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Jimmy Giuffre

  • musicmakermark
  • vor 9 Stunden
  • 7 Min. Lesezeit

Amerikanischer Jazz-Klarinettist, Flötist, Bariton-, Tenor- und Sopransaxophonist, Komponist und Bandleader, geboren am 26. April 1921 in Dallas, Texas. Er hatte zuerst Engagements in den Bands von Boyd Raeburn, Jimmy Dorsey und Buddy Rich.


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Ende der 1940er Jahre heuerte er bei Woody Herman, wo er auch als Komponist und Arrangeur der Second Herd tätig war. 1947 schrieb er mit der Komposition "Four Brothers" der gleichnamigen Saxophon-Section mit Stan Getz, Zoot Sims, Herbie Steward und Serge Chaloff einen Titel auf den Leib.

 

Anfang der 1950er Jahre liess er sich an der Westküste nieder und wurde Mitglied der Szene rund um die Westcoast Jazz-Brutstätte Lighthouse. 1951/52 war er Mitglied der Lighthouse All Stars von Howard Rumsey. Zwischen 1952 und 1956 gehörte er zu den den Giants von Shorty Rogers.

 

Mit Shelly Manne, Bill Russo und anderen ehemaligen Mitgliedern der Big Band von Stan Kenton zählte er zu den Third Stream-Pionieren,, die nach neuen Wegen suchten. Die neue Richtung entstand aus dem Seilziehen heraus, das zwischen der klassischen Musik der in Hollywood nach dem zweiten Weltkrieg beschäftigen europäischen Komponisten und dem Big Band-Swing à la Count Basie stattfand.

 

Für Shelly Manne & His Men schrieb Giuffre 1953 "Fugue". Die für ein siebenköpfiges Ensemble komponierte, beinahe atonale Nummer bewegte sich im Spannungsfeld zwischen strengem Kontrapunkt und dem hippen schwarzen Jazz der 1950er Jahre.

 

Im selben Jahr spielte er im Trio mit Shorty Rogers (tp) und Shelly Manne (dm), wo in seiner Nummer "Pas De Trois" das Schlagzeug im Rahmen eines kanonartigen Aufbaus als Solostimme benutzt wurde. Auch erste Versuche mit rein improvisierten Stücken fielen in diese Zeit, wie die 1954 unter Shelly Manns Namen aufgenommene LP "The Three & The Two" (Contemporary, 1960) zeigt.

 

Giuffres erste Aufnahmen unter eigenem Namen stammen ebenfalls aus der Zeit Mitte der 1950er Jahre. In drei Sessions im Februar und April 1954 sowie im Januar 1955 entstanden in drei unterschiedlichen Besetzungen zehn Stücke.

 

Von denen wurden zuerst nur sieben auf der 10"-EP "Jimmy Giuffre" (Capitol, 1954) veröffentlicht. Alle zehn Nummern erschienen im Jahr darauf ebenfalls unter dem Titel "Jimmy Giuffre" (Capitol, 1955) in Form einer LP. Bei der ersten Aufnahmesession bestand Giuffres Mannschaft aus Jack Sheldon (tp), Russ Freeman (p), Curtis Counce (b) und Shelly Manne (dm).

 

Bei der zweiten kamen Bud Shank (as), Jack Sheldon (tp), Shorty Rogers (flh), Bob Enevoldsen (v-tb, b), Ralph Peña (b) und Shelly Manne (dm) zum Einsatz. Bei der dritten Sessions wurde Giuffre von Sheldon, Peña und Artie Anton (dm) begleitet.

 

Dieses Quartett realisierte im  Juni 1955 die LP "Tangents In Jazz" (Capitol, 1956). Das Material dieser frühen Aufnahmen von 1954 und 1955 wurde später auf der CD New Forms In Jazz: Complete Capitol Recordings 1954-1955" ‎(Fresh Sound, 2006) zusammengefasst.

 

Im März 1956 spielte mit Hilfe von ungewöhnlichen Instrumente-Kombinationen die LP "The Jimmy Giuffre Clarinet" (Atlantic, 1956) ein. In einzelnen Nummern liess er sich von drei Flötisten und einem Drummer, von Oboe, Fagott und Englischhorn plus Bass oder von zwei weiteren Klarinettisten begleiten.

 

Bei den Aufnahmen machte die Creme der damaligen Westcoast-Szene mit, wie Buddy Collette (fl), Bud Shank (fl), Bob Cooper (oboe, ts), Dave Pell (engh, ts), Harry Klee (fl, bcl), Maury Berman (bassoon, bars), Harry "Sweets" Edison, Shorty Rogers und Jack Sheldon (tp), Jimmy Rowles (p, clelestra), Ralph Peña (b) und/oder Shelly Manne und Stan Levey (dm).

