Französische Jazz-Grossformation, entstanden 1986. Erstmals tauchte die Idee 1982 auf, als Maurice Fleuret, verantwortlich für Musik und Tanz im Kulturministerium, ein Orchester vorschlug, das Musiker ausserhalb der klassischen Musik versammelte.
Nach Vorarbeiten einer Kommission, konnte der damalige Kulturminister Jack Lang 1985 die Bildung des ONJ bekannt geben. Das ONJ wird vom französischen Staat unterstützt. Es vereint jeweils für die Dauer von zwei bis drei Jahren unter einem musikalischen Leiter für Aufnahmen und Konzerte einige der aktuell besten französischen Jazzmusiker- und musikerinnen.
Erster Leiter war François Jeanneau, der das ONJ am 3. Februar 1986 im Théâtre des Champs-Élysées in Paris erstmals öffentlich auftreten liess. Diese erste Ausgabe des ONJ bestand neben Jeanneau (ss, ts) aus Éric Barret, Jean-Louis Chautemps, Richard Foy und Pierre-Olivier Govin (ss, ts) sowie François Chassagnite, Michel Delakian, Christian Martinez und Éric Mula (tp, flh).
Dazu kamen Jean-Louis Damant, Denis Leloup und Yves Robert (tb), Didier Havet (tuba), Marc Ducret (g), Andy Emler (p, synth), Denis Badault (p, synth), François Verly (vibes, marimba, perc), Michel Benita (b, e-b), Bruno Rousselet (b) und Aaron Scott (dm).
"Orchestre National De Jazz 86" (Label Bleu, 1986) war eine Aufnahme dieses Orchesters in Form einer Doppel-LP oder einer CD. Von 1987 bis 1989 leitete Antoine Hervé (p) das ONJ, das unter seiner Führung die Alben "O.N.J. 87" (Label Bleu, 1988) und "O.N.J. 88 89 – African Dream" (Label Bleu, 1989) einspielte.
Zwischen 1989 und 1991 wurden unter Claude Barthélémy (g) die CDs "Claire ONJ 89/91" (Label Bleu, 1990) und "Jack Line ONJ 90/91" (Label Bleu, 1991) eingespielt. Von 1991 und 1994 war Denis Badault (p) für die musikalische Leitung verantwortlich. Dabei entstaden die Alben "À plus tard" (Label Bleu, 1992), "Monk-Mingus-Ellington" (Label Bleu, 1993) und "Bouquet final" (Label Bleu, 1994).
Mit Laurent Cugny (p) als Leiter nahm das ONJ in der Zeitspanne zwischen 1994 und 1997 die Alben "Yester Now" (Verve, 1994), "In Tempo" (Verve, 1996), "Reminiscing" (Verve, 1996) und "Merci, Merci, Merci" (Verve, 1997) auf.
Von 1997 bis 2000 hiess der Leader Didier Levallet (b). Unter seiner Leitung entstanden "ONJ Express" (Evidence, 1998), "Séquences" (Evidence, 1998) und "Deep Feelings" (Evidence, 2000). Zwischen 2000 und 2002 stand mit dem italiener Paolo Damiani (cello) erstmals ein Nicht-Franzose an der Spitze des ONJ, nachdem zuvor schon Nicht-Franzosen als Musiker eingeladen worden waren.
Unter Damiani spielte das ONJ "Charméditerranéen" (ECM, 2002) ein. Für die Zeitspanne von 2002 bis 2005 war es erneut Claude Barthélémy (g), der an die Spitze des ONJ berufen wurde. Mit ihm wurde "Admirabelamour" (Label Bleu, 2003), "La fête de l'eau" (Le Chant Du Monde, 2004) und die DVD "L'ONJ traverse le Canada" (Frémeaux & Associés, 2004) realisiert.
Von 2005 bis 2008 leitete Franck Tortiller (vibes) das ONJ und trat mit dem Led Zeppelin-Programm "Close To Heaven" (Le Chant du Monde, 2005) auf. Dies wurde die bestverkaufte Schallplatte des ONJ. Eine weitere Aufnahme unter seinem Namen war die CD/DVD "Électrique" (Le Chant du Monde, 2007).
Unter Daniel Yvinec nahm das ONJ in der Zeitspanne von 2009 bis 2013 mit Robert Wyatt die Doppel-CD "Around Robert Wyatt" (Bee Jazz, 2009) auf. Weitere Aufnahmen unter Yvinecs Führung hiessen "Shut Up And Dance" (Bee Jazz, 2010), "Piazzolla!" (Jazz Village, 2012) und "The Party" (Jazz Village, 2014).
Von 2014 bis 2017 war Olivier Benoît Leiter des ONJ. "Europa Paris" (ONJazz, 2014), "Europa Berlin" (ONJazz, 2015), "Europa Rome" (ONJ, 2016), "Europa Oslo" (ONJ, 2017) und "Orchestre National de Jazz, Concert anniversaire 30 ans" (ONJ, 2018) hiessen Aufnahmen unter seiner Leitung.
Von 2019 bis 2024 übernahm Frédéric Maurin die Leitung. Mit ihm entstanden "Dancing in Your Head(s) (ONJ, 2020), "Rituels" (ONJ, 2020), "Dracula" (ONJ, 2021) und "Ex Machina" (ONJ und Pi, 2023). Bei letzterer Aufnahme war Steve Lehman (as) Gast.
Seit 2025 ist die Flötistin Sylvaine Hélary für die musikalische Leitung zuständig. Unter ihr trat das ONJ im Juni 2025 mit einem Carla Bley-Programm erstmals auf. Das Programm erschien auch auf der DL-Aufnahme "With Carla" (2026). 04/26