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Alexander von Schlippenbach

  • musicmakermark
  • vor 6 Tagen
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Deutscher Jazz-Pianist, Komponist und Orchesterleiter, geboren am 7. April 1938 in Berlin. Er absolvierte die Kölner Musikhochschule und studierte bei Rudolf Petzold sowie bei Bernd Alois Zimmermann.


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Mit Gunter Hampel (vibes, fl), Manfred Schoof (tp), Buschi Niebergall oder Peter Kowald (b) und Pierre Courbois (dm) bildete er von 1962 bis 1965 die Gunter Hampel Group, eine der allerersten europäischen Free Jazz-Gruppen.

 

"Heartplants" (Saba, 1965) hiess die am 30. Januar 1965 eingespielte, erste Aufnahme dieser Formation mit Niebergall als Bassisten. Danach  entstand um von Schlippenbach und Manfred Schoof ein Musikerkreis, der eine eigenständige, freie Kollektivspielweise erarbeitete und aus dem sich mehrere Formationen entwickelten.

 

Eine dieser Formationen war das Manfred Schoof Quintet, dem in einer ersten Ausgabe neben Schoof und von Schlippenbach Gerd Dudek (ts), Buschi Niebergall (b) und Jaki Liebezeit (dm) angehörten. "Voices" (CBS, 1966) hiess eine erste LP dieser fünf Musiker.

 

Das Schoof-Quintett mit Sven-Åke Johansson (dm, perc), das Peter Brötzmann Trio mit Brötzmann (ts, as), Peter Kowald (b) und Mani Neumeier (dm) und weitere Musiker bildeten am 3. November 1966 ein Orchesters, mit dem von Schlippenbach an den Berliner Jazztagen seine Werke "Globe Unity" und "Sun" aufführte.

 

"Globe Unity" war eine Auftragskomposition von RIAS Berlin und gab dem Grossorchester (siehe Globe Unity Orchestra) später auch den Namen. Die Studioeinspielung der beiden Werke vom 6. und 7. Dezember 1966 in Köln hiess "Globe Unity/Sun" (Saba, 1967) und erschien unter dem Namen von Alexander von Schlippenbach.

 

Das Globe Unity Orchestra wuchs zeitenweise auf über 20 Musikerinnen und Musiker an. Es wurde eine der langlebigsten Grossformationen des freien Jazz und spielte mehrere Aufnahmen ein. Mit einem Unterbruch zwischen 1970 und 1973 existierte das Orchester bis 1987.

 

2002 kam es zu einer Reunion mit weiteren Aufnahmen. Später leitete von Schlippenbach gemeinsam mit seiner Frau, der Pianistin Aki Takase, mit dem Berlin Contemporary Jazz Orchestra eine weitere Free Improv-Big Band. "The Living Music" (Quasar, 1969) war im April 1969 eine weitere Aufnahme, die unter von Schlippenbachs Namen erschien.

 

Dafür versammelte er Peter Brötzmann (ts, bars), Michel Pilz (bcl, bars), Manfred Schoof (flh, co), Paul Rutherford (tb), Buschi Niebergall (b, b-tb) und Han Bennink (dm, perc). 1969 war von Schlippenbach auch an einem grossorchestralen Free Jazz-Projekte von Manfred Schoof beteiligt, als "European Echoes" (FMP, 1969) entstand.

 

1968 hatte von Schlippenbach mit Evan Parker (ss, ts), Michel Pilz (bcl) und Paul Lovens (dm, perc) ein Quartett gegründet, das in dieser Besetzung nie Aufnahmen machte. Ohne Pilz wurde das Alexander von Schlippenbach Trio eine der langlebigsten Gruppen des europäischen Jazz.

 

"Payan" (Enja, 1972) enthielten die ersten Soloaufnahmen. Fünf Jahre später folgte "Piano Solo" (FMP, 1977). Mit einem Solostück, das auf der ebenfalls damals entstandenen Aufnahme "Pearls" (FMP, 1977) des Globe Unity Orchestras zu finden war, wurde "Piano Solo" später unter dem Titel "Piano Solo'77" (FMP, 2009) wiederveröffentlicht. 

