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Gary Peacock

  • musicmakermark
  • 15. Apr.
  • 5 Min. Lesezeit

Amerikanischer Jazz-Bassist, Komponist und Bandleader, geboren am 12. Mai 1935 in Burley, Idaho. Er spielte zuerst Klavier und, fasziniert von Gene Krupa, Schlagzeug, ehe er zum Bass wechselte, als er in den 1950er Jahren mit einer US Army-Band in Deutschland stationiert war.


 

Noch in Deutschland spielte er mit Hans Koller, Albert Mangelsdorff, Attila Zoller, Tony Scott, Bud Shank und Bob Cooper. Nach seiner Rückkehr in die USA 1958 war Peacock vor allem in der West Coast-Szene aktiv.

 

Dabei begleitete er von Paul Bley, Barney Kessel und Ravi Shankar über Shorty Rogers, Prince Lasha, Sonny Simmons und Don Ellis bis zu Paul Horn und Hampton Hawes so ziemlich alle Musiker dieser Zeit. Aufnahmen aus jener Zeit wurden später unter dem Titel "The Beginnings - West Coast Years 1959-1962" (Fresh Sound, 2020) zusammengefasst.

 

1961 wechselte er an die Ostküste, wo er sofort in der Szene Fuss fasste. Wie Bley wechselte er spielend zwischen Free Jazz und Avantgarde Jazz hin und her. Zwischen 1962 und 1964 war er Bassist beim Pianisten Bill Evans und spielte für Tony Williams. Anstatt bei Miles Davis den Posten von Ron Carter zu übernehmen, schloss er sich Albert Ayler an.

 

Mit Sunny Muarray (dm) bildete er 1964/65 die Begleitgruppe dieses Saxophonisten. Während dieser Zeit entstanden Ayler-Aufnahmen wie "Spiritual Unity" (ESP, 1965), "Spirits Rejoice" (ESP, 1965), "Ghosts" (Debut, 1965), "New York Eye And Ear Control" (ESP, 1966) und andere.

 

Später spielte er gleichwohl drei Jahre in der Band von Miles Davis, ohne dass dabei Aufnahmen entstanden. Auch im Orchester von Gil Evans besetzte Peacock eine Zeitlang den Stuhl des Bassisten. Eng war seine Zusammenarbeit mit Paul Bley.

 

Sie begann mit der Trio-LP "Mr. Joy" (Limelight, 1968), bei der neben Bley und Peacock Bill Elgart (dm) der dritte beteiligte Musiker war. "Paul Bley With Gary Peacock" (ECM, 1970) hiess eine Duo-LP von Bley und Peacock. 20 Jahre später nahm dieses Duo auch "Partners" (Owl, 1991) auf und noch einmal einige Jahre danach folgte "Mindset" (Soul Note, 1997).

 

Auf "Ballads" (ECM, 1971), einer weiteren Trioaufnahme mit Bley, teilte sich Peacock die Rolle des Bassisten mit Mark Levinson. Barry Altschul war der Drummer. Gary Peacock war auch Mitglied der Bley-Peacock Synthesizer Show, wobei das Peacock im Gruppennamen seine Ex-Frau Annette Peacock (synth, vibes, vcl) betraf.

 

Danach war Peacock auf mehreren weiteren Aufnahmen von Paul Bley zu hören. Neben Aufnahmen als Begleiter von Dennis Budimir, Sadao Watanabe, Jack DeJohnette und Hozan Yamamoto veröffentlichte Peacock mit "Eastward" (CBS, 1970) auch seine erste Aufnahme unter eigenem Namen.

 

Seine Begleiter waren Masabumi Kikuchi (p) und Hiroshi Murakami (dm). Im Jahr darauf folgte mit "Voices" (Sony, 1971) eine zweite LP dieses Trios mit  Masahiko Togashi (perc) als vierten Musiker. Das Gary Peacock Trio mit Masahiko Satoh (p) und Motohiko Hino (dm) begleitete die Sängerin Helen Merrill auf "Sposin'" (Storyville, 1971).

 

Masahiko und Peacock spielten mit "Samādhi" (Express, 1972) auch eine Duo-LP ein. Davor hatte "First Encounter" (Explosive, 1971) eine Duo-LP mit Mal Waldron (p) geheissen. Danach zog er wegen Drogen- und Alkoholproblemen und Schlafstörungen nach Japan.

 

Dort studierte er östliche Philosophie und Medizin und fand nach einer radikalen Umstellung seiner Ernährung wieder zu sich selber. Nach sechsjähriger Schaffenspause kam ab 1977 vor allem beim Label "ECM" eine ganze Reihe von verschiedenen Aufnahmen heeraus.

 

Unter seinem Namen erschien "Tales Of Another" (1977), eine Trio-LP, die er mit Keith Jarrett (p) und Jack DeJohnette (dm) eingespielt hatte. Es war die erste Aufnahme dieses Trios, das als Keith Jarrett Trio eine der wichtigsten und langlebigsten Formationen in diesem Bereich wurde.