 

Inspiriert von Claude Debussys Sonate für Flöte, Viola und Harfe formierte Giuffre 1956 Jim Hall (g) und Ralph Peña (b) ein schlagzeugloses, improvisierendes Trio, das als Jimmy Giuffre 3 bzw. Jimmy Giuffre Three bekannt wurde und zu einer der wichtigsten Gruppen des Kammerjazz wurde. Das Lineup veränderte sich im Laufe der Jahre stetig.

 

Neben den Trioaufnahmen experimente Giuffre auf "The Music Man" (Atlantic, 1959) in Sessions vom 31. Dezember 1957 sowie 2., 3. und 6. Januar 1958 auch mit einem pianolosen Nonett, bestehend aus Al Cohn und Eddie Wasserman (ts), Sol Schlinger (bars), Bernie Glow, Phil Sunkel und Joe Wilder (tp), Wendell Marshall (b) und Ed Shaughnessy (dm).

 

An Stelle von Bernie Glow spielte bei der zweiten Session Nick Travis (tp) und an Stelle von Joe Wilder bei der dritten Session Art Farmer (tp). Die Gruppe trat als Jimmy Giuffre & His Music Men auf. Auf "Herb Ellis Meets Jimmy Giuffre" und "Lee Konitz Meets Jimmy Giuffre" (beide Verve, 1959) kam es zu zwei Gipfeltreffen mit anderen wichigen Musikern jener Zeit.

 

Die Session mit Herb Ellis (g) fand am 26. März 1959 unter Anwesenheit von Jim Hall (g), Richie Kamuca (ts), Art Pepper und Bud Shank (as), Lou Levy (p), Jim Hall (g), Joe Mondragon (b) und Stan Levey (dm) statt.

 

Bei den Aufnahmen mit Lee Konitz (as) waren zudem noch Ted Brown und Warne Marsh (ts), Hal McKusick (as), Bill Evans (p), Buddy Clark (b) und Ronnie Freeman (dm) mit von der Partie. "Cool Heath" (Verve, 1959) war eine LP mit Anita O'Day (vcl) als Co-Leaderin.

 

Quartettaufnahmen vom Januar 1959 mit Jimmy Rowles (p), Red Mitchell (b) und Larance Marable (dm) kamen unter dem Titel "Ad Lib" (Verve, 1960) heraus. Auch "In Person" (Verve, 1960) entstand im Quartett und zwar live im August 1960 mit Jim Hall (g), Buell Neidlinger (b) und Billy Osborne (dm).

 

"Piece For Clarinet And String Orchestra/Mobiles" (Verve, 1960) zeigt Giuffre im März 1960 begleitet vom Südwestfunk Orchester Baden Baden unter Wolfram Pöhrig. Im ersten der beiden Werke war der Klarinetten-Part ausnotiert, im zweiten improvisierte Giuffre.

 

Zur selben Zeit schrieb er Nummern für Gunther Schullers Brandeis Festival Orchestra, das Brass Ensemble Of The Jazz And Classical Music Society sowie John Lewis' Orchestra U.S.A..

 

Die Orchesteraufnahmen von Giuffre wurden später mit den erwähnten gemeinsamen Aufnahmen von Giuffre und Konitz von 1959 sowie zwei weiteren Alben von Lee Konitz bzw. Ralph Burns unter dem Titel "Lee Konitz Meets Jimmy Giuffre" (Verve, 1996) auf einer Doppel-CD zusammengefasst.

 

Zwischen 1961 und 1965 konzentrierte sich Giuffre vor allem auf seine Trio-Formation Jimmy Giuffre Three bzw. Jimmy Giuffre 3, die 1961/1962 mit Paul Bley (p) und Steve Swallow (b, e-b) ihre wegweisendste Besetzung aufwies. Nach dem Aufnahmen zu "Free Fall" (Columbia, 1963)  dauerte es zehn Jahre, ehe Giuffre überhaupt wieder in ein Studio ging.

 

Später erschienen wenigstens Konzertaufnahmen von Jimmy Giuffre aus jener studiolosen Zeit. Es handelte sich um die Doppel-CD "The Jimmy Giuffre 3 & 4: New York Concerts" (Elemental, 2014). CD 1 enthält einen Mitschnitt eines Konzerts der Jimmy Giuffre 3 vom 3. September 1965 in der New Yorker "Judson Hall" mit Richard Davis (b) und Joe Chambers (dm).

