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Jello Biafra

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3 Min. Lesezeit

Amerikanischer Punk-Sänger, Komponist, Schauspieler, Polit-Aktivist, Labelbesitzer und Spoken Word-Künstler, geboren am 17. Juni 1958 in Denver, Colorado als Eric Boucher. 1978 gründete er in San Francisco, California, mit East Bay Ray alias Raymond Pepperell (g), Klaus Flouride alias Geoffrey Lyall) (e-b) und Ted alias Bruce Schlesinger (dm) die Hardcore/ Punk-Formation Dead Kennedys.



Wegen der charismatischen Ausstrahlung von Biafra und der grossen politischen Radikalität der Songtexte und der Musik wurden die Dead Kennedys zum Bannerträger der US-Punk-Bewegung. Ihre ersten Singles "California uber alles" und "Holiday In Cambodia" sowie ihr erstes Album "Fresh Fruit For Rotting Vegetables" (Alternative Tentacles, 1980) schlugen ein und verkauften sich gut.

 

Nach mehreren Alben und Singles löste sich die Band 1986 auf. Später gerieten Biafra als Besitzer des 1981 gegründeten "Alternative Tentacles"-Labels und seine einstigen Mitmusiker wegen den Rechten an den früheren DK-Aufnahmen in die Haare.

 

Der vor Gerichten ausgetragene Streit dauerte über mehrere Jahre. Er endete damit, dass die Rechte an den Aufnahmen nicht Biafra, sondern der Band zugesprochen wurden. Darauf wurden ab 2001 sämtliche frühen DK-Aufnahmen sowie weiteres Archiv-Material neu abgemischt auf dem "Manifesto"-Label (wieder) veröffentlicht.

 

Gleichzeitig fand sich die Band - ohne Biafra - wieder zusammen. Nach dem Split der Dead Kennedys hatte es eine Weile gedauert, bis Biafra als Solokünstler Fuss fassen konnte. Mit "No More Cocoons" (Alternative Tentacles, 1987) und "High Priest Of Harmful Matter - Tales From The Trial" (Alternative Tentacles, 1979) veröffentlichte er zuerst zwei Spoken Word-Aufnahmen.

 

Auch auf der Kassette "On Censorship" (TPOS, 1987) sprach Biafra in einem Interview über die Zensur seiner Arbeiten. Erst mit dem Album "Last Scream Of The Missing Neighbors" (Alternative Tentacles, 1990), einer gemeinsamen Aufnahme mit der kanadischen Punk-Band D.O.A. von Joey "Shithead" Keithley (g, vcl), kehrte er zur Musik zurück.

 

Zusammen mit Musikern von D.O.A. trat Biafra später auch im Film "Terminal City Ricochet" auf. Seine Zusammenarbeit mit Bands setzte Jello Biafra auch beim nächsten Album "The Sky Is Falling And I Want My Mommy" (Alternative Tentacles, 1991) fort. Er wurde von Nomeansno, ebenfalls einer Punk-Formation aus Kanada, begleitet.

 

Danach folgte mit "I Blow Minds For A Living" (Alternative Tentacles, 1991) eine weitere Spoken Word-Aufnahme. "Prairie Home Invasion" (Alternative Tentacles, 1994) wurde mit Mojo Nixon und seinen Toadliquors aufgenommen.

 

Zwischen 1994 und 2002 folgten auf seinem Label "Alternative Tentacles" sechs weitere Spoken Word-Alben. "Jello Biafra With Plainfield" (Alternative Tentacles, 1995) nannte sich dazwischen eine Trioaufnahme mit Greg Faire (e-b) und Smelly Mustafa (g) in Form eines Mini-Albums.

 

The NO WTO Combo hiess ein Trio mit Krist Novoselic (e-b) von Nirvana und Sweet 75, Kim Thayil (g) von Soundgarden und Gina Mainwal (dm). "Live From The Battle In Seattle" (Alternative Tentacles, 2000) hiess die einzige Aufnahme dieser Ad Hoc-Gruppe, die aus Anlass der WTO-Konferenz in Seattle entstanden war.

 

Für "Never Breathe What You Can't See" (Alternative Tentacles, 2004) und "Sieg Howdy" (Alternative Tentacles, 2005) tat sich Jello Biafra mit den Melvins zusammen. Die zweite CD enthielt zudem Remixes von Al Jourgensen von Ministry, Dalek und Dale Crover von den Melvins.

 

"In The Grip Of Official Treason" (Alternative Tentacles, 2006) nannte sich eine neue Spoken-Word-Aufnahme in Form einer Triple-CD oder eines DL-Albums. 2008 tauchte Biafra mit seinem Projekt Jello Biafra & The Guantanamo School Of Medicine wieder auf.

 

Später war Jello Biafra & The New Orleans Raunch And Soul All-Stars eine weitere solche Gruppe. Von dieser erschien mit "Walk On Jindal's Splinters" (Alternative Tentacles, 2015) ein Album.

 

Jello Biafra war zudem politisch aktiv und kandidierte 1979 für das Bürgermeisteramt von San Francisco und 2000 für die US-Präsidentschaft. Bei der Vorausscheidung der Green Party unterlag er allderdings dem Konsumentenschützer Ralph Nader.

 

Neben seinen eigenen Aufnahmen war Jello Biafra auch sonst noch musikalisch tätig gewesen. Noch zu Lebzeiten der Dead Kennedys fand er sich bei der ersten Europa-Tournee in London mit dem damaligen Bandkollegen East Bay Ray (g) sowie mit Adrian Borland (g, vcl) von der New Wave-Band The Sound, Chris Lunch (e-b) von Palais Schaumburg und Morgan Fisher (key) zur kurzlebigen Formation The Witch Trials zusammen.

 

Die Musiker nahmen vier Tracks auf, die auf einer gleichnamigen 12"-EP (Alternative Tentacles/Zickzack, 1981) erschienen. Lard war Ende der 1980er Jahre ein Industrial-Hardcore-Bandprojekt von Biafra mit den Ministry-Musikern Al Jourgensen (g, key, program) und Paul Barker (e-b, key, program) sowie Jeff Ward (dm).

 

Die Lard-Stammmusiker Biafra, Jourgensen und Barker hatten vor Lard mit Rieflin, Sacchia, Trent Reznor von Nine Inch Nails sowie Patty Jourgensen mit 1000 Homo DJs ein weiteres Ministry-Seitenprojekt gebildet, dessen zwei Maxisingles auf der CD-EP "Supernaut" (Wax Trax!, 1990) zusammengefasst wurden.

 

Biafra machte auch bei Aufnahmen von Pigface, einer anderen Industrial-Supergruppe um Martin Atkins (dm) mit, die ab 1991 in wechselnden Besetzungen viele Aufnahmen veröffentlichte.

 

Weitere Projekte und Gruppen, in die Biafra involviert war, hiessen Bank Of Sodom, Brujeria, Doc Wör Mirran, Jello Biafra's Polkapocalypse, Revolting Cocks, The Healers, Rocky Mountain Arsenal Choir, Tumor Circus und Two Virgins.

 

Biafra/Boucher trat auch unter Pseudonymen wie Count Ringworm,  Jr. Hozicon, Occupant und Osma McDonald in Erscheinung.         11/26

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