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Sonic Youth

  • musicmakermark
  • vor 4 Stunden
  • 6 Min. Lesezeit

Amerikanische Avantgarde/Alternative Rock-Band, entstanden anfangs 1981 im Umfeld der experimentellen No Wave-Szene von New York City. Der Gitarrist Thurston Moore hatte zwischen 1977 und 1979 der Alternative Rock/Punk/Post Punk-Gruppe The Coachmen angehört.


 

Im New Yorker Club "CBGB's" lernte Moore Lee Ranaldo (g) kennen, der bei der New Wave-Gruppe The Flucts spielte. Dazu machte Moore Bekanntschaft mit Kim Gordon (e-b), seiner späteren Ehefrau. Sie spielte bei CKM, einem Trio, das sich im Kreis um die Avantgarde-Komponisten Rhys Chatham und Glenn Branca bewegte.

 

Glenn Brancas Trio The Static diente Sonic Youth anfänglich als Vorbild. Moore und Ranaldo gehörten bald selber den grossen Gitarrenorchestern von Glenn Branca an, mit denen er seine ersten LPs "The Ascension" (99 Records, 1981) und "Symphony No 1 - Tonal Plexus" (Roir, 1982) einspielte.

 

Glenn Branca war es, der Sonic Youth zu den ersten Aufnahmen aus seinem eigenen "Neutral"-Label verhalf. Anfänglich machte Sonic Youth mehrere Lineupwechsel durch, ehe sich die klassische Quartettbesetzung heraus kristallisierte.

 

Zum ersten Lineup gehörten neben Thurston Moore und Kim Gordon noch Ann DeMarinis (key, g, vcl) sowie der spätere Filmschauspieler Richard Edson (dm). Den ersten Gig absolvierte die Band als Fucking Youth am 8. Mai 1981 im "Club 57" in New York, den zweiten am 3. Juni des selben Jahres als Opener für Glenn Branca, wo Lee Ranaldo spielte.


Als DeMarinis kurz danach die Band verliess, wurde sie durch Ranaldo ersetzt. Danach kehrte Edson der Band temporär den Rücken, obwohl die Arbeiten zum ersten Album bereits begonnen hatten. SY absolvierte ihre Auftritte im Trio ohne Drummer, doch Ende 1981 kehrte Edson wieder zurück, um an der Fertigstellung des Mini-Albums "Sonic Youth" (Neutral, 1982) mitzuwirken. Dieses enthielt lediglich 5 Songs.

 

Nach einer Tournee mit den Swans kam mit "Confusion Is Sex" (Neutral, 1983), das erste Album der Band, auf den Markt. Am Drumkit sass inzwischen Jim Sclavunos, ausser bei zwei Tracks, auf denen Bob Bert spielte.

 

Kurz danach kam die EP "Kill Your Idols" (Neutral, 1983) mit einigen Tracks der vorangegangenen LP sowie einem Livesong und drei neuen Werken heraus. Vorerst in Form einer Kassette wurde Sonic Death: Early Sonic 1981–1983"" (Ecstatic Peace!, 1984) mit einer Collage von Live-Aufnahmen aus den Jahren 1981 bis 1983 veröffentlicht.

 

Später wurde mit "Smart Bar: Chicago 1985" (Goofin', 2012) eine weitere Liveaufnahme aus jener Zeit zugänglich gemacht. Die Aufnahmen waren zuvor schon unter dem Titel "Anarchy On St. Mary’s Place" (Youth, 1991) als Bootleg erschienen. "Bad Moon Rising" (Homestead, 1985) war die erste SY-Aufnahme, die weltweit veröffentlicht wurde.

 

Es war zugleich auch die letzte mit Bob Bert als Schlagzeuger. Mitte 1985 stiess mit Steve Shelley von The Crucifucks ein neuer Drummer dazu. Als nächstes veröffentlichte SY die Alben "Evol" (SST, 1986) mit Mike Watt (e-b) von fIREHOSE und Minutemen in zwei Tracks sowie "Sister" (SST, 1987).

 

Mike Watt war auch dabei, als die vier SY-Mitglieder mit Suzanne Sasic sowie J. Mascis von Dinosaur ein nur kurzlebiges Nebenprojekt mit dem Namen Ciccone Youth auf die Beine stellten. Der erste Teil des Bandnames war der Familienname des Popstars Madonna. Diese Band veröffentlichte als erstes die 7"-EP " Burnin' Up" (New Alliance, 1986).