 

CD 2 war eine Quartettaufnahme vom Mai 1965 im "Wollman Auditorium" der Columbia University in New York mit Don Friedman (p), Barre Philips (b) und erneut Joe Chambers (dm). Es folgten danach weitere Trioaufnahmen 1972, 1974 und 1975.

 

Am 19. Mai 1978 kam es beim "IAI Festival in der "Great American Music Hall" in San Francisco zu Duoauftritten mit Lee Konitz (as), Bill Conncors (g) und Paul Bley (p). Diese kamen auf dem Label von Paul Bley unter dem Titel "Giuffre/Konitz/Connors/Bley" (IAI, 1978) heraus.

 

Unter dem Einfluss von Weather Report gründete Jimmy Giuffre zu Beginn der 1980er Jahre mit Pete Levin (e-p, synth), Bob Nieske (e-b) und Randy Kaye (dm) die Jimmy Giuffre 4, ein Quartett, bei dem die weichen Synthesizer-Klänge von Levin den Teppich für Giuffres Improvisationen bildeten.

 

Diese Gruppe spielte im Januar 1983 "Dragonfly" (Soul Note, 1983), im Mai 1985 "Quasar" (Soul Note, 1985) und im April 1989 "Liquid Dancers" (Soul Note, 1991) ein. Am 8. November 1987 trat Giuffre in Paris mit André Jaume (bcl, ts) auf. Der Mitschnitt erschien unter dem Titel "Eiffel" (CELP, 1988).

 

Am 3. September 1988 hatte das Duo auch einen Auftritt in Willisau, wo "Momentum, Willisau 1988" (hatOLOGY, 1997) mitgeschnitten wurde. Am 6. September 1991 ging dieses Duo auch ins Studio. Dabei entstand mit Joe McPhee (v-tb) in einem Track "River Station" (CELP, 1993).

 

Eine weitere Begegnung von Giuffre und Jaume fand am 7. Dezember 1992 in einem Studio in Marseille statt, wo CD 2 der die Doppel-CD "Jimmy Giuffre Talks & Plays" (CELP, 2000) mitgeschnitten wurde. CD 1 bestand aus einem Interview mit Giuffre vom Tag davor. Ende der 1990er Jahre erschienen mehrere CDs mit frühen Aufnahmen von Giuffre.


Die frühe Schaffensperiode decken die drei CDs "The Complete 1947-1953 Small Group Sessions" (alle Blue Moon, 1995) ab. Sie zeigen aber Giuffre nur als Mitglied in Gruppen von Red Norvo, Jesse Price, Shorty Rogers, Shelly Manne, Howard Rumsey, Boots Brown, John Grass, Teddy Charles, Leith Stevens.


Die drei CDs wurden 2001 vom selben Label auch als Set angeboten. "The Complete Capitol & Atlantic Recordings Of Jimmy Giuffre" (Mosaic, 1997) dokumentiert auf sechs CDs bzw. zehn LPs den Musiker in Aufnahmen, die er zwischen Februar 1954 und Dezember 1958 realisiert hatte.

 

Jimmy Giuffre starb am 24. April 2008 in Pittsfield, Massachusetts, zwei Tage nach seinem 87. Geburtstag. Discogs.com weist für ihn über 500 Einträge als Musiker sowie 700 als Komponistenund Arrangeur auf.

 

Unter seinem Namen oder von Gruppen wie Jimmy Giuffre & His Music Men, Jimmy Giuffre Group, Jimmy Giuffre Quintet, Jimmy Giuffre's Orchestra, The Jimmy Giuffre 4, The Jimmy Giuffre Trio erschienen fast 70 Alben.

 

Die Alben "Dragonfly", "Quasar", "Liquid Dancers" und "Conversations With A Goose" wurden unter dem Titel "Complete Black Saint-Soul Note Recordings" (Black Saint, 2012) zu einer 4-CD-Box zusammengefasst. Eine weitere Box mit älteren Aufnahmen hiess "The Atlantic And Verve Collection" (Enlightenment, 2020) und umfasst vier CDs.

 

Weitere Aufnahmen machte Jimmy Giuffre als Mitglied einer Jazz Composers Workshop-Band von Bill Russo, sowie von Formationen wie The Modern Jazz Quartet, The Marty Paich Octet, Bob Brookmeyer Quintet, Jack Millman Sextet, Leith Stevens' All Stars, Milt Bernhart And His Orchestra, Red Norvo Septet,

 

Ebenfalls beschäftigt war er bei den Gruppen Shelly Manne & His Men, Shelly Manne Septet, Shorty Rogers And His Giants, Shorty Rogers And His Orchestra, Shorty Rogers Quintet, Stan Levey Sextet, und Teddy Charles Quintet oder unter Leadern wie Gunther Schuller und Herbie Mann.     11/25

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