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Hugh Masekela

  • musicmakermark
  • vor 24 Stunden
  • 5 Min. Lesezeit

Südafrikanischer Jazz-Trompeter, Flügelhornspieler, Pianist, Komponist und Bandleader, geboren am 4. April 1939 in Witbank. Sein Vater Thomas Selema Masekela war Schulleiter, Bergmann, Gesundheitsinspektor und Bildhauer, seine Mutter arbeitete als Sozialarbeiterin. Die Familie lebte im Township KwaGuqa.


 

Hugh war das erste von vier Kindern. Er sang als Kind und spielte Klavier. Seine Jugend verbrachte er in Alexandra, einem Stadtteil von Johannesburg. Als 14-Jähriger wechselte er zur Trompete, nachdem er den Hollywood-Film "Young Man With A Horn" mit Kirk Douglas in der Rolle von Bix Beiderbecke gesehen hatte.

 

Auf Vermittlung des britischen Geistlichen und Anti-Apartheid-Aktivisten Trevor Huddleston lernte er ab 1954 das Instrument bei Uncle Saude spielen, dem Leiter der Johannesburg Native Municipal Brass Band. Masekela wurde Mitglied der Huddleston Jazz Band Jive und spielte Tanzmusik.


Aufgrund seines grossen Talents erhielt er 1956 eine Trompete die zuvor im Besitze von Louis Armstrongs gewesen war. Er arbeitete bei Zacks Nkosi, bevor er zum Ensemble des Musicals "King Kong" gehörte, mit dem er auch in London auftrat.

 

Der weisse amerikanische Jazzpianist John Mehegan holte ihn und andere südafrikanische Musiker wie Kippie Moeketsi (as), Jonas Gwangwa (tb), Ray Shange (whistle), Samson Singo (mbira), Claude Shange (b) und Gene Latimore (dm) in ein Studio in Johannesburg.

 

Dort entstanden die beiden LPs "Jazz In Africa Vol. 1 und 2 (beide Continental, 1959). Masekela, Moeketsi und Gwangwa bildeten mit Dollar Brand (p), Johnny Gertze (b) und Makaya Ntshoko (dm) 1959 auch The Jazz Epistles, die einen eigenen südafrikanischen Zugang zum Hard Bop fanden.

 

Die Gruppe spielte mit "Verse 1" (Continental, 1960) das erste Modern Jazz-Album Südafrikas ein. Nach dem Massaker von Sharpeville 1960 verliess Masekela wie viele andere Musiker, darunter Dollar Brand, das Land. Zunächst lebte er in London, wo er mit Unterstützung von Yehudi Menuhin und John Dankworth an der Guildhall School of Music studierte.

 

Auf Drängen der Sängerin Miriam Makeba, die in den USA ebenfalls im Exil lebte, zog er mit Hilfe von Harry Belafonte nach New York City, wo er schon am ersten Abend Dizzy Gillespie und weitere bekannte Jazzmusiker traf und in der Folge an der Manhattan School of Music studieren konnte.

 

"Trumpet Africaine" (Mercury, 1962) war sein erstes Album unter eigenem Namen, offenbar eingespielt mit einem grösseren Begleitorchester. Ab 1962 war er auch auf Alben von Miriam Makeba und Harry Belafonte zu hören.

 

Auf seinem nächsten Album "Grrr" (Mercury, 1966) vermischte er erstmals Elemente der Kwela- und der Mbaqanga-Musik mit Jazz und Funk. Von 1964 bis 1966 war er mit Miriam Makeba verheiratet, mit der er auch auftrat. Nach der Trennung zog er nach Los Angeles. 1967 trat er beim Monterey Pop Festival auf.

 

Er gab mit den Byrds Konzerte und spielte das Trompetensolo im Song  "So You Want to Be a Rock ’n’ Roll Star" auf dem Byrds-Album "Younger Than Yesterday" (Columbia, 1967). Allein in den 1960er Jahren erschienen acht weitere Alben unter Masekelas Namen.

 

1968 hatte er mit dem Instrumentalstück "Grazing In The Grass", einer Singleauskoppelung aus dem Album "The Promise Of A Future" (UNI, 1969), seinen grössten Hit. Die Single kletterte bis auf Platz 1 der Billboard Hot 100 und brachte Masekela eine Grammy-Nominierung ein.

 

Damals trat er zeitweise auch unter dem Namen Disco Kid auf. 1971 spielte er mit den Jazz Crusaders und schlug der Band vor, den Namen in The Crusaders abzuändern. Auf seinen vielen eigenen Alben zwischen Fusion-Jazz, Rhythm and Blues, Afrobeat und Mbaqanga bevorzugte Masekela später zumeist eine ruhigere Gangart.

 

Er verliess die USA und lebte anschliessend nacheinander in Guinea, Zaire und Nigeria. Dort war er ab 1973 mit Fela Kuti und der Band Hedzoleh Soundz aktiv, mit der er mehrere Alben aufnahm. Zudem war er in den 1970er Jahren auf Aufnahmen von Johnny Nash, Randy Crawford und anderen zu hören.

