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Barney Wilen

Französischer Tenor- und Sopransaxophonist und Bandleader, geboren am 4. März 1937 in Nizza als Bernard Jean Wilen. Er war Sohn einer Französin und eines US-Amerikaners und zog 1940 in die USA, wo er als Mitglied von College-Orchestern aktiv war. 1946 kehrt er nach Frankreich zurück und spielte in einer Familienband, die in der Gegend von Nizza auf Festen auftrat.


Ab 1950 begleitet Wilen durchreisende Jazzmusiker. Er arbeitete dabei mit Musikern wie John Lewis, Roy Haynes, Nico Bunink und Bud Powell zusammen. 1955 gewann er mit seinem Quartett einen Amateur-Band-Wettbewerb in der Sparte Cool Jazz. Damals studierte er noch Jura, war aber schon in der Jazzszene etabliert.


Erste Aufnahmen machte er am 26. und 28. Oktober 1954 zusammen mit Roy Haynes (dm) als Leader sowie mit Jay Cameron (bars), Henri Renaud (p), Jimmy Gourley (g) und Joe Benjamin (b) als weitere Mitmusiker. Danach folgten Aufnahmen als Mitglied des Henri Renaud Quintets (1954) und der International Saxophone Group (1955) sowie mit John Lewis und Sacha Distel (1956), Bud Powell (1958) und Art Blakey (1959).


Durch seine Zusammenarbeit mit Miles Davis (tp) wurde Wilen mit einem Schlag berühmt. Am 4. und 5. Dezember 1957 spielten Davis und Wilen zusammen mit René Urtreger (p), Pierre Michelot (b) und Kenny Clarke (dm) den Soundtrack zum Louis Malle-Film "Ascenseur pour l'échafaud" (Fontana, 1958) ein. Am 8. Dezember trat dieses Quartett zudem im Concertgebouw in Amsterdam auf. Dieser Live-Mitschnitt erschien später unter Titel wie "The Complete Amsterdam Concert", "Miles In Amsterdam" "Jazz Track" oder "Amsterdam Concert" auf diversen Labels. Zudem wurde später auch eine Radiosession dieses Quintetts vom 30. November 1957 unter verschiedenen Titeln heraus gebracht.


Wilens erste richtige Aufnahmen unter eigenem Namen hiessen "Tilt" (Swing, 1958) und waren ebenfalls 1957 mit Hilfe von Maurice Vander (p), Bibi Rovère (b) und Al Levitt (dm) bzw. Jack Cnudde (p), Bibi Rovère (b) und Charles Saudrais (dm) entstanden. Ebenfalls 1957 entstand "Barney Wilen Quartet" (Jazztone und Guide du Jazz, 1957) mit Hubert Fol (as), Nico Buninck (p), Lloyd Thompson (b) und Al Levitt (dm). Diese LP war ursprünglich nicht für eine Veröffentlichung in Frankreich vorgesehen.


Aufnahmen, die Wilen 1958 mit Donald Byrd (tp), Jimmy Gourley (g), Walter Davis (p), Doug Watkins (b) und Al Levitt (dm) für einen Soundtrack eingespielt hatten, erschienen erst viel später unter dem Titel "Jazz In Camera" (Sonorama, 2012). Das zweite richtige Wilen-Album "Jazz sur Seine" (Philips 1959) enthielt Aufnahmen vom 13. und 14. Februar 1958, auf der Wilen von den Modern Jazz Quartet-Musikern Milt Jackson (p), Percy Heath (b) und Kenny Clarke (dm) begleitet wurde.


Der Mitschnitt einer Liveaufnahme vom 24. April 1959 vom Club "Saint Germain" in Paris erschien unter dem Titel "Barney" (RCA, 1959). Wilen wurde dabei von Kenny Dorham (tp), Duke Jordan (p), Paul Rovere (b) und Daniel Humair (dm) begleitet. Jahre später erschien mit "More From Barney At Club St Germain" (BMG, 1999) noch weiteres Material dieses Auftritts. 1959 trat Wilen mit Toshiko Akiyoshi (p), Tommy Bryant (b) und Roy Haynes (dm) beim Newport Jazzfestival auf.


