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Peter Kowald

  • musicmakermark
  • 21. Dez. 2025
  • 5 Min. Lesezeit

Deutscher Free Jazz-Bassist, geboren am 21. April 1944 in Masserberg, Thüringen. 1962 traf er auf Peter Brötzmann (ts), der von Swing und vom Bop kam. Mit diversen Schlagzeugern spielten diese beiden Musiker vorerst Kompositionen von Ornette Coleman und Charles Mingus.


 

Dann entdeckten sie via John Cage, Karlheinz Stockhausen oder David Tudor die musikalische Freiheit. An der Seite von Don Cherry (p-tp) und Steve Lacy (ss) vollzogen Brötzmann und Kowald Mitte der 1960er Jahre endgültig den Schritt Richtung Free Jazz.

 

Dokumente dieser Frühzeit des deutschen Free Jazz finden sich auf "The Inexplicable Flyswatter/Works On Paper 1959-1964)" (Atavistic, 2003) einem Buch und einer CD vor allem über Peter Brötzmann. Die CD/CD-ROM zeigt Brötzmann und Kowald in Aufnahmen von 1965 mit Horst Prehn (as) und Gerd Panzer (dm).

 

1965 begannen Brötzmann und Kowald regelmässig mit Sven-Åke Johansson (dm, perc) zu spielen. Im Juni 1967 realisierte das Peter Brötzmann Trio mit "For Adolphe Sax" (Brö, 1967) die erste Aufnahme. Die CD-Wiederveröffentlichung 2002 auf "Atavistic" enthielt einen Bonustrack mit Fred van Hove (p) als vierten Musiker.

 

Unter dem Titel "Mayday" (Corbett vs. Dempsey, 2010) erschienen später Aufnahmen von Brötzmann und Kowald vom Mai 1966 mit Pierre Courbois als Drummer. Ein 11:45-minütiger, im August 1967 aufgenommener Track des Brötzmann-Trios mit Johansson, erschienen auf der nur einseitig bespielten 10"-EP "Usable Past" (Olof Bright, 2003).

 

Brötzmann und Kowald waren im Dezember 1966 dabei, als Alexander von Schlippenbach seine grossorchestrale Free Jazz-Aufnahme "Globe Unity" (Saba, 1967) eingespielte. Das Brötzmann Trio blldete im Mai 1968 zusammen mit Evan Parker (ts), Willem Breuker (ts, bcl), Buschi Niebergall (b) und Han Bennink (dm) das Peter Brötzmann Octet.

 

Dises nahm in Bremen mit "Machine Gun" (Brö, 1968) die nächste frühe grossorchestralen Free-Jazz-LP auf. Mit John Stevens (dm) und dem damals neu zum Spontaneous Music Ensemble gestossenen Evan Parker (ss, ts) trat Kowald im Juni 1967 in London auf.

 

Der Mitschnitt erschien später unter dem Titel "Summer 1967" (Emanem, 1995) als Aufnahme des Spontaneous Music Ensembles. Zwischen 1968 und 1970 bildete Kowald mit Pierre Favre (dm, perc) und Irène Schweizer (p) das Pierre Favre Trio, das durch Gastmusiker wie Evan Parker oder Trevor Watts zum Quartett erweitert wurde.

 

Das Trio Favre, Schweizer und Kowald sowie Evan Parker waren im Juni 1969 Mitglied einer Grossformation, mit der Manfred Schoof (tp) die LP "European Echos" (FMP, 1969) einspielte. Mitte der 1970er Jahre wurde Kowald vom Trio von Alexander von Schlippenbach (p), Evan Parker (ss, ts) und Paul Lovens (dm, perc) für drei Aufnahmen beigezogen.

 

Kowald ist auf über 150 Aufnahmen zu hören, auf vielen davon als gleichwertiger Co-Leader. So entstanden viele Trioaufnahmen und zwar mit Peter Brötzmann und Juhani Aaltonen, Michel Pilz und Paul Lovens, Wadada Leo Smith oder Gianni Gebbia und Günter Sommer.

 

Andere Triopartner waren Masahiko Togashi und Lauren Newton, Danny Davis und Takehisa Kosugi, Mario Schiano und Joëlle Léandre, Rashied Ali und  Assif Tsahar, Miya Masaoka und Gino Robair, Kidd Jordan und Alvin Fielder, Daunik Lazro und Annick Nozati sowie in anderen Zusammensetzungen.

 

Kowald scheute sich nie, mit anderen Bassisten ins Studio zu gehen oder auf die Bühne zu treten. Am Workshop Freie Musik Anfang März 1979 in Berlin trat er mit Barre Phillips auf. Der Auftritt erschien als "Die Jungen: Random Generators" (FMP, 1979).

 

Es folgten weitere Duoaufnahmen mit anderen Bassisten sowie mit anderen Musikern (siehe Peter Kowald in Duoaufnahmen). Mit Kent Kessler (b) und Fred Lonberg-Holm (cello) nahm er "Flats Fixed" (Corbett vs. Dempsey, 2014) auf. 

