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Max Roach

Amerikanischer Jazz-Schlagzeuger, Komponist und Bandleader, geboren am 10. Januar 1924 in Newland, North Carolina. Ab dem vierten Lebensjahr wuchs Roach in Brooklyn, New York, auf. Seine Mutter war eine Gospelsängerin. Roach selber begann schon in frühen Jahren, Signaltrompete in Marching Bands zu spielen.


Im Alter von zehn Jahren spielte er Schlagzeug in einigen Gospelbands. Mit 16 hatte er seinen ersten grossen Auftritt - er ersetzte bei einem Konzert des Duke Ellington Orchestras in New York Sonny Greer. Er studierte an der Manhattan School of Music Komposition und Musiktheorie. Während seiner Studienzeit stieg Roach gelegentlich in "Minton’s Playhouse" bei diversen Bands ein, bevor er 1943 den Platz von Kenny Clarke in der Band von Coleman Hawkins übernahm.


Mit Hawkins machte Roach im Winter 1943/1944 seine ersten Aufnahmen. 1944 spielte er mit Dizzy Gillespie und war kurzzeitig bei Duke Ellington und ein Jahr lang bei Benny Carter beschäftigt. 1945 spielte er erneut in der Big Band von Dizzy Gillespie, trat danach mit Charlie Parker in den Clubs auf. 1946 spielte er mit Stan Getz, später wieder mit Parker.


Zudem sass Roach von Mitte bis Ende der 1940er Jahren bei Aufnahmen von Gruppen wie Dexter Gordon Quintet, Allen Eager Quartet, Ted Nash Quartette, J.J. Johnson's Beboppers, Don Byas Quartet, Bud Powell Trio, Barry Ulanov's All Star Modern Jazz Musicians, Lord Nelson And His Boppers, Earl Coleman And His All Stars, Fats Navarro Quintet, Kai Winding Sextet, Buddy DeFranco Sextet, Flip Phillips And His Orchestra und Sonny Stitt Quartet im Studio.


Ende der 1940er Jahre bildeten Charlie Parker (as, ts), Miles Davis (tp) und Max Roach (dm) eine Zeitlang den Kern des Charlie Parker Quintetts. Am 14. August 1947 machten die drei Stammmusiker Aufnahmen mit John Lewis (p) und Nelson Boyd (b) als Begleiter. Bei den folgenden Aufnahmen am 28. Oktober und am 4. November 1947 bestand das Charlie Parker Quintet neben Parker, Miles und Roach aus Duke Jordan (p) und Tommy Potter (b).


Am 17. Dezember 1947 traf sich das selbe Quintett mit J.J. Johnson (tb) als Gast zu weiteren Aufnahmen.1948 folgten weitere Quintettsessions mit Jordan und Potter, teilweise auch mit Al Haig (p) an Stelle von Jordan, später mit John Lewis (p) und Curly Russell (b). Im September 1948, im Januar 1949 und im März 1950 war Roach Mitglied jener Ensembles, mit denen Miles Davis seine "Birth Of The Cool"-Aufnahmen realisierte.


Miles Davis war inzwischen beim Charlie Parker Quintet durch Kenny Dorham abgelöst worden, während Roach weiterhin dabei war und auch zum Charlie Parker Septet gehörte, mit dem Bird um 1949 aktiv war. Am 15. Mai 1949 kam Roach in Paris erstmals zu Aufnahmen als Leader. Zusammen mit Kenny Dorham (tp), James Moody (ts), Al Haig (p) und Tommy Potter (b) entstanden fünf Stücke, die später auf mehreren Alben veröffentlicht wurden.


Roach war in den 1950er Jahren ein begehrter Sideman mit Engagements bei den diversesten Bandleadern. Er gehörte am 17. Januar 1951 zum reformierten Charlie Parker Quintett mit Miles als Trompeter sowie mit Walter Bishop Jr. (p) und Teddy Kotick (b) als weitere Begleiter. Auch Lee Konitz, Thelonious Monk oder Bud Powell holten Roach für Aufnahmen und Konzerte. 1952 gründete Roach zusammen mit Charles Mingus das Label "Debut Records", das vermutlich erste Independent-Label in Musikerbesitz.


Ab September 1952 und machte Roach bei mehreren Aufnahmen von Mingus mit. Am 10. April 1953 kam Roach zu einer zweiten Session als Leader. Im Studio versammelte er Idrees Sulieman (tp), Leon Comegys (tb), Gigi Gryce (as, fl), Hank Mobley (ts), Walter Davis Jr. (p) und Franklin Skeete (b). Diese und Quartettaufnahmen vom 21. April 1953 mit Mobley, Davis und Skeete kamen wie die ersten Mingus-Schallplatten bei "Debut" heraus.


