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Thomas de Hartmann

musicmakermark
vor 2 Tagen
3 Min. Lesezeit

Russischer Pianist und Komponist, geboren am 19. Februar 1885 im russischen Choruschiwka, in der heutigen Oblast Sumy in der Ukraine, als Thomas Alexandrowitsch von Hartmann bzw. als Sohn russischer Eltern.


 

Er schloss 1904 das Studium am Konservatorium Sankt Petersburg ab, wo er Komposition und bei Anna Nikolajewna Jessipowa Klavier studiert hatte. Danach lebte er von 1908 bis 1912 in München und studierte Dirigieren bei Felix Mottl.

 

In München hatte er sich 1909 der Neuen Künstlervereinigung (N.K.V.M.) angeschlossen, aus der er gemeinsam mit den Malern Franz Marc und Wassily Kandinsky wieder austrat. 1916 traf Thomas de Hartmann in Sankt Petersburg zum ersten Mal den griechisch-armenischen Esoteriker, Schriftsteller, Choreographen und Komponisten Georges I. Gurdjieff.

 

Er wurde sein Schüler und war bis 1929 ein enger Vertrauter. De Hartmann heiratete 1920 die Russin Olga von Schumacher, die persönliche Sekretärin von Gurdjieff wurde. In Gurdjieffs Institut für die harmonische Entwicklung des Menschen in Fontainebleau bei Paris komponierte und arrangierte de Hartmann einen Grossteil der Musik, die Gurdjieff zusammengestellt hatte.

 

Gurdjieff war selber nicht in der Lage, seine Melodien zu notieren. Er spielte sie de Hartmann auf einem handbetriebenen Harmonium vor, oder summte oder pfiff sie, wobei er bei der Wiederholung die Vorgabe immer wieder veränderte.

 

Auf diese Weise transkribierte de Hartmann auch jene Melodien und Stücke, die Gurdjieff bei seinen Reisen durch Zentralasien gesammelt hatte, in Klaviermusik. Das Ehepaar de Hartmann blieb mit Gurdjieff auch später verbunden.

 

Georges I. Gurdjieff starb am 29. Oktober 1949 im amerikanischen Krankenhaus von Neuilly. Thomas de Hartmann hielt die Grabrede und komponierte einen Klavierzyklus mit dem Titel "Fünf Bände–Gurdjieff zum Gedächtnis".

 

1951 wanderten Thomas de Hartmann und seine Frau in die USA aus. Olga starb 1979 in Santa Fe, New Mexico. De Hartmann hatte 1906 das vieraktige Ballett "La Fleurette Rouge" geschrieben, mit dem später die russischen Tänzer Vaslav Nijinsky, Anna Pawlowna Pawlowa und Michel Fokine in Moskau und Sankt Petersburg auftraten.

 

Er schrieb Musik für Alexander Sacharoff und war der Komponist für Wassily Kandinskys "Der gelbe Klang". Hartmann legte das Stück mit seiner Musik und mit Entwürfen zur Ausstattung dem Moskauer Künstlertheater vor, doch dort wurden Musik und Entwürfe nicht verstanden.

 

Die Skizzen und die Musik ging während der russischen Revolution vorerst verloren. Das Stück wurde erst am 9. Februar 1982 in der musikalischen Rekonstruktion von Gunther Schuller in New York City uraufgeführt.

 

Nach der Zeit bei Gurdjieff schrieb de Hartmann eine Vielzahl von Kompositionen in einem eklektizistischen Stil, darunter Sinfonien und Opern. Als Broterwerb schrieb er unter dem Namen Th. Kross Hartmann und unter anderen Pseudonymen für annähernd 50 Filme die Musik.

 

De Hartmanns Musik war für den Komponisten Laurence Rosenthal die Grundlage in Peter Brooks Verfilmung von Gurdjieffs Autobiografie "Meetings with Remarkable Men". Dieser Soundtrack erschien auf einer gleichnamigen LP (Varèse Sarabande, 1979).

 

De Hartmanns eigene Musik kam fast nie auf Schallplatten heraus. Einzig seine Oper "Esther" erschien auf einer labellosen Doppel-LP (1979) in einer Einspielung des Oswego College Orchestras unter Joseph Henry.

 

De Hartmann ist Co-Autor auf allen Veröffentlichungen mit Musik von Gurdjeff, dazu auch Interpret auf den ersten Aufnahmen, die von Gurdjeffs Musik Ende der 1940er, Anfang der 1950er Jahre gemacht wurden. Diese erschienen beim Label "Editions Janus" zuerst in Form von 10"-EPs.

 

Vermutlich die selben Aufnahmen wurden ab Mitte der 1950er Jahre auch auf LPs veröffentlicht. Auf späteren Aufnahmen von Gurdjeffs Werken waren vor allem Keith Jarrett, Herbert Henck, Cecil Lytle, Charles Ketcham, Laurence Rosenthal, Alessandra Celletti und Alain Kremski die Interpreten.

 

Eine der umfangreichsten Compilations stammt von Cecil Lytle. Sie hiess "The Complete Piano Music Of Georges I. Gurdjieff And Thomas De Hartmann" (Celestial Harmonies, 1988) und erschien auf sechs CDs. Diese wurden als Set oder in Form von drei Doppel-CD angeboten.

 

Auch Alain Kremsi spielte Gurdjeffs/De Hartmanns Werk komplett ein. Diese Aufnahmen wurden ab Ende der 1980er Jahre von den Labels "Audivis" und "Naïve" auf mehreren LPs oder CDs herausgebracht. Von Jeroen van Veen stammte das 6-CD-Set "Complete Music For The Piano" (Brilliant Classics, 2021).


Gurdjeff und De Hartmann schrieben ihre Kompositionen 1923/1924 auch für Orchester aus. Diese Fassungen wurden mit der gemeinsamen Komposition "Oriental Suite" (1956) in New York vom The Little Orchestra bzw. in Paris vom Metropole Orchestra aufgeführt/aufgenommen. Aufnahmen davon erschienen unter dem Titel "Oriental Suite" (Basta, 2006) im Rahmen einer 4-CD-Box, das weitere Orchesterwerke von Gurdjieff enthielt.

 

Thomas de Hartmann war am 28. März 1956 in New York City im Alter von 70 Jahren verstorben.                                                             09/26

 

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