Ikue Mori
musicmakermark
2. Sept.
5 Min. Lesezeit
Japanische Experimental-Musikerin, geboren am 17. Dezember 1953 in Tokio. Dort schloss sie ihre Studien an der Takabi Art School ab. Sie zog 1977 von Japan nach New York, wo sie, die davor wenig mit Musik am Hut hatte, Teil der experimentellen New Yorker Down Town-Szene wurde.

Sie gründete mit Arto Lindsay (g) und Robin Crutchfield (org) die No Wave- und Punk-Gruppe DNA. DNA teilte sich mit The Contortions, Mars und Teenage Jesus And The Jerk den Szene-Sampler "No New York" (Antilles, 1978).
Bei DNA trat sie als Schlagzeugerin in Erscheinung und fiel durch ihren unkonventionellen Drum-Stil auf. Weitere Aufnahmen machte sie 1979/1980 als Mitglied des Mars-Nachfolge-Projekts John Gavanti.
Sie hielt sich im Umfeld des Clubs "CBGB's" auf und kam dank John Zorn erstmals in Kontakt mit improvisierenden Musikern. 1983 spielte sie an der Seite von Wayne Horvitz (org, elect) und John Zorn (as, ss, cl) auf Teilen des Zorn-Albums "Locus Solus" (Rift, 1983) mit.
1985 entdeckte sie die Drum-Machine, die für einige Jahre zusammen mit einem elektronischen Drumset, ihr Hauptinstrument wurde. Erstmals zum Einsatz bei einer Schallplattensession kam die Drum-Machine auf Zeena Parkins' "Something Out There" (No Man's Land, 1987).
Die C46-Kassette "Live From [Psychic Exchanges]" (Steeple & Globe, 1987) bestand hauptsächlich aus Duoaufnahmen von Mori mit John Zorn sowie aus weiteren von Zorn mit japanischen Musikern.
Es war dies der Auftakt zu einer ganzen Reihe von weiteren Duoaufnahmen (siehe Ikue Mori in Duoaufnahmen). Mit Bill Frisell (g) und Jim Staley (tb) steuerte sie einen Teil von Staleys LP "Mumbo Jumbo" (Rift, 1987) bei. Der Rest bestand aus anderen Trioaufnahmen von Staley.
Im Laufe der Jahre tat sie sich oft mit anderen Musikern/Musikerinnen zu Trioaufnahmen zusammen (siehe Ikue Mori in Trioaufnahmen). Ab Ende der 1980er Jahre wurde Mori für einen Teil der Aufnahmen von "Cynical Hysterie Hour" (Sony, 1989) von John Zorn beigezogen.
Auch später war sie bei mehreren "Filmworks"-Aufnahmen von Zorn mit von der Partie. Auch bei "Great Jewish Music: Burt Bacharach" (Tzadik, 1997), "The Bribe (Variations And Extensions On Spillane)" (Tzadik, 1998), "Cobra" (Tzadik, 2002) und vielen anderen Zorn-Projekten machte sie mit.
Unter ihrem Namen erschien "Hex Kitchen" (Tzadik, 1995) mit David Watson (bagpipe, g), Hideki Kato (e-b), Catherine Jauniaux (vcl), Zeena Parkins (e-harp, key, acc), John Zorn (cl), Hahn Rowe (g, b, vio) und Jim Staley (tb).
Mit David Watson (g), Jim Denley (sax, fl), Rik Rue (tape, sampl) und Amanda Stewart (voice) als Co-Leader entstand "Bit-Part Actor" (Braille, 1996). Ihr erstes Soloalbum hiess "Garden" (Tzadik, 1996). Mit Fred Frith (g) und Kato Hideki (e-b) formierte Mori 1995 Death Ambient.
Inzwischen verwendete Mori zur Klangerzeugung Sampler bzw. einen Laptop. Frith war neben Mark Dresser (b) auch Co-Leader neben Mori auf "Later" (Victo, 2000) mit Aufnahmen von 1994. Frith holte Mori zudem für seine Doppel-CD "Tone, Brick, Glass, Wood, Wire (Graphic Scores 1986 - 96)" (I Dischi Di Angelica, 1999) und "All Is Always Now (Fred Frith Live At The Stone)" (Intakt, 2019) dazu.
Auf "Traffic Continues" (Winter & Winter, 2000), einer Aufnahme von Fred Frith mit dem Ensemble Mordern, war Mori neben Frith und Zeena Parkins eine von drei Solistinnen. Ein weiteres Album unter eigenem Namen hatte sich dazwischen "B/Side" (Tzadik, 1998) genannt. Es war mit Anthony Coleman (key), Erik Friedlander (cello), Andy Haas (didj), Kato Hideki (b), Zeena Parkins (e-harp, acc), Tenko (vcl) und David Watson (g) entstanden.
"One Hundred Aspects Of The Moon" (Tzadik, 2000) war ein gross angelegtes Werk, das hauptsächlich für Stimmen und Streicher geschrieben war. Die CD erschien unter Moris Namen. Mit dabei bei diesen Aufnahmen waren Eyvind Kang (vio), Erik Friedlander (cello), Theo Bleckman (vcl), Makigami Koichi (vcl) und Anthony Coleman (key,sampl).
"Labyrinth" (Tzadik, 2001) und "Myrninerest" (Tzadik, 2005) hiessen weitere Solalben. Mit Haco (vcl), Aki Onda (tapes, elect) und Kazuhisa Uchihashi (g) von Ground Zero tat sich Mori zur Supergruppe Synapse zusammen. "Raw" (Tzadik, 2005) hiess die erste Aufnahme.
