Sam Rivers
- musicmakermark
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Amerikanischer Tenor- und Sopransaxophonist, Flötist, Pianist, Komponist und Bandleader, geboren am 25. September 1923 in El Reno City, Oklahoma. Er stammt aus einer musikalischen Familie. Sein Grossvater Marshall W. Taylor veröffentlichte 1882 eine Sammlung von Hymnen und Melodien, die auf Plantagen gesungen werden.

Die Mutter war Pianistin, der Vater war Gospelsänger und sang bei den Fisk Jubilee Singers und beim Silverstone Quartet. Im Alter von fünf Jahren begann Rivers mit dem Piano, lernte dann Geige und Altsaxophon und spielte mit zwölf Jahren in einer Marschkapelle Sopransaxophon.
Am texanischen Jarvis Christian College lernte er Tenorsaxophon. Nach dem Militärdienst in der Navy spielte er 1947 in Los Angeles mit Bluesern wie Jimmy Witherspoon und T-Bone Walker sowie in Bebop-Gruppen. Im selben Jahr zog Rivers nach Boston, wo der das Konservatorium besuchte und in lokalen Bands oder bei Gastspielen Stars wie Gigi Gryce, Jacki Byard oder Billie Holiday begleitete.
Später war er Mitglied der Bands des Baritonsaxophonisten Serge Chaloff. In den 1950er Jahren spielte er beim R&B-beeinflussten Saxophonisten Don Wilkenson, in der Big Band von Herb Pomeroy oder in kleineren Gruppen um Joe Gordon und Jacki Byard.
1964 ging er mit dem Blueser T-Bone Walker auf Tournee. Im selben Jahr zog er nach New York. Dort wurde er neben George Coleman und Wayne Shorter einer von drei Saxophonisten, die Miles Davis in sein damaliges Quintett mit Herbie Hancock (p), Ron Carter (b) und Tony Williams (dm) einzubauen versuchte.
Rivers war dabei, als das Miles Davis Quintet am 14. Juli 1964 in Japan auftrat. Ein Mitschnitt erschien später als japanische Produktion unter dem Titel "Miles in Tokyo" (Columbia, 1969). Im selben Jahr, als "Miles In Tokyo" entstand, nahm er mit "Fuchsia Swing Song" (Blue Note, 1965) auch sein erstes Album unter eigenem Namen auf.
Eingespielt wurde es mit Hilfe von Jaki Byard (p) und der Miles Davis-Rhythmusgruppe Ron Carter (b) und Tony Williams (dm). Es folgten weitere Aufnahmen für "Blue Note" in unterschiedlichen Besetzungen. "A New Conception" (Blue Note, 1966) entstand mit Hal Galper (p), Herbie Lewis (b) und Steve Ellington (dm).
"Contours" (Blue Note, 1967) nahm er mit Freddie Hubbard (tp), Herbie Hancock (p), Ron Carter (b) und Joe Chambers (dm) auf. Aufnahmen vom März 1967 mit Donald Byrd (tp), Julian Priester (tb), James Spaulding (as, fl), Cecil McBee (b) und Steve Ellington (dm), wurden erst später als LP 1 der Doppel-LP "Involutions" (Blue Note, 1975) veröffentlicht.
LP 2 dieses Sets bestand aus zuvor ebenfalls noch unveröffentlichten Aufnahmen des Andrew Hill Quartets. Dieses spielte im März 1966 in der Besetzung Hill (p), Sam Rivers (ts), Walter Booker (b) und J.C. Moses (dm). 19 Jahre später wurden die Aufnahmen von Rivers unter dem Titel "Dimensions & Extensions" (Blue Note, 1986) als Einzelalbum herausgebracht.
Das für "Blue Note" eingespielte Material wurde später im Rahmen des 3-CD- bzw. 5-LP-Sets "The Complete Blue Note Sam Rivers Sessions" (Mosaic, 1996) zusammengefasst. Ende der 1960er Jahre, als er immer mehr den Zugang zum Kreis der revolutionären Musiker, der Jazz Composer's Guild, fand, spielte er in der Gruppe von Cecil Taylor.
