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Rahsaan Roland Kirk

  • musicmakermark
  • vor 1 Stunde
  • 5 Min. Lesezeit

Amerikanischer Jazz-Tenorsaxophonist, Klarinettist, Flötist und Bandleader, geboren am 7. August 1936 in Columbus, Ohio. Er erblindete im Alter von zwei Jahren. Zuerst spielte er in R&R-Bands oder schlug sich als Strassenmusiker durch. Er fiel auf, weil er im Stande war, zwei oder drei Instrumente miteinander zu spielen.


 

Sein Instrumentarium bestand aus aussergewöhnlichen Instrumenten wie dem Manzello (Sopransax mit nach oben gerichtetem Klangtrichter) und dem Stritch (ein gerades Altsaxophon). Es handelte sich dabei um zwei Vorläufer des Saxophons, wie sie in spanischen Pasodoble- und Marschbands verwendet wurden.

 

Erste Aufnahmen machte er am 9. November 1956 in New York, als er mit Hilfe von James Madison (p), Carl Pruitt (b) und Henry Duncan (dm) sieben Nummern einspielte, die unter dem Titel "Triple Threat" (King, 1957) herausgebracht wurden. Das Album wurde später auch unter anderen Titeln wiederveröffentlicht.

 

Im Juni 1960 nahm er in Chicago mit Ira Sullivan (tp, ts), William Burton (p, org), Donald Garrett (b) und Sonny Brown (dm) "Introducing Roland Kirk" (Argo, 1960) auf. Im Jahr darauf arbeitete er während kurzer Zeit bei Charles Mingus in zwar in einer seiner Workshop Bands sowie im regulären Sextett.

 

Kirk ging mit Mingus auf Tournee und war bei den Aufnahmen von "Oh Yeah" (Atlantic, 1962) und Teilen von "Tonight At Noon" (Atlantic, 1965) dabei. Bei dieser Session überliess Mignus den Bass an Doug Watkins. Er spielte Klavier und sang.

 

Noch während seines Engagements bei Mingus machte er weitere Aufnahmen unter eigenem Namen.  Im Juli 1961 entstand mit Jack McDuff (org) als Co-Leader sowie mit Joe Benjamin (b) und Art Taylor (dm) ein Teil von "Kirk's Work" (Prestige, 1961).

 

Der andere Teil bestand aus Aufnahmen, die im April 1962 mit Herbie Hancock (p), Vernon Martin (b) und Roy Haynes (dm) als Begleiter gemacht wurden. Bei dieser zweiten Session wurde auch ein Teil von "Domino" (Mercury, 1962) aufgenommen.

 

Der Rest wurde am Tag darauf mit Wynton Kelly (p) an Stelle von Hancock sowie im September 1962 mit Andrew Hill als Pianisten eingespielt. Im August 1961 hatte er mit Richard Wyands bzw. Hank Jones (p), Art Davis bzw. Wendell Marshall (b) sowie Charlie Persip (dm) "We Free Kings" (Mercury, 1962) realisiert.

 

In der Folge spielte Kirk für "Mercury" oder dessen Unterlabel "Limelight" eine Reihe von weiteren Alben ein. "Reeds & Deeds" (Mercury, 1963) enthielt Sextett- und Septettaufnahmen mit Virgil Jones (tp), Charles Greenlee oder Tom McIntosh (tb), Harold Mabern (p), Abdullah Rafik (b) und Walter Perkins (dm).

 

Bei den Septettaufnahmen wirkte Benny Golson als Arrangeur mit. Auf "The Roland Kirk Quartet Meets The Benny Golson Orchestra" (Mercury, 1963) kam es, begleitet von mehr oder weniger den selben Musikern, zu einer weiteren Begegnung von Kirk und Golson. Ein Teil der Aufnahmen wurde im Quartett mit Mabern, Rafik und Brown aufgenommen.

