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Jethro Tull - Teil I

  • musicmakermark
  • vor 2 Stunden
  • 4 Min. Lesezeit

Englische Prog/Folk/Hard Rock-Gruppe, gegründet 1967  in Blackpool, Lancashire. Das Original-Lineup bestand aus Ian Anderson (vcl, fl, ,g, key), Mick Abrahams (g, vcl), Glenn Cornick (e–b) und Clive Bunker (dm). Markenzeichen der Band ist Andersons Flötenspiel.


 

Anderson war zuvor ab 1963 Mitglied von The Blades gewesen, die sich 1966 zur John Evan Band entwickelte. Geleitet wurde diese White-Soul-Formation von John Evans (p, dm). Neben Anderson gehörte auch das spätere Jethro Tull-Mitglied Barriemore Barlow (dm) zur Band.

 

Nach der Auflösung taten sich Anderson und Glenn Cornick mit Mick Abrahams und Clive Bunker von McGregor's Engine zu einer neuen Band zusammen, die sich nach dem englischen Pionier der Agrarwissenschaften (Henry) Jethro (William) Tull (1674-1741) in Jethro Tull umbenannte.

 

Mit "Sunshine Day/Aeroplane" (MGM, 1968) konnte die Band eine 7"-Single einspielen, die allerdings unter dem falsch geschriebenen Gruppennamen Jethro Toe auf den Markt kam. Danach folgte mit "This Was" (Island, 1968) bereits das erste, stark blueslastige Album.

 

Darauf fanden sich mit dem Traditional "Cat's Squirrel" und der Rahsaan Roland Kirk-Nummer "Serenade To A Cuckoo" zwei für Rockbands ungewöhnliche Songs. Mit Platz 10 in Grossbritannien und Platz 62 in den Billboard 200 konnte die Band damit gleich zwei Chartsplätze verbuchen.

 

Mike Abrahams kehrte danach Jethro Tull den Rücken, um mit Blodwyn Pig eine eigene Band zu gründen und später Aufnahmen unter seinem eigenen Namen zu veröffentlichten. Er wurde für kurze Zeit durch David O'List von The Nice sowie von Tony Iommi von Earth - später Black Sabbath – ersetzt.

 

Neuer festes Mitglied wurde Martin Barre (g, mand, fl) von Motivation, Penny Peeps und Gethsemane. Mit ihm spielte Jethro Tull das zweite Album "Stand Up" (Island, 1969), dessen ungewöhnlichstes Stück ein Arrangement einer Bourée von Johann Sebastian Bach darstellte.

 

Inzwischen war Jethro Tull auf selber Höhe anderer Prog-Rock-Bands dieser Zeit wie Genesis, The Nice und Yes. "Stand Up" war das erste und zugleich auch letzte Nummer-1-Album der Band in ihrer Heimat. In den USA schaffte Jethro Tull damit Platz 20.

 

Bei der "Stand Up"-Session entstand mit "Living In The Past" (Island, 1969, auch eine Non-Album-Single, die es bis auf Platz drei der englischen Charts und auf Platz 11 bei den Billboard Hot 100 schaffte.

 

Später hiess "Living In The Past" Titelstück einer Doppel-LP-Compilation (Chrysalis, 1972) mit Single-Remixes, Single-B-Seiten, Outtakes, der "Life Is a Long Song"-EP und zwei längeren Livetracks, mitgeschnitten 1970  in New York City.

 

Der gesamte Konzertmitschnitt erschien später in Form der Doppel-LP "Live at Carnegie Hall 1970" (Parlophone, 2015). Die "Living in The Past"-Compilation war ein Top-10-Album in Grossbritannien und in den USA.

 

Das dritte Studioalbum hiess "Benefit" (Chrysalis, 1970). Damit landete JT auf Platz 3 in Grossbritannien sowie auf Platz 11 in den Billboard 200. Als Gast machte John Evan (key) mit, der noch im selben Jahr als fünftes festes Mitglied dazugeholt wurde.