Aufnahmen davon erschienen erst später unter dem Titel "Newport '59" (Fresh Sound, 1991). Diese CD enthielt auch weiteres Material aus jener Zeit, das heisst Aufnahmen, die Wilen 1959 in Paris mit Clark Terry (tp), Bud Powell (p), Eric Peter (b) und Kenny Clarke (dm) machte sowie ein Track, der ebenfalls Ende der 1950er Jahre in Deutschland mit Evald Heideprim (p), Karl Theodore Geier (b) und Eberhard Stengel (dm) eingespielt worden war.


Nach "Ascenceur pour l'échafaud" war Wilen bei der Einspielung von weiteren Filmmusiken massgeblich mitbeteiligt. 1959 entstand mit Kenny Dorham (tp), Duke Jordan (p), Paul Rovere (b) sowie Kenny Clarke (dm) die Musik zu Edouard Molinaros Film "Un témoin dans la ville" (Fontana, 1959). Die auf einer 10"-EP erschienene Musik wurde später mit "Jazz sur Seine" auf CD gemeinsam wieder veröffentlicht.


Auch Les "Liaisons Dangereuses" (Fontana, 1960) war ein Soundtrack. Dieser stammte von Art Blakeys Jazz Messengers mit Lee Morgan (tp), Bobby Timmons (ts), Duke Jordan (p), Jymie Merritt (b) sowie Perkussionisten und Barney Wilen als Gastmusiker. Zudem entstanden Aufnahmen mit Andy And The Bey Sisters (1959), Bud Powell (1959/1960), Franco Cerri (1961), Don Bias (1961), Gil Cuppini (1961) sowie mit "Mental Cruelty" (Decca, 1962) ein weiterer Filmsoundtrack.


Dieser entstand hauptsächlich mit George Gruntz (p), der auch die Musik schrieb sowie mit Marcel Peerers (as, fl) Raymond Court (tp), K. T. Geier (b) und Kenny Clarke (dm). Die Aufnahmen erschienen vorerst in Form einer 10"-EP und wurden später für eine Wiederveröffentlichung (Atavistic Unheard Music Series, 2003) mit Alternate Takes erweitert. Eine weitere Version erschien 2011 bei "Sonorama".


Mehrere der Wilen-Tracks, die für Soundtracks entstanden waren, wurden auf der CD "Jazz et Cinéma Vol.1" (Emarcy 2000) zusammengefasst. Diese CD erschien im Rahmen der "Gitanes"-Reihe "Jazz in Paris". In dieser Reihe kam auch "Jazz sur Seine" (Emarcy, 2000) nochmals heraus. Die nächsten Aufnahmen unter eigenem Namen konnte Wilen erst am 19. und 20. Januar 1966 aufnehmen. Mit Raymond Court (tp), Carl Heinz Berger (vibes), Jean-François Jenny Clark (b) und Jacques Thollot (dm) wurde bei dieser Session "Zodiac" (Vogue, 1966) eingespielt.


Weitere Aufnahmen machte er mit Eje Thelin (1966) und François Tusques (1967). Am 23. Dezember 1967 war Wilen auch bei den Aufnahmen zur LP "Jazz Meets India" (Saba, 1968) beteiligt. Dabei trafen das Irène Schweizer Trio mit Uli Trepte (b) und Mani Neumeier (dm) sowie The Jazz Horns mit Wilen (ss, ts) und Manfred Schoof (co, tp) auf drei indische Musiker.


Am 13. Februar 1968 nahm Wilen einen weiteren Soundtrack auf: "Auto Jazz: Tragic Destiny of Lorenzo Bandini" (MPS, 1968). Weitere beteiligte Musiker waren François Tusques (p, org); Beb Guerin (b) und Eddy Gaumont (dm). In den 1960er und 1970er Jahren experimentierte er als einer der ersten Jazzmusiker mit der Verschmelzung von Jazz und Rock. Von der Barney Wilen And His Amazing Free Rock Band mit Joachim Kühn (p org), Mimi Lorenzini (g), Günter Lenz (b, e-b) sowie Aldo Romano oder Wolfgang Paap (dm) erschien die LP "Dear Prof. Leary" (MPS, 1969).


