Tom Cora
musicmakermark
vor 6 Stunden
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Amerikanischer Cellist, geboren am 14. September 1953 als Thomas Henry Corra in Yancey Mills, Virginia. Er war zuerst Drummer und Gitarrist. Als letzterer war er stark von John Fahey beeinflusst. Später spielte er als Mitglied von The Slave Gang Coverversionen von James Brown oder war in Soul Jazz-Formationen tätig.

Als sein Freund Julian Jackson das Projekt The Moose Skowron Memorial Steel Cello Ensemble mit Metal-Cellos des Bildhauers und Komponisten Robert Rutman auf die Beine stellte, wurde Cora Mitglied dieser Formation. Darauf wechselte er ganz aufs Cello über.
Ende 1978 zog er nach Woodstock, New York, wo Karl Berger sein Creative Music Studio eröffnet hatte. Dort lernte er Musiker aus verschiedensten Stilrichtungen kennen, unter anderem Eugene Chadbourne, George Cartwright, John Zorn, Michael Lytle oder Davey Williams.
Diese spielten allesamt wenig später eine mehr oder weniger wichtige Rolle bei der Entwicklung der New Yorker Downtown-Szene. Im November 1978 war Cora mit Polly Bradfield (vio), Eugene Chadbourne (g), Toshinori Kondo (tp) und John Zorn (as) Mitglied einer Formation um den Italiener Andrea Centazzo (dm).
Diese Formation spielte am 7. November 1978 "Environment For Sextett" (Ictus, 1979) ein. Auf der Plattenhülle wurde er irrtümlich als Tom Cora aufgeführt. Cora insitierte nicht und nannte sich fortan auch so.
1979 zog Tom Cora wie viele andere, junge und experimentierfreudige Musiker nach New York, wo er mit Eugene Chadbourne zusammenarbeitete und mit ihm zu Aufnahmen kam, bei denen in einem Fall auch John Zorn mitmachte. Dieser holte ihn später auch zu eigenen Aufnahmen dazu.
In Europa kam er als Mitglied des Karl Berger Workshop Orchestras zu weiteren Aufnahmen. 1979 gründete er mit dem Saxophonisten George Cartwright die Gruppe Curlew. Mit David Moss (perc, vcl) nahm Cora im März 1982 die Duo-LP "Cargo Cult Revival" (Rift, 1983) auf.
Später war Cora Mitglied von Moss' Grossformation Dense Band, als diese "Dense Band" (Moers, 1985) aufnahm. Er machte Aufnahmen mit Catherine Jauniaux und und Tim Hodgkinson. Catherine Jauniaux wurde später die Frau von Cora.
In Fred Frith (g) fand er zu jener Zeit einen geistesverwandten Musiker. Mit Fred Maher (dm) und Tim Schellenbaum (g) gründeten Cora und Frith das Quartett Mayday, das allerdings vor der ersten Tournee auseinander fiel.
Frith und Cora beschlossen, als Duo und unter dem Namen Skeleton Crew auf Tournee zu gehen. Von dieser um Zeena Parkins und andere Musiker erweiterten Formation kamen mehrere Aufnahmen heraus. Frith zog Cora später immer wieder für Produktionen bei.
So ist Cora auf den Frith-Aufnahmen "Step Across The Border" (RecRec, 1990), "Gravity" (RecRec, 1991) und "Allies" (RecRec, 1996) zu hören. Letzteres war eine 1989 entstandene Quartettaufnahme von Frith und Cora mit George Cartwright (as) und Joey Baron (dm).
Während seiner Tätigkeit bei Skeleton Crew hatte Cora begonnen, die Töne seines Cello mit verschiedenen elektronischen Geräten zu verfremden. Dies schlug sich auch auf seine Arbeit als Solokünstler nieder.
Nach ersten Solokonzerten 1981 gab Cora mit "Live At The Western Front" (No Man's Land, 1987) sein erstes Soloalbum heraus. Die Aufnahmen stammten von einem Konzert vom Mai 1986 in Vancouver. Später folgte mit "Gumption In Limbo" (Sound Aspects, 1991) eine zweite Soloaufnahme.
Ab Ende der 1980er Jahre wurde Cora ein immer begehrterer Mitmusiker. Er war Mitglied jenes zehnköpfigen Ensembles, mit dem Butch Morris seine erste Conduction "Current Trends in Raciscm In Modern America" (Sound Aspects, 1986) einspielte.
Mit Kazutoki Umezu (as) nahm er 1987 im New Yorker Club "Roulette" die Live-Duo-CD "Abandon" (Umisushi, 1988) auf, mit Hans Reichel (g) entstand 1988 in den USA "Angel Carver - Live In Milwaukee And Chicago" (FMP, 1989).
