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François Tusques

  • musicmakermark
  • vor 4 Stunden
  • 3 Min. Lesezeit

Französischer Free Jazz-Pianist, Komponist und Bandleader, geboren am  27. Januar 1938 in Paris. Kurz nach seiner Geburt übersiedelte die Familie in die Bretagne, weil sein Vater in der Résistance aktiv war. Später lebte er zwei Jahre in Afghanistan und zwei Jahre in Dakkar.


 

Auf Grund der Gefährdung besuchte er keine französische Schule und hatte bis zum 18. Lebensjahr, als er Klavier zu studieren begann, keine geordnete musikalische Ausbildung. Zunächst spielte er in der Gruppe des Trompeters Bernard Vitet, der die erste französische Free Jazz-Gruppe leitete.

 

Weitere Mitglieder dieser Formation waren Jean-François Jenny-Clark (b) und Aldo Romano (dm). 1965 nahm er mit Vitet, Michel Portal (bcl), François Jeanneau (sax, fl), Beb Guérin (b) und Charles Saudrais (dm, perc) die LP "Free Jazz" (Disques Mouloudji, 1965) auf. Es handelte sich um die erste französische Schallplatte mit freien Kollektiv-Improvisationen.

 

Eine weitere eigene LP aus jener Zeit hiess "Le Nouveau Jazz" (Disques Mouloudji, 1967). Sie enthielt vor allem Soloaufnahmen, dazu ein Duo mit Beb Guérin und ein Quintettstück mit Barney Wilen (ts), Guérin und Jenny-Clark (b) sowie Aldo Romano (dm).

 

Aufnahmen für den Soundtrack eines Vampir-Films von Jean Rollin, die Tusques 1967 mit Barney Wilen (ts), Eddie Gaumont (vio) sowie Beb Guérin und Jean-François Jenny-Clark (b) aufgenommen hatte, erschienen erst später als "La Reine Des Vampires 1967" (Cacophonic, 2014).

 

Die LP "Alors Nosferatu Combina Un Plan Ingénieux" (Cacophonic, 2019) bestand aus Stücken aus den Jahren 1969 bis 1971, die Tusques auf alten Tonbändern wiederentdeckt hatte. An Details über die Besetzung und die Aufnahmedaten konnte sich Tusques nicht mehr erinnern.

 

Auch auf der Doppel-LP " La Chasse Au Snark" (Cacophonic, 2020) wurden Stücke aus den Jahren 1968, 1969 und 1971 zugänglich gemacht. Als sich Ende der 1960er Jahre viele amerikanische Jazzmusiker in Paris niederliessen, arbeitete Tusques unter anderem mit Anthony Braxton, Sunny Murray, Don Cherry und Clifford Thornton zusammen.

 

"Piano Dazibao" (Futura, 1970) und "Dazibao N°2" (Futura, 1971) hiessen weitere Soloalben. Mit Hilfe von Steve Potts (as), Alan Shorter (tp), Alan Silva (cello), Beb Guérin und Bob Reid (b), Louis Armfield (perc) und Sunny Murray (dm) nahm Tusques (p, g, saw, maracas) "Intercommunal Music" (Shandar, 1971) auf.

 

Anfangs der 1970er Jahre gründete er mit anderen französischen und afrikanischen Musikern das Intercommunal Free Dance Music Orchestra. Von dieser Formation erschienen im Laufe der Jahre mehrere Alben, auf denen die verschiedenen Musikkulturen gleichberechtigt im Sinne eines World Jazz behandelt wurden.

 

Mit Musikern des Intercommunal Free Dance Music Orchestras sowie mit den Bombarde-Spielern Jean-Louis Le Vallegant, Gaby Kerdoncuff und Philippe Lestrat nahm er "Après la marée noire" (Le Chant du monde, 1979). Anlass war die Verschmutzung der bretonischen Küste nach der Havarie des Tankers "Amoco Cadiz" vom 16. März 1978.

 

Weitere Aufnahmen machte er zu jener Zeit mit Byard Lancaster, als Mitglied der Grossorchester Le Collectif Le Temps Des Cerises, Celestrial Communication Orchestra und Opération Rhino, mit Barney Wilen, Violeta Ferrer, Colette Magny sowie mit der bretonischen Folklore-Gruppe Diaouled Ar Menez.

 

Mit dem Sänger Serge Utgé-Royo nahm Tusques "Ça Branle Dans la Manche" (Le Temps Des Cerises, 1975) auf. "Le Piano Préparé" (Le Chant Du Monde, 1977), "Le Cabaret De La Dernière Chance - Piano Solo" (Disques Vendémiaire, 1982) und "Génération" (Production Paysages, 1988) waren im Abstand jeweils mehreren Jahren weitere unbegleitete Soloaufnahmen.

 

"1992, Le jardin des délices" (Adda und In Situ, 1992) war eine Aufnahme, auf der sich Tusques von Bernard Vitet (tp), Danièle Dumas (ss), Denis Colin (cl, bcl), Noël McGhee (dm, perc) und Isabel Juanpera (textes, vcl) zeigte. Alle dieser Musiker sowie noch sechs weitere waren auch auf der folgenden Aufnahme "Blue Phèdre" (Axolotl, 1996) zu hören.

 

Colin und McGhee begleiteten Tusques auf der Trio-CD "Blue Suite" (Transes Européennes, 2000). Mit Carles Andreu (vcl) als Co-Leader sowie eine Reihe von weiteren Musikerinnen und Musikern nahm Tusques "Arc Voltaic" (In Situ, 2003). Danach folgten drei Duo-Einspielungen.

 

Mit Noel McGhee (dm) entstand "Topolitologie" (Improvising Beings, 2010), mit Isabel Juanpera (vcl) "Tango Libre" (Improvising Beings, 2011) und mit Sonny Simmons (as, engh) "Near The Oasis" (Improvising Beings, 2011). "L'Etang Change (Mais Les Poissons Sont Toujours Là)" (Improvising Beings, 2012) war die nächste Soloaufnahme. Sie erstreckte sich über zwei CDs.

 

"Laisser l'ésprit divaguer" (Studio234, 2014) war auch eine Doppel-CD die Tusques auf CD 1 mit François Toullec und auf CD 2 mit Eric Zinman zeigte. Wie Tusques waren Toullec und Ziman ebenfalls Pianisten. "La Jungle Du Douanier Rousseau" (Improvising Beings, 2014) war eine Trioaufnahme mit Alexandra Grimal und Sylvain Guérineau (beide ts).

 

In der Folge kamen laufend weitere Aufnahmen von Tusques heraus, darunter auch solche mit früher aufgezeichnetem Material. "Avants-Derniers Blues" (Improvising Beings, 2017) bestand aus damals aktuellen Soloaufnahmen und stellte eine Doppel-CD dar. Insgesamt veröffentlichte Tusques über 40 Aufnahmen unter seinem Namen oder als Co-Leader.

                                                     06/26

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