 

Auf "Kirk in Copenhagen" (Mercury, 1964) waren Tete Montoliu (p), Niels-Henning Ørsted Pedersen oder Don Moore (b) J.C. Moses (dm) sowie als Gast Sonny Boy Williamson (hca) die Begleiter. Bei "Gifts & Messages" (Mercury, 1964) handelte es sich um eine Quartettaufnahme mit Horace Parlan (p), Michael Fleming (b) und Steve Ellington (dm).

 

Auf "I Talk With The Spirits" (Limelight, 1965) spielte Kirk ausschliesslich diverse Flöten, begleitet von Bobby Moses (vibes), Horace Parlan (p, celeste), Michael Fleming (b), Walter Perkins (dm, perc) und Cyristal-Joy Albert (vcl). "Rip, Rig & Panic" (Limelight, 1965) hiess eine Quartett-Einspielung mit Jaki Byard (p), Richard Davis (b) und Elvin Jones (dm).

 

Bei den Aufnahmen von "Slightly Latin" (Limelight, 1966) beschäftigte Kirk ein Oktett. Alle Aufnahmen für "Mercury" und "Limelight" sowie Alternate Takes und unveröffentlichtes Material wurden später im Rahmen der 10-CD-Box "The Complete Mercury Recordings Of Roland Kirk" (Mercury, 1990) zusammengefasst.

 

Nach seiner Arbeit für "Mercury" wurde er von "Atlantic" unter Vertrag genommen. "Here Comes The Whistleman" (Atlantic, 1967) enthielt Liveaufnahmen mit Jackie Byard bzw. Lonnie Smith (p), Major Holley (b) und Charles Crosby (dm).

 

Zwischenhinein realisierte er für "Verve" "Now Please Don't You Cry, Beautiful Edith" (1967) mit Lonnie Smith (p), Ronnie Boykins (b) und Grady Tate (dm). Mit Ron Burton (p), Steve Novosel (b), Jimmy Hopps (dm) und teilweise Dick Griffith (tb) kam "The Inflated Tear" (Atlantic, 1968) zu Stande.

 

Auf "Left & Right" (Atlantic, 1969) holte er neben einer Begleitband auch ein Streichorchester ins Studio. Weitere Aufnahmen machte er zu jener Zeit mit Bandleadern wie Roy Haynes, Quincy Jones, Tubby Hayes, Eddie Baccus, Sonny Stitt, Tommy Peltier, Les McCann und Jaki Byard.

 

Teile von "Volunteered Slavery" (Atlantic, 1969) wurden am Newport Jazz Festival 1968 mitgeschnitten, als Kirk mit Ron Burton (p), Vernon Martin (b), Jimmy Hopps (dm) und Joe Habad Texidor (perc) auftrat. Der Rest entstand im Studio mit Burton, Martin, Sonny Brown (dm) und einem Chor oder in einer erweiterten Sextett- und Septett-Besetung.

 

"Rahsaan Rahsaan" (Atlantic, 1970) stammte von Rahsaan Roland Kirk And The Vibration Society. Es handelte sich grösstenteils um Liveaufnahmen, die Kirk mit Ron Burton (p), Vernon Martin (b), James Madison (dm) und Joe Habad Texidor (perc) im New Yorker Club "Village Vanguard" dargeboten hatte.

 

Unter dem Bandnamen Rahsaan Roland Kirk And The Vibration Society erschienen später mit "Paris 1976" (Royal Jazz, 1990) und "At the Jazz Workshop Boston 1972" (Emily, 2014) zwei weitere Tondokumente.

 

1971 nahm Kirk "Natural Black Inventions: Root Strata" (Atlantic, 1971) auf,  teilweise Sonelius Smith (p) sowie vor allem mit Maurice McKinley (dm) und Joe Habad Texidor (washboard, triangle, div perc). Kirk (ts, manzello, strich, cl, fl, pipes, harm, picc, div perc) selber spielte diverse Instrumente.

