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George Russell

  • musicmakermark
  • vor 2 Stunden
  • 5 Min. Lesezeit

Amerikanischer Orchesterleiter, Arrangeur, Pianist, Schlagzeuger und Komponist, geboren am 23. Juni 1923 in Cincinnati, Ohio. Er war der Sohn eines weissen Vaters und einer schwarzen Mutter. Schon im Alter von 15 Jahren schlug er sich als Jazzdrummer in Clubs von Cincinnati durchs Leben. 1943 schloss er sich der Band von Benny Carter an und kam so nach New York City.


 

Dort hörte er Max Roach und beschloss unter diesem Eindruck, sich fortan aufs Komponieren zu beschränken. Er kehrte nach Cincinnati zurück und wagte sich als Autodidakt an seine ersten Stücke. Als Versuchslaboratorium diente ihm die Hausband des dortigen "Cotton Club", die seine Werke und Arrangements spielte.


Einen ersten Fremdauftrag erhielt Russell von seinem ehemaligen Chef Benny Carter. Auf dessen Empfehlung schrieb er auch für Earl Hines. 1945 zog Russell wieder nach New York City, wo Miles Davis, Charlie Parker, Dizzy Gillespie und andere den Jazz revolutionerten und das Bebop-Zeitalter einläuteten.


Russell begann für Dizzy Gillespie zu schreiben, wurde dann aber krank. Während des 16-monatigen Spitalaufenthaltes vertiefte er seine Kenntnisse im Komponieren. Er begann an einer eigenen Musiktheorie, dem "Lydian Concept Of Tonal Organization" zu arbeiten. Daneben schrieb er Stücke wie "Cubano Be/Cubano Bop" (1947) für Dizzy, "Bird In Igor's Yard" (1949) für die Buddy DeFranco Big Band sowie "Ezzthetic" und "Odjenar" (beide 1949) für Lee Konitz.

 

Zudem arrangierte er für die Grossorchester von Artie Shaw, Claude Thornhill und Charlie Ventura. Den Durchbruch mit seinem "Lydian Concept" schaffte er aber erst 1955. Neben John Lewis, Gil Evans, Charles Mingus und Gerry Mulligan galt er zu jener Zeit als einer der fähigsten Komponisten.

 

Auf der erst nachträglich veröffentlichten LP "Brandeis Jazz Festival" (Columbia, 1977) mit Aufnahmen vom Juni 1957 fanden sich sechs Auftragskompositionen, die er für Harold Shapero, Jimmy Giuffre, Charles Mingus, Milton Babbitt und Gunther Schuller für das Brandeis University Festival of the Arts 1957 in New York City geschrieben hatten.

 

Interpreten waren 17 Musikerinnen und Musiker, die damals auch in den Workshop Orchestern von Russell oder Mingus tätig waren. Bekannteste Namen waren Teo Macero (bars), John LaPorta (as), Hal McKusick (ts), Art Farmer (tp), Bill Evans (p), Teddy Charles (vibes) oder Mingus selber. Im Rahmen der "Jazz Workshop"-Serie des Labels "RCA" erhielt Russell die Gelegenheit, seine erste LP unter eigenem Namen einzuspielen.


Mit dem George Russell Smalltet realisiere er "The Jazz Workshop" (RCA, 1957). Seine Gruppe bestand aus Bill Evans (p), Art Farmer (tp), Hal McKusick (as, fl), Barry Galbraith (g), Milt Hinton oder Teddy Kotick (b) sowie Joe Harris, Paul Motian oder Osie Johnson (dm).  


Es war die erste von mehreren Aufnahmen in kleineren Besetzungen (siehe George Russell in kleineren Formationen). Vor allem mit dem George Russel Sextett realisierte er Ende der 1950er/Anfang der 1960er Jahre eine ganze Reihe von Aufnamen. Die meisten sonstigen Aufnahmen spielte Russell mit grösseren Ensembles ein.


Im Herbst 1958 und Frühling 1959 realisierte er mit dem George Russell Orchestra die Aufnahmen zu "New York, N.Y." (Decca, 1959). Der Band gehörten Bill Evans (p) und John Coltrane (ts) an, die zur selben Zeit mit Miles Davis das Album "Kind Of Blue" (Columbia, 1959) einspielten. Einen Tag nach Abschluss der Aufnahmen zu "New York, N.Y." begann Coltrane zudem mit den Aufnahmen zu "Giant Steps" (Atlantic, 1959).

 

Bill Evans war auch bei "Jazz In The Space Age" (Decca, 1960), der nächsten Aufnahme des  George Russell Orchestras, mit dabei. Neben Evans kam auch Paul Bley als Pianist zum Einsatz. Zu einer weiteren  Zusammenarbeit zwischen Russell und Bill Evans kam es später bei den Aufnahmen zum Big Band-Fusion-Album "Living Time" (Columbia, 1972).