Mit Samm Bennett (dm) gründete er 1990 die Formation Third Person, die für Konzerte und Aufnahmen meist durch einen dritten Musiker erweitert wurde. 1990 begann eine längere Zusammenarbeit mit der holländischen Band The Ex. Davon erschienen die Aufnahme "Scrabbling At The Lock" (Ex, 1991) und "And The Weathermen Shrug Their Shoulders" (Ex, 1993).
Gleichzeitig entwickelte Cora am Electro-Acoustic Research Center in Amsterdam Material, mit dem er 1992 solo auftrat. Er spielte teilweise bei The Hat Shoes, einer Gruppe seiner Frau Catherine Jauniaux (vcl) mit Bill Gilonis (g) von The Work, Charles Hayward (dm) von This Heat und Camberwell Now.
1993 zog Cora endgültig nach Europa und liess sich mit seiner Frau zuerst in Belgien und dann in Marseille nieder. Am Moers Festival 1993 war Cora Mitglied der Cyberband von Richard Teitelbaum (synth), die bei diesem Auftritt eine gleichnamige CD (Moers, 1994) aufnahm.
Im November 1993 entstand mit Sebastian Gramss (b, cello, g, elect), Claus Wagner (dm, perc), Axel Dörner (tp), Matthias Schubert (sax) und Peter Kowald (b) als Co-Leader "The Remedy" (JHM, 1994). Mit Burkhard Stangl (g), Max Nagl (reeds), Samm Bennett (dm, perc) und Thomas Chapin (reeds) nahm er im Oktober 1994 als Under Cover Collection Band "Hor-Fest" (KFW, 1995) auf.
Cora beschäftigte sich während seinen letzten Lebensjahren auch als Komponist für andere Musiker und schrieb Musik für Film und Tanztheater. Er spielte auch live zu Filmen. 1996 nahm er mit Phil Minton (vcl), Luc Ex (e-b) und Michael Vacher (dm) unter dem Gruppennamen Roof "The Untraceable Cigar" (Red Note, 1996) auf.
Liveaufnahmen dieser Formation vom Juni 1997 kamen nach Coras Tod als "Trace" (Red Note, 1999) heraus. Die drei verbliebenen Roof-Musiker machten mit Veryan Weston (p) als vierten Mann unter dem Gruppennamen 4 Walls weiter.
Die CD "It's A Brand New Day - Tom Cora Live At The Knitting Factory" (KFW, 2000) enthielt Live-Tracks, die Cora bei seinen diversen Auftritten in diesem New Yorker Club als Mitglied von diversen Gruppen dargeboten hatte.
Für seinen Film "New York Ghetto Fishmarket" verwendete Ken Jacobs Musik von Tom Cora und Catherine Jauniaux. Der Film wurde später auf einer DVD (Tzadik, 2007) veröffentlicht. "Live In Tel Aviv And Aubervilliers" (ReR Megacorp und Fred, 2021) bestand aus Trioaufnahmen von Cora mit Chris Cutler (dm, perc) und Fred Frith (g).
Cora ist zudem auf Aufnahmen oder war an der Seite von Ferdinand Richard, Das Pferd, Tenko, Nimal, Zeena Parkins, René Lussier, Maggie Nicols, Chris Cutler, Elliott Sharp, Paul Hoskin, Nick Didkovsky, Christian Marclay, Guy Klucevsek, Chris Cochrane, Martin Schütz, Hans Koch, Jean Dêrome, Haco, Les Sculpteurs de Vinyl, Iva Bittova, Amy Denio und anderen zu hören.
Cora starb am 9. April 1998 im südostfranzösischen Draguignan, 44-jährig nach längerer Krankheit. Musiker aus dem Umkreis von John Zorn's "Tzadik"-Label ehrten Cora auf der Doppel-CD "Hallelujah, Anyway" (1999) mit Interpretationen von Cora-Stücken oder eigenen Werken. Die Aufnahmen enthielten auch die wichtigsten Aufnahmen von Cora selber.
Für das Label "Knitting Factory Works" stellte Zorn die CD "A Tribute To Tom Cora" (2000) zusammen, das Cora an der Seite von Dave Douglas (tp), Samm Bennett (dm), Don Byron (cl), Zeena Parkins (e-harp), Fred Frith (g), Catherine Jauniaux (vcl), Mark Dresser (b) und Wayne Horvitz (key) zeigt.
Ein weiteres Tributalbum war "Musique Action 4" (Vand'Oeuvre, 2012) mit Live-Aufnahmen von 1998 sowie Studio-Tracks von 2011. Die Formation nannte sich Madame Luckerniddle und bestand aus ehemaligen Cora-Weggefährten wie Otomo Yoshihide, Christian Marclay, Phil Minton, Zeena Parkins, Catherine Jauniaux, Luc Ex, Veryan Weston und Michael Vatcher.
Tom Cora besitzt bei discogs.com über 150 Einträge als Musiker. Allein unter seinem Namen oder als Co-Leader kamen 20 Aufnahmen heraus. 10/26


