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Franz Koglmann

  • musicmakermark
  • 26. Dez. 2025
  • 4 Min. Lesezeit

Österreichischer Flügelhornspieler, Trompeter, Komponist und Ensembleleiter, geboren am 22. Mai 1947 in Mödling, Niederösterreich, und aufgewachsen in Wien. Er absolvierte eine Buchbinderlehre und besuchte gleichzeitig das private Prayner-Konservatoriums für Musik und Dramatische Kunst in Wien.


 

Danach studierte er im Konservatorium der Stadt Wien und wurde einer der ersten Schüler der neuen Jazzabteilung. 1972 besuchte er die USA und spielte mit Archie Shepp. Dabei lernte er den Trompeter Bill Dixon kennen, mit dem er später freundschaftlich verbunden blieb.

 

Als Musiker und Komponist agiert Koglmann stets im Spannungsfeld der Traditionen des Cool und des Westcoast-Jazz auf der einen sowie der zweiten Wiener Schule und der europäischen Kunstmusik auf der anderen Seite.

 

Obwohl Free Jazz nie sein Ding war, knüpfte Koglmann in den frühen 1970er Jahren enge Kontakte zur österreichischen Free-Szene. Zwei Musiker aus diesem Kreis, Toni Michlmayr (b) und Walter M. Malli (dm), spielten 1973 neben Steve Lacy (ss) und Gert Geier (elect) auf Koglmanns erster LP "Flaps" (Pipe, 1973).

 

Lacy war zur damaligen Zeit mehrfach Koglmanns musikalischer Partner. Den Monk-Erbverwalter hörte man auch auf der in limitierter Auflage von 500 Stück erschienenen, mit handbemaltem Cover versehenen LP "Opium For Franz" (Pipe, 1977).

 

Bei diesen Aufnahmen von 1975/1976 spielte Koglmann in drei unterschiedlichen Besetzungen: Mit Lacy (ss), Josef Traindl (tb), Cesarius Alvim Botelho (b) und Aldo Romano (dm); mit Bill Dixon (tp), Steve Horenstein (ts), Alan Silva (b) und Walter M. Malli (dm, perc) bzw. mit Toni Michlmayr (b) und Gerd Geier (elect).

 

Die beiden LPs "Flaps" und "Opium For Franz" wurden später unter dem Titel "Opium" (Between The Lines, 2001) auf einer CD wiederveröffentlicht. Lacy war neben Koglmann, Mario Arcari (oboe), Klaus Koch (b) und Fritz Hauser (dm) auch auf "About Yesterdays Ezzthetics" (hat ART, 1988) zu hören.

 

Umgekehrt war Koglmann Gast auf der 1990 mit 15 Musikern realisierten Lacy-Einspielung "Itinerary" (hat ART, 1990). Für "White Line" (hat ART, 1990), einer Widmung an weisse Jazzmusiker, genügten elf Musiker, darunter Paul Bley (p), Tony Coe (as, cl, ss, ts) und Gerry Hemingway (dm).

 

Es war dies eine unter Koglmanns Namen veröffentlichte Aufnahme seiner seit Mitte der 1980er Jahre bestehenden Formation Pipetett, die kein festes Lineup aufwies. Auch die mit 13 bzw. 17 Musikern eingespielten Aufnahmen "The Use Of Memory" (hat ART, 1991) und "Cantos I-IV" (hat ART, 1993) waren Pipetett-Aufnahmen, kamen aber unter Franz Koglmanns Namen heraus.

 

Zweimal taten sich Koglmann und Paul Bley (p) für Trio-Aufnahmen zusammen. Auf "12 (+6) In A Row" (hat ART, 1991) fanden sich Duos mit Bley und Hans Koch (bcl) sowie ein Trio dieser drei Musiker. Auf "Annette" (hat ART, 1992) interpretieren Koglmann, Bley und Gary Peacock (b) Kompositionen von Annette Peacock.

 

In limitierter Auflage von 999 Stück kam das Buch und die CD "O Moon My Pin-Up" (hat[now]ART und Wespennest, 1998) auf den Markt. Die CD enthielt die "Ezra Pound Cantata" für Solostimme (Phil Minton), Pipetett sowie  die Wiener Vokalisten.

 

Neben dem Pipetett leitete Franz Koglmann auch weitere Gruppen (siehe Franz Koglmann in Gruppenaufnahmen). 1999 wurde Franz Koglmann künstlerischer Leiter des neuen deutschen Labels "Between The Lines".

