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Joan Baez

  • musicmakermark
  • vor 3 Tagen
  • 7 Min. Lesezeit

Amerikanischer Folk-Singer/Songwriterin und Polit-Aktivistin, geboren am 9. Januar 1941 in Staten Island, New York, als Joan Chandos Báez. Sie kam als zweite Tochter von Albert Vinicio Báez und Joan Bridge Báez zur Welt.


 

Ihr Grossvater väterlicherseits trat in Mexiko aus der katholischen Kirche aus, wurde methodistischer Pastor und zog 1914 nach New York City. Die Eltern von Joan Baez waren ursprünglich Methodisten, traten aber noch in der frühen Kindheit von Joan Baez zum Quäkertum über.

 

Ihre Mutter war Schottin und in Edinburgh geboren. Ihr Vater, ein Physiker mexikanischer Abstammung, weigerte sich, für die Rüstungsindustrie zu arbeiten. Diese idealistische Einstellung des Vaters mag Einfluss auf Baez’ späteres politisches Engagement gegen den Vietnamkrieg und für die Bürgerrechte gehabt haben.

 

Die jüngere Schwester, Mimi, die spätere Frau von Richard Farina, kam vier Jahre nach Joan, am 30. April 1945, zur Welt. Mimi Farina war ebenfalls Sängerin und spielte Gitarre. Auf der Baez-Live-CD "Ring Them Bells" (Guardian, 1995) sind Joan und Mimi im Duett zu hören.

 

Mimi Fariña starb am 18. Juli 2001 im Alter von 56 Jahren. Aus beruflichen Gründen des Vaters war die Familie häufig umgezogen. Stationen waren unter anderem Palo Alto, Boston, Paris, Rom und Bagdad. Besonders Bagdad hinterliess bei der damals zehnjährigen Joan wegen der Armut und der menschenverachtenden Behandlung der Bevölkerung Spuren.

 

1956 hörte sie zum ersten Mal eine Rede des jungen Martin Luther King und bekam von den Eltern ihre erste Gitarre geschenkt, wodurch der Grundstein für die beiden wichtigsten Aktivitäten ihres Lebens gelegt wurde. Zuvor hatte sie sich das Musizieren auf einer Ukulele selber beigebracht.

 

Später kaufte sie sich vom ersten selbst verdienten Geld eine Gibson-Gitarre. Erste musikalische Einflüsse durch Schallplatten, die sie im Elternhaus hörte, waren der Folkmusiker Pete Seeger und der afroamerikanische Sänger Harry Belafonte. Auf einigen frühen Aufnahmen imitiert Baez hörbar Belafontes Calypso-Sound.

 

Baez und Belafonte kamen sich in späteren Jahren durch gemeinsame politische Aktivitäten näher. Joan Baez hatte schon als Schülerin ihre Mitschüler mit Schulhof-Konzerten unterhalten. Nach Beendigung der High School schrieb sie sich zwar an der Boston University ein, konzentrierte sich aber bald nur noch auf ihre Karriere als Singer/Songwriterin

 

Diese begann 1959 mit Auftritten im Club 47, einem Folk-Club in Cambridge, der Hochburg des amerikanischen Folk-Revivals. Filmaufnahmen aus dieser Zeit zeigen die Sängerin beim Vortrag traurig-melancholischer, alter Traditionals. Eigene Songs oder solche von Kollegen ihrer Zeit hatte sie noch nicht in ihrem Repertoire.

 

Die LP "Folksingers 'Round Harvard Square" (Veritas, 1959) zeigt Baez solo oder mit Bill Wood. Dazu fanden sich auf der LP Aufnahmen von Ted Alevizos sowie ein Song aller drei Musiker. Diese Aufnahmen wurden später unter diversen Titeln und teilweise auch ohne die Solosongs von Alevizos wiederveröffentlicht.

 

Ebenfalls noch 1959 spielte sie beim Newport Folk Festival zum ersten Mal vor einem grösseren Publikum. Gemeinsam mit Bob Gibson, der während seines Auftrittes Baez als Überraschungsgast auf die Bühne geholt hatte, sang sie zwei Duette, was sie über Nacht zum gefeierten Folkstar machte.

 

Ihr erstes eigenes Album hiess "Joan Baez" (Vanguard, 1960). Damit kam sie auf Platz 20 der Billboard 200 und in die Top-10 in Grossbritannen. Das Album erreichte in den USA Goldstatus, ebenso wie der Zweitling "Joan Baez Vol. 2" (Vanguard, 1961), der auf Platz 21 der Billobard 200 landete.  

 

1961 lernte sie bei einer USA-Tournee Bob Dylan kennen, der im Vorprogramm von John Lee Hooker auftrat. Sie begann seine Songs zu interpretieren und stellte ihn bei ihren Konzerten dem Publikum vor. Aus der anfänglich beruflichen wurde eine private Beziehung.