In jener Zeit spielte er immer noch bei Charlie Parker und bildete mit John Lewis oder Charles Mingus (p) sowie mit Percy Heath (b) das Miles Davis Quartet. Auch bei Stan Getz und Dizzy Gillespie war er oft beschäftigt. Ab 1954 war er Co-Leader des Clifford Brown-Max Roach Quintets, das bis 1956 existierte. Clifford Brown und Max Roach stellten in jenen Jahren auch grössere Gruppen zusammen, die bis zu zehn Musiker umfassten.


Roach war zu jener Zeit auch Mitglied des Sonny Rollins Quartets und Quintets. Anfang 1956 wurde Rollins seinerseits als Nachfolger von Harold Land eine Zeitlang Mitglied des Clifford Brown – Max Roach Quintets. Am 26. Juni 1956 kamen Clifford Brown und Richie Powell in Bedford, Pennsylvania, bei einem Verkehrsunfall ums Leben. Trotz des Verlusts zweier Musiker führte Roach das Quintett mit Kenny Dorham (tp) als Nachfolger von Clifford Brown und Ray Bryant (p) als Ersatz für Richie Powell weiter.


Roach wagte sich aber auch über den Jazz hinaus in experimentellere Gefilde, als er am 17. August 1958 "Max Roach With The Boston Percussion Ensemble" (Mercury, 1958) aufnahm. Roach machte auch Aufnahmen in Sextett- oder Oktett-Besetzung. Mitte bis Ende der 1950er Jahre trommelte Roach zudem in vielen anderen Bands, etwa jenen von Thad Jones, John Dennis, Herbie Nichols, Cannonball Adderley, Jimmy Cleveland, Johnny Griffin, Thelonious Monk, Howard Rumsey, J.J. Johnson, Kenny Dorham, Benny Golson, Tommy Turrentine, Stanley Turrentine, Dinah Washington, Terry Gibbs, Booker Little, George Russell oder Randy Weston.


Am 28. Oktober 1957 war Max Roach erstmals mit der Sängerin Abbey Lincoln ins Studio gegangen. Weitere Musiker bei den Aufnahmen von "That's Him" (Riverside, 1958) waren Kenny Dorham (tp), Sonny Rollins (ts), Wynton Kelly (p) und Paul Chambers (b). Es folgten weitere gemeinsame Aufnahmen mit Lincoln, darunter als wichtigste am 31. August und am 6. September 1960 die Sessions zum Konzeptalbum "Max Roach's Freedom Now Suite - We Insist!" (Candid, 1960).


Weitere beteiligte Musiker bei dieser Session in Sextett- bzw. Oktett-Stärke, die unter dem Eindruck der damaligen Rassenunruhen entstanden, waren Julian Priester (tb), Walter Benton (ts), Coleman Hawkins (ts) und James Schenck (b) bei der ersten Session; Booker Little (tp), Priester, Benton, Schenck sowie Michael Olatunji, Tomas DuVall und Ray Mantilla (perc) bei der zweiten Session.


"We Insist! Freedom Now Suite" wurde zu einem Thema auch für Choreografen, Filmemacher und Off-Broadway-Bühnenstücken. Im Februar 1961 folgten unter der Beteiligung von Roach und seinem Musikerumfeld auch die Aufnahmen zu Lincolns Album "Straight" (Candid, 1961). Roach und Lincoln waren inzwischen auch zu einem Paar geworden, das von 1962 bis 1970 verheiratet war.


Im Mai 1961 kam es zu einer Zusammenarbeit mit Duke Ellington und Aufnahmen, bei denen neben Roach auch die Schlagzeuger Sonny Greer, Dave Jackson, Jimmy Johnson und Philly Joe Jones dabei waren. Am 17. September 1962 war Roach neben Charles Mingus (b) Begleiter von Duke, als dieser das Trioalbum "Money Jungle" (UA, 1962) einspielte. Im Verlaufe der 1960er Jahre leitete Roach Gruppen in den verschiedensten Grössen. 1973 formierte er mit Roy Brooks, Joe Chambers, Omar Clay, Warren Smith und Freddie Waits (dm, vibes, marimba, xylophone, timpani, perc) sowie mit Ray Mantilla (latin perc, congas, bongos, timbales) die Perkussionsgruppe M’Boom.