 

"Blacknuss" (Atlantic, 1972) enthielt Aufnahmen in grösseren Besetzungen. "A Meeting Of The Times" (Atlantic, 1972) zeigt Kirk mit Al Hibbler (vcl). Dazu kamen Hank Jones (p), Ron Carter (b) und Grady Tate (dm). Erst später herausgebracht wurde "I, Eye, Aye - Live At The Montreux Jazz Festival Switzerland 1972" (Rhino, 1996). 

 

Bei diesem Auftritt am 24. Juni 1972 wurde Kirk von Ron Burton (p), Henry Pearson (b), Robert Shy (dm) und Joe Texidor (perc) begleitet. "Prepare Thyself To Deal With A Miracle" (Atlantic, 1973) zeigte Kirk erneut im Rahmen einer grösseren Besetzung mit unter anderem den Sängerinnen Dee Dee Bridgewater und Jeanne Lee.

 

Anfang Juni 1973 wurde im "Keystone Corner" in San Francisco die Live-LP "Bright Moments" (Atlantic, 1973) aufgezeichnet. Begleitet wurde Kirk von Ron Burton (p), Todd Barkan (synth, tambourine), Henry Mattathias Pearson (b), Robert Shy (dm) und Joe Habad Texidor (perc).

 

Im Januar 1974 wurde er wieder einmal von Charles Mingus verpflichtet, als dieser in der New Yorker Carnegie Hall "Mingus At Carnegie Hall" (Atlantic, 1974) aufnahm. "The Case Of The 3 Sided Dream In Audio Color" (Atlantic, 1975) hiess eine eigene Doppel-LP mit allerdings nur drei bespielten Seiten.

 

Die Stücke wurden mit einer grösseren Besetzung im Studio realisiert. Ein weiterer Montreux-Livemitschnitt, jener vom 18. Juli 1975 mit Hilton Ruiz (p), Henry Pete Pearson (b), Sonny Barkan (dm) und Todd Barkan (perc), bildete einen Teil der LP "Kirkatron" (Warner, 1977).

 

Der Rest stammte von Studioaufnahmen, die in den Monaten danach in diversen Besetzungen entstanden waren. Für "Other Folk's Music" (Atlantic, 1976) stellte er ein grösseres Ensemble zusammen, in dem auch Instrumente wie Harfe und Cello vorkamen.

 

Für seine letzten Aufnahmen "Return Of The 5000 lb. Man" (Warner, 1976) und "Boogie-Woogie String Along For Real" (Warner, 1978) bot er 1976 und 1977 jeweils diverse grössere Besetzungen auf.

 

Dazwischen hatte er einen Herzinfarkt, der ihn teilweise lähmte und ihn in seinem Schaffen stark einschränkte. Kirk starb am 5. Dezember 1977 im Alter von 42 Jahren in Bloomington, Indiana. Nach seinem Tod erschienen neben Wiederveröffentlichungen und diversen Live-Mitschnitten auch eine Vielzahl an Compilations.

 

Neben dem bereits erwähnten 10-CD-Set von "Mercury" waren die 3 CD starke Box "Dog Years In The Fourth Ring" (32 Jazz, 1997) und das 4 CD umfassende Set "Aces Back To Back" (32 Jazz, 1998) die vorrst umfangreichsten Sammlungen.

 

Die beiden Boxen enthielt zum Teil auch unveröffentlichte Aufnahmen Kirks aus der "Atlantic"-Zeit, die ihrerseits auf der Doppel-CD "Spirits Up Above: The Rahsaan Roland Kirk Anthology - The Atlantic Years 1965-1976" (Warner Jazz und Rhino, 2012) zusammengefasst wurden.

 

Später erschien das 4-CD-Set "Complete Recordings: 1956-1962" (Enlightement, 2014). "The Limelight/Verve Albums" (Mosaic, 2014) erschien in Form eines Sets mit 4 LPs. Im Rahmen der "Original Album Series" (Rhino, 2015) wurden fünf "Atlantic"-Alben auf ebenso vielen CDs als Set wieder veröffentlicht.


Ein weiteres 4-CD-Set hiess "The Classic 1960s Album" (Enlightenment, 2024).                           07/26

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