 

Danach folgte mit "The Whitey Album" (Enigma und Blast First, 1988) ein Album. Damit erinnerte Ciccone Youth an das "weisse Album" der Beatles. "Walls Have Ears" (Not, 1986) hiess eine halboffizielle Live-Doppel-LP von Sonic Youth mit Mitschnitten von drei Konzerten von 1985.

 

In einem Konzert sass noch Bob Bert am Schlagzeug, in den anderen beiden Steve Shelley. Liveaufnahmen von 1987 wurden später als "Hold That Tiger" (Goofin', 1991) veröffentlicht, solche von 1986 noch später in Form einer Fan Club-Veröffentlichung als "Live at the Continental Club" (Sonic Death, 1992).

 

Noch bevor "The Whitey Album" auf den Markt gekommen war, hatte SY mit "Daydream Nation" (Enigma und Blast First, 1988) ihr erstes Doppel-Album, veröffentlicht. Mit Platz 99 in den britischen Charts hatte die Band erstmals ein Album in einer der wichtigsten Hitparaden.

 

Im Anschluss daran wurde SY vom Majorlabel "Geffen" bzw. dessen Unterlabel "DGC" unter Vertrag genommen. Dort erschienen weitere Alben wie "Goo" (1990), "Dirty" (1992) und "Experimental Jet Set, Trash And No Star" (1994). Alle drei tauchten in der ersten Hälfte der Billboard 200 auf, das 1994er Album sogar auf Platz 35.

 

Das zweite und das dritte "DGC"-Album waren Top-10-Alben in Grossbritannien. "Screaming Fields Of Sonic Love" (DGC, 1995) war eine Compilation mit Tracks aus den "Vor-Geffen"-Alben. Material, das SY im Herbst 1986 für den Film "Made In USA" geschrieben hatte, erschien erst neun Jahre später als "Made In USA" (Rhino, 1995).

 

Auf dem ursprünglich veröffentlichten Soundtrack war nur ein Song von SY enthalten gewesen. Später kamen unter dem Titel "Spinhead Sessions 1986" (Goofin', 2016) Reheasal-Tracks dazu heraus. Diese dienten als Gerüst für den eigentlichten Soundtrack.

 

Die Serie der "Geffen/DGC"-Alben wurde mit "Washing Machine" (1996) forgesetzt. Darauf war Kim Gordon mehr an der Gitarre als am Bass zu hören. Dann folgten "A Thousend Leaves" (1998) und "NYC Ghosts & Flowers" (2000). Letztere CD entstand mit Hilfe von Rafael Toral (g) und William Winant (perc).

 

Dazu kam auch Jim O'Rourke (e-b, elect), der das Album zudem produzierte und von diesem Zeitpunkt an als fünfter Musiker zu SY gehörte. "Murray Street" (2002) entstand vor und nach dem Terror-Anschlag auf das World Trade Center vom 11. September 2001.

 

O'Rourke schlief beim Anschlag im Studio, das sich in unmittelbarer Nähe der beiden Türme befand. Als die Türme einstürzten, konnte sich O'Rourke flüchtend retten. Trotz der Nähe des Studios zum Ort der Katastrophe blieben die Bänder und das Studioequipement unversehrt.

 

Ab 2003 wurden die "Geffen/DGC"-Alben wiederveröffentlicht und zwar in Form von Doppel-CD-"Deluxe Editions", das heisst ergänzt mit Single-B-Seiten und unveröffentlichten Tracks. "Sonic Nurse" (Geffen, 2004) hiess das nächste Album.

 

Gleichzeitig erschien mit "Corporate Ghost (The Videos 1990-2002)" (Geffen, 2004) eine DVD mit Videos, Fotos und Interviews. Gegen Ende 2005 verliess O'Rourke die Band, um sich den eigenen Projekten zu widmen. "Rather Ripped" (Geffen, 2006) war das letzte richtige Album für "Geffen/DGC".

 

Das Label gab im selben Jahr die Compilation "The Destroyed Room: B-Sides And Rarities" (Geffen, 2006) heraus, zusammengestellt von Moore und Ranaldo. "Hits Are For Squares" (Starbucks, 2008) war eine Compilation. Die Songs wurden von diversen Promis für die  Coffee-Shop-Kette "Starbucks" ausgewählt.

