Dollar Brand/Abdullah Ibrahim (Teil I)
- musicmakermark
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Südafrikanischer Pianist, Komponist und Ensembleleiter, geboren am 9. Oktober 1934 in Kapstadt als Adolf Johannes Brand. Seine Grossmutter war Pianistin eines Kirchenchors, den seine Mutter leitete. 1950 bekam er seine ersten Engagements als Profi-Musiker in Martin's Bar in Kensington, einem Vorort von Kapstadt.

1954 machte er seine ersten Aufnahmen als Begleiter der Vokalgruppe Tuxedo Slickers. Dazu trat er in Big Bands auf, die Basie-Stücke interpretierte. Er spielte als Solopianist Boogie-Woogie.1959 gründete er seine Gruppe The Jazz Epistles. Sie bestand aus Kippie Moeketsi (as), Hugh Masekela (tp), Jonas Gwangwa (tb), Johnny Gertze (b) und Makaya Ntshoko (dm).
Dieses Sextett spielte mit "Jazz Epistle - Verse 1" (Continental, 1960) eine später mehrfach wiederveröffentlichte LP ein. Die Jazz Epistles-Musiker Hugh Masakela und Makaya Ntshoko machten sich später wie Dollar Brand einen Namen im Ausland. Mit Gertze und Ntshoko bildete Dollar Brand ab 1958 auch das Dollar Brand Trio, das am 4. Februar 1960 die LP "Dollar Brand Plays Sphere Jazz" (Continental, 1962) aufnahm.
Die beiden frühen Aufnahmen von Brand wurden später auf der CD "Plays Sphere Jazz" (Phono, 2015) zu einer CD zusammengefasst. 1962 zog Dollar Brand mit Ntshoko, Gertze und seiner späteren Frau, der Sängerin Sathima Bea Benjamin, wegen der Apartheidpolitik nach Europa.
Das Trio spielte während mehreren Monaten im Zücher Club "Africana" und wurde dort am 20. Februar 1963 von Duke Ellington entdeckt, der die Musiker nach Paris mitnahm. Dank Duke entstanden dort Aufnahmen für insgesamt drei LPs für das Ellington-eigene Label "Reprise".
Die Aufnahmen von "Indigo Suite", einer längeren Ellington-Komposition, die Brand solo einspielte, sind bis heute verschollen. "A Morning In Paris" (Enja, 1997) mit Sathima Bea Benjamin als Hauptakteurin, begleitet vom Dollar Brand Trio und von Svend Asmussen (vio), erschien erst viel später.
In je zwei der 12 Stücken sassen entweder Duke Ellington oder sein alter ego Billy Strayhorn an Stelle von Dollar Brand am Klavier. Die LP "Duke Ellington Presents The Dollar Brand Trio" (Reprise, 1965) blieb deshalb lange Zeit das einzige damals veröffentlichte Tondokument dieser Session.
Teile eines Auftritts des Dollar Brand Trios vom 30. Januar 1965 im "Montmartre"-Jazzclub in Kopenhagen wurden auf den sich teilweise überschneidenden Alben "Anatomy Of A South African Village" (Fontana, 1965), "Round Midnight At The Montmartre" (Black Lion, 1988) und "The Dream" (Trio und Freedom, 1979) veröffentlicht.
Soloaufnahmen vom 16. März 1965, die in einem Londoner Studio aufgezeichnet wurden, erschienen später als "This Is Dollar Brand" (Black Lion, 1973). Diese Aufnahmen wurden auch unter Titeln wie "Reflections" oder "Pre Abdullah Imbrahim" wiederveröffentlicht. 1965 heiratete er Bea Benjamin und zog mit ihr nach New York.
Dort gab er in der Carnegie Hall ein Solokonzert, trat im Trio mit Gene Taylor (b) und Joe Chambers (dm) am Newport Jazzfestival auf und spielte mehrmals im Orchester von Duke Ellington. Ein halbes Jahr lang war er Mitglied von Gruppen um Elvin Jones.
Mit Hank Mobley (ts), Thad Jones (tp), Stephen James (e-p), Don Moore (b) und George Abend (perc) entstand unter Elvin Jones Namen die LP "Midnight Walk" (Atlantic, 1967). Er traf in New York auch mit Thelonious Monk zusammen.
Im Duo mit Gato Barbieri (ts) nahm er "Hamba Khale!" (Togetherness, 1968) auf. Die LP wurde Mitte der 1970er Jahre unter dem Titel "Confluence" wiederveröffentlicht. 1968 konvertierte Dollar Brand zum Islam und nannte sich fortan Abdullah Ibrahim.
Aufnahmen eines Auftritts vom 28. Juli 1968 am Festival in Juan-les-Pins mit Gertze, Ntshoko und Benjamin wurden Jahrzehnte später auf der Bootleg-CD "The Dream" (Jazz Music Yesterday, 1991) zugänglich gemacht. Die später veröffentlichte Solo-LP "African Sketchbook" (Enja, 1972) war am 16. Mai 1969 in Bern eingespielt worden.
