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Sven-Åke Johansson

  • musicmakermark
  • 22. Dez. 2025
  • 6 Min. Lesezeit

Schwedischer Schlagzeuger, Perkussionist, Akkordeonist, Vokalist, Dichter, Ensembleleiter und Komponist, geboren am 28. November 1943 in Mariestad. 1968 liess er sich in Berlin nieder, wo er zu einem der wichtigsten und eigenständigsten Wegbereiter des europäischen Free Jazz wurde.


 

Ab 1965 gehörte er mit Peter Kowald (b) zum ersten Peter Brötzmann Trio (sd), das im Juni 1967 "For Adolphe Sax" (Brö, 1967) aufnahm. Im Herbst 1967 gehörte Johansson zum Sextett von Manfred Schoof (tp), mit dem dieser 1967 Teile von "The Early Quintet" (FMP, 1978) und im selben Jahr "Manfred Schoof Sextett" (Wergo, 1975) einspielte.

 

Dazu sass SAJ wie die meisten der besten europäischen Free Musiker im Globe Unity Orchestra von Alexander von Schlippenbach (p) und in den grösseren Gruppen von Peter Brötzmann, die  mit "Machine Gun" (Brö, 1968) eine der ersten grossorchestralen Free-Jazz-LPs aufnahm.

 

"Scheisse 71" (SÅJ und Black Truffle, 2023) war eine später veröffentlichte Ensemble-Aufnahme aus jener Zeit mit Jeanne Lee (vcl), Gunter Hampel (fl, bcl, vibraharp), Michael Waisvisz (synth), Freddy Gosseye (e-b) und Sven-Åke Johansson (dm, acc, vcl, oboe d'amore).

 

Nach seiner Mitarbeit in den Brötzmann-Gruppen gründete Johansson 1968 mit Norbert Eisbrenner (g, as, vio, vcl) und Werner Götz (b, vio) ein Trio, das sich Moderne Nordeuropäische Dorfmusik nannte und sich bis 1972 im Umfeld der Berliner Experimental Rock/Free Improv-Szene bewegte.

 

Schon früh wartete Johansson mit unbegleiteten Soloaufnahmen auf. Die erste entstand 1972 in Stockholm und hiess "Schlingerland/Dynamische Schwingungen" (SÅJ" und FPM, 1972). Auf späteren Soloalben (siehe Sven-Åke Johansson in Soloaufnahmen) zeigte sich SAJ je nachdem als Schlagzeuger, Perkussionist, Sänger, Pianist und/oder Akkordeonist.

 

Die erste Duo-LP von SAJ "Live At The Quartier Latin" (FMP, 1976) kam mit Alexander von Schlippenbach (p) zu Stande. Es war der Auftakt zu weiteren Duo- und vielen Ensembleaufnahmen dieser beiden Musiker (siehe Sven-Åke Johansson & Alexander von Schlippenbach). Daneben nahm SAJ auch Duoaufnahmen mit anderen Musikern auf (siehe Sven-Åke Johansson in Duoaufnahmen).

 

Für seine Gruppen erfand SAJ unkonventionelle Namen. Nordeuropäisches Melodie- und Improvisationsorchester nannte er ein Ensemble mit Rüdiger Carl (ts, cl, acc), Wolfgang Fuchs (sops), Radu Malfatti (tb), Thomas Wiedermann (tb), Hans Reichel (g), Norbert Eisbrenner (vio) und Maarten Altena (b).

 

Dieses spielte 1979 die 12-minütige 7"-EP "Sven-Åke Johansson Mit Dem NMUI Im SO 36 '79" (FMP, 1987) ein. Die gesamten Aufnahmen dieses Konzertes erschienen erst 25 Jahre später unter dem selben Titel auf einer CD (Grob und Olof Bright, 2004).

 

1982 taten sich SAJ, Reichel und Carl mit Ernst-Ludwig Petrowsky (as, bars, cl) zum Bergisch-Brandenburgischen Quartett zusammen. In den 1990er Jahren trat SAJ vermehrt als Komponist in Erscheinung. "Kompositionen" (Beoton, 2000) enthielt drei Werke, die bei Konzerten 1996 aufgezeichnet worden waren.

 

Diese waren "Modernismen lassen sich moderieren" (1996) mit dem Ensemble Zwischentöne; "Konzert für zwölf Traktoren" (1996) mit zwölf Traktoren, ihren Fahrern und dem Komponisten sowie "3 und 4 für Flöte und Schlagzeug" (1994) mit Eberhard Blum (fl) und dem Komponisten.

 

"Konzert Für 12 Traktoren" (Trost, 2015) kam später in einer Fassung von 2009 auf einer EP heraus. Auf "Enfants terrible" (hat[now]ART, 1999) spielte Steffen Schleiermacher (p) neben Werken anderer Komponisten das SAJ-Werk "Vom gleichwertigen und ungleichwertigem" (1997).

