dresser und Hemingway ohne Braxton die CD "Play Braxton" (Tzadik, 2012) ein.


Ihr eigenes Debut als Leaderin gab sie mit "Spirit Music" (Cadence, 1983). Darauf war sie in Begleitung von Billy Bang (vio), John Betsch (dm) zu hören. In einem Stück war noch Wes Brown (g) mit dabei. Crispell war danach auf vielen weiteren Trio-Einspielungen (siehe Marilyn Crispell in Trioaufnahmen) zu hören.


Bang und Betsch bildeten mit Peter Kowald (b) auch die Begleitgruppe auf "Live In Berlin" (Black Saint, 1984) mit Aufnahmen vom 4. November 1982. Es war dies ihre erste richtige Aufnahme als Leaderin eines Quartetts. Danach folgten mehrere weitere solche Aufnahmen (siehe Marilyn Crispell in Quartettaufnahmen).


Davor hatte Crispell auch erstmals Gelegenheit bekommen, zwei Soloalben aufzunehmen. Auf "Rhythms Hung In Undrawn Sky" (Leo, 1983) mit Aufnahmen vom Mai 1983 folgte " A Concert In Berlin" (FMP, 1983) mit Aufnahmen vom Juli 1983.


"And Your Ivory Voice Sings" (Leo, 1985) war eine Duoaufnahme mit Doug James (dm). Es folgten später noch viele weitere Aufnahmen im Duo (siehe Marilyn Crispell in Duoaufnahmen). "Labyrinths" (Victo, 1988) und "Live In San Francisco" (Music & Arts, 1990) waren zwei weitere Soloalben, beide live mitgeschnitten.


Auf "Works For Piano, Toy Piano & Prepared Piano-Vol.III (1944-1960)" (Wergo, 1991) mit Klavierstücken von John Cage ist Crispell mit Joseph Kubera im 11:45-minütigen Werk "Music For Amplified Toy Pianos" zu hören. Die weiteren Stücke stammten von anderen Pianistinnen oder Pianisten.


"Stellar Pulsations /Three Composers" (Leo, 1993) zeigte Crispell einerseits im Trio mit Don Byron (cl) und Gerry Hemingway (dm) in einem dreiteiligen Werk von Pozzi Escot. Dazu kamen die Suite "Concerto For Marilyn" von Manfred Niehaus in Begleitung des WDR Radio Orchestras unter David De Villiers.


Ein dritter Teil dieser CD bestand in einem 12-minütigen Duotrack von Crispell mit Ellen Polansky (p). "For Coltrane" (Leo, 1993) nannte sich eine nachträglich veröffentlichte Soloaufnahme eines Auftritts vom 10. Juli 1987 in London.


Auf "Behind The Night" (B&W und X-Talk, 1995) wurde ein Konzert vom August 1994 in Luzern mit Fritz Hauser (dm, perc), Urs Leimgruber (ts, ss) und den Pianistinnen Marilyn Crispell, Hildegard Kleeb und Elvira Plenar dokumentiert. Crispell, Hauser und Leimgruber taten sich später mit Joelle Léandre (b) zum Quartet Noir zusammen.


"Live At Mills College, 1995" (Music & Arts, 1995) nannte sich eine weitere Soloaufnahme. "The Woodstock Concert (1995)" (Music & Arts, 1996) und "Contrasts: Live At Yoshi's (1995)" (Music & Arts, 1996) waren ebenfalls Soloaufnahmen vom selben Jahr, eingespielt am 21. April und rund zwei Monate später, am 27. Juni 1995.


Unter dem Titel "Selected Works 1983-1986" (Golden Years Of New Jazz, 2001) erschien eine Doppel-CD mit frühen Solo- und Ensembleaufnahmen, die Crispell auf LPs des Labels "Leo" veröffentlicht hatte.


Auf einer der drei CDs von "Complicité" (Victo, 2001) ist ihr Soloauftritt vom Victoriaville Festival 2000 festgehalten; die beiden anderen CDs enthalten Duoaufnahmen von Paul Plimley (p) mit John Oswald (as) sowie Soloaufnahmen von Cecil Taylor (p). Auf "Pola" (Victo, 2005) ist Crispell zusammen mit dem 12-köpfigen NOW Orchestra zu hören.


"Vignettes" (ECM, 2008) war dazwischen wieder einmal eine Solo-Aufnahme. "Collaborations" (Leo, 2009) zeigt Crispell und Paal Nilssen-Love (dm) im Quartett mit Fredrik Ljungkvist (ts, cl) und Palle Danielsson (b) oder im Quintett mit Magnus Broo (tp), Lars-Goran Ulander (as) und Per Zanussi (b).


Neben Duoaufnahmen mit Raymond MacDonald (as, ss), dem Leiter des Glasgow Improvisers Orchestra, führte Crispell zusammen mit dieser Big Band Teil I von "Parallel Moments Unbroken" auf. Zusammen mit Teil II mit Evan Parker als Solisten erschienen die Aufnahmen auf einer Doppel-CD (FMR, 2018).


Sie war Mitglied des Reggie Workman Ensembles und des Scott Field Ensembles, des Barry Guy New Orchestras, des Ivo Perelman Quartets, des Joelle Léandre Projcets, dazu Gastsolistin auf "Three Pieces for Orchestra" (Intakt, 1997) des London Jazz Composers Orchestras.


Auch Tisziji Muñoz, Anders Jormin, Larry Ochs vom Rova Saxophone Quartet und die Gitarristen Eric Anderson und Henry Kaiser holten sie in grössere Ensembles. 1987 war Crispell sogar von den Uralt-Anarcho-Rockern The Fugs zu Aufnahmen ins Studio geholt. Sie nahm zudem bei den Aufnahmen von Anthony Davis Jazzoper "The Life And Times Of Malcolm X" (Gramavision, 1992) teil. 04/26

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