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Tomasz Stanko

musicmakermark
vor 2 Stunden
5 Min. Lesezeit

Polnischer Jazz-Trompeter, Komponist und Bandleader, geboren am 11. Juli 1942 in Rzeszow. Nach einem Abschluss an der Musikakademie in Kraukau gründete er 1962 mit Adam Makowicz die Jazz Darings, eines der ersten europäischen Free Jazz-Ensembles.


 

Diese Gruppe war stark von Ornette Coleman beeinflusst. Zwischen 1963 und 1967 war Tomasz Stanko Mitglied der Gruppe des Pianisten und Komponisten Kryzsztof Komeda, mit dem er erste Aufnahmen realisieren konnte.

 

Stanko ist auf mehreren Komeda-Studio- und Live-Aufnahmen zu hören, die damals auf polnischen Labels erschienen, später dann auch im Westen wiederveröffentlicht wurden. Zudem wirkte er später bei zwei der wichtigen Komeda-Hommagen massgeblich mit.

 

Auf "We'll Remember Komeda" (MPS, 1973) war Stanko (tp, p) Mitglied einer Gruppe von Michael Urbaniak (vio) und Urszula Dudziak (vcl). Weiter machten bei den Aufnahmen Zbigniew Seifert (vio, as), Attila Zoller (g), Roman Dylag (b), Peter Giger (dm) sowie Armen Halburian (perc) mit.

 

Später veröffentlichte Stanko mit "Litania" (ECM, 1997) eine eigene musikalische Widmung an Komeda. Seine Mitmusiker waren Bernt Rosengren (ts), Joakim Mulder (ts, ss), Bobo Stenson (p), Palle Danielsson (b) und Jon Christensen (dm) sowie in einzelnen Tracks Terje Rypdal (g).

 

Auch seine ersten Aufnahmen unter eigenem Namen entstanden im Januar 1970 als Hommage an Komeda. Es handelte sich um die LP "Music For K" (Polskie Nagrania-Mzua, 1970), eingespielt mit Zbigniew Seifert (as), Janusz Muniak (ts), Bronislaw Suchanek (b) und Janusz Stefanski (dm).

 

1973 löste Stanko sein Quintett auf, stellte später unter diesem Bandnamen weitere Gruppen zusammen, die in unterschiedlichen Besetzungen agierten (siehe Tomasz Stanko in Quintettaufnahmen).

 

Die LP "Fish Face" (PSJ, 1974) zeigt Stanko im Trio mit Stu Martin (dm, synth) und Janusz Stefanski (dm). Stanko hatte dazwischen auch im Globe Unity Orchestra von Alexander von Schlippenbach gespielt, wo er mit allen wichtigen europäischen Free Jazz-Musikern in Kontakt kam.

 

Für einen Auftritt in Donaueschingen holte Don Cherry Stanko 1971 in sein New Eternal Rhythm Orchestra. Dieses wurde vom polnischen Avantgarde-Komponisten Krysztof Penderecki geleitet. Die dabei entstandenen Aufnahmen erschienen als "Actions" (Wergo, 1972).

 

Das Ensemble bestand neben Cherry und Stanko aus Manfred Schoof (tp, flh), Kenny Wheeler (tp, flh), Albert Mangelsdorff (tb), Paul Rutherford (tb), Peter Brötzmann (bars, ts), Gerd Dudek (ts, ss), Gunter Hampel (fl, bcl), Willem Breuker (ts, cl), Terje Rypdal (g), Buschi Niebergall (b), Fred Van Hove (org, p), Peter Warren (b, e-b) und Han Bennink (dm, perc).

 

1974 begann die lange Zusammenarbeit dem finnischen Schlagzeuger Edward Vesala. Auf der einen Seite spielte Stanko auf mehreren Ensemble-Aufnahmen, die unter dem Namen von Vesala heraus kamen.

 

Es handelte sich um die Alben "Rodina" (Love, 1977), "Satu" (ECM, 1977), "Heavy Life" (Leo, 1980), "Maiden Voyage" (Polarfox, 1980) sowie "Bad Luck Good Luck" (Leo, 1985). Auf der anderen Seite war Edward Vesala Mitglied mehrerer Gruppen von Stanko.

 

Die ersten dieser Alben waren Quartettaufnahmen. Sie bildeten den Auftakt zu einer ganzen Reihe von weiteren Veröffentlichungen, die Stanko in Quartettgrösse einspielte (siehe Tomasz Stanko in Quartettaufnahmen).

 

"Music From Taj Mahal And Karla Caves" (Leo, 1980) hiess Stankos bisher einzige Solo-Aufnahme, realisiert im Februar und März 1980 in Indien. Anfang der 1980er Jahre geriet Tomasz Stanko im Westen wieder etwas in Vergessenheit.

 

Zwischen mehreren Quartetteinspielungen unter seinem eigenen Namen erschien mit "Korozje" (Poljazz, 1986) eine Duo-Aufnahme mit Andrzej Kurylewicz (p). Unter dem Eindruck der Musik von Miles Davis gründte Stanko Mitte der 1980er Jahre mit Freelectronic eine eigene elektrische Band.

