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Ornette Coleman von 1969 bis 2015

Für die Liveaufnahme "Crisis" (Impulse!, 1972) mit Liveaufnahmen eines Konzerts vom 22. März 1969 an der New York University kehrte Don Cherry (tp) in die Gruppe von Ornette Coleman zurück. Diese bestand damals neben dem Leader aus Dewey Redman (ts), Charlie Haden (b) und Denardo Coleman (dm).



Bei einem Festivalauftritt im Sommer 1969 in Belgien spielte Coleman nur mit Redman, Haden und Blackwell. Der Mitschnitt davon erschien erst viel später als "Belgium 1969: Blizen Festival" (Gambit, 2009). Ein privater Auftritt vor Freunden im eigenen Loft an der Prince Street in New York City von 1970 mit Redman, Haden und Blackwell erschien als "Friends And Neighbors - Ornette Live At Prince Street" (Flying Dutchman, 1970).

 

"The Art Of Improvisers" (Atlantic, 1971) enthielt Outtakes, die Coleman zwischen 1959 und 1962 bei den Aufnahmen der Alben "The Shape of Jazz To Come", "Change Of The Century", "This Is Our Music", "Ornette!" und "Ornette On Tenor" mit seinen damaligen Gruppen eingespielt hatte.

 

Weitere Outtakes der Sessions zu den Alben "The Shape Of Jazz To Come", "This Is Our Music", "Free Jazz!" und "Ornette!" erschienen unter dem Titel "Twins" (Atlantic, 1971). Darauf fand sich auch der First Take von "Free Jazz!". Von Auftritten 1971 mit seinem unterschiedlich besetzten Quartett kamen später mehrere Bootleg-Liveaufnahmen heraus.

 

Im September und Oktober 1971 entstand "Science Fiction" (Columbia, 1972), eingespielt an drei Tagen mit fünf verschiedenen Besetzungen, darunter zwei Nummern mit seinen klassischen Quartett und den Rest mit bis zu acht Musikern, die mit Ausnahme von Asha Puthli (vcl) und David Henderson (recitation) alle schon früher mit Ornette zusammengearbeitet hatten.

 

"Broken Shadow" (Columbia, 1982) enthielt später weiteres Material der "Science Fiction"-Session von 1971 sowie Aufnahmen, die Coleman 1972 mit unter anderem Jim Hall (g) und Cedar Walton (p) gemacht hatte. Der Grossteil dieser beiden Alben sowie bisher noch nie veröffentlichtes Material wurden unter dem Titel "The Complete Science Fiction Sessions" (Columbia, 2000) auf einer Doppel-CD zusammengefasst.

 

In den Liner Notes zu "Skies Of America" (siehe Ornette Coleman als Komponist) schrieb Coleman erstmals über die "Harmolodics", sein musiktheoretisches System, das niemand recht beschreiben oder erklären konnte. Auch Coleman selber tat sich schwer damit und zögerte die Veröffentlichung eines Theoriebuches immer wieder hinaus.

 

Peter Niklas Wilson beschrieb das System in seinem Buch "Ornette Coleman" (Oreos) wie folgt: "Die harmolodische Theorie ist kein integrales System im europäischen Sinn, also kein kodifiziertes Gefüge hierarchisch gegliederter Regeln, sondern es handelt sich um ein offenes Reservoir von Verfahren, derer sich Coleman auf unterschiedlichste Weise, je nach der musikalischen Situation, je nach den Charakteristika seiner Mitspieler bedient".

 

1973, nach den Aufnahmen für sein ambitöses Orchesterwerk "Skies Of America" (Columbia, 1972), wurde Coleman wie Bill Evans und Charles Mingus von CBS aus dem Vertrag entlassen. Für sein nächstes Album "Dacing In Your Head" (A&M, 1977) scharte Coleman mit Bern Nix und Charles Ellerbee (g), Rudy McDaniel alias Jamaaladeen Tacuma (e-b) und Ronald Shannon Jackson (dm) alles junge Musiker um sich.

 

Dieses Quintett nannte sich Prime Time, spielte einen weitgehend elektrischen Jazz und veröffentlichte später mehrere weitere Schallplatten. Die Doppel-LP zeigte aber nicht nur den neuen, elektrischen Ornette Coleman, sondern enthielt auch Aufnahmen, die er 1973 mit den Master Musicians Of Jajouka in Marokko gemacht hatte.