Es war jener Sommer 1969, als sich CT mit Jimmy Lyons (as) und Andrew Cyrille (dm) in Europa aufhielt. CT und seine Unit waren Artists in Residence bei der Maeght Foundation in St.Paul de Vence oberhalb von Nizza in Frankreich. Dort entstanden die LPs "Nuits De La Fondation Maeght Vol. 1 bis 3" (Shandar, 1972).
1970 eröffnete Rivers in Manhattan das Studio RivBea, das zu eine der Zellen der Loftszene wurde. In dieser Zeit spielte er an der Seite von Anthony Braxton (reeds) und Barry Altschul (dm) im Dave Holland Quartet, das "Conference Of The Birds" (ECM, 1973) aufnahm.
Mit Dave Holland als Co-Leader, Duopartner oder Sideman realisierte Rivers im Laufe der Jahre viele weitere Aufnahmen (siehe Dave Holland mit Sam Rivers). Aus dem Dave Holland Quartet wurde später ohne Braxton eine der Trioformationen von Rivers.
In jener Zeit wagte sich Rivers als einer der ersten Jazz-Saxophonisten an Trioaufnahmen. "Streams" (ABC Impulse!, 1973) zeigt Rivers 1973 in Montreux mit Cecil McBee (b) und Norman Connors (dm, perc). "Hues" (ABC Impulse!, 1975) bestand aus Trio-Liveaufnahmen.
Dabei ist Rivers in 1971 Begleitung von McBee und Connors; 1972 mit Richard Davis (b) und Warren Smith (dm, perc); 1973 mit Arild Andersen (b) und Barry Altschul (dm) sowie 1973 mit McBee und Altschul zu hören. Eine mit weiterem Material erweiterte Doppel-LP-Version hiess "The Trio Live Sessions" (ABC Impulse!, 1978).
Für das sechsteilige Orchesterwerk "Crystals" (Impulse!, 1974) bot Rivers im März 1975 mehr als 75 Musikerinnen und Musiker auf. Mit Ted Dunbar (g), Dave Holland (b, cello), Barry Altschul (dm) und Warren Smith (dm, vibes, perc) kehrte Rivers auf "Sizzle" (Impulse!, 1976) wieder zu einer kleineren Besetzung zurück.
"The Quest" (Red, 1976) zeigt Rivers im Trio mit Dave Holland (b) und Barry Altschul (dm) in italienischen Aufnahmen vom März 1976. Die Aufnahmen kamen später auch unter anderen Titeln heraus. Aufnahmen des selben Trios vom April 1977 erschienen auf "Paragon" (Fluid, 1977).
In Italien entstand die LP "Rendez-Vous" (Vedette, 1977). Neben Rivers, Holland und Altschul war auch noch Mario Schiano (as) mit dabei. Jahre später fanden sich Rivers, Holland und Altschul für ein Konzert wieder zusammen, dessen Mitschnitt unter dem Titel "Reunion: Live In New York - Columbia University May 25 2007" (Pi Recordings, 2012) in Form einer Doppel-CD herausgebracht wurde.
Mit Joe Daley (tuba) und Warren Smith (dm, perc) hatte Rivers das Tuba Trio (siehe Joe Daley) gebildet. Auf den Doppel-LPs "Black Africa! Villalago (Black Africa 1)" und "Black Africa! Perugia (Black Africa 2)" (beide Horo, 1977) erschienen unter Rivers Namen Mitschnitte von Konzerten mit Joe Daley (tuba, euph) und Sidney Smart (dm, perc) vom Juli 1976 in Italien.
