André Previn
- musicmakermark
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Amerikanischer Dirigent, Komponist und Pianist, geboren am 6. April 1929 in Berlin, als Andreas Ludwig Priwin bzw. als Sohn einer jüdischen Familie. Über sein Geburtsjahr gibt es unterschiedliche Angaben. Die Familie Priwin musste während ihrer Flucht vor den Nazis in die USA 1938 alles zurücklassen, so auch Unterlagen wie die Geburtsurkunden.

Die spätere Schreibweise des Familiennamens übernahm man im Exil von amerikanischen Verwandten. André Previn ist seit 1943 US-amerikanischer Staatsbürger. Seine Familie war im Herbst 1938 zunächst nach Paris und ein Jahr später weiter nach Los Angeles gereist. In Paris war Previn für ein Jahr als Student am Pariser Konservatorium eingeschrieben.
Zu seinen Lehrern in Los Angeles und San Francisco zählten Max Rabinowitsch, Joseph Achron, Ernst Toch, Mario Castelnuovo-Tedesco und Pierre Monteux. Zu seinen Förderern gehörten die Musiker Jascha Heifetz und Joseph Szigeti, der Previn im Kammermusizieren schulte.
Previn war in erster Linie Autodidakt, vor allem was seine Rollen als Komponisten, Orchestrator, Dirigent und Jazzpianisten angingen. Als Schule dienten ihm die Produktionsabläufe in den Filmstudios von Hollywood, wo er ab 1946 arbeitete.
Dies ermöglichte ihm nicht nur den Austausch mit hochqualifizierten älteren Kollegen wie Miklós Rózsa, Hugo Friedhofer oder Conrad Salinger, sondern auch ein stetes Lernen durch Handeln. Zuerst war Previn vor allem als Jazzpianist tätig, inspiriert von Art Tatum.
Erste Aufnahmen machte er 13-jährig als Begleiter von Hoagy Carmichael. Mit 15 Jahren trat er als Jazzmusiker im Konzertsaal des Los Angeles Philharmonic Orchestra auf. Sein damaliger Impresario Laguna gründete eine Schallplattenfirma.
Für diese konnte Previn 1945/46 seine ersten Aufnahmen machen, unter anderem mit Willie Smith und Red Callender. Später spielte er an der Seite von Ray Brown, Dizzy Gillespie und Billie Holiday. Previn spielte zuerst Pianosolo-Aufnahmen ein.
"Previn Plays The Piano" (RCA Victor, 1947) erschien als Set mit vier Schellackplatten, zwei Jahre später als unter dem Titel "Andre Previn At The Piano" (RCA Victor, 1949) als Set von drei 7"-Singles. Es folgten weitere Solo- und Gruppenaufnahmen.
Mitte der 1950er Jahre realisierte er mit Shorty Rogers (tp) und mit einigen der damals führenden Westcoast-Musikern Bigband-Aufnahmen. Für das Trioalbum "My Fair Lady" (Contemporary, 1956) mit Leroy Vinegar (b) und Shelly Manne (dm) als weitere Beteiligte erhielt dieses Shelly Manne & His Friends genannte Trio die erste Goldene Schallplatte in der Jazzgeschichte.
Von diesem Trio erschienen bis Ende der 1950er Jahre weitere Aufnahmen. Mit Red Mitchell (b) nahmen Manne und Previn als André Previn & His Pals Ende der 1950er Jahren einige Alben auf. Mit Bassisten wie Frank Capp oder Red Mitchell spielten Previn und Mann danach als André Previn Trio bis Mitte der 1960er Jahre eine ganze Reihe von weiteren Jazzalben ein.
Mit Herb Ellis (g), Red Mitchell (b) und Frank Capp (dm) entstand als André Previn Quartet "My Fair Lady" (Columbia, 1964). Als André Previn And His Orchestra entstand Ende der 1950er bis Mitte der 1960er Jahre eine Reihe von Bigband-Aufnahmen.
Zu den Musikern in Previns Orchester gehörten unter anderem auch Art Pepper oder Gerry Mulligan. Diese und andere waren zusammen mit Art Farmer, Bill Perkins, Bob Enevoldsen, Buddy Clark, Dave Bailey und Russ Freeman Mitglieder des André Previn Ensembles, das den Soundtrack zu "The Subterraneans" (1960) aufnahm.
Schon als 20-Jähriger schrieb er Filmsoundtracks und setzte diese als Orchesterleiter auch selber um. Dafür und für andere Werke bekam er nicht weniger als 10 Grammys, dazu den Grammy Lifetime Achievement Award. Dazu kamen auch Oscars.
Er schrieb auch Musik für Theaterstücke und begann gegen Ende der 1960er Jahre auch klassische Musik zu schreiben. Diese entstanden in Form von Orchesterwerken, Kammermusik, Klaviermusik, Lieder und Opern. Als Dirigent stand er einigen der besten Sinfonieorchestern der Welt vor.
Er leitete die Klangkörper Houston Symphony Orchestra (1967–1969), London Symphony Orchestra (ab 1993), Pittsburgh Symphony Orchestra (1976–1984), Los Angeles Philharmonic Orchestra (1985–1989), Royal Philharmonic Orchestra (1988–1991) und Oslo Filharmoniske Orkester (2002–2006).
Previn wurde 1996 von Königin Elisabeth II. mit dem Orden Knight Commander of the British Empire (KBE) ausgezeichnet. Previn war fünf Mal verheiratet und ist Vater bzw. Adoptivvater von insgesamt neun Kindern.
Seine erste Ehe mit der Jazzsängerin Betty Bennett, die er während seiner Militärzeit in San Francisco kennengelernt hatte, dauerte von 1952 bis 1957. Previns zweite Ehe mit Dory Langdon, die von 1959 bis 1970 bestand, blieb kinderlos. André und Dory Previn schrieben während der späten 1950er und 1960er Jahre zahlreiche gemeinsame Lieder für Filme und für Alben von Jazz- und Popkünstlern wie Doris Day.
Die Ehe zerbrach 1968, als Previn mit Mia Farrow eine Beziehung einging. André Previn und Mia Farrow heirateten 1970. Die Ehe dauerte bis 1979. Von 1982 bis 1999 war Previn mit Heather Hales verheiratet. Von 2002 bis 2006 war Previn in fünfter Ehe mit der Geigerin Anne-Sophie Mutter verheiratet.
Sie war neben dem Boston Symphony Orchestra die wichtigste Interpretin und Auftraggeberin seiner späten Kunstmusik. Sein 2002 von ihr uraufgeführtes Violinkonzert trägt ihren Namen. Allein sechs Kompositionen Previns führte Mutter zwischen 2001 und 2012 erstmals öffentlich auf.
Fast 900 Schallplatten tragen seinen Namen auf dem Cover. Davon waren über 300 Compilations. André Previn starb am 28. Februar 2019 in New York City, 89-jährig. 11/25