Mit Kim Gordon, Tim Barnes, DJ Olive und Jim O'Rourke nahm sie die einseitig bespielte 12"-EP "Perfect Partner" (Electra Editions, 2005) auf, die von einem Text von Gordon, einem Poster, einem Sticker und zwei Zeichnungen, ebenfalls von Kim Gordon, begleitet waren.
"Albert" (Leo, 2006) war eine gemeinsame Aufnahme mit Mark Nauseef (dm, perc), Walter Quintus (computer, processing) und Sylvie Courvoisier (p), gewidmet Albert Hofmann, dem Entdecker der Wirkung des LSDs. "Bima Swarga: The Journey Of The Soul Form Hell To Heaven" (Tzadik, 2007) war ein Filmprojekt in Form einer DVD.
Mit Billy Martin (dm, perc), DJ Olive (tt, comp) und Okkyung Lee (cello) nannte sie sich auf einer gleichnamigen CD (Amulet, 2007) IOOi. "Class Insecta" (Tzadik, 2009) war eine weitere Soloaufnahme, auf der Mori Geräusche eines Regenwaldes nachahmte.
Mit Jennifer Choi (vio), Carol Emanuel (harp), Okkyung Lee (cello), Sylvie Courvoisier (p), Shayna Dunkelman (perc) und Laurie Anderson (narration) bildete sie ein Frauen-Ensemble, das das vierteilige Werk "Femina" (Tzadik, 2009) von John Zorn einspielte.
Mit Julianna Barwick (vcl) spielte sie Musik für eine Installation ein, die in der "Hite Columns"-Gallery in New York ausgestellt war. Das entsprechende Tondokument wurde unter dem Titel "Frkwys Vol. 6" (RVNG, 2011) auf einer LP veröffentlicht.
Auf "Near Nadir" (Tzadik, 2011) kam es zu einer Begegnung mit Bill Laswell (e-b), Evan Parker (ss) und Mark Nauseef (bent metal, bells,div perc). "The Nows" (Clean Feed, 2013) war eine Doppel-CD bzw. ein Quartett mit Mori, Paul Lytton (dm, perc), Nate Wooley (tp, effects) und Ken Vandermark (ts, bars, bcl, cl).
Mit Simon Balestrazzi (elect, toys), Sylvie Courvoisier (prep-p), Alessandro Olla (sounds, elect) und Maja S. K. Ratkje (vcl, elect, toys) entstand "Treasure Hunt" (TiConZero, 2012). "Light In The Shadow" (Tzadik, 2015) war eine weitere Soloaufnahme.
Die CD-R "Quadrilatere Volume 2" (Thödol, 2015) bestand aus je einem Stück von Mori, Laurent Estoppey, Yann Lecollaire und John Menoud, das jeweils von den drei anderen Musiker einem Remix unterzogen wurde. So kamen 16 Tracks zusammen.
Auf CD 5 des 6-CD-Sets "Momentum 1: Stone" (Audiographic, 2016) von Ken Vandermark (reeds) sind Mori und Vandermark im Quartett mit Nate Wooley (tp) und Joe Morris (g) zu hören. Für "Miller's Tale" (Intakt, 2016) tat sich Mori mit Sylvie Courvoisier (p), Mark Feldman (vio) und Evan Parker (ts, ss) zusammen.
Courvoisier arbeiteten auch im Projekt Obelisk zusammen, einem Quartett, dem zudem noch Okkyung Lee (cello) und Jim Black (dm) angehören. "Obelisk" (Tzadik, 2017) hiess eine unter Moris Namen veröffentlichte Aufnahme. Mit Satoko Fujii (p), Natsuki Tamura (tp) und Wadada Leo Smith (tp) entstand "Aspiration" (Libra, 2017).
Mit Lotte Anker (as, ss) an Stelle von Smith nannten sich Fujii, Tamura und Mori Mahobin. Dieses Quartett veröffentlichte "Live At Big Apple in Kobe" (Libra, 2018). "House Of Vines" (Catalytic Artist, 2020) war ein solo realisiertes DL-Minialbum.
Mori steuerte CD 4 des 4-CD-Sets "Bagatelles" (Tzadik, 2021) bei. Es handelte sich um Werke von John Zorn. Die drei anderen CDs stammten vom Mary Halvorson Quartet, vom Duo Erik Friedlander und Michael Nicolas sowie von der Noise Rock-Gruppe Trigger. Für "Tracing The Magic" (Tzadik, 2022) holte sie eine ganze Reihe von Musikerinnen und Musiker dazu. "Of Ghosts And Goblins" (Tzadik, 2025) war eine weitere Soloaufnahme.
Weitere Aufnahmen machte Mori mit Gruppen wie Zero Pop, Bruire, Susie Ibarra Trio, Electric Masada, Rova::Orkestrova, Rova Channeling ColtraneBanquet Of The Spirits, Kaze, Nova Materia, Medicine Singers, Transatlantic Trance Map, Blind Io, ElectroAcoustic Septet von Evan Parker und The Sheer Frost Orchestra.
Dazu war sie auf Aufnahmen von Michihiro Satoh, Motoharu Yoshizawa, David Shea, David Garland, Butch Morris, Zeena Parkins, Jim Staley, Fast Forward, Chris Brown, Andy Haas, David Watson, Corin Curschellas, Marc Ribot und Tetsu Inoue zu hören.
Auch für Annie Gosfield, Wadada Leo Smith, Marina Rosenfeld, Dave Douglas, Billy Martin, Leslie Dalaba, Chuck Bettis, Okkyung Lee, Earle Brown, Sylvie Courvoisier, Lindha Kallerdahl, Lotte Anker, John Wiese, Anna Homler, Christian Marclay, Shelley Hirsch und andere ging sie ins Studio.
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