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Paul Motian

  • musicmakermark
  • vor 8 Stunden
  • 6 Min. Lesezeit

Amerikanischer Schlagzeuger, Komponist und Bandleader, geboren am 25. März 1931 in Philadelphia, Pennsylvania, aufgewachsen in Providence, Rhode Island. Er absolvierte zuerst Auftritte in Schulbands und High School Big Bands.


 

Er interessierte sich bald für den Bebop und liess sich 1955, nach einem kurzen Gastspiel als Soldat in Korea, in New York City nieder. Er spielte in den späten 1950er Jahren mit Thelonious Monk, Mose Allison und Art Farmer.

 

Darauf bildete er zwischen 1956 ("New Jazz Conceptions" auf Riverside, 1957) und 1964 ("Trio '64" auf Verve, 1964) mit Scott LaFaro (b) die wohl stärkste Rhythmusgruppe des Pianisten Bill Evans, den er in der Band von Tony Scott kennengelernt hatte.

 

Neben LaFaro waren zu jener Zeit an der Seite von Evans und Motian auch Teddy Kotick, Chuck Israels und Gary Peacock als Bassisten (siehe Bill Evans in Trioaufnahmen) beschäftigt. Danach wurde Motian Mitglied der Jazz Composers Guild, wo er auf die damalige New Yorker Free Szene traf.

 

Er war auch bei den Aufnahmen für die Jazzoper "Escalator Over The Hill" (JCOA, 1971) mit dabei. Ende der 1960er Jahre tourte er mit dem Folksänger Arlo Guthrie durch die Lande und trat mit ihm am Woodstock Festival auf, oder begleitete Oscar Pettiford, Charles Lloyd und Pharoah Sanders.

 

Ein Angebot von John Coltrane, als zweiter Schlagzeuger in seine Gruppe einzusteigen, lehnte Motian ab. Mit Keith Jarrett, einem anderen grossen Pianisten des neuen Jazz, war Motian erstmals auf der Trio-LP "Life Between The Exit Signs" (Vortex, 1967) zu hören. Charlie Haden bediente den Bass.

 

Danach folgten viele weitere Trioaufnahmen mit Keith Jarrett als Leader (siehe Keith Jarrett in Trioaufnahmen). Jarrett, Haden und Motian bildeten in den 1970er Jahren mit Dewey Redman (ts) den Stamm des amerikanischen Keith Jarrett Quartetts (siehe Keith Jarrett – Amerikanisches Quartett).

 

Nach einem mehrjährigen Unterbruch kehrte Motian auf "At The Deer Head Inn" (ECM, 1992) an der Seite von Gary Peacock (b) wieder zu Keith Jarrett zurück. Auch mit Paul Bley, einem anderen wichtigen Pianisten des neuen Jazz, war Motian eng verbunden.

 

Erstmals zusammen waren die beiden auf dem Bley-Trio-Album "With Gary Peacock" (ECM, 1970) zu hören, wo Motian neben Billy Elgart als Drummer zum Einsatz kam. Auf "Fragments" (ECM, 1986) und "The Paul Bley Quartet" (ECM, 1988) trafen Bley und Motian auf Bill Frisell (g) und John Surman (ss, bars, bcl).

 

Im Trio mit mit Bley und Charlie Haden (b) spielte Motian "Memoirs" (Soul Note, 1989) und "The Montreal Tapes" (Verve, 1994) ein. "Zen Palace" (Transheart, 1999) war eine Trio-Aufnahme von Bley und Motian mit  Steve Swallow (e-b).

 

Mit Gary Peacock (b) nahmen Bley und Motian "Not Two, Not One" (ECM, 1999) auf. Schon früher hatten Bley, Peacock und Motian mit John Gilmore (ts) "Turning Point" (Improvising Artists Inc., 1969) aufgenommen. Nur im Duo mit Bley entstand "Notes" (Soul Note, 1988).

