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Milford Graves

Amerikanischer Schlagzeuger, Perkussionist und Bandleader, geboren am 20. August 1941 in Queens, New York City. Zusammen mit Sunny Murray war Graves einer der Pioniere des Free Jazz-Schlagzeugs. Er brachte als einer der ersten Schlagzeuger indische und afrikanische Perkussions-Instrumente in den Free Jazz ein. Er entwickelte auch eine Technik, Improvisationen niederzuschreiben und diese dann noch einmal zu spielen. Sein Instrumentarium umfasst die diversesten Perkussions-Instrumente.


Er spielte zuerst Tanz- und Popmusik. Seine ersten Studiosessions machte er an der Seite von Chick Corea (p), Eddie Gomez (b) und anderen als Mitglied einer Band des Conga-Spielers Montego Joe, die am 15. Mai 1964 und am 21. Mai 1965 "Arriba!" (Prestige, 1964) einspielte. Im Oktober 1964 holte in Giuseppi Logan (ts, as, oboe) zusammen mit Don Pullen (p) und Eddie Gomez (b) für die Aufnahmen von "Giuseppi Logan Quartet" (ESP, 1965) ins Studio.


Noch im selben Monat machte er als Mitglied des Paul Bley Quintetts mit Marshall Allen (as), Dewey Johnson (tp) und Eddie Gomez (b) bei der Einspielung der LP "Barrage" (ESP, 1965) mit. Als Mitglied des Lowell Davidson Trios war er auf einem gleichnamigen Album (ESP, 1965) zu hören.


Gegen Ende 1964 gründete er mit John Tchicai (as), Roswell Rudd (tb) und Lewis Worell bzw. Reggie Workman (b) sowie zeitenweise auch Leroi Jones alias Imamu Amiri Baraka (poetry) das New York Art Quartet, von dem mehrere Aufnahmen erschienen. Graves wurde Mitglied jenes Musikerkreises, der die "October Revolution In Jazz" propagierte.


Er kam dabei auch zu Aufnahmen mit dem Jazz Composers Orchestra, in dem die wichtigsten Musikerinnen und Musiker dieses Zirkels vereint waren. Ende 1965 tat sich Graves (dm, bells, gong, shaker) mit Sunny Morgan (dm, bells) zum Percussion Ensemble zusammen. Dieses Duo nahm eine gleichnamige LP (ESP, 1965) auf.


Bei Logan hatte Graves den Pianisten Don Pullen (p) kennengelernt, mit dem er mehrere Duoauftritte gab. Zusammen spielten sie am 30. April 1966 in New Haven die beiden Duo-Liveaufnahmen "In Concert At Yale University, Volume 1" (SRP, 1966) und "Nommo (Volume 2)" (SRP, 1967) ein. Beide Alben wurden Sammlerstücke. Obwohl die Originalbänder verloren gingen, wurden die Aufnahmen mit Hilfe von vorhandenen LPs während zehn Jahren restauriert und unter dem Titel "The Complete Yale Concert, 1996" (Corbett vs. Dempsey, 2020) wieder veröffentlicht.


Im Juni 1967 trat Milford Graves mit Albert Ayler (ts) in Newport auf und spielte mit ihm sowie mit Donald Ayler (tp), Call Cobbs (hapischord) und Alan Silva (b) als weitere Musiker später die LP "Love Cry" (Impulse!, 1968) ein. Sonny Sharrock zog ihn für die Aufnahmen von "Black Woman" (Vortex, 1969) bei. Dann wurde es ruhiger um Graves. Er wurde College-Lehrer und trat sporadisch im Duo mit Rashied Ali oder Andrew Cyrille auf. Mit letzterem entstand 1974 die Duo-LP "Dialogue Of The Drums" (IPS, 1974).


Als nächstes folgte die Trioaufnahme "Bäbi" (IPS, 1977) mit Arthur Doyle (reeds) und Hugh Glover (reeds). Ergänzt mit weiteren erst später wieder entdeckten Aufnahmen dieses Trios von 1969 wurde daraus eine Doppel-CD (Corbett vs. Dempsey, 2021). Weitere Aufnahmen dieses Trios vom Februar und März 1976 wurden auf der Doppel-LP "Children Of The Forest" (Black Editions Archive, 2023) zugänglich gemacht.


