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Gianluigi Trovesi

  • musicmakermark
  • 28. Aug.
  • 5 Min. Lesezeit

Italienischer Saxophonist, Klarinettist, Komponist und Bandleader zwischen freier Improvisation und Klängen in der Nähe von Volksmusik, geboren am 10. Januar 1944 im norditalienischen Nembro bei Bergamo. Dort war er schon als Knabe Mitglied der lokalen Banda, der Dorfmusik.


 

Er machte dazu auch im Kirchenchor sowie in einem Chor mit, der die Tradition des italienischen Volksliedes pflegte. Nach einem Studium in Harmonielehre, Kontrapunkt und Komposition, spielte er zuerst klassische Musik, Jazz, Unterhaltung- und Tanzmusik.

 

Erste Aufnahmen machte er als Mitglied einer Gruppe des Gitarristen Franco Cerri sowie als Mitglied der italienischen Prog Rock-Formation Madrugada. Ab 1977 war Trovesi Mitglied des Sestettos von Giorgio Gaslini. Auch vom ICP wurde er 1979 zu einem Auftritt beigezogen.

 

Dazu orientierte er sich in Richtung Avantgarde und gab Solokonzerte. Bei einem dieser Soloauftritte wählte er mit einem "Saltarello" erstmals ein florentinisches Volkslied als Ausgangspunkt einer Improvisation. Fortan nahm die Volksmusik in seiner Musik einen festen Platz ein.

 

Erste eigene Aufnahmen erschienen unter dem Titel "Baghèt" (Dischi Della Quercia, 1978). Begleitet wurde er dabei von Paolo Damiani (b) und Gianni Cazzola (dm). Später agierten diese drei Musiker als Gianluigi Trovesi Trio und veröffentlichten "Cinque Piccole Storie" (Dischi Della Quercia, 1981).

 

"Dances" (Red, 1985), die zweite Aufnahme des Gianluigi Trovesi Trios kam mit Ettore Fioravanti als Schlagzeuger zu Stande. Fast 50 Jahre später tat sich dieses Trio für "Old And New Dances" (Parco Della Musica, 2024) noch einmal zusammen. Mit Conrad Bauer (tb) nahm der die Duo-LP "Secret Points" (Dragon, 1979) auf.

 

Mit den Klarinettisten John Carter, Bernd Konrad, Perry Robinson, Theo Jörgensmann und Ernst-Ludwig Petrowsky bildete er den Clarinet Summit. Diese spielte mit Hilfe von Stan Tracey (p), Eje Thelin (tb), Didier Lockwood (vio), J.-F. Jenny-Clark und Kai Kanthak (b) sowie Aldo Romano und Günter Sommer "You Better Fly Away" (MPS, 1980) ein.

 

Jahrzehnte später kam es auf "Clarinet Summit" (Jazzwerkstatt, 2017) zu einer Neuauflage, bei der neben Trovesi auch Theo Jörgensmann Perry Robinson und Bernd Konrad sowie Sommer mit dabei waren. Dazu kamen Anette Maye (cl), Albrecht Maurer (vio) und Sebastian Gramss (b).

 

"Live At Jazzwerkstatt Peitz" (Jazzwerkstatt, 2008) mit Aufnahmen von 1981 enthielt einen langen Duotrack mit Conrad Bauer (tb) und eine lange Quartettaufnahme mit zusätzlich Dietmar Diesner (ss) und Tony Oxley (dm). Aus dem selben Jahr und vom selben Ort stammte ein fast 40-minütiges Stück, das Trovesi mit Manfred Schoof (tp), Barre Phillips (b) und Günter "Baby" Sommer (dm) gespielt hatte.

 

Es wurde unter dem Titel "Peitzer Grand mit Vieren" (Jazzwerkstatt, 2009) veröffentlicht. Peter Kowald holte ihn in sein The Wuppertal Workshop und mit A.R. Penck (p) in das Kowald Trio. Der Schlagzeuger und Perkussionist Andrea Centazzo zog Trovesi mehrfach zu Aufnahmen bei, unter anderem auch zu den Aufnahmen der Duett-LP "Shock!!" (Ictus, 1984).