 

Seine erste Aufnahmen unter eigenem Namen waren Mitte/Ende der 1970er Jahre erschienen. Die erste war "Conception Vessel" (ECM, 1973) und enthielt Solo- bis Quartettaufnahmen, eingespielt mit Hilfe von Keith Jarrett (p, fl), Sam Brown (g), Leroy Jenkins (vio), Becky Friend (fl) und Charlie Haden (b).

 

Danach folgte "Tribute" (ECM, 1975) mit Carlos Ward (as), Sam Brown (g), Paul Metzke (g) und erneut Charlie Haden (b). "Dance" (ECM, 1978) und "Le Voyage" (ECM, 1979) waren Trioaufnahmen mit Charles Brackeen (ss, ts) sowie mit David Izenzon (b) bzw. Jean-François Jenny Clark (b).

 

Auf "Psalm (ECM, 1982) war Motian mit Bill Frisell (g), Joe Lovano (ts), Billy Drewes (ts, as) und Ed Schuller (b) zu hören. Dieses Album war die Initialzündung zu einem langjährigen Trio von Motian mit Bill Frisell (g) und Joe Lovano (ts) (siehe Joe Lovano/Bill Frisell/Paul Motian).

 

Dieses Trio hatte über lange Zeit Bestand und wurde immer wieder durch Gastmusiker ergänzt. Diese Gruppen traten meist unter Paul Motians Namen in Erscheinung, auch als Paul Motian Trio oder Paul Motian Quintet. Auf einzelnen Trioaufnahmen waren alle drei Musiker als Co-Leader aufgeführt.

 

Trio 2000 nannte sich eine Formation mit Masabumi Kikuchi (p) und Larry Grenadier (b), die meist durch weitere Musiker ergänzt wurde. Auf "Trio 2000 + One" (Winter & Winter, 1998) wirkte Steve Swallow (e-b) als Gast mit.

 

Für "Trio 2000 + One On Broadway Volume 4: The Paradox of Continuity" (Winter & Winter, 2006) wurden Chris Potter (ts) und Rebecca Martin (vcl) beiezogen. Potter und Greg Osby (as) waren als Gäste auf der Live-Aufnahme "Trio 2000 + Two Live At The Village Vanguard Vol.1" (Winter & Winter, 2007) zu hören.

 

Auf "Trio 2000 + Two - On Broadway Vol. 5" (Winter & Winter, 2009) bestand das Trio aus Thomas Morgan (b) an Stelle von Grenadier sowie Kikuchi mit Loren Stillman und Michael Attias (sax) als Gastmusiker. Alle fünf "On Broadway"-Aufnahmen wurden in Form eines 5-CD-Sets (Winter & Winter, 2012) gemeinsam neu aufgelegt.

 

Eine weitere Aufnahme des Trio 2000 + Two war "Vol 3: Live At The Village Vanguard" (Winter & Winter, 2011) mit Chris Potter (ts), Greg Osby (as) und Mat Maneri (viola) als Gäste. Mit Kikuchi und Gary Peacock (b) bildete Motian auch das Trio Tethered Moon.

 

Masabumi Kikuchi Trio nannte sich ein Trio von Kikuchi und Motian mit Thomas Morgan (b), von dem "Sunrise" (ECM, 2012) erschien. Weitere Trioaufnahmen von Paul Motian waren "Three Guys" (Enja, 1999) mit Lee Konitz (as) und Steve Swallow (e-b) sowie "Lost In A Dream" (ECM, 2010) mit Jason Moran (p) und Chris Potter (ts).

 

Mit Geri Allen an Stelle von Bley als Pianisten und mit Charlie Haden (b) entstanden "Etudes" (Soul Note, 1988), "In The Year Of The Dragon" (JMT, 1989), "Segments" (DIW, 1989), "Live At The Village Vanguard" (DIW, 1991), "The Montreal Tapes" (Verve, 1997) und "Live At The Village Vanguard - Unissued Tracks" (Somethin' Cool, 2022).

