Globe Unity Orchestra
- musicmakermark
- 26. Dez. 2025
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Free Music-Grossorchester-Projekt, initiiert 1966 vom Berliner Pianisten und Komponisten Alexander von Schlippenbach. Basis für die erste europäische Freejazz-Big Band war einerseits das Manfred Schoof Quintet.
Dieses bestand damals aus Manfred Schoof (tp, flh), Alexander von Schlippenbach (p), Gerd Dudek (ts), Buschi Niebergall (b) und Jacki Liebezeit (dm). Als zweite Basis diente von Schlippenbach das Peter Brötzmann Trio, das damals aus Brötzmann (ts, as), Peter Kowald (b) und Mani Neumeier (dm) bestand.
Weitere Musiker, die zum Globe Unity Orchestra beigezogen wurden, waren Claude Deron (tp), Willi Lietzmann (tuba), Kris Wanders (sax), Willem Breuker (sax) und Gunter Hampel (fl, bcl). Das Orchester debutierte am 3. November 1966 an den Berliner Jazztagen mit den Werken "Sun" sowie "Globe Unity", einer Auftragskomposition des Senders RIAS Berlin.
Die anschliessende Studioeinspielung der beiden Werke vom 6. und 7. Dezember 1966 erschien unter von Schlippenbachs Namen als "Globe Unity/Sun" (Saba, 1967) auf einer LP. Die Berliner Livefassung von "Globe Unity" wurde später mit Aufnahmen der Carla Bley Band von den Berliner Jazztagen 1979 auf der Split-LP "50 Jahre Jazz Fest Berlin" (Berliner Festspiele, 2014) zugänglich gemacht.
Später wurden auf der "Unheard Music Series" des Labels "Atavistic" zwei weitere Versionen dieser Komposition unter dem Titel "Globe Unity 67 & 70" (Atavistic, 2001) veröffentlicht. Die erste war 1967, an den Tagen für Neue Musik in Donaueschingen, aufgenommen worden, die zweite 1970 am Jazzfestival Berlin.
Bei diesen Auftritten bestand das Orchestra aus der Crème de la Crème der europäischen Free Jazz-Musiker und wuchs zeitenweise auf über 20 Mitglieder an. Das Ensemble existierte in wechselnder Besetzung und mit einem Unterbruch von 1970 bis 1973 während 21 Jahren und veröffentlichte weitere Aufnahmen.
"Live In Wuppertal" (FMP, 1973) enthielt einen Mitschnitt vom 25. März 1973. Erst viel später erschienen mit "Baden-Baden'75" (FMP, 2010) weitere Aufnahmen aus jener Zeit.
Diese kam auch als Teil des Sets "FMP im Rückblick – In Retrospect" (FMP, 2010) mit elf anderen Aufnahmen von FMP-Musikern oder -Gruppen zusammen mit einem Buch und einer Dokumentation über die Geschichte dieses Labels auf den Markt.
"Jahrmarkt", einer der Tracks dieser CD, war vorher zusammen mit einem zweiten Track unter dem Titel "Jahrmarkt/Local Fair" (Po Torch, 1977) veröffentlicht worden. Bei "Local Fair" handelte es sich um eine Aufnahme vom 5. Juni 1976 beim 4. Wuppertaler Free Jazz Workshop, als Globe Unity in einer Riesenbesetzung mit zusätzlich 20 Akkordeonisten aufgetreten war.
In jener Zeit erschienen auch die beiden Singles "Der alte Mann bricht... sein Schweigen" (FMP, 1974) und "Bavarian Calypso/Good Bye" (FMP, 1975). "Hamburg '74" (FMP, 1979) zeigt das Orchester am 19. November 1974 am NDR Jazzworkshop im Funkhaus Hamburg zusammen mit dem Chor des Norddeutschen Rundfunks (NDR).
Beim Workshop Freie Musik am 31. März 1975 in Berlin entstanden in einer relativ kleinen Besetzung mit Brötzmann, Evan Parker, Steve Lacy, Gerd Dudek, Albert Mangelsdorff, Paul Rutherford, Kenny Wheeler, von Schlippenbach, Kowald und Lovens die beiden LPs "Evidence Vol.1" und "Into The Valley Vol. 2" (beide FMP, 1976).
Sie wurden später unter dem Titel "Rumbling" (FMP, 1991) auf einer CD zusammengefasst bzw. wiederveröffentlicht. "Pearls (FMP, 1977) war beim New Jazz Meeting 1977 in Baden-Baden mitgeschnitten worden, als Globe Unity sein zehnjähriges Bestehen feierte.
"Improvisations" (Japo, 1978) und "Compositions" (Japo, 1980) hiessen zwei zusammenhängende Aufnahmen, welche beide Pole des Orchesters, die Improvisation und die Interpretation, zeigten. "Intergalactic Blow" (Japo, 1983) enthielt Aufnahmen vom Juni 1982 bei Radio France in Paris.
Zum 20. Geburtstag trat Globe Unity am 4. November 1986 in Berlin auf, wo die Komposition bzw. CD "20th Anniversary" (FMP, 1993) mitgeschnitten wurde. Das vorläufig letzte Konzert gab die Unity 1987 an einem Jazzfestival in Chicago.
Prominenteste Musiker, die im Verlaufe der Jahre in den Reihen von Globe Unity sassen, waren Enrico Rava (tp), Kenny Wheeler (tp, flh), Albert Mangelsdorff, Günter Christmann und Paul Rutherford (tb), Anthony Braxton (as), Peter Brötzmann (cl, ts), Rüdiger Carl (cl, ts) und das langjährige Trio des Leaders Alexander von Schlippenbach mit Evan Parker (ss, ts) und Paul Lovens (dm, perc).
Nach dem Ende stellte Alexander von Schlippenbach 1988 zusammen mit seiner Frau Aki Takase (p) mit dem Berlin Contemporary Jazz Orchestra eine zweite Grossformation zusammen, die bis 1997 aktiv war.
Im Januar 2002 kam es in Aachen zu einer Globe Unity Orchestra-Reunion mit den Orginalmitgliedern Alexander von Schlippenbach (p), Peter Brötzmann (ts, cl, tarag), Evan Parker (sax), Ernst-Ludwig Petrowsky (sax, cl, fl), Manfred Schoof (tp, flh), Paul Rutherford (tb), Johannes Bauer (tb), Paul Lovens und Paul Lytton (dm).
Diese Reunion wurde auf "Globe Unity 2002" (Intakt, 2003) festgehalten wurde. Zum 40. Jahrestag der Gründung stellte von Schlippenbach erneut ein Globe Unity Orchestra zusammen.
Es umfasste Kenny Wheeler, Manfred Schoof, Jean-Luc Capozzo und Axel Dröner (tp), Evan Parker, Gerd Dudek, Ernst-Ludwig Petrowsky und Rudi Mahall (reeds), George Lewis, Paul Rutherford, Jep Bishop und Johannes Bauer (tb), von Schlippenbach (p), Paul Lovens und Paul Lytton (dm).
Studio- und Liveaufnahmen, die beim Jazzfest Berlin gemacht wurden, erschienen als "40 Years" (Intakt, 2007). Am 4. November 2016, also genau 50 Jahre und einen Tag nach dem ersten Auftritt, wurde am Jazzfest Berlin jene 44:03-minütige Improvisation aufgezeichnet, die zwei Jahre später unter dem Titel "50 Years" (Intakt, 2018) den Weg an die Öffentlichkeit fand. 12/25








