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Joni Mitchell

  • musicmakermark
  • vor 2 Stunden
  • 5 Min. Lesezeit

Kanadische Singer/Songwriterin und Multiinstrumentalistin (g, p, dulcimer), geboren am 7. November 1943 in Fort Macleod, Alberta, als Roberta Joan Anderson. Sie wuchs in einer kanadischen Kleinstadt auf. Bereits damals hatten die Lieder von Pete Seeger einen grossen Einfluss auf sie.


 

Nach der Matura begann sie in Toronto ein Kunststudium, das sie jedoch abbrach, nachdem sie schwanger geworden war. Vor ihrer konservativen Familie verheimlichte sie die Schwangerschaft und gab das Kind zur Adoption frei.

 

1965 lernte Mitchell Chuck Mitchell kennen, mit dem sie nach Detroit in die USA zog, wo sie gemeinsam Musik machten und heirateten. Das junge Ehepaar blieb jedoch nicht lange zusammen. Während der Zeit der Trennung schrieb sie ihre ersten Lieder. 1968 wurde die Ehe geschieden.

 

Aufnahmen eines Auftritts von Joni Mitchell 1966 in Philadelphia kamen erst viel später auf der Doppel-LP "Live At The Second Fret 1966" (All Access, 2014) heraus. Mitchell ging nach New York City, wo sie sich schnell in der dortigen Clubszene in Greenwich Village einen Namen machen konnte.

 

David Crosby bot sich an, ihr erstes Album "Song To A Seagull" (Reprise, 1968) zu produzieren. Das Album war zuerst irrtümlich ohne Titel erschienen. Es schaffte den Sprung in die Billboard 200 nur knapp. In einem Titel spielte mit Stephen Stills ein anderes Crosby, Stills, Nash & Young-Mitglied Bass.

 

Mit "Clouds" (Reprise, 1969) erschien ein zweites Album, wiederum mit Stills als Bassisten und Gitarristen. Das Album kam auf Platz 31 der Billboard 200. Sie trat am Newport Folk Festival auf. Aufnahmen davon wurden später als "Newport Folk Festival 19th July 1969" (Keyhole, 2015) herausgebracht.

 

In jenem Jahr sollte sie auch am Woodstock Festival aufzutreten, konnte das Festivalgelände jedoch aufgrund des enormen Andrangs nicht erreichen. Aufgewühlt von der Energie, die von diesem Festival auf die gesamte Generation ausging, schrieb sie den Song "Woodstock".

 

Dieser wurde in der Interpretation von Crosby, Stills, Nash & Young (Atlantic, 1970) ein Top-15-Hit in den Billboard Hot 100. Die Version von Matthews Southern Comfort (MCA, 1970) schaffte es 1971 auf Platz 23 der US-Singlecharts. Der Song fand sich in der Originalversion auf ihrem dritten Album "Ladies Of The Canyon" (Reprise, 1970).

 

Zu den Aufnahmen dieses Top-30-Album hattte sie Streicher, Bläser  und Sänger/Sängerinnen eingeladen. Aufnahmen eines Auftritts vom 18. Oktober 1970 in einer TV-Sendung, ausgestrahlt von KCOP-TV in Los Angeles, erschienen später unter dem Titel "Gentle On My Mind 1970" (Air Cuts, 2016).

 

"Blue" (Reprise, 1971) mit Stephen Stills (g, e-b), James Taylor (g), Sneaky Pete Kleinow (g) von den Flying Burrito Brothers und Russ Kunkel (dm) in einzelnen Tracks, war vierte Album von Mitchell. Es kam auf Platz 15 der Billboard 200.

 

Einer der Songs von "Blue", "This Flight Tonight", wurde 1974 in Europa Hit für die schottische Rockband Nazareth. In England stand deren Single (Mooncrest, 1972) auf Platz 11 der Charts.

 

Bei den Aufnahmen für das nächste Joni Mitchell-Album "For The Roses" (Asylum, 1972) machte neben anderen Graham Nash (hca) mit. Für das Album resultierte Platz 11 in den US-Hauptcharts. Dort war die nächste LP "Court And Spark" (Asylum, 1974) auf Platz 2 eines ihrer beiden erfolgreichsten Alben.

 

Es verkaufte sich zwei Millionen Mal und war mit einer Allstar-Truppe mit unter anderem Crosby, Nash, Larry Carlton (g), Robbie Robertson (g) von The Band oder José Feliciano (g) eingespielt worden. "Miles of Aisles" (Asylum, 1974) war im selben Jahr ein Live-Album, das sie bei Auftritten im März und August 1974 aufzeichnen liess.

 

Begleitet wurde sie dabei von der Formation L.A. Express, bestehend aus Robben Ford (g), Tom Scott (reeds, winds), Larry Nash (p), Max Bennett (b) und John Guerin (dm, perc). Auch mit diesem Album kam Mitchell auf Platz 2 der Billboard 200.

 

Eine ganze Reihe von bekannten Musikern machte auch bei den Aufnahmen von "The Hissing of Summer Lawns" (Asylum, 1975) mit. Es war ein weiteres Top-5-Album in den USA. Joni Mitchells Songs wurden zunehmend experimenteller und gingen mehr und mehr in Richtung Jazz.

 

Entsprechend reduzierte sich der kommerzielle Erfolg. Dieser Trend wurde mit den später hochgelobten Album "Hejira" (Asylum, 1976) auf Platz 13 der Billboard 200 und "Don Juan's Reckless Daughter" (Asylum, 1977) auf Platz 25 fortgesetzt.