 

Die Doppel-CD "Nothing Ever Was, Anyway. Music Of Annette Peacock" (ECM, 1997) und die CD "Amaryllis" (ECM, 2001) enthielten Trioaufnahmen mit Marilyn Crispell (p) und Gary Peacock (b). Von einem Trio mit Stephan Oliva (p) und Bruno Chevillon (b) erschienen "Fantasm" (BMG, 2000) und "Intérieur Nuit" (Night Bird, 2001), von einem Trio mit Russ Lossing (p) und Ed Schuller "As It Growes" (Hatology, 2004).

 

Mit Bill Frisell (g) und Ron Carter (b) nahm Motian eine titellose CD (Nonesuch, 2006) auf. Mit Bobo Stenson (p) und Anders Jormin (b) wurde "Goodbye" (ECM, 2005) eingespielt. Um 1992 hatte Motian mit The Electric Bebop Band eine Gruppe gegründet, die meist über zwei Saxophonisten und/oder zwei Gitarristen verfügte.

 

Mit Kenny Wheeler (flh, tp), Chris Potter (ts, ss), Enrico Pieranunzi (p) und Charlie Haden (b) wurde "Fellini Jazz" (C.A.M. Jazz, 2003) aufgenommen. Dazu spielten Pieranunzi und Motian mit anderen Bassisten weitere Trioaufnahmen ein.

 

Unter dem Titel "Complete Black Saint-Soul Note Recordings" (Black Saint, 2010) wurden die Aufnahmen "The Story Of Maryam", "Jack Of Clubs", "Misterioso", "Notes", "One Time Out" und "Flux And Change" im Rahmen eines 6-CD-Sets wieder veröffentlicht.

 

Mit Alexandra Grimal (ts, ss), Lee Konitz (as) und Gary Peacock (b) kam "Owls Talk" (Hôte Marge, 2010) zu Stande. Auf "Live At Birdland" (ECM, 2011) kam es zu einem Aufeinandertreffen von Konitz und Motian mit Charlie Haden (b) und Brad Mehldau (p). "The Windmills Of Your Mind" (Winter & Winter, 2011) war eine Quartettaufnahme mit Bill Frisell (g) Thomas Morgan (b) und Petra Haden (vcl).

 

Paul Motian starb am 22. November 2011 in New York City. Er wurde 80 Jahre alt. Kurz vor seinem Tod hatte er mit Chick Corea (p) und Eddie Gomez (b) für die Doppel-CD "Further Explorations‎" (Concord, 2012) Stücke von Bill Evans eingespielt. Ebenfalls nachträglich kam "Duo In Concert" (Frozen Reeds, 2023) in Form von Duoaufnahmen mit Derek Bailey (g) von 1990 und 1991 auf den Markt.


Paul Motian besitzt bei discogs.com über 550 Einträge als Musiker. Im Rahmen der "Old & New Masters Edition" wurden seine ECM-Alben "Conception Vessel", "Tribute", "Dance", "Le Voyage", "Psalm" und "It Should've Happened A Long Time Again" in Form einer 6-CD-Box (ECM, 2013) wiederveröffentlicht.

 

"Standards Plus One" (W&W, 2015) hiess eine Compilation mit Material aus  "Winter&Winter"-Alben. "Amorphae" (ECM, 2016) war zuerst als Duoaufnahme von Monder mit Paul Motian (dm) vorgesehen. Erste Aufnahmen dazu fanden 2010 statt. Nach Motian Tods wurden sie mit Hilfe von Pete Rende (synth) und Andrew Cyrille (dm) fertiggestellt.

 

Weitere Aufnahmen machte er mit Pierre Favre, Bill McHenry, Jacob Sacks, Eivind Opsvik  und Mat Maneri, Steve Swallow, Gonzalo Rubalcaba, Lee Konitz, Perry Robinson, Sahib Sarbib, Tom Harrell, Gil Goldstein, Pietro Tonolo sowie dem Liberation Music Orchestra von Charlie Haden.     04/26

Compendium musicum

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