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Karlheinz Stockhausen

musicmakermark
vor 1 Stunde
4 Min. Lesezeit

Deutscher Komponist, geboren am 22. August 1928 in Mödrath, dem heutigen Kerpen. Stockhausen gilt als einer der Pioniere der elektronischen Musik und als einer der bedeutendsten Komponisten des 20. Jahrhunderts.


 

Sein Vater fiel im Zweiten Weltkrieg und seine psychisch kranke Mutter wurde 1941 von den Nationalsozialisten im Zuge der sogenannten Euthanasie ermordet. Er wuchs in ärmlichen Verhältnissen auf.

 

Von 1947 bis 1951 studierte er an der Musikhochschule Köln Schulmusik mit dem Hauptfach Klavier sowie an der Universität Köln Musikwissenschaften, Germanistik und Philosophie.

 

Ab 1950 war er als Komponist tätig, wobei er nicht nur neue Formen der Musik schuf, sondern auch auf dem Feld der Notation innovative Zeichen setzte. Er war zudem auch Hochschuldozent und Verfasser zahlreicher musiktheoretischer Schriften und Essays.

 

Noch entscheidender ist sein Werk mit über 300 Eigenkompositionen, die vielfach die Grenzen des technisch Machbaren verschoben. Damit prägte er die Musik des 20. Jahrhunderts deutlich mit.

 

Ab den 1950er Jahren wandte sich Stockhausen der seriellen Musik zu. Er gilt diesbezüglich vor allem als Mitbegründer der sogenannten punktuellen Musik. Angeregt durch Olivier Messiaens serielles Werk "Mode de Valeur et dintensités" (1949) nahm Stockhausen an dessen Kompositionskursen in Paris teil.

 

Zwischen 1953 und 1998 arbeitete er eng mit dem Studio für Elektronische Musik am Westdeutschen Rundfunk in Köln zusammen. Er war zeitweilig auch künstlerischer Leiter des Studios und widmete sich dort verstärkt der elektroakustischen Musik.

 

1955 verwirklichte er in diesem Studio das Werk "Gesang der Jünglinge", das als eines seiner zentralen Frühwerke gilt. Er setzte mit dieser Produktion neue Massstäbe auf dem Gebiet der Raummusik. Dabei realisierte er mit spartanischen Mitteln elektronische Klänge und Klangtexturen, die man so vorher noch nie gehört hatte.

 

Fortan war Stockhausen national wie international als Dozent tätig, leitete über lange Jahre die Kölner Kurse für neue Musik. Bei der Expo '70, der Weltausstellung im japanischen Osaka, war er 1970 mit seinen futuristischen Kompositionen der Anziehungspunkt im deutschen Pavillon.

 

Von 1971 bis 1977 lehrte er als Professor für Kompositionslehre an der Kölner Musikhochschule. Ab 1977 konzentrierte sich Stockhausen auf die Vollendung seines magnum opus "Licht", eines der mit 29 Stunden Gesamtspieldauer umfangreichsten Werke der Musikgeschichte.

 

Darin strebte er die Verbindung von szenischer, visueller, raumakkustischer und musikalischer Idee zu einer Einheit an. Mit "Licht" hinterliess er ein religiöse, mystische und autobiographische Themen behandelndes Monumentalwerk.

 

Das Ganze baut auf einer so genannten Superformel auf, die drei Melodien zusammenfügt, welche die Hauptfiguren charakterisierten. Michael symbolisiert das Gute, Eva die Geburt und Luzifer das Böse.  

 

Diese von Karlheinz Stockhausen selber kreierte Formel basiert auf den musiktheoretischen Grundlagen der Zwölftonmusik von Arnold Schönberg und Anton Webern und wurde von Stockhausen um visuelle, serielle und aleatorische Elemente erweitert.

 

Die einzelnen Teile von "Licht" waren nach den Wochentage benannt. Es waren dies "Montag" (1984-88), eine Oper in drei Akten, einem Gruss und einem Abschied, geschrieben für 21 musikalische Darsteller (14 Solo-Stimmen, sechs Solo-Instrumente, ein Akteur), Chor (Tonband oder live), 21 Schauspieler-Frauen (nur in szenischer Aufführung), Kinderchor, Mädchenchor, modernes Orchester (drei Synthesizer-Spieler, ein Schlagzeuger, Tonband), Dirigent, Klangregisseur.

 

"Dienstag" (1977/1987-91) war eine Oper in einem Gruss und zwei Akten mit Abschied, komponiert für 17 musikalische Darsteller (drei Solo-Stimmen, zehn Solo-Instrumentalisten, vier Tänzer-Mimen), Schauspieler, Mimen, Chor, Modernes Orchester und Tonbänder; "Mittwoch" (1995-97), stellte eine Oper in einem Gruss, vier Szenen und einem Abschied dar.