 

Mit ihren nachfolgenden Alben "Joan Baez In Concert" (Vanguard, 1962) und "Joan Baez In Concert Vol. 2" (Vanguard, 1963) stiess sie in die Top-10 der Billboard 200 vor. Joan Baez stand bald an der Spitze der Folkbewegung. Bereits zu dieser Zeit beeinflusste ihr Stil Künstlerinnen wie Joni Mitchell, Bonnie Raitt oder Judy Collins.

 

1962, auf einer Tournee durch die US-Südstaaten, entschloss sich Joan Baez, nur noch dort aufzutreten, wo es keine Rassenschranken gab. Somit blieben ihr in den USA damals nur die schwarzen Universitäten.

 

Am 28. August 1963 sang sie beim Civil Rights March in Washington "We Shall Overcome", das in den folgenden Jahren quasi zu ihrem sängerischen Markenzeichen wurde und als Singleauskoppelung vom Album "Joan Baez In Concert Vol. 2" in den USA (# 90) und in England (# 56) ein kleiner Hit wurde.

 

Nur kurz auf dem Markt war das Album "Joan Baez In San Francisco" (Fantasy, 1964). Es enthielt Aufnahmen von 1958 und musste nach kurzer Zeit aus rechtlichen Gründen wieder zurückgezogen werden. Später kam es unter dem Titel "A Package of Joan Baez" (Bear Family, 1978) noch einmal regulär auf den Markt.


"Joan Baez/5" (Vanguard, 1964) war das nächste reguläre Album, das auf Platz 12 der Billboard 200 und Platz 3 in England stand. Genau wie Dylan wurde auch sie von der British Invasion beeinflusst und begann neben ihrer akustischen Gitarre elektrisch verstärkte Instrumente einzusetzen.


Dies geschah erstmals bei der Session zum Album "Farewell, Angelina" (Vanguard, 1965). Diese LP war mit Platz 10 in den Billboard 200 ihr erfolgreichstes Studioalbum. Dazu war es mit Platz 3 das bestplatzierte Album in den UK-Charts.

 

Kurz zuvor hatte auch Dylan begonnen, Folk mit Rockmusik zu verknüpfen, indem er seine Gitarre elektrisch verstärkte und mit einer Begleitband auftrat. Da Joan Baez sich von Bob Dylan auf dessen Englandtour 1965 vernachlässigt fühlte und er sie dabei kein einziges Mal bat, mit ihm aufzutreten, ging die Beziehung in die Brüche.

 

Dennoch spielte sie später mit "Any Day Now" (Vanguard, 1968) eine Doppel-LP mit lauter Dylan-Songs ein. Die nächsten Alben nach der Trennung von Dylan waren die Weihnachts-LP "Noel" (Vanguard, 1966) und "Joan" (Vanguard, 1967) gewesen. Fortan landeten ihre Alben mit wenigen Ausnahmen nur noch auf hinteren Chartsplätzen.

 

Ende der 1960er Jahre begann sie mit Lyrik zu experimentieren, zu hören erstmals auf der LP "Baptism; A Journey Through Our Time" (Vanguard, 1968). Das Album ist eine Sammlung von Gedichten, die entweder gesprochen oder mit orchestraler Begleitung vorgetragen wurden.

 

"Newport Folk Festival 1968" (All Access, 2014) enthielt ihren ganzen Auftritt vom 26. und 27. Juli 1968 in Newport. Im selben Jahr heiratete sie David Harris, einen bekannten Vietnamkrieg-Gegner und Kriegsdienstverweigerer. Als Fan der Country-Musik beeinflusste er ihre Musik in diese Richtung, was auf "David’s Album" (Vanguard, 1969) hörbar ist.

 

1969 trat sie auf dem Woodstock-Festival auf. Die damals schwangere Sängerin nutzte dieses grosse Forum, um die Missstände in der Welt anzuprangern. Sie thematisierte zudem die Inhaftierung ihres Ehemanns.

 

Dieser verbüsste zu dieser Zeit eine dreijährige Freiheitsstrafe und wurde, nachdem er einen Hungerstreik unter den Mithäftlingen initiiert hatte, aus einem Bezirksgefängnis in ein schärfer bewachtes Bundesgefängnis verlegt.


Der Woodstock-Auftritt von Joan Baez erschien später unter dem Titel "Live At Woodstock" (Craft, 2019). Nachdem ihr Sohn geboren war, besuchte sie mit ihm den Vater David Harris im Gefängnis. 1973 wurde die Ehe geschieden.

 

Mit "The First Ten Years" (Vanguard, 1970) war in jener Zeit eine erste Compilation erschienen. "One Day At A Time" (Vanguard, 1970) hiess im selben Jahr ein Album mit neuem Material. Das Top-15-Album "Blessed Are…" (Vanguard, 1971) war das letzte für ihr langjähriges Label.

