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John Tavener

musicmakermark
vor 14 Minuten
5 Min. Lesezeit

Englischer Komponist, geboren am 28. Januar 1944 in London. Er kam als Sohn presbyterianischer Eltern schon früh mit religiöser Musik in Berührung. Nachdem er Igor Strawinskys "Canticum Sacrum" gehört hatte, beschloss er, Komponist zu werden.


 

Er studierte an der Highgate School, war Organist und Chorleiter an der St. John´s Presbyterian Church und studierte von 1961 bis 1965 an der Royal Academy of Music. Tavener wollte Konzertpianist werden.

 

Seine schwache Konstitution - er litt am Marfan-Syndrom - machte jedoch das Klavierspielen zu mühsam, so dass er sich auf das Komponieren konzentrierte. Er studierte Komposition bei Lennox Berkeley.

 

1964 traf Tavener sein Vorbild Igor Strawinsky, der auf die Partitur von "Three Holy Sonnets" nur "Ich weiss" schrieb. Er gewann noch als Student mit seiner von der London Bach Society uraufgeführten Kantate "Cain And Abel" 1965 den Fürst-Rainier-von-Monaco-Preis.

 

Es folgten weitere Kompositionen überwiegend religiöser Thematik. Sein Durchbruch kam 1968 mit der an Olivier Messiaen angelehnten, aufwendig komponierten Kantate "The Whale", die beim Gründungskonzert der London Sinfonietta uraufgeführt wurde.

 

1969 wurde er Professor für Komposition am Trinity College. Tavener schwamm danach richtiggehend auf einer Welle des Erfolgs. Er bekam einen Vertrag von "Apple Records", dem Label der Beatles, und konnte dort sein Werk "The Whale" (Apple, 1970) veröffentlichen.

 

In Werken wie "In alium" (1968), "Celtic Requiem" (1969), "Ultimos ritos" (1969-72), "Ma fin est mont commencement" (1972) und "Kyklike Kinesus" (1977) hatte Tavener zu jener Zeit die spirituellen und religiösen Dimensionen der Musik, besonders die rituellen Elemente des Katholizismus erforscht. 

 

Auf "Requiem For Father Malachy/Canciones Espanolas" (RCA Red Seal, 1976) konnte er weitere Werke veröffentlichen, aufgenommen von den King's Singers und dem Nash Ensemble. Die religiöse und spirituelle Phase gipfelte in der umstrittenen Oper "Thérèse", welche die Kämpfe der Therese von Lisieux (1873-1897) darstellte.

 

Den Anstoss dazu hatte Benjamin Britten gegeben, der ihn einlud, eine abendfüllende Oper für das Royal Opera House zu schreiben. Für Tavener, dem bis jetzt alles leicht fiel, begann eine krisenhafte Zeit. Schreibblockaden verzögerten die Fertigstellung der Oper, die erst 1979 Premiere hatte und durchfiel.

 

Von entscheidender Bedeutung für die Lösung von Taveners Schaffenskrise waren die Begegnungen mit dem Karmeliterpater Malachy Lynch und dem Metropoliten Anthony (Bloom) von Surosch (1914–2003), Oberhaupt der Russisch-Orthodoxen Kirche in England, der zu einem wichtigen Mentor für Tavener wurde.

 

1977 konvertierte Tavener zur russisch-othodoxen Kirche. Er selber beschrieb dieses Gefühl als "Heimkehr". Eine weitere wichtige Person für den Komponisten war ab 1991 Mutter Thekla, Äbtissin des orthodoxen Klosters von Normanby in Yorkshire, die für viele von Taveners Chorwerke Texte übersetzte oder schrieb.

 

Nach seiner Konvertion nahm eine Musik nahm einen strengeren transzendenten Charakter an, während seine Kompositionstechnik unverändert blieb. Zwischen 1981 und 1986 konzentrierte sich Tavener auf Chorwerke und andere Vokalmusik mit orthodoxen Texten.