1977 ging Graves nach Japan, wo er mit Mototeru Takagi (ts), Abe Kaoru (as, sops), Toshinori Kondo (tp, a-horn) und Toshiyuki Tsuchitori (dm, perc) unter seinem Namen "Meditation Among Us" (Kitty, 1977) einspielte. Ende der 1970er bis Mitte der 1980er Jahre trat er unter anderem in Duos mit Bill Dixon (tp, p) und David S. Ware (ts) auf. Auch im Trio mit Peter Brötzmann (ts) und William Parker (b) war er zu sehen und zu hören. 1983 kam es zu einem Aufeinandertreffen von Graves mit Sun Ra (p, synth, key), John Gilmore (ts), Don Moye (dm) und Andrew Cyrille (dm).


Aufnahmen von Graves aus jener Zeit gibt es nur wenige. "Pieces Of Time" (Soul Note, 1984) hiess ein 1983 in New York eingespieltes Perkussions-Quartett-Album, bei dem neben Graves auch Kenny Clarke, Andrew Cyrille und Don Moye mitmachten. Anfang November 1991 machte er in New York Duoaufnahmen mit David Murray (ts, bcl), die als "Real Deal" (DIW, 1992) herauskamen.


Mit der solo eingespielten CD "Grand Unification" (Tzadik, 1998) tauchte Milford Graves dann Ende der 1990er Jahre nach einer längeren Pause wieder auf. Dann kam mit "Stories" (Tzadik, 2000) eine zweite Solo-CD auf dem Label von John Zorn heraus. Im Rahmen einer Konzertreihe zum 50. Geburtstag von John Zorn im September 2003 traten Zorn (as) und Graves im Duo auf. Der Mitschnitt dieses Konzertes im New Yorker Club "Tonic" erschien als "50²" (Tzadik, 2004) im Rahmen der Serie "50th Birthday Celebration".


Eine Trioaufnahme mit Anthony Braxton (sax) und William Parker (b) kam unter dem Namen der drei Musiker heraus und nannte sich "Beyond Quantum" (Tzadik, 2008). Von seinem Zusammenspiel mit Bill Laswell (e-b) erschienen die CD "Space/Time – Redemption" (Tum, 2014) und die 40:40-minütige DL-Aufnahme "The Stone" (M.O.D., 2014). Bei Auftritten von Bill Laswell im Juni 2015 im "The Stone" in NYC wurden die vier Tracks der Duo-DL-EP "Redemption" (2022) aufgezeichnet.


Aufnahmen von 2015 von Marshall Allen (as, ewi), Roscoe Mitchell (ss, sops, as, bas), Scott Robinson (ts, bas, as, contra-bas) und Graves wurden im Nachhinein unter dem Titel "Flow States" (ScienSonic, 2021) zugänglich gemacht. Auf der Triple-CD "Sacred Ceremonies" (TUM, 2021) sind Graves und Laswell je im Duo mit Wadada Leo Smith (tp) zu hören. Auf CD 3 bilden die drei Musiker ein Trio. Die Aufnahmen stammten von 2015 und 2016.


Beim Big Ears Festival 2018 in Knoxville, Tennessee, trat Graves mit Jason Moran (p) auf. Der Livemischntt erschien unter dem Titel "Live At Big Ears" (Yes, 2021). Vom langjährigen Trio Peter Brötzmann (reeds), William Parker (b) und Graves wurden unter dem Titel "Historic Music Past Tense Future" (Black Editions Archive, 2022) Aufnahmen von 2002 verbreitet.


Bei Graves war 2018 eine Herzkrankheit diagnostiziert worden. Trotz einer Lebenserwartung von einem halben Jahr starb er erst am 12. Februar 2021. Er wurde 79 Jahre alt. "A Mind-Body Deal" (Inventory, 2022) hiess ein Buch über Graves. 05/23

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