 

Neben 15 bekannten Tracks steuerte die Band einen bisher noch nie veröffentlichten Song bei. "The Eternal" (Matador, 2009) war nach einem Labelwechsel das erste Album mit Mark Ibold (e-b) von Free Kitten und Pavement als neues Mitglied. Mit Platz 18 in den Billboard 200 war es das chartsmässig erfolgreichste Album von SY.


"Battery Park NYC, July 4th 2008" (Matador, 2009) hiess im selben Jahr eine Live-LP. Eine CD-Version erschien nur in Japan als Bonus zu "The Eternal". 2018 und 2019 veröffentlichte das Netlabel "Nugs.net" zwölf Livemitschnitte. Diese stammten von Konzerten aus den Jahren 1987 bis 2011. 2020 wurde die Reihe auf dem Label "Sonic Youth Archiv" mit Dutzenden von weiteren Livemitschnitten fortgesetzt. Unter den Veröffentlichungen fanden sich auch solche einzelner Mitglieder oder von SY-Nebenprojekten.

 

Mit der Trennung von Kim Gordon und Thurson Moore als Paar 2011 hatte sich auch Sonic Youth aufgelöst. Das letzte Konzert in NYC kam später auf der Doppel-CD/Doppel-LP "Live in Brookyln 2011" (Silver Current, 2023) heraus. Das allerletzte Konzert hatte die Band am 14. November 2011 in São Paulo gegeben.

 

"In/Out/In" (Three Lobed, 2022) war eine Sammlung von bisher noch nie veröffentlichten SY-Aufnahmen aus den 2000er Jahren, als Jim O'Rourke grossen Einfluss auf die Band ausübte. Im Rahmen einer John Peel-Session hatte Sonic Youth 1989 die LP "4 Tunna Brix" (Goofin', 1990) mit Coverversionen von The Fall eingegespielt.

 

Auf dem eigenen "Sonic Youth Records"-Label veröffentlichte die Gruppe ab 1997 eine Reihe von Aufnahmen, die einen speziellen Charakter aufwiesen (siehe Sonic Youth in "SYR"-Aufnahmen). Gegen Ende der 1990er Jahre hatte die Zusammenarbeit mit dem schwedischen Free Improv-Saxophonisten Mats Gustafsson begonnen (siehe Mats Gustafsson in Zusammenarbeit mit Sonic Youth).

 

Neben den offiziellen und experimentellen SY-Aufnahmen fanden Thurston Moore, Lee Ranaldo und Kim Gordon Zeit, eigene Projekte zu realisieren. Steve Shelley besitzt mit "Smells Like Records" ein eigenes Label, gleich wie Thurston Moore, der "Ecstatic Peace!" leitet. Darauf geben die beiden SY-Musiker vor allem Aufnahmen von unbekannten oder vergessenen Bands und Künstler heraus.

 

"All Tomorrow's Parties 1.1" (All Tomorrow's Parties, 2002) war eine von SY zusammengestellte Doppel-CD/LP mit noch nie heraus gebrachten Tracks von Unwound, Stephen Malkmus, Stereolab, Bardo Pond, Cat Power, Cannibal Ox, Dead C, Boredoms, Kevin Drumm, Satan's Tornade, Papa M und Sonic Youth selber.

 

Die Sonic Youth-Mitglieder sind einzeln auf mehreren Aufnahmen von anderen Musikerinnen, Musikern und Bands zu hören. Auch gemeinsam ist SY auf einigen CDs präsent.

 

Dies geschah auf "Life In Exile After Abdication" (50 Skidillion Watts, 1989) von Ex-Velvet Underground-Schlagzeugerin Moe Tucker, auf "Dead City Radio" (Island, 1990) des Schriftstellers William S. Burroughs, auf "Broad Strokes" (KFW, 2000) von Roswell Rudd (tb) oder auf "Kekeland" (Virgin, 2001) von Brigitte Fontaine.

 

Für die Can-Remix-Doppel-CD "Sacrilege" (Mute, 1997) mischte die Gruppe den Track "Spoon" neu ab. Anfang der 1990er Jahre hatte die Band zum Film-Soundtrack "Judgement Night" (Epic, 1993) einen der Tracks beigesteuert. SY kooperierte dabei mit Cypress Hill. Dazu kam es zu weiteren Kombinationen von Hardcore-Bands mit Rappern. 02/26

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