Bei einem Auftritt am 22. Oktober 1969 in Kopenhagen wurde die Solo-LP "African Piano" (Spectator, 1970) mitgeschnitten. Dollar Brand/Abdullah Ibrahim zog es ab 1969 immer wieder in seine alte Heimat zurück. 1971 liess er sich in Swaziland nieder, wo er in Mbabane die Marimba School of Music gründete.
"Peace" (Soultown, 1971) hiess eine Trioaufnahme mit Victor Ntoni (b) und Nelson Magwaza (dm). Dieses Trio nannte er Dollar Brand + 2. Mit anderen, jungen afrikanischen Musikern trat er im Mai 1971 in Kopenhagen auf, wo die LP "African Sun" (Spectator, 1972) mitgeschnitten wurde.
Bei einem Auftritt in Österreich mit Don Cherry (tp, vcl), Naná Vasconcelos (berimbau, perc, vcl) und Johnny Dyani (b, vcl, perc) wurden die Aufnahmen auf der erst später veröffentlichte Doppel-LP "Musikforum Schloss, Viktring, Austria – July 20, 1972" (WHP, 2023) aufgenommen.
Am 18. Februar 1973 spielte er in Toronto die Soloalben "African Portraits" und "Sangoma - Volume One" (beide Sackville, 1973) ein. Je ein längeres Stück beider LPs sowie ein drittes, bis damals noch nie veröffentlichtes Werk wurden später zur CD "Fats Duke & The Monk" (Sackville, 1992) zusammengefasst.
Drei weitere Stücke der beiden LPs wurden unter dem Titel "Ancient Africa" (Sackville, 1994) wiederveröffentlicht. "Ancient Africa" hatte schon früher eine Aufnahme geheissen. Für die Quartettaufnahme "Dollar Brand + 3" (Soultown, 1973) erweiterte er sein südafrikanisches Trio mit Ntoni und Magwaza mit Kippie Moeketsi (as).
Auf Auftritt mit Don Cherry (p-tp, vcl, perc) und Carlos Ward (as, vcl, perc) 1972 im "Montmartre" in Kopenhagen wurde auf der LP "The Third World-Underground" (Trio und Nadja, 1974) verewigt. Später erschien von diesem Trio "Universal Silence" (Lepo Glasbo, 2019), ebenfalls mit Liveaufnahmen von 1972.
In seiner Heimat Südafrika entstand "Underground In Africa" (Soultown, 1974) mit Basil Coetzee und Arthur Jacobs (ts), Robbie Jansen (as), Lionel Beukes (e-b) und Nazier Kapdi (dm) als Begleiter. Mit Jansen, Coetzee, Paul Michaels (b) und Monty Weber (dm) nahm Brand/Ibrahim "Is Where It's Happening" (The Sun, 1974) auf.
Auf der LP fand sich auch sein wohl bekanntestes Stück "Mannenberg", das er während den Soweto-Unruhen 1975 geschrieben hatte. "Memories" und "Ode To Duke Ellington" (beide Philips, 1974) bestanden aus Solotracks, die im Dezember 1973 in Deutschland aufgezeichnet worden waren.
"Ancient Africa" (Japo, 1974) stallte den Mitschnitt eines Solokonzerts vom Juni 1972 in Kopenhagen dar. "Boswil Concert 1973" (Colomba, 1983) hiess eine LP, die Anfang der 1970er Jahre im schweizerischen Boswil aufgezeichnet wurde, als Brand solo und teilweise mit seiner Frau Bea Benjamin (vcl) auftrat.
Im Duo mit Johnny Dyani (b) nahm er "Good News From Africa" (Cameo, 1974) und "Echos From Africa" (Enja, 1979) auf. Live-Soloaufnahmen vom Februar 1974, mitgeschnitten in Japan, wurden unter dem Titel "African Breeze" (East Wind, 1974) veröffentlicht.
Für die LP "African Space Programm" (Enja, 1974) stellte Dollar Brand/ Abdullah Ibrahim seine erste Big Band auf die Beine. Das Ensemble bestand aus Sonny Fortune und Carlos Ward (fl, as), Hamiet Bluiett (bars), Roland Alexander (ts, harm), John Stubblefield (ts), Cecil Bridgewater, Charles Sullivan und Enrico Rava (tp), Kiane Zawadi alias Bernard McKinney (tb), Cecil Mcbee (b) und Roy Brooks (dm).
Mit einer grösseren, aus südafrikanischen Musikern bestehende Besetzung entstand "African Herbs" (The Sun, 1975). Diese Aufnahmen wurden später auch unter dem Titel "Soweto" veröffentlicht. Für die Aufnahmen von "Blues For A Hip King" (The Sun, 1976) holte er amerikanische und südafrikanische Musiker ins Studio, darunter Blue Mitchell (tp, flh), Basil Cotzee (ts) oder Harold Land (ts). Dollar Brand/Abdullah Ibrahim spielte teilweise auch Sopransax.
siehe auch: Dollar Brand/Abdullah Ibrahim (Teil II)