 

Danach erschien mit "Soapsuds, Soapsuds" (Artist House, 1978) eine Duo-LP mit Charlie Haden (b). Mitte der 1980er Jahre kam es zu seiner Zusammenarbeit mit dem damals aufstrebenden Gitarristen Pat Metheney. Auf "Song X" (Geffen, 1986) wurden der alte und der junge Superstar von Charlie Haden (b) sowie Jack deJohnette bzw. Denardo Coleman (dm) begleitet.

 

Metheney hatte sein Faible für Colemans Musik auf eigenen Aufnahmen davor mehrfach unter Beweis gestellt. Wegen seiner Arbeit mit Prime Time trat Ornettes Colemans Schaffen mit einer akustischen Gruppe eine Weile in den Hintergrund. Erst für die Doppel-LP "All Languages" (Carvan Of Dreams, 1978) ging er wieder mit einer akustischen Gruppe ins Studio.

 

Dabei kam es nach 1976 auf "Science Fiction" zur zweiten Reunion des klassischen Coleman-Quartetts mit Charlie Haden (b), Don Cherry (b) und Billy Higgins (dm). LP 2 wurde von Prime Time bestritten. Später setzten Ornette und Cherry ihre Zusammenarbeit mit dem Rhythmusgespann Charnett Moffett (b) und Denardo Coleman (dm) fort. 1990 ging er mit dem Originalquartett – mit Cherry, Haden und Higgins – auf Tournee.

 

Unter dem Titel "Beauty Is A Rare Thing: The Complete Atlantic Recordings" (Rhino, 1993) erschien eine 6-CD-Box mit den "Atlantic"-Alben von Coleman. Mitte der 1990er Jahre baute Coleman erstmals wieder Pianisten in seine Gruppe ein.

 

Auf den beiden nahezu parallel aufgenommenen Alben "Sound Museum-Hidden Man" und "Sound Museum-Three Woman" (beide Harmolodic und Verve, 1996) war es Geri Allen, die zusammen mit Charnett Moffett (b) und mit Denardo Coleman (dm) Coleman begleitete. 1998 traten Coleman, Joachim Kühn (p), Bradley Jones (b) und Denardo Coleman (dm) unter dem Namen New Quartet auf.

 

Dazwischen spielte Ornette mit Joachim Kühn (p) die Duo-CD "Colors" (Harmolodic und Verve, 1997) ein. Ab 2003 bestand sein Quartett aus den beiden Bassisten Greg Cohen und Tony Falangy sowie aus seinem Sohn Denardo Coleman (dm). Aufnahmen dieser Gruppe von 2005 erschienen auf "Sound Grammar" (Sound Grammar, 2006).  Diese Formation spielte damals auch frühere Werke von Ornette.

 

"For The Love Of Ornette" (Jazzwerkstatt, 2010) hiess eine aktuelle Aufnahme mit Jamaaladeen Tacuma (e-b) und Tony Kofi (ts) als Co-Leader sowie mit Wolfgang Puschnig (fl, hojak), Yoichi Uzeki (p), Wadud Ahmad (spoken word), Justin Faulkner (dm) und David "Fingers" Haynes (perc) als weitere mitbeteiligte Musiker.

 

Zusammen mit Jordan McLean (tp, elect) und Amir Ziv (dm) entstand "New Vocabulary" (System Dialing, 2014). In zwei Tracks machte Adam Holzman (p) mit. Es handelte sich um die letzte, zu seinen Lebzeiten veröffentlichte Aufnahme. Ornette Coleman starb am 11. Juni 2015 in New York City an einem Herzstillstand, 85-jährig.

 

Von Ornette Colemans umfangreichem Schaffen kamen mehrere grössere Wiederveröffentlichungspakete mit mehr oder weniger dem selben frühen Material auf den Mark. Im Rahmen der "Original Album Series" (Atlantic und Rhino, 2011) wurden auf fünf CDs fünf frühe Alben gemeinsam neu aufgelegt.

 

Nahezu das selbe Material kam als "Six Classic Albums" (Real Gone, 2012) auf vier CDs auf den Markt. "The Complete Album Collection 1958-1962" (Enlightenment, 2016) hiess ein 4-CD-Set mit acht frühen Alben. Über 10 LPs oder 56 DL-Tracks erstreckte sich "The Atlantic Years" (Rhino, 2018).  Fünf CDs umfasste "Timeless Classic Albums" (DOL, 2018).

 

Einzig "Round Trip: Ornette Coleman On Blue Note" (Blue Note, 2022) enthielt auf sechs LPs jene Aufnahmen, die Coleman für "Blue Note" gemacht hatte.                                                                      06/24

 

 siehe auch: Ornette Coleman bis 1968                       

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