 

1963 war George Russell nach Europa ausgewandert. Er hielt sich länger in Norwegen und Schweden auf, wo er für das schwedische Radio arbeitete. Die erste Aufnahme, die Russell in Europa realisierte hiess "Othello Ballet Suite/Electronic Organ Sonata No. 1" (Flying Dutchman, 1970).

 

Die zweiteilige "Othello Ballet Suite" entstand mit Hilfe von Arne Domnerus (as), Bernt Rosengren und Jan Garbarek (ts), Eolf Eriksson (tp), Jon Christensen (dm) und mit dem Swedish Radio Symphony Orchestra. Das zweite Wer auf dieser LP, die "Electronic Organ Sonata No. 1",  wurde von Russell auf einer Kirchenorgel in Oslo solo eingespielt.

 

Eine Auftragsarbeit für das Kongsberg Jazz Festival 1971 mündete in das Werk "Listen To The Silence" (Concept, 1973), das er mit skandinavischen und amerikanischen Musikern und Sängerinnen bzw. Sängern in der Kirche von Kongsberg aufführte. Ein weiteres Auftragswerk war "Vertical Form VI", geschrieben für das schwedische Radio und aufgeführt im März 1977 mit einer Big Band. Der Livemitschnitt wurde erst später auf einer LP (Soul Note, 1981) herausgebracht.

 

1969 war Russell auf Einladung von Gunther Schuller in die USA zurückgekehrt, um am New England Conservatory of Music eine Jazz-Abteilung aufzubauen. Für eine Ballettaufführung komponierte Russell auf der Basis eines gleichnamigen Buches von Leonard Wibberley das Werk "Encounter Near Venus – Ballet", das auf einer Doppel-LP (Sheffield, 1975) erschien.

 

Interpreten waren Lincoln Mayorga (p) sowie die Perkussionisten/Drummer Colin Bailey, Larry Bunker, Shelly Manne, Victor Feldman und Wally Snow. Das Ballett selber wurde erst 1979 in Laguna Beach, California, uraufgeführt.

 

George Russell's New York Band hiess Ende der 1970er Jahre eine Big Band, die allerdings aus skandinavischen und amerikanischen Musikern bestand. Die Aufnahmen zum ersten Album "George Russell's New York Band" (Soul Note, 1982) waren am 16. August 1978 New York entstanden.

 

Die zweite Aufnahme von George Russell's New York Band hiess "Live In An American Time Spiral" (Soul Note, 1983) und enthielt Aufnahmen eines nurmehr 14-köpfigen Ensembles von 1982. Beim Titelstück "Time Spiral" handelte es sich um eine Auftragskomposition des schwedischen Radios von 1979.

 

Mitte der 1980er Jahre stellte Russell mit dem Living Time Orchestra eine weitere Grossformation auf die Beine. Aufnahmen dieser Big Band waren "The African Game" (Blue Note, 1985), "So What" (Blue Note, 1986) und "New York" (Electric Bird, 1988).

 

1989 wurden bei einem Auftritt im "Ronnie Scott's Jazz Club" in London die beiden Einzel-CDs "The London Concert Volume One und Two" (beide Stash, 1989) mitgeschnitten. Sie kamen auch zusammen als Doppel-CD mit dem Titel "The London Concert" (Label Bleu, 1995) heraus.

 

"It's About Time" (Label Bleu, 1996) war eine weitere Aufnahme des Living Time Orchestras. Später erschien mit "The 80th Birthday Concert" (Concept, 2005) eine weitere Doppel-CD des Living Time Orchestras, aufgenommen bei der Tournee 2003 zum 80. Geburtstag von Russell.

 

George Russell starb am 27. Juli 2009 in Boston, Massachusetts, nach langer Alzheimer-Krankheit rund einen Monat nach seinem 86. Geburtstag.  Aufnahmen der Riverside-Alben waren unter dem Titel "Outer Thoughts" (Milestone, 1975) zu einer Doppel-LP-Compilation zusammengefasst.

 

Unter dem Titel "Complete Black Saint-Soul Note Recordings" (Black Saint, 2010) wurden die Alben für das "Soul Note"-Label im Rahmen eines 9-CD-Sets wieder veröffentlicht. Die 4-CD-Box "Seven Classic Albums" (Real Gone, 2013) deckte die Zeit zwischen Ende der 1950er und Anfang der 1960er Jahre ab.

 

"The Complete 1960-1962 Decca & Riverside Album Collection" (Fresh Sound, 2014) bestand ebenfalls aus vier CDs mit Sextettaufnahmen aus jener Zeit. Beim selben Label erschien die Doppel-CD "Smalltet & Orchestra Recording - Complete 1956-1960" (Fresh Sound, 2014).

      

Ein anderes, 5 CDs umfassendes Boxset hiess "Complete Collection: 1956-1964" (Enlightenment, 2015) und bestand aus allen Alben, die Russell zwischen 1956 und seinem Umzug nach Europa 1963 eingespielt hatte. Dazu kamen weitere Billig-CD-Sets mit bekanntem Material.          02/26

 

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