 

Auf Aufnahmen in Quartettstärke oder noch grösseren Besetzungen war Kowald als Co-Leader neben Tristan Honsinger, Toshinori Kondo, Sabu Toyozumi, Mario Schiano, Gianluigi Trovesi, Paul Lovens, Pino Minafra, Radu Malfatti, Floros Floridis, Vincent Chancey und Louis Moholo.

 

In anderen Zusammensetzungen spielte Kowald mit Werner Lüdi, Lawrence "Butch" Morris, Sainkho Namtchylak, Ernst Reijseger, Joe McPhee, Mark Whitecage, Paul Smoker, David Prentice, Dominic Duval, Jay Rosen, Assif Tsahar, Hugh Ragin, Hamid Drake, Daniel Carter und anderen Co-Leadern.

 

Von Peter Kowald erschienen mehrere unbegleitete Soloaufnahmen wie "Open Secret" (FMP, 1989), "Was Da Ist" (FMP, 1995), "Silence And Flies: Live At Nigglmühle" (Free Elephant, 2005) und "Bass Solo" (Qbico, 2009). "Was Da Ist: Live 2000" (FMP, 2011) mit Aufnahmen von 2000 wurde erst nachträglich veröffentlicht.

 

Diese CD erschien einzeln oder im Rahmen des Sets "FMP im Rückblick – In Retrospect" (FMP, 2010) mit elf anderen Aufnahmen von FMP-Musikern oder –Gruppen zusammen mit einem Buch und einer Dokumentation über die Geschichte dieses Labels. Die Doppel-CD "Sidewalk Stories" (Long Arms, 2014) enthielt den live eingespielten Soundtrack zu einem Film von Charles Lane.

 

Seine erste Aufnahme als Leader hatte "Peter Kowald Quintet" (FMP, 1973) geheissen und zeigte ihn mit Peter van der Locht (as), Günter Christmann und Paul Rutherford (tb) sowie Paul Lovens (dm, perc). Kowald selber spielte neben dem Kontrabass auch Tuba und Alphorn. 

 

Kowald Trio hiess eine On/Off-Formation mit A.R. Penck (p) und  Gianluigi Trovesi (sax, cl), von der die labellose LP "Konzert In Der Kunsthalle Bern" (1981) erschien.

 

Im September 1980 versammelte er unter dem Namen The Wuppertal Workshop Ensemble mehrere hochkarätige Improvisatoren wie Marc Charig (tp, co), Paul Rutherford (tb, euph), Melvyn Poore (tuba), Gianluigi Trovesi (reeds), Peter Brötzmann (reeds), Evan Parker (ts, ss), Phil Wachsmann (vio), Fred Van Hove (p) und Günter Sommer (dm).


"The Familiy" (FMP, 1982) hiess die entsprechende Aufnahme.  Am 2. Juli 1988 war Kowald Teil des Cecil Taylor European Orchestras, das in Berlin die Doppel-CD "Alms/Tiergarten (Spree)" (FMP, 1989) einspielte. Im Herbst 1995 nahm er mit dem Ort Ensemble Wuppertal "Cuts" (FMP, 1998) auf.

 

Dem Grossorchester gehörten unter anderem Evan Parker (ss), Carlos Zingaro (vio) und Lê Quan Ninh (perc) an. 1986 hatte Kowald in Tokio mit Danny Davis (as, fl) und Takehisa Kosugi (vio) die Trio-LP "Global Village Suite Improvised" (FMP, 1988) eingespielt.

 

Am 1. Mai 1994 erklärte er seinen Wohnort Wuppertal zum Global Village und entschied sich, allerlei Kunstschaffende aus allen Sparten einzuladen und die Stadt ein Jahr lang nicht zu verlassen. Global Village Trio hiess ab Ende der 1990er Jahre eine Formation mit Xu Feng Xia (guzheng) und Gunda Gottschalk (vio, viola).

 

Auf der CD "Global Village" (Free Elephant, 2004) finden sich Aufnahmen dieses Trios aus den Jahren 1999 bis 2001. Neben neun reinen Trio-Stücken enthält die CD auch Quartettaufnahmen mit Otomo Yoshihide (elect), Ji Hi Kim (komungo) oder Pamela Z (vcl, elect).

 

Kowald starb am 21. September 2002 nach einem Auftritt in New York City, wo er zuletzt lebte. Im Rahmen eines Memorials am 1. Oktober 2002 in der Old St. Patrick Cathedral in New York City traten Musiker wie William Parker, Joelle Leandre, Reggie Workman, Andrew Cyrille, Rashied Ali, Joe McPhee, Roy Campell, Karl Berger, Shelley Hirsch, Billy Bang und andere auf.

 

Seine letzte Studiosession war am 15. September 2002 eine Trioaufnahme mit den Italienern Alberto Braida (p) und Giancarlo Locatelli (cl) gewesen. Sie erschien später als "Aria" (Free Elephant, 2004). Nach seinem Tod kam eine ganze Reihe von weiteren Aufnahmen heraus.

 

"Discography" (Jazzwerkstatt, 2014) hiess ein 4-CD-Set, das ein über 200-seitiges Buch mit Fotos über und Zeichnungen von Kowald enthielt. Dazu fand sich im Buch eine vollständige Diskografie. Discogs.com verzeichnet für Kowald 200 Einträge als Musiker.     12/25

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