 

Sie war geschrieben für neun musikalische Darsteller (Flöte, Bassetthorn, Trompete, Posaune, Streichquartett, Bass mit Kurzwellen-Empfänger), Chor mit singendem Dirigenten, Orchester (szenisch: 13 Instrumentalisten), einen Synthesizer-Spieler, zwei Tänzer-Mimen, elektronische Musik (Tonbänder), Klangregisseur.

 

"Donnerstag" (1978-80) war eine Oper in drei Akten, mit einem Gruss und einem Abschied, notiert für 14 musikalische Darsteller (drei Solo-Stimmen, acht Solo-Instrumentalisten, drei Solo-Tänzer), Chor, Orchester und Tonbänder.

 

Bei "Freitag (1991-94) handelte es sich um eine Oper in einem Gruss, zwei Akten und einem Abschied, realisiert für fünf musikalische Darsteller (Sopran, Bariton, Bass, Flöte, Bassetthorn), Kinder-Orchester, Kinderchor, zwölf Choristen, einen Synthesizer-Spieler, zwölf Paare von Tänzer-Mimen, elektronische Musik mit Tonszenen, Klangregisseur;

 

"Samstag" (1981-83) war eine Oper in einem Gruss und vier Szenen für 13 musikalische Darsteller (eine Solo-Stimme, zehn Solo-Instrumentalisten, zwei Solo-Tänzer), Harmonie-Orchester, Orchester, Ballett oder Mimen, Männerchor und Orgel.

 

Der "Sonntag (1998-2003) schliesslich war eine Oper in fünf Szenen und einem Abschied für zehn Vokalsolisten, Knabenstimme, vier Instrumental-Solisten, zwei Chöre und zwei Orchester, elektronische Musik, Klangregisseur.

 

Die ersten Teile des "Licht"-Zyklus erlebten 1981, 1984 und 1988 an der Mailänder Scala ihre Uraufführung, ("Donnerstag", "Samstag", "Montag"). In Leipzig wurden 1992 "Dienstag" und 1996 "Freitag" zum ersten Mal gespielt. Drei der Kinder Stockhausens waren in die Aufführungen von "Donnerstag", "Samstag" und "Dienstag" involviert.

 

Majella Stockhausen war als Pianistin in "Donnerstag" und "Samstag" mit dabei, Markus Stockhausen als Trompeter und Simon Stockhausen als Sopransaxophonist und Synthesizer-Spieler in "Donnerstag", "Samstag" und "Dienstag".

 

In seiner Gesamtheit wurde "Licht" noch nicht aufgeführt. Nach Abschluss der Arbeit an "Licht" widmete sich Stockhausen dem nächsten Grossprojekt. Unter dem Titel "Klang" sollten die 24 Stunden des Tages in 24 Kompositionen für unterschiedliche Besetzungen vertont werden.

 

Stockhausen liess dazu verlauten, dass er plane, danach die 60 Minuten einer Stunde, sowie die 60 Sekunden einer Minute zu vertonen. Doch schon den Zyklus "Klang" konnte Stockhausen nicht mehr vollenden.

 

Anfang November 2007 nahm er einen Kompositionsauftrag für ein neues Orchesterwerk für das Mozart-Orchester in Bologna an. Der Anlass war der 80. Geburtstag von Stockhausen 2008. Diesen Auftrag beendete er am Tag vor seinem Tod. Er starb am 5. Dezember 2007 79-jährig in Kürten-Kettenberg.

 

Seit 1991 gibt der Stockhausen-Verlag eine Gesamtausgabe seiner Werke sowohl in Partituren als auch auf CDs heraus. 1995 wurde er mit dem Bach-Preis der Freien und Hansestadt Hamburg ausgezeichnet,

 

1996 wurde Karlheinz Stockhausen die Ehrendoktorwürde der Freien Universität Berlin verliehen, 2001 erhielt er den inoffiziellen Nobelpreis für Musik, den Polar Music Prize. Neben der kompositorischen Arbeit war Stockhausen auch als Dirigent seiner eigenen Orchesterwerke aktiv.

 

Die kompromisslose Ausführung und Planung seiner Werke führte dazu, dass seine Musik im normalen Musikbetrieb zuletzt kaum noch aufgeführt wurde, da der Komponist deren Aufführung nicht autorisierte und somit verhinderte. Sein Werk umfasst 363 einzeln aufführbare Werke, darin eingeschlossen Bearbeitungen von "Licht" und solche früherer Werke.

 

Darunter befand sich auch das "Helikopter-Streichquartett" (1996). Letzteres verlangt ein Streichquartett, vier Helikopter mit Piloten, Audio-und Video-Ausrüstung und zugehörige Tontechniker. Es kann zwar auch als eigenständiges Stück aufgeführt werden, ist aber ein Teil der dritten Szene aus der Oper "Mittwoch" aus "Licht".

 

Von Stockhausen kamen über 250 Schallplatten mit seinen Werken heraus. Allein in seinem Stockhausen Verlag erschienen über 130 Alben. Dazu wurden viele Publikationen von und über Stockhausen veröffentlicht.    09/26

 

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