Auf "Dedicated To The Late John Coltrane And Other Jazz Poems" (Musicworks, 1977) spielte Rivers mit Buster Willams (b), Abdul Wadud (cello) und Andrei Strobert (perc) zu Gedichten von Kazuko Shiraishi. "Waves" (Tomato, 1979) enthielten Quartettaufnahmen vom August 1978 mit Joe Daley (tuba), Dave Holland (b, cello) und Thurman Barker (dm, perc. marimba).
"Live In Vancouver" (Condition West, 2017) enthielt später weitere Liveaufnahmen dieses Quartetts von 1979. Im Rahmen des "Sam Rivers Archive Project" veröffentlichte das Label "No Business" später sechs Ensembleaufnahmen aus den Jahren 1971 bis 1981 sowie eine von 2002.
Ab Anfang der 1980er Jahre stellte Rivers mehrmals grössere Ensemble zusammen, die teilweise nur aus Bläsern bestanden. Das erste hiess Winds Of Manhattan, gefolgt später vom Sam Rivers' Rivbea All-Star Orchestra, von dem mehrere Aufnahmen erschienen.
Auf "Contrasts" (ECM, 1980) spielten Rivers, Holland und Barker mit George Lewis (tb) an Stelle von Daley. "Crosscurrent" (Blue Marge, 1982) zeigt das Sam Rivers Quartet bei einem Konzert in Paris 1981 in der Besetzung Rivers, Jerry Byrd (g), Real Wesley-Grant (e-b) und Steve Ellington (dm).
"Lazuli" (Timeless, 1990) nannte sich eine holländische Produktion mit Darryll Thompson (g), Real Wesley-Grant (e-b) und Steve McCraven (dm) als Mitglieder des Sam Rivers Quartets. Trioaufnahmen mit Doug Mathews (vio, e-b, bcl) und Anthony Cole (ts, dm) kamen auf der Kassette "Offering" (Riv Bea, 1995) heraus.
Mit diesen Triopartnern sowie mit Steven Bernstein (tp) nahm Rivers später "Diaspora Blues" (Tzadik, 2002) auf. Matthew und Cole begleiteten Rivers auch auf "Firestorm" (Rivbea, 2002) und "Celebration" (Positone, 2004).
Mitte/Ende der 1990er Jahren konnte Rivers in Berlin dreimal Aufnahmen für das deutsche Free Jazz-Label "FMP" machen. Im April 1995 trat er mit Alexander von Schlippenbach (p) und dem Improvisors Pool auf. Dabei wurde "Backgrounds For Improvisors" (FMP, 1997) mitgeschnitten.
Teile von Duokonzerten vom November 1997 mit von Schlippenbach, erschienen unter dem Titel "Tangens" (FMP, 1998). Seine ersten und einzigen Soloaufnahmen, mitgeschnitten im Juni 1995 beim "Workshop Freie Musik", kamen als "Portrait" (FMP, 1997) heraus.
"Configuration" (Nato, 1996) nahm Rivers mit Noel Akchoté (g) Tony Hymas (p), Paul Rogers (b) und Jacques Thollot (dm) als weitere Musiker auf. Ein Konzertmitschnitt dieses Quintetts wurde später unter dem Titel "Lyon 29.03.1997" (Noël Akchoté DL, 2018) angeboten.
Eine Aufnahme mit Julian Priester (tb) und Tucker Martine (elect) erschien unter dem Titel "Hints On Light And Shadow" (Postcards, 1997). Mit Tony Hymas (p) spielte er "Eight Day Journal" (Nato, 1998) und "Winter Garden" (Nato, 1999) ein.
Es folgten über seinen Tod hinaus mehrere weitere Aufnahmen als Leader oder Co-Leader. Bei discogs.com sind für Rivers 200 Einträge als Musiker aufgeführt. Sam Rivers starb am 26. Dezember 2011 im Alter von 88 Jahren in Orlando, Florida.
"The Sam Rivers Sessionography" hiess ein von Rick Lopez zusammen getragenes Onlinedokument, das 2022 auch in Buchform erschien und in dieser Form 750 Seiten aufwies. 02/26