Von dieser Formation erschienen die beiden zwar gleich betitelten, aber musikalisch unterschiedlichen Alben "Re:percussion" (Strata-East, 1973) bzw. (Baystate, 1973). Später folgte mit "M'Boom" (Columbia, 1980) und "Collage" (Soul Note, 1984) zwei weitere Aufnahmen dieses Ensembles, das sich im Laufe der Jahre personell immer wieder veränderte. In den 1970er Jahren wurden die Aufnahmen rarer.


Am 30. und 31. August 1979 trat Roach am Jazzfestival Willisau zuerst mit Archie Shepp und am Tag darauf mit Anthony Braxton auf. Der Auftritt mit Shepp wurde auf der Doppel-LP "The Long March" (hat HUT, 1980) dokumentiert, jener von Braxton auf der Doppel-LP "One In Two-Two In One" (hat HUT, 1980). Später wurden beide Doppel-LP unter dem Titel "The Long March" (hat ART, 1985) als 4-LP-Set wieder veröffentlicht.


In den 1980er Jahren begann Roach Streicher in seine Gruppen einzubauen. Diese Gruppen nannte er Double Quartet. Eine erste solche Aufnahme hiess "Live At Vielharmonic" (Soul Note, 1985). Sie zeigt das Roach Quartet mit Cecil Bridgewater (tp), Dayne Armstrong (ts) und Phil Bowler (e-b) am 7. November 1983 in München zusammen mit dem Swedenborg String Quartet. Auf "Survivors" (Soul Note, 1984) trat Roach allein gegen ein Streichquartett an. "Easy Winners" (Soul Note, 1985) war die zweite Double Quartet-Aufnahme mit Cecil Bridgewater (tp), Odean Pope (ts) und Tyrone Brown (e-b) auf der einen sowie dem Uptowon String Quartet auf der anderen Seite.


Mitglied des Uptown String Quartets war Maxine Roach (viola), die Tochter von Max Roach. Diese bildete auch auf "Bright Moments" (Soul Note, 1987) zusammen mit Diane Monroe und Lesa Terry (vio) sowie mit Zela Terry (cello) ein Streichquartett. Das Jazzquartett blieb mit Bridgewater, Ope und Brown unverändert. "To The Max!" (Enja, 1992) hiess eine Art Werkschau über das damalige Schaffen in Form einer Doppel-CD. Darauf finden sich Aufnahmen mit seinem langjährigen Quartett, mit einem Chor, mit einer stark verkleinerten Variante der Perkussionsgruppe M'Boom sowie mit dem Double Quartet.


Mitte der 1990er Jahre war Roach mit dem New Orchestra Of Boston und dem So What Brass Quintett, bestehend aus Cecil Bridgewater und Frank Gordon (tp), Steve Turre (tb), Marshall Sealy (frh) und Robert Stewart (tuba), auf der Bühne bzw. im Studio. Die Aufnahmen erschienen unter dem Titel "Max Roach With The New Orchestra Of Boston And The So What Brass Quintet" (Blue Note, 1996) auf einer CD.


Von 1972 an war Max Roach Professor an der Musikfakultät der University of Massachusetts in Amherst gewesen, bis er sich 2002 wegen einer Alzheimer-Erkrankung zurückziehen musste. Max Roach starb am 16. August 2007 in New York City 83-jährig. Von Max Roachs Schaffen im Verlaufe der Jahre wurden unzählige Compilations zusammengestellt. "The Complete Mercury Max Roach Plus Four Sessions" (Mosaic, 2000) umfasste nicht weniger als 7 CD. Danach erschien unter dem Titel "Eight Classic Albums" (Real Gone, 2013) ein 4-CD-Set, auf dem acht Roach-Alben wieder veröffentlicht worden.


Darauf fanden sich auch drei Alben, die zu Beginn der 1960er Jahre veröffentlicht worden waren, darunter "We Insist - The Freedom Now Suite. Andere Compilations waren "The Complete Max Roach 1953-1958" und "The Complete Max Roach 1958-1962" (beide Enlightement, 2015) mit je 4 CD. Unter dem Titel "The Complete Recordings On Black Saint & Soul Note" (Black Saint und Soul Note, 2015) wurden die wichtigsten Aufnahmen von Roach für dieses Label in Form einer 6-CD-Box wieder veröffentlicht.


Die Fortsetzung war ebenfalls 6 CD stark und hiess "The Complete Remastered Recordings On Black Saint & Soul Note Volume 2" (Black Saint und Soul Note, 2016). Über vier CD erstreckte sich "The Collaborations" (Enlightenment, 2021). 09/23


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Fred Wesley

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