 

Mit der Mitte April 1976 in Berlin eingespielten LP "Live At Quartier Latin" (FMP, 1976) begann seine lange Zusammenarbeit mit Sven-Åke Johansson (dm, perc), die sich schon in den frühen Gruppen von Manfred Schoof begegnet waren.

 

Mit ihm und anderen Musikerinnen kam es im Laufe der Jahre zu vielen weiteren gemeinsamen Duo- und Ensemleaufnahmen (siehe Sven-Åke Johansson & Alexander von Schlippenbach). Auch mit anderen Musikern realisierte von Schlippenbach weitere Duoaufnahmen  (siehe Alexander von Schlippenbach in Duoaufnahmen).

 

"Background For Improvisors" (FMP, 1997) hiess ein Album, für das von Schlippenbach Anfang April 1995 Sam Rivers (ts, ss, fl) mit dem Improvisors Pool - bestehend aus Axel Dörner (tp), Tilmann Denhard (fl, ts), Felix Wahnschaffe (as), Clas Willecke (bars), Tina Wrase (ss), Horst Nonnenmacher (b) und Johannes Bockholt-Dams (dm) - zusammenbrachte.

 

Bei mehreren Aufnahmen ehrte von Alexander Schlippenbach einige seiner musikalischen Vorfahren. 1980 entstand mit der RAI Big Band "Jelly Roll" (FMP, 1981) mit sieben Arrangements von Kompositionen des Ragtime-Pianisten Jelly Roll Morton. "Light Blue - Schlippenbach Plays Monk" (Enja, 1997) war eine Trioaufnahme mit Ino Nobuyoshi Ino (b) und Sunny Murray (dm).

 

Von von Schlippenbach kamen im Laufe der Jahre viele weitere Trioaufnahmen heraus (siehe Alexander von Schlippenbach in weiteren Trioaufnahmen). Auch die Monk-Schiene verfolgte er später weiter. Er tat sich Anfang der 2000er Jahre mit dem Berliner Quartett Die Enttäuschung zusammen

 

Dabei wurde ein umfangreiches Monk-Programm einstudiert, in dem alle 70 Monk-Kompositionen vorkamen. Von einzelnen Nummern wurden nur die Themen übernommen, über andere Stücke wurde ausgiebig improvisiert.

 

Das Programm erlebte seine Uraufführung am Jazzfest Berlin 2002. 2003 wurde es  im Rahmen von mehreren Abenden im Berliner Club "A-Trane" aufgenommen und darauf als Triple-CD mit dem Titel "Monk's Casino - Complete Works Of Thelonious Monk" (Intakt, 2005) veröffentlicht.

 

In einem, rund 41-sekündigen Stück spielte auch Aki Takase (toy-p), von Schlippenbachs Ehefrau, mit. Liveaufnahmen des "Monk"-Programms von 2021 kamen auf einer ebenfalls "Monk's Casino" (Two Nineteen, 2022) betitelten Doppel-LP heraus.

 

Später widmete sich der Pianist auf der Solo-CD "Schlippenbach Plays Monk" (Intakt, 2012) erneut dem Schaffen des amerikanischen Pianisten. Eine weitere Homage-Aufnahme von von Schlippenbach und Takase, eingespielt mit vielen weiteren Musikern, war Eric Dolphy gewidmet und hiess "So Long, Eric!" (Intakt, 2014).

 

"Broomriding" (PSI, 2003) hatte von Schlippenbach im Quartett mit Rudi Mahall (bcl), Tristan Honsinger (cello) und Paul Lovens (dm) gezeigt. Von Schlippenbach (p, tp) und Aki Takase (p) nahmen mit DJ Illvibe (tt, perc) "Lok 03" (Leo, 2005) auf.  

 

Bei DJ Illvibe handelte es sich um Vincent Graf von Schlippenbach, den Sohn von von Schlippenbach. Später nannte sich diese Formation nach dem Zuzug von Paul Lovens (dm, perc) Lok 03+1 und gab mit "Singals" (Trost, 2016) ein weiteres Album heraus.

