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Soft Machine 1966 bis 1970

  • musicmakermark
  • 25. Sept.
  • 5 Min. Lesezeit

Britische Electric Jazz/Rock Jazz-Formation, entstanden um 1966 in Canterbury, Kent. Die Schulfreunde Robert Wyatt, Hugh Hopper und Mike Ratledge teilen ihr Interesse an Free Jazz und Bebop. Anfang 1962 hatte Wyatt Bekanntschaft mit dem australischen Gitarristen, Bandleader und Künstler Daevid Allen (1938-2015) gemacht.


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Dieser lud die drei Musiker nach London zu einem Free Jazz- und Poetry-Happening ein, an dem auch die Schriftsteller Brion Gysin und William S. Burroughs teilnahmen. Gleichzeitig spielten Wyatt, Hopper sowie teilweise Ratledge als Daevid Allen Trio.

 

Aufnahmen dieser Gruppe wurden unter dem Titel "Live 1963" (Voiceprint, 1993) nachträglich veröffentlicht. Dann zog Daevid Allen nach Paris, um dort mit Burroughs und dem damals noch unbekannten Terry Riley mit Hilfe von Tonbändern experimentelle Musik zu machen.

 

1964 gründeten Robert Wyatt (dm, vcl) und Hugh Hopper (e-b, sax) mit Kevin Ayers (vcl), Brian Hopper (g, vcl) und Richard Sinclair (g) die Gruppe Wilde Flowers. Diese machte bis Oktober 1967 Aufnahmen.

 

Ein Teil davon wurde auf der CD "The Wilde Flowers" (Voiceprint, 1994) zusammengefasst. Eine Doppel-CD-Version (Floating World und Retroworld, 2015) enthielt zusätzlich weiteres Material dieser Band oder aus deren Umfeld. Auch die Doppel-CD "Man In A Deaf Corner (Anthology 1963-1970)" (Mooncrest, 2001) bestand aus Aufnahmen dieses Musikerkreises aus jener Zeit.

 

Die Musiker sind in diversen Kombinationen zu hören und spielten damals neben Rock, Soul und Blues auch Modern Jazz. 1966 kehrte Daevid Allen mit Larry Nolan/Larry Nowlin nach England zurück. Im Juni 1966 gründeten Daevid Allen (g, vcl) und Larry Nolan/Larry Nowlin (g, vcl) mit Kevin Ayers (e-b, vcl) und Robert Wyatt (dm, vcl) eine Band, die sie Mister Head tauften.

 

Als im August 1966 noch Mike Ratledge (key, p, fl) dazu stiess, wurde die Formation nach einem Roman von Burroughs in Soft Machine umgetauft. Im September 1966 verliess Nolan/Nowlin die Band, so dass Soft Machine fortan als Quartett bestand.

 

Im Januar 1967 nahm die Gruppe ihre einzige 7"-Single "Loves Make Sweet Music/Feelin' Reelin' Squeelin'" (Polydor, 1967) auf. Im April 1967 folgten weitere Aufnahmen mit Giorgio Gomelsky als Produzenten. Obwohl nur Demos eingespielt werden sollten, machte Gomelsky der Band weis, dass es sich um Aufnahmen für ein Album handelt.

 

Nach dem Studiotermin behändigte sich Gomelsky der Bänder. Die Aufnahmen tauchten später auf einigen Bootleg-LPs und Compilations auf. Sie wurden erst Jahrzehnte danach als "Jet Propelled Photographs" (Charly, 1995) erstmals regulär veröffentlicht.

 

Soft Machine nahm im Sommer 1967 an einem Avantgarde-Theater-Projekt in St. Tropez an der Côte d'Azur teil. Als die Gruppe wieder nach England zurück kehrten wollte, durfte der Australier Daevid Allen nicht mehr einreisen.

 

Allen blieb in Frankreich und gründete dort unter anderem Gong. Nach Auftritten an der Seite von Pink Floyd, AMM und Donovan etablierte sich Soft Machine in der Londoner Psychedelic Underground-Szene. Live- und Studioaufnahmen aus jener Zeit - teilweise noch mit Daevid Allen - kamen Jahre danach als "Turns On, Vol. 1 und 2" (beide Voiceprint, 2001) heraus.

 

Die beiden CDs wurden unter dem Titel "Turns On (An Early Collection)" (Floating World, 2014) auch zu einer Doppel-CD vereint. Weiteres Material aus der Frühzeit erschien auf den sich teilweise überschneidenden CDs "The Peel Sessions" (Strange Fruit, 1991) bzw. "BBC Radio 1967-1971" (Hux, 2003). Sie enthalten Aufnahmen von mehreren Sessions.


Darunter fand sich die erste, vorher unveröffentlichte Radiosession von Soft Machine überhaupt und Material, das vor der ersten LP entstand. Die "Hux"-Doppel-CD enthält auch Solo-Tracks von Robert Wyatt, Trioaufnahmen von Wyatt, Hopper und Ratledge, Material des klassischen Quartetts mit Elton Dean als vierten Musiker aus der "Fourth"-Periode" und ein 21-minütiges Septettstück von 1969.

 

"Middle Earth Masters 1967" (Cuneiform, 2006) zeigt Soft Machine live am 16. September 1967 im "Middle Earth"-Club in London in der Trio-Besetzung Kevin Ayers, Mike Ratledge und Robert Wyatt. Im Januar 1968 ging Soft Machine als Vorgruppe von Jimi Hendrix auf US-Tournee.

