Glenn Branca
- musicmakermark
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Amerikanischer Gitarrist, Komponist und Ensembleleiter, geboren am 6. Oktober 1948 in Harrisburg, Pennsylvania. Während seiner College-Zeit in Boston spielte er experimentelles Theater. 1976 zog er nach New York City, wo 1977 mit Barbara Ess (e-b, vcl) und Christine Hahn (dm, vcl) die Post Punk-Band The Statics gründete.

Die Nachfolgeband nannte sich Theoretical Girls und bestand neben Branca aus dem späteren Produzenten Wharton Tiers (dm) sowie aus Margaret DeWys (key) und Jeffrey Lohn (g, vcl). Die beiden einzigen Songs, die The Static für eine 7"-Single (Theoretical, 1979) aufgenommen hatte, sowie sechs Tracks von The Theoretical Girls wurden später auf der CD "Songs '77-'79" (Atavistic, 1995) wiederveröffentlicht.
Branca war in jener Zeit auch Mitglied des Rhys Chatham Guitar Trios. Anstelle von Saiten bestückte Branca seine Gitarren mit allerlei Drähten, um ungewöhnliche Klänge zu erreichen. Ein Vorläufer seiner späteren Gitarren-Orchester war die Guitar Army, die Branca Ende der 1970er Jahre leitete.
Ihr gehörten auch Thurston Moore und Lee Ranaldo an, die 1981 mit der Unterstützung von Branca Sonic Youth gründeten. Auf dem Branca-Label "Neutral" konnte SY ihre erste EP "Sonic Youth" (Neutral, 1982) sowie weitere Schallplatten herausgeben. Als erste eigene Aufnahme veröffentlichte Glenn Branca die 12"-EP "Lesson No. 1" (99 Records, 1980).
Die ursprüngliche Version enthielt das achtminütige Titelstück "Lesson No. 1 For Electric Guitar" und das rund elfminütige Werk "Dissonance", beide eingespielt von Glenn Branca und Michael Gross (g), Anthony Coleman (org), F.L. Schröder (e-b) und Stephen Wischerth (dm).
Im zweiten Track kam noch Harry Spitz (perc) dazu. Die Aufnahmen wurden 16 Jahre später in Form einer CD-EP (New Tone, 1996) zum ersten Mal wiederveröffentlicht. Auf der zweiten Wiederveröffentlichung (Acute, 2004) kam als drittes Stück der über 16-minütige Track "Bad Smells" dazu.
Letzteres Werk war 1982 unter dem Titel "Music For The Dance Bad Smells Choreographed By Twyla Tharp" auf der Split-LP "Who Are You Staring At?" (Giorno Poetry Systems, 1982) von Branca mit dem Dichter John Giorno erschienen. "Bad Smells" wurde vom Quintett David Rosenbloom, Lee Ranaldo, Ned Sublette und Thurston Moore (g) sowie Jeffrey Glenn (e-b) eingespielt.
Später kamen die drei Tracks auch auf einer Doppel-LP (Superior Viaduct, 2014) auf den Markt, die allerdings nur drei bespielte Seiten aufwies. Als nächste Branca-Aufnahme folgte die kommerziell erfolgreiche LP "The Ascension" (99 Records, 1981) die sich rund 10'000 Mal verkaufte und die in der Folge mehrfach wiederveröffentlicht wurde.
Zu den Musikern gehörten Ned Sublette, David Rosenbloom, Lee Ranaldo und Glenn Branca (g) sowie Jeffery Glenn (e-b) und Stephan Wischerth (dm). Später schrieb er zwei Nachfolgewerke. "The Ascension: The Sequel" (Systems Neutralizers, 2010) wurde wiederum von vier Gitarristinnen/ Gitarristen (Evelyne Buhler, Eric Hubel, Reg Bloor und Greg McMullen) sowie von Ryan Walsh (e-b) und Libby Fab (dm) eingespielt.
"The Third Ascension" hatte im Februar 2016 in New York City Premiere, erschien erst viel später auf einer CD (Systems Neutralizers, 2019). Im Juli 1981 hatte Branca mit "Symphony No 1 - Tonal Plexus" (Roir, 1983), das erste Werk für ein grösseres Ensemble eingespielt.
Im 16-köpfigen Orchester machten nicht weniger als neun Gitarristinnen/ Gitarristen mit, darunter erneut Ranaldo und Moore von Sonic Youth. "Symphony No. 2 (The Peak Of Sacred)" (Atavistic, 1992) wurde im Mai 1982 in der St. Marks Church in New York live aufgenommen, aber erst zehn Jahre später veröffentlicht.
