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Gunther Schuller

  • musicmakermark
  • 13. Apr.
  • 4 Min. Lesezeit

Amerikanischer Komponist, Orchesterleiter, Frenchhornspieler und Musik-Theoretiker, geboren am 22. November 1925 in New York City als Sohn deutscher Einwanderer. Er studierte Flöte, Horn und Musiktheorie.


 

Im Alter von 17 Jahren wurde er Hornist im Cincinnati Symphony Orchestra, zwei Jahre später im Orchester der Metropolitan Opera, wo er bis 1959 blieb. Von 1950 an unterrichtete er Horn an der Manhattan School of Music.

 

Danach hatte er eine Professur für Komposition an der School of Music der Yale University. Von 1967 bis 1977 war er Präsident des New England Conservatory of Music in Boston. Dazu arbeitete er im Laufe der Jahre als Leiter an mehreren anderen Institutionen.

 

Er war Artistic Director beim Tanglewood Berkshire Music Center und beim Festival in Sandpoint, Idaho, Co-Direktor beim Smithsonian Jazz Masterworks Orchestra sowie Artistic Director beim Spokane Bach Festival. Schuller kam früh in Kontakt mit der New Yorker Bebop-Szene.

 

Gunther Schuller komponierte mehr als 160 Werke in praktisch allen Musikgenres, darunter auch Auftragskompositionen für verschiedene Orchester weltweit.

 

Seine im afroamerikanischen Milieu spielende Jazz-Oper "The Visitation" war eine Adaption von Franz Kafkas Romanfragment "Der Prozess" als Anklage gegen Rassismus. Die Oper wurde als Auftragswerk der Hamburgischen Staatsoper im Oktober 1966 unter Schullers Leitung uraufgeführt.

 

Schuller arbeitete auch mit anderen Künstlern diverser Stilrichtungen wie Arturo Toscanini, Miles Davis, Aaron Copland, Ornette Coleman, Leonard Bernstein, Eric Dolphy, Charles Mingus, Joe Lovano, Elvis Costello, Wynton Marsalis und Frank Zappa zusammen. Vor allem mit Miles Davis verband ihn eine langjährige Freundschaft.

 

Schuller war 1949 und 1950 bei den Aufnahmen jener Stücke dabei, die zuerst auf den beiden 7"-EPs "Classics In Jazz Part 1 und 2" (Capitol, 1954) herausgebracht und zur LP "Birth Of The Cool" (Capitol, 1956) zusammengefasst wurden. Später war Schuller Mitglied des Gil Evans/Miles Davis-Orchesters, das "Porgy And Bess" (Columbia, 1958) aufnahm.

 

Gunther Schuller befasste sich längere Zeit mit der Synthese von Jazz und Klassik. Mit dem Pianisten John Lewis entwickelte er ab Mitte der 1950er Jahren das Third Stream-Konzept. Dabei handelte es sich nicht um den Versuch, Klassik und Jazz miteinander zu verschmelzen, sondern - wie es der Name sagt - einen dritten Weg zu beschreiten.

 

Noch ohne Lewis machte Schuller im März 1955 Aufnahmen unter dem Gruppennamen The Modern Jazz Society. Diese Formation bestand neben Schuller (frh) aus Lucky Thompson oder Stan Getz (ts), J.J. Johnson (tb), Manuel Zegler (bassoon), Aaron Sachs und Anthony Sciacca (cl), James Politis (fl), Janet Putnam (harp) sowie Percy Heath (b) und Connie Kay (dm), beide vom Modern Jazz Quartet.

 

Das entsprechende Album dieser Formation nannte sich "Presents A Concert Of Contemporary Music" (Nogram, 1956) und enthielt drei Auftragskompositionen von Norman Granz sowie zwei von Schuller arrangierte Werke von Lewis. Schuller und Lewis gründeten 1955 The Jazz And Classical Music Society, die sich zum Ziel setzte, Third Steam-Musik aufzuführen.

 

Ein erstes Konzert fand 1955 in der New Yorker Town Hall statt, ein zweites war 1956 geplant, wurde aber abgesagt, nachdem Schuller für sein Werk "Symphony For Brass And Percussion" Teile des New York Philharmonic Orchestras einsetzen wollte.