 

"Abovensen ..." (SÅJ, 2003) bestand aus drei SAJ-Kompositionen und zwar aus dem von SAJ solo (perc, vcl) eingespielten Titelstück sowie zwei weiteren Werken, die mit Musikern des Kammerensembles Neue Musik Berlin realisiert worden waren.

 

"More Compositions" (SÅJ, 2014) hiess ein Boxset mit 5 CDs. Sie enthielten 20 Werke, geschrieben für verschiedene Besetzungen in Form von Solo- oder Kammermusik- bis hin zu Orchesterwerken.


Daneben war SAJ weiter auch im Bereich der improvisierten Musik tätig. Sven-Åke Johansson Quartett hiess eine Gruppe, die ab 1990 tätig war und neben SAJ zuerst aus Wolfgang Fuchs (sops, bcl), Alan Tomlinson (tb) und Alexander von Schlippenbach (p) bestand. Aufnahmen dieser Gruppe kamen erst später unter dem Titel "Scheinwerfer Suite" (SÅJ, 2021) heraus.


Auf "In Ulrichsberg 1991" und "Eiszeit Kino" (beide SÅJ, 2023) bestand die Gruppe neben SAJ und Fuchs aus Günter Christmann (tb) und Tristan Honsinger (cello). Auf der Doppel-CD "Sven-Åke Johanssons Ol' Man Rebop Ensemble" (SÅJ, 2009) wurde ein Livemitschnitt vom Juni 1998 seiner gleichnamigen Gruppe zugänglicht gemacht.

 

Die nach dem Vorbild des Clifford Brown Quintets zusammengestellte Gruppe bestand neben SAJ aus Axel Dörner (tp), Henrik Walsdorff (as), Ulrich Gumpert (p) und Matthias Bauer (b). Teile der Aufnahmen waren davor auf CD-R veröffentlicht worden.

 

1999 entstand "Six Little Pieces For Quintet" (hatOLOGY, 2000) mit Axel Dörner (tp), Rudi Mahall (bcl), Sten Sandell (p) und Matthias Bauer (b). Barcelona Series war ein Trio mit Andrea Neumann (inside-p, elect) und Axel Dörner (tp). "Grosse Gartenbauausstellung" (Olof Bright, 2012) kam noch unter den Namen der Beteiligten heraus.

 

Das Schaffen als Barcelona Series ist auf "Berolina Suite" (Ni-Vu-Ni-Connu, 2017) mit Aufnahmen von 2013, "At Akademie der Künste Berlin 2018" (SÅJ, 2020) und "2te Étage" (SÅJ, 2025) mit Aufnahmen von 2020 dokumentiert.

 

Nachträglich herausgebrachte Trioaufnahmen von 1970 mit Norbert Eisbrenner (g) und Conrad Schnitzler (synth) trugen den Titel "Mariental Tapes" (SÅJ, 2011). "At Moderna Museet Stockholm" (SÅJ, 2011) war eine Liveaufnahme von 1972 mit Norbert Eisbrenner (g) und Peter Dyck (cello).

 

Im Laufe der Zeit kamen von SAJ Dutzende von weiteren Trioaufnahmen heraus. Diese entstanden mit Oliver Augst und Rüdiger Carl; Joe Williamson und Rüdiger Carl; Lars Greve und August Rosenbaum; Burkhard Beins und Rhodri Davies; Liz Allbee und Annette Krebs; Günter Christmann und Mats Gustafsson; Niklas Fite und Joel Grip sowie Rüdiger Carl und Joel Grip.

 

Auf anderen waren Uwe Oberg und Alfred Harth; Hans Reichel und Ernst-Ludwig Petrowsky; Yan Jun und Nicholas Bussmann; Franz Hautzinger und Ignaz Schick; Axel Dörner und Bo Wiget; Bobo Stensson und Ivar Lindell; Axel Dörner und Joe Williamson sowie Thomas Ankersmit und Werner Dafeldecker SAJs musikalische Partner.

 

"Die Harke Und Der Spaten" (SÅJ, 2000) mit Aufnahmen von 1996 und "Die Harke Und Der Spaten - About The Love Life Of The Garden Tools" (Umlaut, 2011) mit Aufnahmen von 1998 zeigen SAJ mit Mats Gustafsson (sax), Axel Dörner (tp), Per Åke Holmlander (tuba), Sten Sandell (p), Matthias Bauer (b) und Raymond Strid (perc).