 

Auf "Vesuvius" (Slam, 2005) ist von Schlippenbachs Begegnung mit Paul Dunmall (ts), Paul Rogers (b) sowie mit Tony Bianco (dm) dokumentiert. "Piano Solo: Twelve Tone Tales Vol. 1 und 2" (beide Intakt, 2006) hiessen zwei gleichzeitig veröffentlichte CDs, auf denen von Schlippenbach eigene Werke sowie solche von Bernd-Alois Zimmermann, Eric Dolphy, Monk und Jerôme Kern interpretierte.

 

Unter den eigenen Kompositionen fanden sich vier 12-Ton-Werke, die den CDs den Namen gaben. Im Rahmen der Feierlichkeiten zu seinem 70. Geburstag bestritt von Schlippenbach am 20. September 2008 einen Konzertabend in diversen Besetzungen.

 

Er trat solo auf, im Trio mit Evan Parker und Paul Lovens oder mit seinem Globe Unity Orchestra auf. Das Ganze wurde auf einer DVD mit dem Titel "Live In Berlin: Solo, Trio, Globe Unity" (Jazzwerkstatt, 2010) dokumentiert. "Rottacher Rhapsodien" (2010) war eine labellose CD-R mit Soloaufnahmen.

 

Mit Hilary Jeffery (tb), Frank Paul Schubert (as), Paul Dunmall (ts), Mike Majkowski (b) und Yorgos Dimitriadis (dm) entstand unter dem Namen der Beteiligten die CD "Red Dhal Sextet" (FMR, 2013). Ebenfalls unter dem Namen der Musiker kam die Doppel-CD "Intricacies" (NoBusiness, 2015) heraus.

 

Mit dabei waren neben von Schlippenbach Paul Hubweber (tb), Frank Paul Schubert (as, ss), Clayton Thomas (b) und Willi Kellers (dm). Marc Stutz Boukouya (tb), Harri Sjöström (ss), von Schlippenbach und Trampenau waren Co-Leader auf "Ein As kommt selten allein" (Carbon Edition, 2015).

 

Von Schlippenbach, Christof Thewes (tb), Martin Schmidt (mand, mandola), Hartmut Osswald (bcl), Evan Parker (ts) und Paul Lovens (dm) waren auf "Live At Spielraum (Trio/Quartet/Sextet)" (gligg, 2016) im Einsatz.

 

"Jazz Now! (Live At Theater Gütersloh)" (Intuition, 2016) zeigt von Schlippenbach bei einem Auftritt 2015 mit Rudi Mahall (bcl), Antonio Borghini (b) und Heinrich Köbberling (dm). "Slow Pieces For Aki" (Intakt, 2020) war eine seiner Frau Aki Takase gewidmete Soloaufnahme.

 

Mit dem Rodrigo Amado Motion Trio nahm er "The Field" (NoBusiness, 2021) auf, mit der Soko Steidle "Live In Berlin" (Jazzwerkstatt, 2022). Unter den Namen von François Carrier (as), von Schlippenbach, John Edwards (b) und Michel Lambert (dm) wurde "Unwalled" (Fundacja Słuchaj!, 2022) veröffentlicht.

 

Von The Bridge, einem Quartett bestehend aus Rodrigo Amado (ts), Alexander von Schlippenbach (p), Ingebrigt Håker Flaten (b) und Gerry Hemingway (dm), erschienen "Beyond The Margins" (Trost, 2023) und "Further Beyond" (Trost, 2025) .

 

Vom Alexander von Schlippenbach & Barry Altschul Quartet mit Rudi Mahall (bcl) und Joe Fonda (b) neben Co-Leader Altschul (dm) erschien die Doppel-CD "Free Flow" (Fundacja Słuchaj!, 2025) mit Liveaufnahmen von 2023. "Nickelsdorf" (Creative Sources, 2025) hiessen Aufnahmen mit Ernesto Rodrigues (viola, synth), Guilherme Rodrigues (cello), Nuno Torres (as) und Willi Kellers (dm).

 

Alexander von Schlippenbach ist zudem auf vielen Aufnahmen anderer Musikerinnen, Musiker und Bands zu hören. Bei discogs.com besitzt er fast 200 Credits als Musiker.                                                          12/25

 

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