 

Schullers bereits 1950 erstmals aufgeführtes Werk wurde aber mit "Three Little Feelings" von John Lewis, "Poem For Brass" von J.J. Johnson und "Pharaoh" von Jimmy Giuffre für das Album "Music For Brass" (Columbia, 1957) aufgenommen. Auf den drei letzteren Werken war Miles Davis (fl, flh) als Solist zu hören.

 

Die amerikanischen Universitäten und Kulturorganisationen gaben Gunther Schuller immer wieder Gelegenheit, seine Musik vorzustellen. So erhielten Schuller und George Russell 1957 den Auftrag, für ein Festival an der Brandeis University in Boston Werke einzustudieren.

 

Sie stammen von Schuller, und Russell selber sowie von Harold Shapero, Charles Mingus, Jimmy Guiffre und Milton Babbitt ("All Set"). Diese Werke fanden sich auf der LP "Modern Jazz Concert" (Columbia, 1958).

 

Zum von Schuller und Russell geleiteten Orchester gehörten John LaPorta (as), Hal McKusick (ts), Teo Macero (bars), Robert DiDomenica (fl), Manuel Zegler (bassoon), Louis Mucci und Art Farmer (tp), Jimmy Knepper (tb), Jim Buffington (frh), Bill Evans (p), Theddy Charles (vibes), Barry Galbraith (g), Joe Benjamin, Charles Mincus oder Fred Zimmerman (b), Margareth Ross (harp) und Teddy Sommer (dm).

 

Vier der sechs Kompositionen, ohne jene von Shapero und Babbitt, sowie sämtliche vier Werke der LP "Music For Brass", fanden sich später auch auf der CD "The Birth Of Third Stream" (Columbia, 1996). Später nahmen Schuller und Lewis die LP "John Lewis Presents Contemporary Music: Jazz Abstractions" (Atlantic, 1961) auf. Schuller hatte bis auf einen Titel sämtliche Stücke komponiert. Eingespielt wurden die Werke am 19. und 20. Dezember 1960.

 

Zu den Musikern gehörten Ornette Coleman (as), Eric Dolphy (fl, as, bcl), Robert DiDomenica (fl), Bill Evans (p), Eddie Costa (vibes), Jim Hall (g), Scott La Faro, Alvin Brehm oder George Duvivier (b), Alfred Brown (cello), Stick Evans (dm) und The Contemporary String Quartet.

 

Der Zufall wollte es, dass Ornette Coleman am Tag darauf in den selben Studios seine epochale Aufnahme "Free Jazz" (Atlantic, 1961) einspielte. Die Wiederentdeckung des Ragtime in den späten 1960er Jahren, vor allem der Musik von Scott Joplin, ist das Verdienst von Gunther Schuller.

 

Die anschliessende Popularität des Ragtime, vor allem im Gefolge des Films "Der Clou" (Originaltitel "The Sting" von 1973), nutzte Schuller für die Erstaufführung von Scott Joplins einziger Oper "Treemonisha".


Schullers Version wurde unter dem Titel "Treemonisha (Original Cast Recording)" (Deutsche Grammophon, 1976) auf einer Doppel-LP zugänglich gemacht. Mit seinem New England Conservatory Ragtime Ensemble hatte Schuller die beiden LPs "The Red Back Book" (Angel, 1973) und "More Scott Joplin Rags" (Golden Crest, 1974) aufgenommen. 

 

Schuller ist als Musiker, Dirigent, Komponist und/oder Arrangeur auf Dutzenden von Aufnahmen vertreten. Er besitzt bei discogs.com über 250 Einträge als Komponist oder Arrangeur sowie über 160 als Dirigent und über 120 als Musiker.

 

Gunther Schuller ist der Vater des Bassisten Ed Schuller und des Schlagzeugers George Schuller, beides ebenfalls vielbeschäftigte Musiker innerhalb des avancierten Jazz. Gunther Schuller starb am 21. Juni 2015 im Alter von 89 Jahren in Boston, Massachusetts.     04/26

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