 

Dabei entstand in einem New Yorker Studio innerhalb von vier Tagen das Debutalbum "Soft Machine" (Probe, 1968). Neben den drei verbliebenen Orginalmitgliedern Ayers, Wyatt und Ratledge machten auch das spätere Police-Mitglied Andy Summers (g) sowie Brian Hopper (sax) und Hugh Hopper (e-b) bei den Aufnahmen mit.

 

Nach der Tour mit Hendrix machte Wyatt (vcl, p, e-p, org, e-b, dm, perc) in den USA auch unter eigenem Namen Aufnahmen. Diese fanden teilweise in Begleitung von Hendrix oder Hugh Hopper (e-b) und Mike Ratledge (org) statt. Sie wurden unter dem Titel "'68" (Cuneiform, 2013) veröffentlicht.

 

Die beiden langen Stücke "Rivmic Melodies" und "Moon In June" bildeten die Basis für Soft Machine-Tracks auf den nachfolgenden Alben.  Nach der US-Tour verliess Ayers die Band im Herbst 1968, so dass Soft Machine fast auseinander fiel.

 

Kevin Ayers (1944-2013) gab danach Aufnahmen unter seinem Namen oder mit eigenen Gruppen heraus. Weil Wyatt und Ratledge einen Vertrag für die zweite LP in der Tasche hatten und sich gleichzeitig die Gelegenheit bot, das eben erschienene Debutalbum mit Konzertauftritten zu promoten, wurde Hugh Hopper (e-b) als festes Mitglied engagiert und die Band weitergeführt.

 

Konzertaufnahmen, die 1969 beim Multimedia-Spektakels "Spaced" von Peter Dockley im Londoner "Roundhouse" mitgeschnitten worden waren, kamen später als "Spaced" (Cuneiform, 1996) auf den Markt. Ende März 1969 wurde in Amsterdam ein Konzert aufgezeichnet, das später als "Live At The Paradiso" (Blueprint und Turning Point, 2003) herauskam.

 

Schon in dieser Zeit experimentierte die Gruppe mit vorfabrizierten Klängen, wie dies einige Mitglieder bei einem Besuch ihres Mentors Daevid Allen in Frankreich vor der Gründung von Soft Machine gelernt hatten. Gleichzeitig mit diesen Auftritten begannen - mit Brian Hopper (sax) als Bläser - die Arbeiten an der zweiten LP "Volume Two" (Probe, 1969).

 

Aufnahmen aus der Zeitspanne von 1963 bis 1970 wurden unter dem Titel "Tanglewood Tails" (Secret, 2014) auf einer Doppel-CD zusammengefasst. Zum Record Store Day 2015 wurde die LP "Wonderland" (Secret,  2015) mit rarem Material aus den Jahren 1967 bis 1970 veröffentlicht.

 

In der Folge entwickelte sich Soft Machines Musik immer stärker Richtung Jazz, so dass im Herbst 1969 mit Elton Dean (as), Nick Evans (tb), Lyn Dobson (fl, ss) und Mark Charig (tp, co) eine ganze Bläser-Section eingebaut wurde.

 

Liveaufnahmen vom November 1969, als SM in Septettstärke in Paris auftrat, wurden später als "Backwards" (Cuneiform, 2002) auf den Markt gebracht. Ohne Mark Charig, aber dafür mit Jimmy Hastings (fl, bcl) und Rap Spall (vio), wurde das Doppel-Album "Third" (Columbia, 1970) aufgenommen.

 

Es enthielt vier, je eine LP-Seite lange Nummern. Eines der vier Stücke wurde am im Januar 1970 live in Croydon aufgenommen. Weitere Ausschnitte dieses Konzerts erschienen später unter dem Titel "Noisette" (Cuneiform, 1999).

 

Am 2. März 1970 spielte Soft Machine erneut in Paris und zwar in der Stammbesetzung Ratledge, Wyatt, Hopper und Dean sowie mit Lyn Dobson. Aufnahmen davon erschienen auf der DVD "Alive In Paris 1970" (Voiceprint, 2008).

 

Vom selben Auftritt stammten die Stücke auf der Doppel-CD "Paris 1970" (London Calling, 2021). Auch die Doppel-CD "Facelift (France & Holland)" (Cuneiform, 2022) zeigt die Band bei diesem Auftritten, dazu bei einem Konzert im Januar 1970 in Amsterdam.

 

Auch als Soft Machine damals in Croydon gastierte, entstanden weitere Aufnahmen. Diese wurde auf der Doppel-CD "Facelift" (Voiceprint, 2002) und auf CD 2 der bereits erwähnten Doppel-CD "Man In A Deaf Corner" (Mooncrest, 2001) veröffentlicht.

 

"Somewhere In Soho" (Voiceprint, 2004) zeigt Soft Machine 1970 bei Auftritten im "Ronnie Scott's Club" in London in der Quartett-Formation Ratledge, Hopper, Wyatt und Dean. Eine Live-Aufnahme der selben Quartettbesetzung vom Oktober 1970 erschien unter dem Titel "Grides" (Cuneiform, 2006).

 

Der CD war auch eine 20 minütige DVD mit Aufnahmen eines Auftritts vom März 1971 in der deutschen TV-Sendung "Beat Club" beigelegt. "Live In 1970" hiess ein 4-CD-Set (Voiceprint, 2014) bzw. ein 5-LP-Set (Edifying, 2015) mit verschiedenen zum Teil schon vorher auf den erwähnten CD veröffentlichten Konzertmitschnitten aus jenem Jahr.         09/25

 

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