Ab Mitte der 1980er Jahre schob sich der britischen Gitarrist und Multiinstrumentaist Fred Frith auch immer mehr als Komponist in den Vordergrund. Dabei entstanden neben Werken im Bereich der neuen E-Musik auch diverse Stücke für Film, Theater und Tanz.
So auch auf LP 1 der Doppel-LP "The Technology Of Tears (And Other Music For Dance And Theatre)" (RecRec, 1988). Das mehrteilige Titelstück hatte Frith mit Hilfe von John Zorn (as), Tenko (vcl) und Christian Marcley (tt) eingespielt. LP 2 enthielt unter dem Titel "Jigsaw" Duoaufnahmen mit Jim Staley (tb) sowie unter dem Titel "Propaganda" 14 kurze Solostücke von Frith.
Letztere fehlten allerdings auf der CD-Version bzw. -Wiederveröffentlichung. "Propadanda" wurde auf einer separaten CD (Fred und ReR Megacorp, 2015) separat nochmals herausgebracht. "Allies - Music For Dance, Vol. 2" (RecRec, 1996) bildete Jahre später quasi die Fortsetzung der "Technology Of Tears"-Aufnahmen. Es handelte sich um Quartettaufnahmen mit George Cartwright (as), Tom Cora (cello) und Joey Baron (dm).
Zusammen mit dem Schrifsteller François-Michel Pesenti, mit Jean-Marc Montera als Co-Leiter und 15 arbeitslosen Jugendlichen aus Marseille entstand die Oper "Helter Skelter", die live aufgeführt wurde. Davon erschien auch eine gleichnamige Studioaufnahme (RecRec, 1992).
1993 zog sich Frith nach Big Sur in Kalifornien zurück, um zu komponieren. "Quartets: Lelekovice (String Quartet No 1)/The As Usual Dance Towards The Other Flight To What Is Not" (Rec Rec, 1994) enthielt das allerdings schon 1991 von Frith komponierte Streichquartett "Lelekovice" String Quartet No.1 (for Iva Bittová)".
Eingespielt wurde es für diese CD vom Ensemble Violet Wires, bestehend aus Abigail Brown und Ann Morfee (vio), Phil D'Arcy (viola) sowie Liz Parker (cello). Das zweite darauf vertretene Werk "The As Usual Dance Towards The Other Flight To What Is Not" stammte von 1989 und war für vier Gitarristen geschrieben werden.
Als Frith das Werk 1989 erstmals aufführen wollte, suchte er vier Gitarristen und fand diese in der Gruppe Les 4 Guitaristes de L'Apocalypse-Bar von René Lussier. Für die CD "Quartets" spielten Lussier und Frith das Stück mit Nick Didkovsky von Doctor Nerve und Mark Howell ein. Die Aufnahmen bedeuteten den offfizielle Startschuss für das Fred Frith Guitar Quartet, von dem weitere Aufnahmen erschienen.
"Eye To Ear" (Tzadik, 1997) enthielt Frith-Kompositionen für Filmsoundtracks, die der inzwischen in Deutschland ansässige Frith mit Hilfe von Boris Denker (ts), Michaela Dietl (acc), Christian Kaya (cl), Tilman Müller (tp) und Willy Webster (org) eingespielt hatte.
Auf der Fortsetzung "Eye To Ear II" (Tzadik, 2003) interpretierten Frith (g, e-b, key, ocarina, sampl, perc), Gail Brand (tb), Heather Heise (acc), Fei Wu (gu zheng) und Anne Hege (vcl) weitere Stücke, die Frith für verschiedene Filme geschrieben hatte.
Der dritte Teil "Eye To Ear III" (Tzadik, 2010) enthielt Soundtrack-Tracks aus den Jahren 2004 bis 2010, interpretiert von Frith (g, e-b, key, home-made instr) mit Wu Fei (gu zheng), Heather Heise (p, melodica), Carla Kihlstedt (vio, nyckelharpa), Tilman Müller (tp, flh), Sheela Bringi (bansuri), Ada Gosling (vio), Gino Robair (perc) und Bernd Settelmeyer (perc, waterphone).
"The Previous Evening" (RecRec, 1997) enthielt drei Werke, die Frith für Tanzaufführungen geschrieben hatte und die nachträglich in Deutschland in Studios eingespielt wurden. 1997 liess sich Frith erneut an der amerikanischen Westküste nieder.
Dort war er eine Zeitlang Composer In Residence am Mills College in Oakland, USA. Er schrieb die Musik für zwei Hörspiele für deutsche Radiostationen sowie zum Film "The Tango Lesson" von Sally Potter.
Auf "Pacifica" (Tzadik, 1998) veröffentlichte Frith ein 46:22 Minuten langes sowie ein 2:46 Minuten kurzes Werk. Beide hatte er zwischen 1993 und 1995 komponiert. Für diese Schallplattenaufnahme wurden die beiden titellosen Werke vom italienischen Ensemble Eva Kant eingespielt.
Längere Zeit arbeitete er, inspiriert von Cornelius Cardews "Treatise" und basierend auf einer Serie von Fotografien, an Stücken, die auf der Doppel-CD "Stone, Brick, Glass, Wood, Wire (Graphic Scores 1986-1996)" (I Dischi Di Angelica, 1999) veröffentlicht wurden. Es handelte sich um Kompositionen für 11 bis 21 Musikerinnen und Musiker.