Wiederum versammelte Branca 12 Musiker, darunter zehn Gitaristinnen/ Gitarristen. Branca liess eigens für dieses Stück sogenannte Mallett-Gitarren anfertigen. Als Gastmusiker wirkte der Perkussionist Z'ev mit. Mit 14 Musikern, darunter Michael Gira von den Swans nahm Branca im Januar 1983 in der Brooklyn Academy Of Music "Symphony No. 3 (Gloria) - Music For The First 127 Intervals Of The Harmonic Series" (Neutral, 1983) auf.
Noch keine Schallplattenaufnahme existiert von der "Symphony No. 4", die Branca 1983 unter anderem in London aufgeführt hatte. Im November 1984 entstand mit 12 Musikern "Symphony No. 5 (Describing Planes Of And Expanding Hypersphere)" (Atavistic, 1995). Die Aufnahmen erschienen allerdings erst elf Jahre danach.
Danach vergingen fünf Jahre, ehe Branca mit zehn Musikern "Symphony No. 6 (Devil Choirs At The Gates Of Heaven)" aufnahm. Die Aufnahme erschien 1989 auf verschiedenen Labels wie "Blast First", "Restless", "Danceteria", ehe "Atavistic" die Stücke 1993 auf CD noch einmal neu herausbrachte.
Ab der 7. Sinfonie begann Branca nicht mehr für Gitarrenorchester, sondern für richtige Orchester zu schreiben. Die Uraufführung fand 1989 in Graz mit dem Graz Festival Orchestra unter Gunter Meinhart statt. Der Mitschnitt erschien 21 Jahre später unter dem Titel "Symphony No. 7 (For Orchestra): Live In Graz" (Systems Neutralizers, 2010).
"Symphony No. 9 (L'Eve Future)" (Point Music, 1995) wurde 1994 in Krakau vom Sinfonieorchester des polnischen Radios und von den Camerata Silesia Singers eingespielt. Im selben Jahre nahm Glenn Branca mit zehn Instrumentalisten "Symphony No. 8 & No. 10 (The Mysteries)" (Atavistic, 1994) auf.
Liveaufnahmen dieser beiden Sinfonien von 1995 in New York wurden auf der DVD "Branca Ensemble Live At The Kitchen" (Atavistic, 2003) dokumentiert. Für die Compilation "Selection From The Symphonies (for Electric Guitars)" (Atavistic, 1997) wählte Branca Ausschnitte aus den Sinfonien 2, 3, 5, 6, 8 und 10 aus.
Weiter folgte die CD "Symphony No. 13 (Hallucination City) For 100 Guitars" (Atavistic, 2016). Diese Sinfonie schrieb Glenn Branca ursprünglich für ein Jubiläum der Stadt Paris im Jahr 2000. Als dieses Projekt nicht zu Stande kam, führte er es am 13. Juni 2001 vor dem World Trade Center in New York mit 100 Gitarristen auf – drei Monate vor dem Terroranschlag.
Die Aufnahmen für die CD entstanden 2008 live in Rom. Neben den Sinfonien erschienen weitere Aufnahmen von Branca. Eine in Deutschland mit sieben Musikern eingespielte 12"-EP hiess "Edmond" (Schauspiel Staatstheater Stuttgart, 1986).
"The World Upside Down" (Les Disques du Crépuscule, 1992) enthielt die Musik für "A Ballet For Orchestra In 7 Movements". Das Werk wurde 1990 in Amsterdam vom The Noordhollands Philharmonisch Orkest unter Glen Cortese erstmals aufgeführt. Die Aufnahmen mit der New York Chamber Sinfonia erfolgten später.
Die CD-EP "Empty Blue" (DuMont, 2000) bestand aus einem einzigen, 23:58-minütigen Track, gespielt von Regina Bloor (g) sowie Tony Oursler und Tracy Leipold (voice). Der musikalische Teil stammte von Branca.
Für ihre CD "Renegade Heaven" (Cantaloupe, 2000) nahm das Ensmble Bang On A Can neben Werken anderer Komponisten das 16:35-minütige Branca-Werk "Movement Within" auf. "Indeterminate Activity Of Resultant Masses" (Atavistic, 2006) enthielt die erstmals veröffentlichten Aufnahmen des Titelstücks "Indeterminate Activity Of Resultant Masses (Music For Ten Guitars And Drums)" (1981).
Es war 1981, kurz nach der "The Ascension"-Aufnahme, eingespielt worden. Die CD enhielt zudem das bisher ebenfalls noch unveröffentlichte Werk "Harmonic Series Chords (Music For Orchestra)" in einer Aufnahme von 1989 mit der New York Chamber Sinfonia sowie das Anti-Branca-Interview mit John Cage von 1982.
Die 4-Track-Liveaufnahme "Ensemble - Live At Primavera Sound 2011" (Free Music Archive, 2011) konnte frei heruntergeladen werden. Die C60-Kassette "Audio Zine #1" (Staaltape, 2013) bestand aus zwei längeren, 2012 aufgenommenen Stücken. Glenn Branca starb am 13. Mai 2018 im Alter von 69 Jahren in New York City. 02/26