 

Nach der Auflösung veröffentlichte Stanko mit "Chameleon" (Utopia, 1989) eine weitere elektrische Aufnahme, eingespielt mit dem Ex-Freelectronic-Musiker Janusz Skowron (synth) sowie mit Antymos Apostolis (g, e-b, dm, perc, sampl).

 

Skowron und Stanko nahmen im Duo auch "Tales For A Girl, 12, And A Shacky Chica" (Jam, 1991) auf. Die Wiederveröffentlichung hiess nur noch "Tales For A Girl" (Polonia, 1995).  Anfang der 1990er Jahre hatte Stanko wieder vermehrt Gelegenheit, mit europäischen Musikern zu spielen.

 

Eine Trioaufnahme mit Arild Andersen (b, e-b) und Jon Christensen (dm) kam als "Bluish" (Power Bros, 1991) heraus. Zur selben Zeit entstand mit Michael Riessler (cl, bcl, sops) und Manfred Bründl (b) "Suite Talk" (ITM, 1993).

 

Dazu begann Stanko wieder vermehrt mit polnischen Musikern zu arbeiten. "A Farewell To Maria" (Gowi, 1994) bildete den Soundtrack, zu einem Film von Filip Zylber. Eingespielt wurde die CD mit Hilfe von acht Jazzmusikern sowie einem Streichquintett.

 

"Balladyna: Theater Play Compositions" (Gowi, 1994) enthielt Stankos Musik zum gleichnamigen Theaterstück von Juliusz Slowacki. Eingespielt wurde das Album in Oktettbesetzung.

 

Unter diesen sieben Begleitmusikern fanden sich zum ersten Mal Marcin Wasilewski (p), Slawomir Kurkiewicz (b) und Michal Miskiewicz (dm), die davor und danach auch als Trio (siehe Simple Acoustic Trio/ Marcin Wasilewski Trio) auftraten.

 

Sie agierten in der Folge während längerer Zeit als Begleiter von Stanko, so auf den Alben "Roberto Zucco" (Polonia, 1996) oder auf dem Soundtrack "Egzekutor" (Universal, 2001), ein weiterer Film von Regisseur Filip Zylber.

 

Auf diesen beiden Alben machten weitere Musiker wie Janusz Skowron (synth), Zbigniew Brysiak (dm) und andere mit. Dazwischen und danach veröffentlichte Stanko mit verschiedenen Musikern viele weitere Aufnahmen.

 

Auf "From The Green Hill" (ECM, 1999) sind John Surman (bs, bcl), Dino Saluzzi (band), Michelle Makarski (vio), Anders Jormin (b) und Jon Christensen (dm) zu hören. "Levitation" (Leo, 2005) war eine Trio-Aufnahme von Stanko mit Mark O'Leary (g) und Billy Hart (dm).

 

Für eine Ausstellung in Warschau schrieb Stanko die Musik, die später unter dem Titel "Wolnocsc w Sierpniu - Freedom In August - Music For The Warsaw Rising Museum Exhibition" (FiRe, 2005) auf CD erschien.

 

Tomasz Stanko war mehrmals auf Aufnahmen von Cecil Taylor (p) zu hören. So auf "Winged Serpent (Sliding Quadrants)" (Soul Note, 1985). Darauf spielen CT und Stanko mit Jimmy Lyons (as), Enrico Rava (tp), Frank Wright (ts), John Tchicai (ts, bcl), Gunter Hampel (bars, bcl), Karen Borca (bassoon), William Parker (b), Rashid Bakr (dm) und André Martinez (dm, perc).

 

Am 2. Juli 1988 hatte Stanko mit Rava, Hampel, William Parker, Evan Parker (ts), Peter Van Bergen (ts), Peter Brötzmann (ts, as), Hans Koch (ss, ts, bcl), Louis Sclavis (ss, cl, bcl), Johannes Bauer, Christian Radovan, Wolter Wierbos (tb), Martin Mayes (flh), Tristan Honsinger (cello), Peter Kowald (b) und Han Bennink (dm) das Cecil Taylor European Orchestra gebildet, das in Berlin "Alms/Tiergarten (Spree)" (FMP, 1989) einspielte.

 

Auf "Voices From The Past" (ECM, 1982) von Gary Peacock (b) machten neben Stanko Jan Garbarek (ts, ss) und Jack deJohnette (dm) mit. "Selected Recordings" (ECM, 2004) war eine Compilation mit Tracks, die Stanko für das Münchner Label "ECM" im Laufe der Jahre eingespielt hatte.

 

Er ist zudem auf Aufnahmen von Nils Landgren, Milo Kurtis und vielen anderen zu hören. Tomasz Stanko starb am 29. Juli 2018 in Warschau, 76-jährig.  Allein unter Stankos Namen als Leader oder Co-Leader kamen über 50 Alben heraus.


Unter dem Titel "Polish Radio Sessions 1970-1991" (Polskie Radio, 2025) wurden auf sechs CDs sechs Alben aus den meisten Schaffensperioden zusammengefasst.                     09/26

 

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