 

Er steuerte im selben Jahr mit "Make Believe" - einer Hommage an Jean Cocteau's Roman "Les Enfants Terribles" -  die erste Produktion des Labels bei, eingespielt mit Tony Coe (cl, bcl, ts), Tom Varner (fr-h), Brad Shepik (g) und Peter Herbert (b). Die Aufnahmen waren im Jahr davor schon auf dem Label "Deutsche Structured Finance" erschienen.

 

"Venus in Transit" (Between The Lines, 2001) war die Musik zum gleichnahmigen Theaterstück von Beverly Blankenship über Marilyn Monroe. Das Septett, das Monroe-Nummer intonierte, wurde unter anderem von Chris Speed (reeds), Mat Maneri (viola) und David Fiuczynski (g) gebildet.

 

"Don't Play, Just Be" (Between The Lines, 2001) entstand mit dem Klangforum Wien unter Emilio Pomárico sowie mit Tony Coe (ts, cl), James Emery (g) Ursula Fiedler (soprano) sowie Uli Fussenegger oder Peter Herber (b), die das Titelstück, eine vierteilige Suite, spielen.

 

Die nächste Veröffentlichtung unter Koglmanns Namen war "Fear Death By Water" (Between The Lines, 2003), eine "Beach Opera", inspiriert vom Gedicht "The Waste Land" von T.S. Eliot. Ausführende waren das Monoblue Quartet in der Besetzung Koglmann, Coe, Martin Siewert (g, elect), Peter Herbert (b), Wolfgang Reisinger (dm), und das Ensemble xx unter Peter Burwik.

 

"The Bridal Suite" (Handsemmel, 2004) war eine Duoaufnahme mit Oskar Aichinger (p). "Let's Make Love" (Between The Lines, 2005) war eine unter Koglmanns Namen herausgebrachte Aufnahme des Pipetetts, bei dem Koglmann die Affäre von Marilyn Monroe und Yves Montand während den Dreharbeiten zum Film "Let's Make Love" musikalisch erzählte.

 

Auf "Noctural Walks/Symphony No. 27" (Col Legno, 2007) stellte er ein eigenes Werk einer Sinfonie von Josph Haydn gegenüber. Eine weitere Aufnahme seines Monoblue Quartets hiess "Lo-Lee-Ta: Music On Nabatov" (Col Legno, 2009), eingespielt mit Hilfe von Tony Coe (cl, sax), Ed Renshaw (g) und Peter Herbert (b). Koglmann selber spielte Keyboards und bediente Electronics.

 

"Join!" (ORF, 2014) enthielt eine von Koglmann komponierte Oper in einer Liveaufnahme vom Mai 2013. Unter den Namen von Franz Koglmann (tp, flh), Mario Arcari (engh, oboe) und Attila Pasztor (cello) erschien "G(ood)luck" (Cracked AnEgg und Handsemmel, 2015). Mit einer seiner Pipetett-Gruppen ähnlichen Septett-Besetzung nahm er "Near Blue - A Taste Of Melancholy" (ezz-thetics, 2024) auf. Die CD enthielt einen Stereo Mix und einen Binaural Mix der zehn Stücke.

 

Zwischen 1979 und 1983 hatte Koglmann an diversen Orten in Österreich Duo- und Trioaufnahmen mit Andrea Centazzo (dm) und Lol Coxhill (ss) realisiert. Diese erschienen später auf den Alben "Darkly" und "Darkly Again" (beide Ictus, 2006).

 

Ein Teil davon wurde auch zusammen mit Trioaufnahmen von Centazzo und Coxhill mit Mario Schiaffini (tb) veröffentlicht. Zudem war Koglmann Mitglied des Andrea Centazzo Mitteleuropa Orchestras.


Koglmann war auch als Komponist für Musiker oder Formationen wie das Mytha Alphorn Ensemble von Hans Kennel tätig. Seine dreiaktige Oper "Die Unsterblichen" wurde in Zusammenarbeit mit dem Wiener Opertheater und dem Klangforum Wien 1999 uraufgeführt.

 

Gastauftritte spielte Koglmann in der Wiener Gruppe Ton Art, im GrubenKlangOrchester von Georg Graewe und in einer der ersten Formationen des späteren Vienna Art Orchestras. Weitere Aufnahmen machte Koglmann als Sideman von diversen anderen Musikern.   12/25

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