 

Dabei entstand "A Prayer For The World" (1981), eine 40-minütige Vertonung des hesychatischen "Jesusgebets". Dennoch trank er zu viel und litt an Depressionen wegen des Scheiterns seiner ersten Ehe. 1980 hatte Tavener einen schweren Schlaganfall erlitten. 1991 hatte er eine schwere Operation, bei der sein Herz aussetzte und er wiederbelebt werden musste.

 

Diese Erfahrung machte ihn einerseits noch ernster und introvertierter, andererseits nahm sie ihm die Angst vor dem Tod. Seine Schreibblockaden liessen nach. Er heiratete 1991 ein zweites Mal, wurde Vater zweier Töchter und hatte einen Welterfolg mit "The Protecting Veil" (Virgin, 1992).

 

Mit diesem Werk für Cello und Streichorchester wandte er sich wieder der Instrumentalmusik zu, die er 1978 mit "Palintropos" für neun Jahre verlassen hatte. Die Linie in "The Protecting Veil" setzte Tavener mit "Eternal Memory" (1991), ebenfalls für Cello und Streichorchester fort.

 

Gleichzeitig führte er mit "Eternal Memory", geschrieben für den Cellisten Steven Isserlis, das für unbegleitetes Cello geschriebene Werk "Thrinos" (1990) fort. Ein weiteres wichtiges Werk von Tavener war das einsätzige, in 20 Abschnitte unterteilte "The Hidden Treasure" (1989).

 

Ursprünglich wurde es für das Medici String Quartet komponiert und kam 1994 und 1997 in zwei verschiedenen Schallplattenversionen auf den Markt. "The Hidden Treasure" enthält eine Reihe von 25 Noten, die sich auch in Taveners grossem Choralwerk "The Resurrection" wiederfinden.

 

Ebenfalls für ein Streichquartett - sowie für Handglocken - ist "The Last Sleep Of The Virgin" (1991) geschrieben. Diese Anbetung ist eine Hommage an Dame Margot Fonteyn, enthält sechs Abschnitte, die in einem Satz zusammengefasst sind.

 

"Akhmatova Songs" (1993) für Sopran und Cello basiert auf sechs Gedichten von Anna Akhmatowa. Schon 1979 hatte Tavener für "Akhamtova: Requiem" deren Gedichte in einem Werk für Sopran, Bass, Streicher und Schlaginstrumente vertont.

 

In "Svyati" (1995) vertonte Tavener einen slawischen Kirchengesang, wie er bei nahezu allen russisch-othodoxen Gottesdiensten gesungen wird. Das Cello dazu muss laut Anweisungen des Komponisten "entfernt vom Chor" gespielt werden.

 

"Chant" (1995) für Solocello ist eine nahtlose Melodie, gewidmet dem Byzanz-Experten und Schriftsteller Philip Sherrard. Im Laufe der Jahre wurden die Werke auf diversen Schallplatten veröffentlicht.

 

Chorwerke aus der Zeit zwischen 1985 und 1993 erschienen auf der CD "Thunder Entered Here" (Virgin, 1994). "Akathist Of Thanksgiving" (Sony, 1994) enthielt das zehnteilige gleichnamige Werk für Chor, Stimmen und Orchester.

 

Auf der im selben Jahr erschienenen CD "The Last Sleep Of The Virgin" (Virgin, 1994) interpretierte das Chilingirian Quartet je zwei Werke für Streichquartett von Tavener und von Arvo Pärt.

 

Drei Jahre später erschien auf einer CD (Virgin, 1997) allein das Werk "The Last Sleep Of The Virgin", gekoppelt mit "The Protecting Veil" in der Fassung mit dem London Symphony Orchestra. Die selben beiden Werke wurden vom Orchester I Fiamminghi für eine CD (Telcarc, 1998) aufgenommen.