 

Mit der Singleauskoppelung "The Night They Drove Old Dixie Down", einem Song von The Band, hatte Joan Baez ihren grössten Hit. Die Single kletterte in den Billboard Hot 100 auf Platz 3 und erreichte in England Platz 6.

 

"Carry It On" (Vanguard, 1971) war der Soundtrack zu einem Film über Baez und Harris. "Come From The Shadows" (A&M, 1972) war das erste Album für ihr neues Label, wo sich ihre Musik in Richtung Mainstream-Pop bewegte. 1972 trat sie auch zusammen mit B. B. King und den Voices of East Harlem im berüchtigten Sing Sing-Gefängnis im Bundesstaat New York auf.

 

Anders als viele ihrer Kollegen waren sie bereit, eine Filmprojektgruppe zu unterstützen und bei einem Abschlusskonzert mitzuwirken. Dort trat Baez für Toleranz und Verständnis für Strafgefangene ein. Für den Film, der aus Interviews mit den Gefangenen und dem Gefängnispersonal, Aufnahmen der Vorbereitungen für das Konzert und eben den Auftritten der Künstler selbst bestand, spielte sie den Titelsong "Sing Sing Ossining" ein.


1975/76 folgte mit der Rolling Thunder Revue ihre zweite Tournee mit Bob Dylan. Auf dieser Tournee, die unpolitisch war und viele clowneske Elemente enthielt, war Baez laut Dylan so unbeschwert und innerlich gelöst wie noch nie.


Filmaufnahmen zeigen eine tanzende, springende und herumalbernde Joan Baez, gegen ihre Gewohnheit in verrückten Outfits, stark geschminkt, mit Modeschmuck und lackierten Fingernägeln. Dazu entstanden in jener Zeit weitere eigene Alben wie "Where Are You Now, My Son?," (A&M, 1973), "Gracias A la Vida" (A&M, 1974), die Top-15-LP "Diamonds & Rust" (A&M, 1975), die Doppel-LP "From Every Stage" (A&M, 1976) und "Gulf Winds" (A&M, 1976). Dazu kamen mehrere Compilations.

 

Ein Livemitschnitt aus jener Zeit erschien später unter dem Titel "Live In'75" (Air Cuts, 2016). Die Aufnahmen stammten von einem Konzert am 23. März 1975 in San Francisco. Joan Baez wechselte gegen Ende der 1970er Jahre kurze Zeit zu "CBS Records", wo die Alben "Blowin' Away" (CBS, 1977), "Honest Lullaby" (CBS, 1979) und "European Tour" (CBS,  1980) erschienen.

 

Dazu kamen in jener Zeit die Compilations "The Joan Baez Country Music Album" und "Satisfied Meind" (beide Vanguard, 1979). In den 1980er Jahren erschienen nur noch wenige neue Alben von Baez, die sich aber weiterhin an allen Fronten politisch engagierte. Neues Material enthielt erst wieder "Recently" (Gold Castle, 1987).

 

1985 hatte sie das Live-Aid-Konzert eröffnet, nachdem sie im Jahr zuvor mit Bob Dylan erneut auf Europatournee gewesen war. Weitere Alben waren gegen Ende der 1980er Jahre "Diamonds & Rust In The Bullring" (Gold Castle, 1988), "Speaking Of Dreams" (Gold Castle, 1989) und "Play Me Backwards" (Virgin, 1992).

 

Es folgten "Ring Them Bells" (Guardian, 1995), "Gone From Danger" (Guardian, 1997), "Dark Chords On A Big Guitar" (Koch, 2003), "Bowery Songs" (Proper, 2005), "Day After Tomorrow" (Proper, 2008) und zehn Jahre später "Whistle Down the Wind" (Proper, 2018), ihr bislang letztes Studioalbum.

 

Aufnahmen ihres Geburtstagsauftritts vom Januar 2016 im "Beacon Theater" in NYC mit Gästen wie David Crosby, Emmylou Harris, Judy Collins, Mavis Staples, Richard Thompson, Jackson Browne, Mary Chapin Carpenter, Paul Simon und anderen erschienen in Form der Doppel-CD/ VD "75th Birthday Celebration" (Razor & Tie, 2016).  



Joan Baez veröffentlichte 25 offizielle Studio- und 15 Livealben. Dazu kamen fast 40 Singles und vier Soundtrack-Alben. Von ihrem Schaffen erschienen 23 offizielle Compilations. Discogs.com listet für Baez über 230 Compilations und Wiederveröffentlichungspakete auf. Zusammen mit allen Bootlegs und anderen inoffiziellen Aufnahmen kamen fast 500 Schallplatten zusammen.

                                                     06/26

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