Die Aufnahmen stammen von den fünf Konzerten, bei denen dieses Werk zwischen 1992 und 1995 mit vielen Musikern aus dem Umfeld von Frith aufgeführt wurde. Später interpretierte das Ensemble SuperMusique vier Teile davon neben Werken von anderen Komponisten auf dem Album "Commutation" (Ambiances Magnétiques, 2021).
1999 kam es zu einer Zusammenarbeit mit dem Ensemble Modern. Zusätzlich mit Ikue Mori (dm-m) und Zeena Parkins (e-harp) als Solistinnen entstand "Traffic Continues" (Winter & Winter, 1999).
Für das Rova Saxophone Quartet hatte Frith 1994 in Big Sur eine Reihe von Werken geschrieben, die zwischen 1999 und 200 aufgenommen und später auf der CD "Freedom In Fragments" (Tzadik, 2002) veröffentlicht wurden.
Die Doppel-CD "Eleventh Hour" (Winter & Winter, 2005) bestand fünf Werken, die vom Arditti String Quartet, Uwe Dierksen (tb), William Winant (perc) sowie vom Komponisten selber interpretiert wurden.
Es handelt sich um "Lelekovice" (1990) für Streichquartett, welches früher schon für eine CD eingespielt worden war; "Tense Serenity" (1997) für Streichquartett und Posaune; "Allegory" (2001) und "Fell" (2001), beide für Streichquartett und Gitarre, sowie "Stick Figures" (1990) für Perkussion und sechs Gitarren, welche Frith simultan alle selber spielte.
"The Happy End Problem" (ReR Megacorp und Fred, 2006) enthielt Werke für kleinere Ensemble à sechs bis sieben Musikerinnen oder Musiker. Darunter befanden sich Carla Kihlstedt (vio) und William Winant (perc).
Die mit "Allies" und "The Technology Of Tears" begonnene "Music For Dance"-Reihe wurde mit "Nowhere*Sideshow*Thin Air" (ReR Megacorp und Fred, 2009) weitergeführt. Auf dieser CD waren neben Frith Carla Kihlsted (vio), Gail Brand (tb), Fred Giuliani (sampl), Hande Erdem (vio) und Theresa Wong (cello) zu hören.
Als Composer In Residence an der Ecole Nationale de Musique in Lyon-Villeurbanne führte er 1996 mit 100 Musikerinnen und Musikern das Stück "Impur" auf. Das Werk wurde später erneut aufgeführt und später auch für die CD "Impur" (ReR Megacorp und Fred, 2006) eingespielt.
Als Fortsetzung davon erschien später "Impur II" (ReR Megacorp und Fred, 2009) mit Liveaufnahmen eines knapp 20-köpfigen Ensembles von 1997. Im Januar 2008 trafen sich Frith und das Arte Quartett mit Beat Hofstetter (ss), Sascha Armbruster (as), Andrea Formenti (ts) und Beat Kappeler (bars, as) zu zwei Sessions.
Eine erste erschien in Form der CD "Still Urban" (Intakt, 2008). Für die zweite "The Big Pictures" (Intakt, 2008) wurden zusätzlich Katharina Weber (p) und Lucas Niggli (dm) beigezogen. Diese zweite CD enthielt mit "The Big Picture" und "Freedom In Fragments" zwei Werke, die ursprünglich vom Rova Quartet in Auftrag gegeben und aufgenommen wurden.
"Back To Life" (Tzadik, 2008) enthielt klassische Kammermusik, interpretiert von Musikern wie Joan Jeanrenaud (cello), William Winant (perc) und Stephan Drury (p), der auch das Ensemble Callihumpian Consort dirigierte. "Clearing Customs" (Intakt, 2011) war ein 68-minütiges Werk, das auf einer grafischen Partitur basierte.
Bei den Aufnahmen machten neben Fred Frith Wu Fei (guzheng), Anatha Krishnan (mridangam, tabla), Marque Gilmore (dm, elect), Tilman Müller (tp), Patrice Scanlon (elect) und Daniela Cattivelli (elect) mit. Für das österreichische Ensemble Studio Dan schrieb und dirigierte er Musik, die auf der CD-EP "Rocket Science # 1 # 5 # 8" (records & other stuff, 2021) herausgebracht wurde.
"Debates For Ganden/Inimitable" (ReR Megacorp und Fred, 2021) enthielt von Frith komponierte Stücke, eingespielt 2007 von Amanda Miller (field recordings) und Patrice Scanlon (elect). Die CD gab's zur zusammen für Besteller der drei 9 CD-Boxsets "The Fred Records Story" und wurde nicht einzeln veröffentlicht.
Ein Auftragswerk des Festivals Ars Musica 2018 wurde unter dem Titel "Something About This Landscape (For Ensemble)" (Sub Rosa, 2023) veröffentlicht. Frith schrieb das vom belgischen Ensemble Musiques Nouvelles eingespielte Werk in Lou Harrisons Strohballen-Haus in der Wüste bei Joshua Tree, California.
"Atmospheres: Music For Three Films" (2024) bestand aus drei Soundtracks aus den Jahren 2015, 2016 und 2019. 10/26