 

"The Protecting Veil", gekoppelt mit "In Alium" erschien zudem auf einer CD in der Fassung des Ulster Orchestras (Naxos, 1999). Davor war "The Protecting Veil" mit "Thrinos" und "Eternal Memory" in Fassungen des Royal Philhamonic Orchestras auf einer CD (Tring, 1995) erschienen.

 

"Innocence" (Sony, 1995) enthielt acht verschiedene Werke, darunter das längere Titelstück sowie "Little Requiem For Father Malachy Lynch". "Svyati" (RCA Red Seal, 1997) bestand aus mehreren Werken für Cello (Steven Isserlis), darunter "Eternal Memory: For Solo Cello And Strings" und "Akhmatova Songs: For Soprano And Cello".

 

Auf der CD "Tears Of The Angels" (Linn, 1998) fanden sich die zwischen 1995 und 1997 komponierten Werke "Depart In Peace", "My Gaze Is Ever Upon You" und das Titelstück. Die CD "Eternity's Sunrise" (Harmonia Mundi, 1999) wurde von der Academy Of Ancient Music zusammen mit Gesangssolisten eingespielt.

 

Die selbe Formation sowie der New College Oxford Choir und John Harle (sax) nahmen "Total Eclipse/Agraphon" (Harmonia Mundi, 2001) auf. Dazwischen erschienen "Gormenghast" (Sony, 2000) für Chor und Orchester sowie "Song For Athene - Svyati And Other Choral Works" (Naxos, 2000) mit Chorwerken.

 

"Chanticleer - Lamentations And Praises" (Teldec, 2001) enthielt 19 Werke für Chor und Orchester. Es handelte sich um ein Auftragswerk des amerikanischen Männerchors Chanticleer, der Handel & Haydn Society of Boston und des Metropolitan Museum of Art.

 

"The Hidden Face" (Harmonia Mundi, 2002) enthielt das Titelstück und zwei andere Werke von Tavener, gespielt vom Ensemble Fretwork mit dem Countertenor Michael Chance. Der Rest der Werk auf dieser CD stammten von Henry Purcell, John Ward und Picforth.

 

2004 wurde bekannt, dass Tavener unter dem Einfluss der Bücher des Schweizer Metaphysikers Frithjof Schuon die orthodoxe Kirche verlassen hatte. 2003 hatte das sieben Stunden dauernde Werk "The Veil Of The Temple" Premiere, das auf Texten verschiedener Religionen basiert.

 

Eine gekürzte Version der Uraufführung von 2003 davon erschien auf einer gleichnamigen Doppel-CD (RCA Red Seal, 2004). Die Doppel-CD-Compilation "A Portrait" (Naxos, 2004) enthielt neben Werken auch ein Interview mit dem Komponisten. "Fragments Of A Prayer: From The Motion Picture Children Of Men" (Varèse Sarabande, 2006) enthielt einen Film-Soundtrack.

 

Neun der sechs Stücke für die Filmmusik stammten von Tavener, der Rest von Händel, Mahler und Penderecki. Auf einer CD (Onyx, 2007) wurden Giya Kanchelis siebenteiliges Werk "Styx" und John Tavener sechsteiliges Opus "The Myrrh-Bearer" veröffentlicht.

 

Ralph van Raat (p) interpretierte auf "Piano Music" (Naxos, 2008) sechs Werke für Piano solo. Diese CD war auch Teil der 5-CD-Box "Artist Profile Series" (Naxos, 2009), in der Ralph van Raat auch als Interpret von Werken von John Adams, Frederic Rzewski, Magnus Lindberg, Chick Corea, Charles Ives, Toru Takemitsu und anderen zu hören war.

 

Von Tavener erschienen über 80 Alben sowie fast 20 Compilations. Unter dem Titel "The Essential John Tavener On Naxos" (Naxos, 2014) wurden fünf Alben für dieses Label gemeinsam wiedereveröffentlicht. John Tavener starb am 12. November 2013 69-jährig in seinem Haus in Child Okeford, Dorset.                                                          09/26

 

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