 

"Hudson Riv" (Grob, 2003) entstand im Trio mit Rüdiger Carl (p) und Joe Williamson (b). "A Foggy Day" (SÅJ, 2011) war die zweite Aufnahme dieses Trios, das sich nun Hudson Riv nannte. Aus diesen Trios entstand das Free Quartet, dem SAJ, Dörner, Williamson und Thomas Ankersmit (as) angehören und das "Ballistik I-IX" (SÅJ, 2006) vorlegte.

 

Mitte der 2000er Jahre tat sich SAJ mit Axel Dörner (tp), Zoran Teric (p), Jan Roder (b) zum Cool Quartett zusammen, von dem mehrere Aufnahmen herauskamen. Später nannte sich diese Grppe auch Sven-Åke Johansson Quartett 2013.

 

Mit Mayo Thompson (vcl, g) von The Red Crayola entstand "Shotgun Wedding" (Enja, 2009). Weitere Mitmusiker waren Axel Dörner (tp), Rudi Mahall (bcl), Sten Sandell (p) und Matthias Bauer (dm). "Kippenberger Hören" (Whatness, 2011) enthielt ein über 50-minütiges Hörstück von Martin Kippenberger (voice) mit SAJ (perc, voice), Rüdiger Carl (add, voice) und Oliver Augst (elect, voice) als musikalische Begleiter.

 

Auf "Für Paul Klee" (Jzzwerkstatt, 2012) liess sich SAJ (voice) von Axel Dörner (tp), Aki Takase (p), Alexander von Schlippenbach (celesta), Werner Dafeldecker (b) und Paul Lovens (dm, perc) begleiten. Unter dem Titel "Early Works 1969-73" (SÅJ, 2012) erschienen auf vier CDs frühe Aufnahmen von SAJ, teilweise auch Field Recordings.

 

"Tune Up" (SAJ, 2013) hiess eine Quartettaufnahme mit Toby Delius (ts), Aki Takase (p) und Jan Roder (b). Fünf CDs umfasste die "Jazzbox" (SÅJ, 2013). Sie enthielt die erwähnten Aufnahmen "Candy" und "Tune Up" sowie drei weitere CD mit Aufnahmen des Cool Quartetts bzw. Sextetts. 

 

Eine 5-CD-Box trug den Titel "The 80's Selected Concerts" (SÅJ, 2014) und bestand aus grossorchestralen Aufnahmen aus den Jahren 1982 bis 1991. Ebenfalls eine 5-CD-Box war "Blended Box" (SÅJ, 2016). Sie bestand aus Ensembleaufnahmen aus dem Zeitraum 1976 bis 2014.

 

Neuköllner Modelle war ein Trio mit Betrand Denzler (sax) und Joel Grip (b), von dem die LP "Sektion 1-2" (Umlaut, 2016) und die Doppel-CD "Sektion 3-7" (Umlaut, 2017) erschienen.

 

"Zyklus 1" (Umlaut und  SÅJ, 2019) mit von Schlippenbach (p) als Gast und "Excelsior" (SÅJ, 2023) waren später Aufnahmen, die unter den Namen dieser drei Musiker herauskamen. Mit "Das Marschorchester" (Ni-Vu-Ni-Connu, 2017) bewegte sich SAJ mit über einem Dutzend Mitmusikern in der Nähe der Marschmusik.

 

Für "Stumps" (Ni-Vu-Ni-Connu, 2022) vereinte sich SAJ mit Pierre Borel (as), Axel Dörner (tp), Simon Sieger (p) und Joel Grip (b). Weiteres Material kam unter dem Titel "Stumps (Second Version)" (Trost, 2025) heraus. Liveaufnahmen mit Borel, Grip und Seymour Wright (as) wurden auf der Doppel-CD "Two Days At Cafe OTO" (Otoroku, 2025) verewigt.

 

"Form" (SÅJ, 2024) war  eine Quartettaufnahme mit Chris Heenan (sax, cl), Axel Dörner (tp) und Werner Dafeldecker (b). Die Fortsetzung "Form II - slightly slanted" (SÅJ, 2025) zeigt SAJ und Dafeldecker mit Michael Thieke (cl) und Ignaz Schick (tt, elect).

 

Seine ersten bis dato bekannten Aufnahmen überhaupt wurden unter dem Titel "Night Music (First Recordings)" (Edition Telemark, 2021) zugänglich gemacht. Es waren dies Liveaufnahmen von 1964, mitgeschnitten in einer Bar im Rotlicht-Bezirk in Münster, als er mit Uwe Wegner (p), Gerold Flasse (b) und teilweise mit Jenny Gordee (vcl) auftrat.

 

Diese Stücke nahmen Die A-Seite einer LP ein. Die B-Seite und eine Doppel-CD, welche das Set vervollständigte, enthielten neuere Quartett- und Quintettaufnahmen von 2001 bzw. 2012. Sven-Åke Johansson starb am 15. Juni 2025 im Alter von 87 Jahren in Berlin.    12/25  

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