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Robert Rutman

musicmakermark
vor 12 Minuten
3 Min. Lesezeit

Deutscher Komponist, Multiinstrumentalist und Instrumentebauer, geboren am 15. Mai 1931 in Berlin. Er war das Kind einer jüdischen Mutter, die 1938 aus Deutschland emigrierte. Zuerst kam die Familie nach Polen, 1939 folgte ein Aufenthalt in England.


 

Nach dem dortigen Schulbesuch ging Rutman 1950 in die Vereinigten Staaten. Dort musste er 1951 Militärdienst leisten und wurde in Heilbronn in der Bundesrepublik Deutschland stationiert. Von 1955 bis 1962 studierte Rutman in New York City und Mexiko-Stadt Kunst.

 

Nach dem Abschluss des Studiums eröffnete er im Greenwich Village in Manhattan die Gallerie "A Fly Can't Bird But a Bird Can Fly". Danach gründete er im Bundesstaat Maine eine Multimedia-Galerie, die aber nach vier Jahren Insolvenz anmelden musste.

 

In Maine stellte Rutman 1968 seine erste Skulptur aus Stahl her, die mittels eines Bogens bespielt werden konnte. Er nannte sie Steel Cello und gab damit kleine Konzerte. Wegen des grossen Interesses entwickelte er innerhalb von kurzer Zeit mehrere Variation dieser Musikinstrumente.

 

1975 gründete Rutman das U.S. Steel Cello Ensemble und tourte danach durch Amerika und Europa. Robert Rutman gilt als Pionier der Multimedia-Performance. Ausserdem fertigte Rutman Zeichnungen, Ölgemälde, Gravuren und Draht-Skulpturen an.

 

Er lebt und arbeitet seit 1990 in Berlin. Rutmans Instrumente stellen vorgebogene Metalltafeln, frei schwingende Stäbe oder Stahlsaiten in festen Haltern dar, die mit einem Standard-Geigenbogen gestrichen werden.

 

Ihre wegen des Materials sehr schweren Konstruktion heissen Steel Cello (Cello aus Stahl), Bow Chime, Buzz Chime, Chant Bow Chime oder Three Bow Chimes.

 

Von Rutman erschienen mehrere Schallplatten. Vor allem seine Arbeiten unter dem Projektnamen U.S. Steel Cello Ensemble bzw. Steel Cello Ensemble ist gut dokumentiert. Die erste dieser Aufnahmen war die LP "Rutman: Sounds Of Nothing" (Art Supermarket, 1976).

 

Sie enthielt einen Solotrack von Rutman (bow chime) sowie zwei Duostücke von Rutman (bow chime bzw. single string cello) mit Kalpana Mazumder (vcl) bzw. Rex Morrill (bow chime). Die LP "Bitter Suites" (Rutdog, 1979) bestand aus zwei Live-Versionen des Titelstücks, interpretiert von Rutman mit zwei bzw. drei Mitmusikern.

 

Die Kassette "Steel Cello Ensemble" (Rutdog, 1987) bestand aus einem Solo-, einem Duo- und einem Trio-Track. Ebenfalls auf einer Kassette erschien "In A State Of Flux" (A State Of Flux, 1988) mit einem Interview und Solostücken.

 

Die Kassette "Noise In The Library" (Rutdog, 1989) umfasste zwei Duo- und zwei Ensemble-Tracks, aufgenommen am 31. Mai 1989 in Berlin, also noch vor der Wende und vor Rutmans definitivem Umzug in seine Geburtststadt.

 

In Berlin entstanden weitere Aufnahmen des Steel Cello Ensemble. Es handelte sich um die CD "Live At The Waterworks • Berlin" (Stuff, 1991), "Zuuhh!! Muttie Mum!!" (Die Stadt, 1998) und "Steel Cello Ensemble Feat. Ginsberg, Hentz, Irmler" (Klangbad, 2011).

 

Unter Rutmans Namen erschienen andere Aufnahmen wie die Kassette "1940" (Generations Unlimited, 1988), die LP "1939" (Pogus, 1989) und die CD "Music To Sleep By" (Tresor, 1997). Letztere enthielt Soloaufnahmen von 1997, die Alexander Hacke von den Einstürzenden Neubauten aufgenommen hatte. Ergänzt wurden sie durch ein Stück von 1987.

 

Mit Asmus Tietchens teilte sich Robert Rutman die 7"-Single "Schritt Um Schritt/Buzz Off" (Die Stadt, 1999). "Eine unbekannte Zeit. An Improvised Opera Performed Live In Bremen, Germany" (Rutdog, 2003) besteht aus einem einzigen, 61:55-minütigen Stück, gespielt von Moon Suk.

 

In der Kathedrale von Coventry entstand die CD "Dislocation: A Sonic Evocation Of Psychic Displacement" (Coventry University und Coventry City Council, 2009). Sie zeigen Rutman solo, mit Wolfram Spyra (elect) oder mit Arran Poole (bow chimes) und Mark Bowler (perc).

 

Drei der vier Tracks fanden sich neben weiterem Material vom selben Auftritt auch auf "Beautiful Noise (The Sound Of Bob Rutman)" (Moloko+, 2021). Beide CDs wiesen je einen unterschiedlichen Track auf, der ohne Rutman zu Stande gekommen war.

 

"Buzz Off" (Peking, 2016) zeigt Rutman teilweise in Begleitung von Bernd Jestram (b-synth) und Rex Joswig (voice), der in einem Track einen Text von Bert Papenfuss rezitiert.  Auf "Walden" (ECM New Series, 2026) mit Musik von Heiner Goebbels war Rutman als Musiker mit dabei.

 

Unter dem Projektnamen Spacebow war die CD "Big Waves" (Noteworks, 1995) erschienen. Spacebow war ein Duo von Rutman mit Carsten Tiedemann. Robert Rutman war am 1. Juni 2021 in seiner Geburtsstadt Berlin im Alter von 90 Jahren verstorben.                  09/26

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