1969 unternahm Wilen eine Studienreise nach Afrika, wo er zur Aufnahme der Doppel-LP "Moshi" (Saravah, 1971) angeregt wurde. Bei dieser Aufnahmen machten zudem noch Michel Graillier (e-p), Pierre Chaze (g), Christian Tritsch, (e-b), Micheline Pelzer (dm), Didier Leon (takamba, oud) sowie Caroline de Bendern, Marva Broome, Babeth Lamy und Laurence (vcl) mit. Später erschienen unter dem Titel "Moshi Too-Unreleased Tapes Recorded In Africa 1969-70" (Sonorama, 2012) weitere, bisher noch nie veröffentlichte Stücke dieser Afrika-Reise.


"La Note Bleue" (IDA, 1987) war nach Ausflügen in leichtere Gefilde wieder einmal eine etwas traditionellere Aufnahme mit Alain Jean-Marie (p, org), Philippe Petit (g), Riccardo Del Frà (b) und Sangoma Everett (dm) als Begleiter. Das Nachfolgealbum war "French Ballads" (IDA, 1987) mit Michel Graillier (p), Riccardo Del Frà (b) und Sangoma Everett (dm) als weitere beteiligte Musiker. "Double Action" (Elabeth, 1988) hiess eine Aufnahme mit Jimmy Gourley (g) als Co-Leader sowie Dominique LeMerle (b) und Phillippe Combelle (dm) als Begleiter.


Die dritte Aufnahme für das "IDA"-Label war "Wild Dogs Of The Ruwenzori" (IDA, 1989) und sah Wilen von Alain Jean-Marie (p), Ricardo Del Fra (b), Sangoma Everett (dm) und Henri Guedon (perc) unterstützt. Auf "Movie Themes From France" (Timeless, 1989) und "French Story" (Alfa, 1990) wurde Wilen vom Mal Waldron Trio mit Waldron (p), Stafford James (b) und Eddie Moore (dm) begleitet.


"Paris Moods" (Alfa, 1991) enthielt eine Session vom Juli 1990 mit Jacky Terrasson (p), Gilles Naturel (b) und Peter Gritz (dm). "Sanctuary" (IDA, 1991) bestand aus Aufnahmen mit Philip Catherine (g) und Palle Danielsson (b) und "Dream Time" (Deux Z, 1992) war eine Duo-CD mit Alain Jean-Marie (p). Auf "Modern Nostalgie (Starbust Forever)" (Alfa, 1992) wurde Wilen von Oliver Hutman (p), Robert Persi (b) und Philippe Baudouin (dm) begleitet.


"Essential Ballads" (Alfa, 1993) zeigte Wilen mit Alain Jean-Marie (p), Laurent de Wilde (p, e-p, synth), Michel Zenino (b) und Jean-Pierre Arnaud (dm). Für "Le Grand Cirque" (Nato, 1993) holte Wilen Enrico Rava (tp), Philip Catherine (g), Palle Danielsson (b), Peter Gritz (dm) und Serge Marne (perc) ins Studio.


"Talisman" (IDA, 1994) war eine Quartettaufnahme mit Laurent de Wilde (p, celesta), Ira Coleman (b) und Billy Drummond (dm) und "Inside Nitty = Gritty" (Venus, 1994) eine Trio-CD mit Emmanuel Bex (org) und Peter Gritz (dm). "New York Romance" (Venus und Sunny Moon, 1995) entstand in den Van Gelder Studios, in Englewood Cliffs, New Jersey, mit Kenny Barron (p), Ira Coleman (b) und Lewis Nash (dm).


Bei einem Konzert in Japan wurde "The Osaka Concert" (Trema, 1995) aufgenommen. Dabei spielte Barney Wilen mit Laurent de Wilde (p), Gilles Naturel (b) und Peter Gritz (dm). "Passione" (Venus, 1996) zeigt Wilen in seiner letzten Aufnahme in Begleitung von Enrico Rava (tp), Alain Jean-Marie (p), Gilles Naturel (b) und Philippe Soirat (dm).


Barney Wilen starb am 25. Mai 1996 59-jährig in Paris. Nach seinem Tod kamen Dutzende von weiteren Aufnahmen heraus, meist Livemitschnitte oder Compilations. Die Triple-CD "Premier Chapitre 1954-1961" (Frémeaux & Associés, 2015) deckte das frühe Schaffen von Wilen ab. 07/23

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Fred Wesley

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