 

Weitere Aufnahmen dieses Duos von 1984 erschienen erst viel später unter dem Titel "A New Shock!!" (Ictus, 2006) auf einer CD-R. Auf der Basis ihres Trios bildeten Trovesi, Damiani und Fioravanti mit  Paolo Fresu (tp, flh) und Giancarlo Schaffini (tb) das Trovesi/Damiani-Quintet, von dem "Roccellanea" (Ismez/Polis, 1984) erschien.

 

Bei Solokonzerten ab Mitte der 1980er Jahren liess sich Trovesi von Bandaufnahmen und von einem elektronischen Programm des Computermusikers Luciano Mirto begleiten. Mit Mirto (computer) und Tiziano Tononi (perc) spielte er "Les Boîtes à Musiques" (Splasc(h), 1988) ein.

 

Unter dem Namen der beteiligten Musiker Mario Schiano (as), Gianluigi Trovesi (bcl, cl, picc), Pino Minafra (tp, flh, vcl), Radu Malfatti (tb), Peter Kowald (b) und Paul Lovens (dm, perc) erschien "Benefit Concert" (Splasc(h), 1989). 1991 stellte Trovesi ein eigenes Oktett zusammen.

 

Mit ihm und der CD "From G To G" (Soul Note, 1992) gelang ihm der grosse Durchbruch. Zur Gruppe gehörten Pino Minafra (tp, flh, didj, vcl), Rodolfo Migliardi (tb, tuba), Marco Remodini (cello, as), Roberto Bonati (b), Marco Micheli (b, e-b), Roberto Bonati (b), Fulvio Maras (perc) und Vittorio Marinoni (dm).

 

Die zweite Aufnahme der selben Formation hiess "Les Hommes Armés" (Soul Note, 1996). Sechs Jahre später versammelte er fast die selben Musiker für eine dritte Aufnahme, die unter dem Titel "Fugace" (ECM, 2003) erschien. Dazwischen waren weitere Aufnahmen als Leader erschienen.

 

Mit Riccardo Tesi (acc) und Patrick Vaillant (mand, mandola, vcl) entstand "Colline" (Silex, 1994). Eine andere Trioaufnahme aus jener Zeit hiess "Let" (Splasc(h), 1995), aufgenommen mit Giancarlo Schaffini (tb, euph, elect) und Fulvio Maras (perc, elect).

 

"Radici" (Egea, 1995) hiess eine erste Duo-Einspielung mit Gianni Coscia (acc). Mit "In Cerca Di Cibo" (ECM, 2000), "Round About Weill" (ECM, 2005), "Fère Jacques – Round About Offenbach" (ECM, 2011) und "La misteriosa musica della Regina Leone" (ECM, 2019) folgten vier weitere.

 

Für die Aufnahmen von "Around Small Fairy Tales" (Soul Note, 1998) schrieb Trovesi einen Komposition für ein Jazzquintett mit Andrea Dulbecco (vibes), Marco Esposito (e-b), Vittorio Marinoni (dm) und Stefano Bertoli (perc) sowie das Orchestra Da Camera Di Nembro Andrea Salmeggia unter der Leitung von Bruno Tommaso.

 

Eine zweite Aufnahme mit diesem Ensemble hiess "La Sequenza Degli Armonici - Sequence Of The Harmonics" (Imprint, 2000). Die dritte Aufnahme dieser Kombination, "Ma L'Amore No (Exclusive Hotel Collection By Gianni Bergamelli)" ‎(2006), kam nie offiziell auf den Markt.

 

Eine weitere Aufnahme für eine grössere Besetzung hiess "Round About A Midsummer's Dream" (Enja, 2000). Das Gianluigi Trovesi Nonet bestand dabei aus drei Trios: Einem Barocktrio mit Stefano Montanari und Stefania Trovesi (beide vio) und Paolo Ballanti (cello); einem Volksmusiktrio mit Jean-Louis Matinier (acc), Renaud Garcia-Fons (b) und Carlo Rizzi (vcl, perc) sowie einem zeitgenössischen Trio mit Trovesi, Paolo Manzolini (g) und Fulvio Maras (perc, dm, elect).