 

1974 initiierte Masekela mit dem Musikproduzenten Stewart Levine das Musikfestival Zaire 74, das zeitgleich mit dem später verschobenen Box-WM-Kampf "Rumble In The Jungle" stattfinden sollte. Aufnahmen vom selben Jahr wurden später unter dem Titel "Live At The Records Plant, 24th February 1974" (Hit Hat, 2018) erstmals zugänglich gemacht.

 

1976 entstand unter dem Eindruck des Aufstands in Soweto das Stück "Soweto Blues", das in Ghana aufgenommen wurde. Mit Herb Alpert gab er die beiden Alben "Herb Alpert/Hugh Masekela" (A&M, 1977) und "Main Event Live" (A&M, 1978) heraus.

 

Dazu veröffentlichte Masekela in den 1970er Jahren rund zehn weitere Alben, darunter eine unter dem Gruppennamen Hugh Masekela & The Union Of South Africa. An Weihnachten 1980 kehrte er erstmals wieder in seine Heimat zurück. Dabei trat er vor 75'000 Zuschauern mit Miriam Makeba in Lesotho auf.

 

Das Konzert wurde auf der LP "Live In Lesotho" (Down South, 1980) dokumentiert. 1981 zog er nach Gaborone in Botswana, wo er eine Musikschule für verschiedene Musikstile betrieb. In dieser Zeit erschien sein Album "Techno-Bush" (Jive-Afrika, 1984) mit dem Song "Don’t Go Lose It Baby", der Top-Positionen in den US-amerikanischen Dance-Charts erreichte.

 

Nach einem Anschlag der South African Defence Force auf seine Musikschule mit 16 Toten verliess er das Land. Es folgten die Produktion des Broadway-Musicals "Sarafina!", das auch international erfolgreich war, und 1987 die Teilnahme an Paul Simons "Graceland"-Tournee auf mehreren Kontinenten.

 

Mit seiner Begleitband Kalahari nahm er den Song "Bring Him Back Home (Mandela") auf, der die Freilassung von Nelson Mandela aus dem Gefängnis forderte. Die Single (WEA, 1987) war erfolgreich, durfte in Südafrika aber nicht gespielt werden.

 

1988 nahm Masekela am "Nelson Mandela 70th Birthday Tribute Concert" in London teil. Nachdem Mandela 1990 tatsächlich freigelassen worden war, wurde "Bring Him Back Home (Mandela)" bei Mandelas anschliessender Welttournee als Hymne gespielt.

 

Masekela brachte auch in den 1980er und 1990er Jahren je fast zehn Alben heraus. 1990 kehrte Masekela im Zuge der Abschaffung der Apartheid nach Südafrika zurück. 1991 ging er unter dem Motto "Sekunyalo – This Is It!" mit den Bands Sankomota und Bayete erstmals wieder in Südafrika auf Tournee.

 

2004 erschien Masekelas Autobiografie "Still Grazing: The Musical Journey of Hugh Masekela", die er zusammen mit D. Michael Cheers geschrieben hatte. Im Juni 2010 spielte er als Opener beim Eröffnungskonzert der Fussball-Weltmeisterschaft 2010.

 

Am 13. Februar 2011 trat Masekela als Gastmusiker beim Konzert der irischen Rockband U2 im FNB-Stadion in Johannesburg auf. Zum Song "I Still Haven’t Found What I’m Looking For" spielte er Trompete. Dieser Auftritt ist auf dem Live-Doppelalbum "U22: A 22 Track Live Collection from U2360°" (U2 Dot Com, 2012) verewigt worden.

 

2012 erschien auf Masekelas eigenem Label das 4-CD-Set "Friends" (House Of Masekela), das ihn in Duos mit dem amerikanischen Jazzpianisten Larry Willis zeigt, mit dem er in den 1960er Jahren die Manhattan School of Music besucht hatte.

 

Im April 2016 spielte er zum Internationalen Tag des Jazz im Weissen Haus in Washington. Hugh Masekela lebte zuletzt abwechselnd in Südafrika und den USA. Hugh Masekela starb am 23. Januar 2018 in Johannesburg im Alter von 78 Jahren.

 

Von Hugh Masekela erschienen im Laufe der Jahre an die 30 Compilations und Wiederveröffentlichungspakete, darunter die CD "The Chisa Years 1965-1975 (Rare And Unreleased)" (BBE, 2006) mit ganz frühem Material.


Im Rahmen der Serie "Original Album Classics" (Sony und Legacy, 2017) wurden fünf Alben, die zwischen 1989 und 1999 erschienen waren, noch einmal aufgelegt. Drei dieser fünf Alben wurden auch unter dem Titel "Sixty, Black To The Future & Notes Of Life" (Retroworld, 2017) zu einem 3-CD-Set zusammengefasst.


Ganz frühe Aufnahmen kamen auf sieben LPs oder drei CDs mit dem Titel "Masekela '66 - '76" (Wrasse, 2018) auf den Markt.  06/26

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