 

Die CD/DVD "Nothing Is Easy: Live At The Isle of Wight 1970" (Eagle, 2004) zeigt die Band bei einem Auftritt in jener Zeit. Die "Nothing Is Easy"-DVD war zusammen mit einem Dokumentarfilm über eine Tournee 2001 auch Teil der Doppel-CD "Collectors Edition" (EMI, 2006). Darauf ist Tull auch in der Ur-Besetzung von 1967/68 zu sehen und hören.

 

Nach "Benefit" verliess Cornick Jethro Tull, um Wild Turkey zu gründen. Sein Nachfolger war Jeffrey Hammond-Hammond (e-b), ein Jugendfreund von Anderson, der in JT-Songs wie "A Song for Jeffrey", "Jeffrey Goes To Leicester Square" oder "For Michael Collins, Jeffrey, And Me" verewigt wurde.

 

Damit war das klassische JT-Lineup zusammen, das mit "Aqualung" (Chrysalis, 1971) allerdings nur gerade ein Album einspielte. Platz 4 in Grossbritannien und Platz 7 in den USA lautete die chartsmässige Ausbeute. Als nächter Musiker stieg Clive Bunker aus der durch Barriemore Barlow (dm) ersetzt wurde.

 

Nach der 5-Track-EP "Life Is A Long Song" (Chrysalis, 1971) spielte JT das aus einem längeren Track bestehende Konzeptalbum "Thick As A Brick" (Chrysalis, 1972) ein, das in den USA ein Nummer-1-Hit wurde. In England kam die LP auf Platz 5.

 

Laut Covertext wurde der Text von einem achtjährigen Schuljungen namens Gerald Bostock geschrieben und an die Band gesandt, die daraus ein Album machte. In den Texten geht es um die Welt eines Kindes, dessen Weltsicht durch Erziehungsvorgaben und sogenannte Tabuthemen verbogen und lückenhaft ist.

 

Das Ganze war natürlich eine Legende, denn die Texte stammten von Ian Anderson selber. 1973 begab sich die Band nach Frankreich in die Studios des Château d'Hérouville, wo schon die Rolling Stones und Elton John Aufnahmen gemacht hatten. Die Arbeiten für ein geplantes Doppel-Album wurden abgebrochen.

 

Ein rund 11-minütiger Ausschnitt der Sessions erschien später im Rahmen des Box-Sets "20 Years Of Jethro Tull" (Chrysalis, 1988). Die kompletten Aufnahmen wurden auf der Doppel-CD "Nightcap: The Unreleased Masters 1972-1991" (Chrysalis, 1993) veröffentlicht. CD 1 bestand aus dem im August 1972 in Frankreich aufgenommenen Material, CD 2 enthielt bislang unveröffentliche Songs aus den Jahren 1974 bis 1991.

 

Statt dem geplanten Doppel-Album spielte JT in England mit "A Passion Play" (Island, 1973) ein zweites Konzeptalbum ein, das wie "Thick As A Brick" ebenfalls in den USA auf Platz 1 kam, in England aber nur Platz 16 schaffte.

 

Auch "War Child" (Chrysalis, 1974) hätte als Doppel-Album erscheinen sollen, erschien dann aber als einfache LP, die in den Billboard 200 Platz 2 und in Grossbritannien Platz 14 belegte. "Minstrel In The Gallery (Chrysalis, 1975) schaffte es in England nur noch auf Platz 20, war aber erneut ein Top-10-Album in den USA.

 

Danach verliess Jeffrey Hammond-Hammond die Band, um als Maler tätig zu sein. Sein Nachfolger war John Glascock (e-b) von Carmen. Mit ihm entstand "Too Old To Rock 'n' Roll: Too Young to Die!" (Chrysalis, 1976), das dritte Konzeptalbum, das die Plätze 14 (USA) und 25 (UK) belegte.   06/26

 

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