 

Letzteres war eine Doppel-LP mit unter anderem Jaco Pastorius (e-b), Glenn Frey (vcl) von den Eagles, Michael Gibbs (conduction) Wayne Shorter (ss) sowie den Perkussionisten Airto, Don Alias, Manolo Badrena und Alejandro Acuña als wichtigste Mitmusiker. Die Verkaufszahlen gingen entsprechend zurück.

 

Mit "Mingus" (Asylum, 1979), immerhin einem weiteren Top-20-Album, ging Mitchell dann noch einen Schritt weiter. Charles Mingus höchstpersönlich machte als Komponist mit. Dazu kamen mit Pastorius, Shorter, Herbie Hancock (p), Don Alias und Emil Richards (perc) sowie Peter Erskine (dm) eine hochkarätige Jazz-Combo.

 

Es war Charles Mingus' letztes Werk. Er starb ein halbes Jahr vor der Veröffentlichung am 5. Januar 1979. Bei der anschliessenden Tournee wurde im September 1979 die Doppel-LP/VHS-Videokassette "Shadows And Light" (Asylum, 1980) aufgezeichnet.

 

Zu den prominenten Begleitern zählten Pat Metheny (g), Lyle Mays (key), Michael Brecker (sax) und Jaco Pastorius (e-b). Als sie mit "Wild Things Run Fast" (Geffen, 1982) ein Comeback-Album vorlegte, begann sie sich von der Jazz-Schiene zu lösten und ging in Richtung Pop-Sound.

 

Trotzdem wurden die Verkaufszahlen und Chartsplatzierungen nicht besser. Das galt auch für die nachfolgenden Alben "Dog Eat Dog" (Geffen, 1985), "Chalk Mark In A Rain Storm" (Geffen, 1988), "Night Ride Home" (Geffen, 1991), "Turbulent Indigo" (Asylum, 1994) und "Taming The Tiger" (Reprise, 1998).

 

Nur drei dieser fünf Alben schaffte es in die Top-50 der Billboard 200, obwohl sie erneut im Studio von prominenten Musikerinnen und Musikern umgeben war. Liveaufnahmen aus jener Zeit erschienen unter dem Titel "Los Angeles, 26 January 1995" (Klondike, 2015).

 

"Both Sides Now" (Reprise, 2000) hiess als nächstes ein Konzept-Album, auf dem Mitchell Jazz-Songs sowie zwei eigene Lieder mit Hilfe eines Kammerorchesters unter Vince Mendoza mit neben anderen Herbie Hancock (p), Mark Isham (tp), Stan Sulzmann (cl, fl), Wayne Shorter (ss, ts) oder Peter Erskine (dm) einspielte.

 

Inspiriert von den Anschlägen vom 11. September 2001 entstand die Doppel-CD "Travelogue" (Nonesuch, 2002), die eine Sammlung von Liedern aus drei Jahrzehnten enthält. Begleitet wurde sie bei den Aufnahmen von einem 70-köpfigen Orchester und mehreren Jazzmusikern.

 

Es war das einzige Album von Mitchell, das es nicht in die US-Albumcharts schaffte. Obwohl sie verkündete, es sei ihr letztes Album, erschien fünf Jahre später mit "Shine" (Hear, 2007) eine weitere Aufnahme. Diese erreichte mit Platz 14 in den Billboard 200 eine so hohe Chartsplatzierung wie nur wenige Alben von ihr davor.

 

Seither kamen keine neuen Aufnahmen mehr heraus. Von Joni Mitchell erschienen mehrere Compilations und Reissue-Pakete. "The Complete Geffen Recordings" (Geffen, 2003) umfasste vier CDs, "The Studio Albums 1968-1979" (Reprise, Warner und Asylum, 2012) zehn CDs.

 

Über fünf CDs erstrecken sich "Archives – Volume 1: The Early Years (1963-1967)" (Rhino, 2020), "Archives – Volume 2 (The Reprise Years (1968-1971)" (Rhino, 2021) und "Archives – Volume 3: The Asylum Years (1972-1975)" (Rhino, 2023). Im Rahmen dieser Serie erschien noch viel weiteres Material.

 

Joni Mitchell inspirierte mit ihrer bisweilen freien Songwriter-Form auch viele andere Musikerinnen und. Im Laufe der Zeit wurden viele weitere Songs gecovert. Herbie Hancock widmete ihr mit "River: The Joni Letters" (Vereve, 2007) ein ganzes Album, das in den Billboard 200 bis auf Platz 5 kam.

 

Bei den Aufnahmen machten viele bekannte Jazzmusiker wie Wayne Shorter (ts, ss) oder Dave Holland (b) mit, dazu in einem Track auch Prince (g). Für einzelne Tracks holte Hancock die Sängerinnen/Sänger Norah Jones, Tina Turner, Corinne Bailey Rae, Luciana Souza, Leonard Cohen oder Mitchell selber dazu.

 

"A Tribute to Joni Mitchell" (Nonesuch, 2007) hiess eine Tribut-CD mit Beiträgen von Sufjan Stevens, Björk, Caetano Veloso, Brad Mehldau, Cassandra Wilson, Prince, Sarah McLachlan, Annie Lennox, Emmylou Harris, Elvis Costello, k.d. lang und James Taylor.                            03/26

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