 

Es folgten weitere eigene Aufnahmen wie die Solo-LP "December Poems" (ECM, 1979), die Trioaufnahme "Shift In The Wind" (ECM, 1980) mit Art Lande (p) und Eliot Zigmund (dm) und die Quartetteinspielung "Voice From The Past - Paradigm" (ECM, 1982) mit Jan Garbarek (ts, ss), Tomasz Stanko (tp) und Jack DeJohnette (dm).

 

Für "Guamba" (ECM, 1987) holte Peacock Jan Garbarek (ts, ss), Palle Mikkelborg (tp, flh) und Peter Erskine (dm) ins Studio. "Wave" (East Wind, 1987) hiess eine weitere Trioaufnahme mit japanischen Musikern. Begleiter waren Masahiko Satoh (p) und Masahiko Togashi (dm), mit denen er schon früher zusammengespielt hatte.

 

Mit Masabumi Kikuchi, einem anderen japanischen Pianisten und langjährigen musikalischen Weggefährten, sowie mit Paul Motian (dm) bildete Peacock das Trio Tethered Moon, das ab Anfang der 1990er Jahre mehrere Aufnahmen veröffentlichte.

 

Ein anderes Trio mit  Kikuchi und Togashi hiess Great 3 und veröffentlichte "Begin The Beguine" (Aeolus, 1994) und "Tennessee Waltz" (Aeolus, 1996). Schlicht Quartet hatte sich eine Gruppe mit Julian Priester (tb), Jay Clayton (vcl, effects) und Jerry Granelli (dm, perc, elect) genannt, von der die CD "No Secrets" (New Albion, 1988) erschien.

 

Mit Markus Stockhausen (tp, flh, synth) als Co-Leader sowie mit Fabrizio Ottaviucci (p) und Zoro Babel (dm) nahm Peacock "Cosi Lontano...Quasi Dentro" (ECM, 1989) auf. "Alchemy" (Fnac, 1991) war eine Duoaufnahme mit Jeff Gardner (p).

 

"Annette" (Hat Art, 1992) hiess eine Trioaufnahme mit Paul Bley (p) und Franz Kogelmann (flh, tp) in Form einer Hommage an Annette Peacock, der Ex-Frau von Gary Peacock und Paul Bley. Eine weitere solche Hommage hiess "Nothing Ever Was, Anyway. Music Of Annette Peacock" (ECM, 1997) mit Marilyn Crispell (p) und Paul Motian (dm).

 

Dieses Trio nahm später auch "Amaryllis" (ECM, 2001) auf. Nur im Duo spielten Crispell und Peacock "Azure" (ECM, 2013) ein. Unter den Namen der beteiligten Musiker erschienen von Gary Peacock mehrere Aufnahmen. "In The Evening Out There" (ECM, 1993) stammte von Paul Bley (p), John Surman (bars, bcl), Peacock und Tony Oxley (dm).

 

"Muthspiel • Peacock • Muthspiel • Motian" (Amadeo, 1993) kam mit Christian Muthspiel (tb), Peacock, Wolfgang Muthspiel (g) und Paul Motian (dm) zu Stande, "Live In Montreux" (Stretch, 1994) mit Chick Corea (p), Joe Henderson (ts), Peacock und Roy Haynes (dm).

 

"Oracle" (ECM, 1994) und "A Closer View" (ECM, 1998) waren zwei Duoaufnahmen mit Ralph Towner (g), "Just So Happens" (Postcards, 1994) eine solche mit Bill Frisell (g) und "What Is Says" (Sketch, 2004) und "Insight" (Pirouet, 200) solche mit Marc Copland (p).

 

Copland zog Peacock auch zu einer Reihe von Trioaufnahmen unter seinem Namen bei. "Now This" (ECM, 2015) war erstmals seit den 1970er Jahren wieder einmal eine Aufnahme des Gary Peacock Trios, das in der Besetzung Peacock, Marc Copland (p) und Joey Baron (dm) spielte.

 

Die Fortsetzung davon hiess "Tangents" (ECM, 2017). Dazwischen erschien mit "In Motion" (Intakt, 2016) eine mit Marilyn Crispell (p) und Richard Poole (dm) eingespielte Trio-CD. Die letzten zu seinen  Lebzeiten veröffentlichten Aufnamen hiessen "When Will The Blues Leave" (ECM, 2019).

 

Sie zeigen Gary Peacock mit Paul Bley (p) und Paul Motian (dm) bei einem Auftritt 1999 in Lugano. Gary Peacock starb am 4. September 2020 in seinem Haus in Upstate New York im Alter von 85 Jahren. Discogs.com listet für ihn über 400 Einträge als Musiker auf.

 

Peacock war seit den 1980er Jahren neben anderen auch auf Alben von Ralph Towner, Markus Stockhausen, Bill Connors, Michel Petrucciani, Steve Kuhn, Tomasz Stanko, Marc Cohen, Vince Mendoza, Don Pullen, François Carrier, Jay Clayton, Martial Solal, Bill Carrothers, Lee Konitz und John Surman zu hören.                                           04/26

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