 

Dean Trovesi Double Quartet hiess eine Formation mit Elton Dean (as, saxello) als Co-Leader sowie mit Massino Greco (tp), Jim Dvorak (p-tp), Marco Micheli und Paul Rogers (b), Mark Sanders (dm) und Fulvio Maras (perc). "Freedom In Jazz" (Musica Jazz, 2001) war die einzige Aufnahme dieses Projekts.

 

Auf "Dedalo" (Enja, 2002) liess er sich von Markus Stockhausen (tp, flh), Tom Rainey (dm), Fulvio Maras (perc, effects) und der WDR Big Band begleiten, die er selber dirigierte. Mit Maras und Umberto Petrin (p) entstand auch die Trio-Aufnahme "Vaghissimo Rittrato" (ECM, 2007).

 

Mit Enrico Rava (tp, flh) als Gast sowie mit Roberto Cecchetto (g), Marco Micheli (b) und Vittorio Marinoni (dm) als Begleiter wurde "Jazzitaliano Live 2007" (Casa Del Jazz, 2007) realisiert. Trovesi all'Opera hiess eine Formation mit Marco Raimondi (cello, elect), Stefano Bertili (dm, perc) und der Filarmonica Mousiké unter der Leitung von Savino Aquaviva.

 

Von dieser erschien "Profumo Di Violetta" (ECM, 2008). Zusammen mit dem Anat Fort Trio spielte der "Birdwatching" (ECM, 2016) ein. Eine Duoaufnahme mit Umberto Petrin (p) hiess "Twelve Colours And Synesthetic Cells" (Dodicilune, 2017).

 

Für "Mediterraneamente" (Dodicilune, 2018) umgab er sich mit Paolo Manzolini (g), Marco Esposito (b), Vittorio Marinoni (dm) und Fulvio Maras (perc). NRG Bridges hiess ein Trio mit Adalberto Ferrari (cl, bcl) und Andrea Ferrari (bcl), von dem "Intertwined Roots" (Parco Della Musica, 2021) erschien.  

 

Mit dem Dirigenten und Barockvioline-Spieler Stefano Montanari sowie elf Musikerinnen und Musikern realisierte er "Stravaganze Consonanti" (ECM, 2023). Die Aufnahmen waren schon 2014 eingespielt worden. Eine grössere Produktion des Pianisten und Komponisten Claudio Angeleri mit dem Ensemble Concerto Feat, einem Chor und Trovesi als Solisten hiess "Gianluigi Trovesi" (Dodicilune, 203).

 

Weitere Aufnahmen machte er mit Gruppen um Enrico Intra, Franco d'Andrea, Giovanni Maier, Ettore Fioravanti, Pietro Tonolo, Giancarlo Schiaffini, Giorgio Gaslini, Guido Manusardi Sextet, Keith Tippett, Paolo Damiani, Paolo Fresu, Tiziano Tononi und anderen. Er begleitete auch die Sängerinnen Tiziana Ghiglioni und Maria Pia de Vito.

 

Er tat sich mit der Gruppe Enten Eller zusammen und war Mitglied der Big Band des Staatsfernsehens RAI, des Italian Instabile Orchestras, der Modern Big Band von Geraldo Iacoucci und des "Banda"-Projekts von Pino Minafra. Auch beim Castel del Monte-Projekt von Michel Godard war Trovesi mit von der Partie.  

 

Mit Anouar Brahem (oud) war er Gastmusiker des Orchestre National de Jazz (ONJ) unter Paolo Damiani, als "Charmeditarranéen" (ECM, 2002) entstand. "The Complete Remastered Recordings" (Black Saint/Soul Note, 2014) hiess ein 9-CD-Set, das sämtliche Aufnahmen enthielt, die er im Laufe der Jahre für die italienischen Schwesterlabels "Black Saint" bzw. "Soul Note" eingespielt hatte.                        08/26

 

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